Wird GC bald chinesisch?
GC steht in Gesprächen mit neuen Investoren. Ein Verkauf an Fosun ist die wahrscheinlichste Variante. Doch es gibt da noch ein paar Fragen.
Ueli Kägi (TA)
Vier Tage bleiben den Grasshoppers noch, um die Lizenz für kommende Saison zu beantragen. Bis am Montag müssen sie die Dokumente bei der Swiss Football League einreichen. Sie werden sich um eine Super-League-Lizenz bewerben.
Bis vor kurzem verbrauchten sie in einer Saison über 20 Millionen Franken. Nach dem Abstieg im letzten Frühjahr strichen sie die Ausgaben auf 13,6 Millionen zusammen und rechneten mit einem Verlust von 6,5 Millionen. Im November hat Geschäftsführer Fredy Bickel begonnen, sich über die Zahlen zu beugen und sich mit drei Szenarien zu beschäftigen: Wie sieht ein Budget für die Super League aus, wie für die Spitze der Challenge League und wie eben, wenn die Aktionäre Stephan Anliker und Peter Stüber wirklich keine Lust mehr auf weitere Zahlungen haben?
Offensichtlich haben Bickel und András Gurovits, der letzte verbliebene Verwaltungsrat, die Zahlen recht gut im Griff. Für die laufende Saison soll der Verlust noch rund 5 Millionen betragen. Und für die neue Saison um die 3 Millionen, weil weitere Einsparungen möglich sind – bei den Ausgaben rund um die erste Mannschaft, beim Personal im Marketing oder Sport, bei vielen kleinen Dingen.
Wer deckt das Defizit?
Doch auch die 3 Millionen müssen in den Lizenzunterlagen mit garantierten Zusagen gedeckt sein. Und darum ist die Frage, wie das dem Club gelingen soll. Denn klar ist, dass Anliker und Stüber ihre Anteile von je 45 Prozent abstossen wollen. Darum haben sie Gurovits vor Monaten damit beauftragt, einen Käufer zu finden.
Gurovits ist zwar sehr zuversichtlich, nächstens eine Lösung präsentieren zu können. Aber ob das schon bis Montag gelingt, ist offen. Haben also doch die Hauptaktionäre Stüber und Anliker versprochen, notfalls das Defizit noch einmal zu decken?
Klar ist, dass Anliker und Stüber ihre Anteile von je 45 Prozent abstossen wollen. Darum haben sie Gurovits damit beauftragt, einen Käufer zu finden.
«Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich dazu im Moment nichts sagen kann», antwortet Anwalt Gurovits. Was die Lizenz angeht, zeigt er aber eine Zuversicht, die eines vermuten lässt: dass die Sicherheiten für die neue Saison bereits gewährleistet sind.
Wie nahe ist der Abschluss?
Wann wird die Übernahmelösung fix sein? Wer hat Interesse am Club? Was kostet es, GC zu übernehmen?
Interimspräsident Gurovits ist äusserst vorsichtig mit allem, was er zum laufenden Prozess sagt. Er glaubt, dass jede Äusserung den Verkauf gefährden könnte. Und vermutlich kommt seine Vorsicht nicht von ungefähr. Als Anwalt mit Sitz an der Zürcher Bahnhofstrasse kennt er sich mit komplexen Geschäften aus.
Als vor zweieinhalb Wochen Goran Djuricin als neuer Trainer vorgestellt wurde, konnte sich Gurovits nur zur Bestätigung durchringen, dass es «potenzielle Geldgeber» gebe, mit denen «konkrete Gespräche» geführt würden. «Es gibt sie selbstverständlich», schob er nach, «ich sage doch nicht, es gebe sie, wenn es sie nicht gibt. Da würde ich ja meinen guten Ruf ruinieren.»
Gurovits ist äusserst vorsichtig mit allem, was er zum laufenden Prozess sagt. Er glaubt, dass jede Äusserung den Verkauf gefährden könnte.
Es sollen drei, gar vier mögliche Käufer sein, mit denen er in Kontakt steht. Auch der frühere 70-Tage-Präsident Stephan Rietiker hat ein Angebot eingereicht, angeblich mit russischem Geld. Doch nach seinem plötzlichen Abgang im vergangenen Sommer kann Rietiker für GC und Gurovits nicht der Mann des Vertrauens sein. So stehen mit grosser Wahrscheinlichkeit die Chinesen von Fosun International in der ersten Reihe.
