Er hat beim ZSC den Spass zurückgebracht
Rikard Grönborg hat die ZSC Lions mit seiner ruhigen, emsigen Art und seinem laufbetonten Eishockey zurück auf Rang 1 geführt.
Simon Graf (TA)
Fans waren keine zugelassen zu diesem merkwürdigen Abschluss der Regular Season. Aber der vielleicht grösste ZSC-Fan, sicher der einflussreichste, war am Samstag im Hallenstadion dabei: Präsident Walter Frey nahm für einmal nicht in seiner Loge Platz, sondern mitten in den leeren Rängen. Und natürlich war er danach einer der ersten Gratulanten für den Qualifikationssieg. Es herrschte nicht gerade ausgelassene Freude, aber doch Genugtuung über das Erreichte, vermischt mit der Ungewissheit, wie es weitergeht.
Rang 1 nach 50 Spielen ist, betrachtet man das grössere Bild, eine reife Leistung in der Saison nach dem Fall ins Playout. Von 2014 bis 2016 schienen die Lions unter Marc Crawford ein Abo zu haben auf den Qualifikationssieg. Und es ist kein Zufall, dass sie unter Rikard Grönborg dorthin zurückgefunden haben. Er lässt sie wie Crawford ihre grösste Stärke ausspielen: Er lässt sie laufen. Das ist nicht nur effektiv, es macht auch mehr Spass und ist unterhaltsamer. Die Zürcher erzielten nicht nur die meisten Tore (166), sie schossen auch klar am meisten aufs gegnerische Tor, fast 35-mal pro Spiel.
Nie dreimal in Serie verloren
Grönborg weist, ganz Coach, zuerst auf einen anderen Umstand hin, und das nicht ohne Stolz: «Wir haben in der ganzen Qualifikation nie mehr als zweimal nacheinander verloren.» Als einziges Team der Liga, wäre anzufügen. Dank ihrer Konstanz behaupteten sich die Zürcher knapp vor Zug, Davos und Servette. «Wir gerieten nie in Panik», sagt Captain Patrick Geering. «Es gibt immer schlechtere Phasen. Bei uns war vor allem der Dezember durchzogen. Aber wir wussten immer, dass wir uns an unserer Taktik festhalten können.»
Grönborg strahlt als Headcoach Ruhe und Zuversicht aus. Man hat bei ihm das Gefühl, er wisse genau, was er tue – das hat auf das Team abgefärbt. Und im Finish fand es wieder zu seinem dynamischen Spielstil zurück, der ihm den exzellenten Saisonstart beschert hatte. Mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen fingen die Zürcher den EVZ auf der Zielgeraden noch ab.
Am Freitag, beim 1:5 in Biel, darf ihnen als mildernder Umstand angerechnet werden, dass sie anfangs schlicht überfordert schienen von der Szenerie in der leeren Bieler Halle. Am Samstag beim Showdown gegen die Zuger gingen sie damit von Anfang an professionell um.
Die Zürcher machten das Beste aus einer bizarren Situation. «Ich sagte dem DJ, er solle die Musik lauter machen», erzählte der Liga-Topskorer Pius Suter schmunzelnd. «Das geht sonst wegen der Zuschauer nicht. Er drehte voll auf. Aber klar, mehrmals muss das nicht sein.»
«Natürlich haben wir uns Rang 1 verdient. Aber den Titel müssen wir uns schon noch erarbeiten.»
ZSC-Captain Patrick Geering zum Coronavirus.
Dass sich die ZSC Lions und der EVZ nicht mögen, man sich als Gegner um den Titel empfindet, blitzte im Verlaufe des Abends auch ohne Zuschauer durch. Vor allem nach einer ruppigen Attacke von Diaz. Treffen könnten sich die beiden Teams im Playoff indes erst im Final.
Ist das schon der Titel?
Aber wer weiss, vielleicht beschert den Zürchern dieses samstägliche 4:1 über die Zuger ja sogar den Meistertitel. Dann, wenn in dieser Saison gar nicht mehr gespielt wird wegen der Massnahmen gegen das Coronavirus. «Daran mag ich gar nicht denken», sagte Geering. «Natürlich haben wir uns Rang 1 verdient. Aber den Titel müssen wir uns schon noch erarbeiten.»
Im Viertelfinal bekämen es die Zürcher mit Lugano zu tun, das ihnen in der Qualifikation mit seinem disziplinierten Spiel nach dem Trainerwechsel viel Mühe bereitete. Es könnte für sie da auch zu einem Wiedersehen mit ihrem Ex-Goalie Schlegel kommen, der zuletzt die Nummer 1 war. ZSC gegen Lugano ist ein Klassiker, in dem sich in acht Serien siebenmal das Auswärtsteam durchsetzte – zuletzt 2018 im Final die ZSC Lions im siebten Spiel in der Resega.
Die Bianconeri haben seitdem Schlüsselfiguren wie Merzlikins, Furrer, Lapierre oder Hofmann verloren, die Zürcher scheinen eher noch stärker besetzt. Doch Geering sagt: «Gegen Lugano gibt es immer einen grossen Krampf.» 2018 schoss der Captain in Spiel 7 das wegweisende 1:0, nun will er ein neues Kapitel in dieser facettenreichen Rivalität schreiben.
Irgendwann, wenn es losgeht.