Beiträge von Larry

    Erfolgreiche Minimalisten

    Zum vierten Mal in sieben Spielen endet eine ZSC-Partie mit einem 2:1. Die Art und Weise des Sieges in Freiburg ist eindrücklich und glücklich zugleich.

    Kristian Kapp

    Nein, torreich sind diese ZSC-Spiele nicht, spektakulär auch nur selten: 14:13 Tore nach sieben Partien. Immerhin erfolgreich sind sie mittlerweile, die Lions, dieses 2:1 bei Gottéron war der dritte Sieg in Folge. Und er wirkte in der Nachbetrachtung wie das Ausführen eines perfekten Planes: Zuschlagen, nichts anbrennen lassen. Gut, so einfach war es dann doch nicht …

    Der Zürcher Start war gut. Der ZSC, mittlerweile doch zu einer kleinen Star-Truppe mit vielen spielerischen Elementen mutiert, zeigte sich kämpferisch. Zwei Szenen im noch jungen Spiel zeigten unterschiedliche Einstellungen, mit denen die Teams starteten. Während Gottérons Mottet nach einem Check Blindenbachers die Hände verwarf und das Publikum gegen die Referees aufbrachte, reagierte Jérôme Bachofner nach einer fast identischen Szene anders.

    Kaum von Rossi (korrekt) über den Haufen gefahren, sprang der ZSC-Stürmer auf, sprintete übers halbe Feld und verwertete Pius Suters Vorarbeit. Es war das 2:0 nach neun Minuten, es war für Bachofner eine Art Wiedergutmachung: Am Vorabend hatte er gegen Ambri einen Gegentreffer fahrlässig verschuldet.

    Kleins grosser Aussetzer

    Das Problem war nicht der Start. Das Problem war, wenn bei einem Sieg überhaupt von Problemen gesprochen werden kann, die Verwaltermentalität, die nun einsetzte. Nicht, dass der ZSC schlecht verwaltete. Es machte nie den Eindruck, als würden die Lions die Kontrolle verlieren.

    Das 2:1 kassierte der ZSC noch im Startdrittel, weil Kevin Klein doppelt patzte: Zuerst mit einem misslungenen Aufbaupass, dann, weil er die Nerven und dann auch noch die Position verlor – Lhotak konnte freistehend einschieben. Mottet verpasste zwar im Powerplay das leere Tor und das 2:2, viel mehr war da lange nicht. Und wenn, dann machte der wieder ins ZSC-Tor zurückgekehrte Lukas Flüeler einen sicheren Eindruck.

    Aber weil Eishockey halt ein Spiel auf Eis ist, bei dem auch Zufall und Fortune nicht nur Nebenrollen spielen, ist das eine Sache mit Ein-Tor-Führungen und Kontrolle. Es war zwar eindrücklich, wie souverän der ZSC im Schlussdrittel die Freiburger Angriffe neutralisierte. Doch weil ein 2:1 nur ein 2:1 ist, wurde es am Ende dennoch eng. Wie Flüeler Marchons und Sprungers Schüsse parierte respektive an den Pfosten lenkte, war grandios, aber auch von Glück begünstigt.

    Cervenka geht noch unter

    Darum wäre mehr offensive Präsenz des ZSC vorteilhaft gewesen. Stellvertretend ist da mit ­Roman Cervenka einer der vielen Zürcher Königstransfers zu nennen. Der brillante Techniker spielt zwar im Powerplay schöne Pässe (wie beim 1:0 Noreaus), er stand aber nach vier Einsätzen noch immer bei keinem Plustor bei numerischem Gleichstand auf dem Eis. Gestern blieb er gar ohne Schussversuch.

    Das sind auch Luxusprobleme bei einem Sieg. Vor allem, da der ZSC in der Offensive derzeit mit Nilsson, Herzog und Pettersson auf viel Qualität verzichten muss. Gottéron, das sich auf diese Saison hin nochmals verstärkt hat, rannte hingegen vollzählig und erfolglos an. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
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    Hab mir das Spiel gestern angeschaut. Fand die Leistung gut, ein Tor mehr hätte meine Nerven beruhigt (Verwaltermentalität!). Cervenka ist im Unterschied zum Saisonstart in der CL in der Meisterschaft noch nicht angekommen. Die Rückkehr von Freddie wird das Team stärker machen. Hollenstein kommt wie Noreau gut! Weiter so!

    Einer wie Flüeler deckt einfach mehr vom Tor ab wenn er auf den Pads unten ist, das ist der Unterschied, und so gibt es zwangsläufig auch weniger Tore.

    Flüeler heute beim Sieg in Fribourg wieder im Tor mit sehr guter Leistung!

    Das Schlegel nach seinem Shutout nochmals ran darf finde ich richtig, aber langfristig wird sich Flüeler natürlich wieder durchsetzen, Schlegel hat einfach nicht die Figur eines modernen Goalies, Flüeler schon.