Wer ist der Favorit?
Fosun International? Da gibt es schon etwas im europäischen Fussball. Der Konzern mit Sitz in Shanghai und privaten Besitzern machte zuletzt rund 14 Milliarden Franken Umsatz. Er verdient sein Geld hauptsächlich mit Finanzgeschäften und Investitionen, etwa in der Stahlbranche. Und vor wenigen Jahren hat er den Fussball entdeckt.
Guo Guangchang ist einer von vier Firmengründern, «Forbes» schätzt sein Vermögen auf rund 6 Milliarden Franken. Und zu seinen Freunden zählt sich Jorge Mendes. Mendes ist neben Mino Raiola die schillerndste Figur unter den grossen Fussballagenten und berät mit seiner Firma Gestifute Cristiano Ronaldo oder José Mourinho.
Er hat Guangchang auch geraten, den englischen Club Wolverhampton zu kaufen. Das geschah 2016. Seither parkiert der Portugiese Mendes nicht nur vornehmlich portugiesische Spieler bei den «Wolves», unter ihnen die Europameister Rui Patrício und João Moutinho, auch Trainer Nuno Espírito Santo hat er hier untergebracht. Der Club stieg nicht zuletzt dank der Mendes-Kunden in die Premier League auf und steht dort gerade sehr stabil im vorderen Mittelfeld.
Das Geschäft mit Fosun und Mendes zog allerdings die Kritiker an. Die beiden Seiten sind mit komplizierten Firmenstrukturen miteinander verbandelt. Das hilft möglicherweise auch, geltende Regeln zu umgehen. Etwa, dass in England Spielerberater keinerlei Einfluss auf Entscheidungen der Clubs haben dürfen.
Das Geschäft mit Fosun und Mendes zog Kritiker an. Sie sind mit komplizierten Firmenstrukturen verbandelt. Das hilft möglicherweise auch, geltende Regeln zu umgehen.
In einem internen Mail, vom Nachrichtenmagazin «Spiegel» ihm Rahmen der Football-Leaks-Recherchen publiziert, schreibt Wolverhamptons Clubchef Jeff Shi: «Angesichts der starken Geschäftsstellung von Fosun in China und dank der Unterstützung von Jorge Mendes glauben wir, dass wir jeden Club kommerziell und fussballerisch verbessern können.»
Geht es Fosun nur ums Geld, wenn es irgendwo investiert? Oder geht es um den Spass am Fussball, vielleicht sogar ums Image? Offensichtlich will Fosun mit Spielertransfers Geld verdienen und hat sich zum Ziel gesetzt, Fussballclubs auf mehreren Stufen zu besitzen. GC könnte als Durchlauferhitzer dazu passen, obwohl die Bedingungen nach dem Abstieg und mit der weiterhin ungewissen Stadion-Zukunft nicht gerade gut sind.
Mendes ist in die laufenden Gespräche zwischen GC und Fosun offenbar nicht involviert. Übernehmen die Chinesen tatsächlich die 90 Prozent Aktien von Anliker und Stüber, ist es allerdings nicht ausgeschlossen, dass der Agent plötzlich eine Rolle spielt. Genug Spieler hat er im Portfolio.
Und was ist, wenn alles platzt?
Was aber passiert, wenn der Verkauf an Fosun doch nicht gelingt? Und GC auch nicht gleich aufsteigt? Wenn es also so ist wie immer in den letzten Jahren, dass ausserhalb der traditionellen Zürcher Kreise keine neuen Mittel zu finden sind?
Dann gibt es den Club trotzdem weiterhin – wirtschaftlich einfach auf tieferem Niveau als bislang. In der Grössenordnung von 10 Millionen würden die Ausgaben dann noch betragen. Für die Challenge League ist das weiterhin viel Geld.
Bis vor wenigen Wochen gab es noch ein ganz anderes Szenario, und das nicht zum ersten Mal in der jüngsten Geschichte: die Liquidation. Sie ist vom Tisch. Und in der Hinterhand hat Gurovits noch immer die Möglichkeit, sich mit einem anderen Interessenten zu einigen.
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Wie gesagt: GC wird es weiter geben!