    DI-DO-Fr - fast ein wenig wie in der NHL. Mit einem Sieg gestern nach 60 Minuten wären wir auf Platz 3. Alles ist noch sehr nahe zusammen aber ein Sieg in Fribourg würde natürlich gut tun. Hoffe Freddie ist wieder dabei!

    Die Chaos-Theorie im HC Davos

    Der missratene Saisonstart des HC Davos wird auch für den Trainer Arno Del Curto zum Test – kann er sich noch einmal neu erfinden?

    Daniel Germann (NZZ)

    Im HC Davos der Neuzeit war das Chaos immer Programm. Manchmal wütete es in der eigenen Garderobe, viel öfter aber vor dem Tor der Gegner. Manch einem Team ist an einem bitterkalten Winterabend im Landwassertal Hören und Sehen vergangen, wenn das Gericht Del Curto über es hereinbrach. Sechs Meistertitel innerhalb von 13 Jahren sind die Früchte der Inspiration Del Curtos. Doch Titel allein werden dem Erbe des Trainers nicht ansatzweise gerecht. Er hat mit seinen Ideen, seiner Art zu arbeiten und dem riesigen Engagement das Schweizer Eishockey verändert.

    Doch nun scheint sein Vermächtnis zu bröckeln. Es sind nicht feine Risse, sondern klaffende Wunden, die das Bild entstellen von dem, was Del Curto selber als «perfekte Symphonie» zu bezeichnen pflegt. Wie immer im Sport lässt sich die Theorie mit Zahlen belegen: 2:5 zu Hause gegen Ambri-Piotta, 2:5 zu Hause gegen Fribourg-Gottéron und – als Gipfel der Demontage – 0:7 zu Hause gegen die SCL Tigers. Als der HCD im Oktober 1993 letztmals so hoch verlor (1:8 gegen den EV Zug), war Del Curto noch ein Trainerneuling und gerade im ZSC entlassen worden.

    Die Resultate sind eine Momentaufnahme. Es ist nicht das erste Mal, dass der HCD Mühe hat, beim Start den Tritt zu finden. Doch alarmierend sind weniger die Resultate als vielmehr die Umstände, die zu ihnen führten. Dem Rekordmeister fehlt es nicht an Leidenschaft, sondern an Übersicht und Qualität. Am Dienstag gegen Gottéron stürmten die Bündner im Mitteldrittel einmal gleich mit zwei Spielern zu viel aufs Eis. Chaos herrschte nicht beim Gegner, sondern auf der eigenen Spielerbank. Und Del Curto, dieser «Master of Desaster», der mit seiner Leidenschaft, seiner Intuition als Coach über Jahre Sturm gesät und Erfolg geerntet hatte, stand mit verschränkten Armen an der Bande und lächelte milde.

    Das Goalie-Problem

    Es gibt Gründe für den missratenen Start. Am Tag nach dem Spiel gegen Gottéron zählt sie Del Curto am Telefon auf: «Wir sind jung, verschenken einfache Tore und fallen dann auseinander. Wir sind fragil. Sami Sandell ist verletzt. Perttu Lindgren war fast zwei Jahre nicht mehr auf dem Eis und müsste eigentlich trainieren, statt zu spielen. Shane Prince hat sich noch nicht an die grösseren Spielfelder gewöhnt. Und Anders Lindbäck ist ohne Vorbereitung in die Saison gestiegen. Er braucht Zeit.»

    Das alles ist richtig und doch nur die halbe Wahrheit. Del Curto sucht einen neuen Weg. Nirgendwo wird das offensichtlicher als bei der Torhüter-Thematik. Der HCD hat eine Tradition, aus jungen Talenten grosse Goalies zu machen. Jonas Hiller reifte im HCD zum NHL-Torhüter. Auf ihn folgte das Duo Leonardo Genoni / Reto Berra, die nun in Bern und Freiburg spielen und vor fünf Monaten das Rückgrat beim Gewinn der Schweizer Silbermedaille an der Weltmeisterschaft in Kopenhagen waren.

    Nach Genonis Wechsel übertrug Del Curto die Verantwortung Gilles Senn und Joren van Pottelberghe. Die beiden sind 22 und 21 Jahre alt und haben vor der Saison durchblicken lassen, ihre Karrieren ab der kommenden Saison in Nordamerika fortsetzen zu wollen. Das hat Del Curto zum Strategiewechsel veranlasst. Eine Woche vor dem Saisonstart verpflichtete der HCD den 30-jährigen Schweden Anders Lindbäck, der zuletzt in Milwaukee in der American Hockey League spielte.

    Das Signal war klar: Wir sind nicht mehr bereit, Torhüter für andere Klubs auszubilden. Del Curto nahm damit die Konfrontation mit seinem langjährigen Torhütertrainer Marcel Kull in Kauf, der den Entscheid nicht mittrug. Der Präsident Gaudenz Domenig will nicht von einem Zerwürfnis sprechen, sagt aber: «Es gab lange Diskussionen. Am Ende mussten wir für den Klub entscheiden.»

    Deshalb steht nun Lindbäck im Tor, Senn öffnet die Bandentüre, und van Pottelberghe sammelt in den kommenden Wochen in Dänemark Spielpraxis. Lieber früher als später möchte Del Curto einen der beiden jungen Schweizer Goalies abgeben. Er ist nicht zufrieden mit der Entwicklung der beiden, und offensichtlich haben auch die Mitspieler das Vertrauen in sie verloren. Im Geschäftsbericht schreibt der HCD: «Der Hauptgrund der unbefriedigenden Saison lag natürlich bei den Spielern. Zu viele stagnierten in ihrer Entwicklung und konnten nur wenig Akzente, geschweige denn Glanzlichter setzen.» Domenig steht dazu, dass diese Kritik vor allem auf die Torhüter zielt, von denen man mehr erwartet habe.

    Arno Del Curto geniesst den Ruf, Problemspieler anderer Klubs aufblühen zu lassen. Michel Riesen, Loïc Burkhalter oder Peter Guggisberg spielten unter ihm ihr bestes Eishockey. Sein jüngstes Projekt ist Inti Pestoni, der im ZSC zwei Jahre lang eine Enttäuschung war und am Ende kaum mehr spielte.

    Ein Suchender

    Erhält Del Curto von einem Spieler, was er von ihm erwartet, schenkt er unbegrenzt Vertrauen. Doch wird er enttäuscht, dann kann er selbst langjährige Wegbegleiter von einem Tag auf den anderen fallenlassen. Extremstes Beispiel dafür war Reto von Arx, um den herum Del Curto die Meister-Dynastie aufgebaut hatte. Von Arx verabschiedete sich im Frühjahr 2015 mit dem entscheidenden Tor zum bisher letzten Titel der Bündner und im Unfrieden aus dem Klub. Er hätte seine Karriere gerne fortgesetzt, konnte sich mit Del Curto aber nicht auf einen neuen Vertrag einigen.

    Der Emmentaler von Arx ist ebenso stur wie der Engadiner Del Curto. Doch einen Charakterkopf wie ihn hat der HCD seither keinen mehr gefunden. Beat Forster wechselte vor einem Jahr im Streit zum EHC Biel. Andres Ambühl war auf dem Eis lange das Vorbild, kämpft nun aber mit Formproblemen und spürt sein Alter. Die Wieser-Brüder sind eher hochklassige Ergänzungsspieler als eigentliche Leader. Félicien Du Bois kämpft wiederholt mit Verletzungen. Er war 2014 der letzte prominente Spieler gewesen, der zum HCD wechselte. Seither hatte der Klub vor allem noch prominente Abgänge: Genoni und Gregory Sciaroni zum SC Bern, Gregory Hofmann und Mauro Jörg zum HC Lugano, Samuel Walser und Noah Schneeberger zu Gottéron, Dario Simion zum EV Zug, Forster nach Biel.

    Die Hälfte von denen, die Del Curto einst als Zukunft des Klubs sahen, wandten sich von ihm ab. Deshalb baut er ein neues Team auf – das dritte, wenn nicht vierte in den 22 Jahren, die er bisher für den HCD gearbeitet hat. Zentrale Figur darin soll Enzo Corvi sein. Doch dieser wird von der Konkurrenz gejagt, und selbst innerhalb des Klubs fragt man sich, ob der 25-Jährige die nötige Persönlichkeit besitzt, um eine solche Rolle zu tragen.

    Die Besten regelmässig zu verlieren, muss einen wie Del Curto tief treffen. Er identifiziert sich wie kaum ein anderer mit dem, was er tut. Er sagt: «Würden wir den Titel suchen, wäre es frustrierend. Aber wir haben diesen Weg gewählt, deshalb darf ich das nicht sagen.» Im Satz spiegelt sich eine gewisse Entfremdung vom Präsidenten Domenig, die auch funktionsbedingt ist: Del Curto sucht als Trainer den sportlichen Erfolg und möchte dazu die bestmöglichen Voraussetzungen, Domenig verantwortet die finanzielle Situation.

    Nach der Viertelfinal-Niederlage im Frühjahr gegen den EHC Biel sagte Domenig in einem Interview auf der klubeigenen Website: «Ausser dem HCD hat bereits jeder Klub einmal die Play-offs verpasst. Ich möchte nicht der erste HCD-Präsident sein, der das erleiden muss. Ein konkursiter Klub nützt aber auch niemandem etwas.» Und dann bemängelte er noch, wie emotionslos das Team gegen Biel aufgetreten sei. «Wir gingen einfach unter.»

    Im Zweifel für den Angeklagten

    Dieser Satz war ein Stich ins Herz von Arno Del Curto, der für sich in Anspruch nimmt, immer das Optimum aus den Möglichkeiten herauszuholen. Er war eine erste offene Kritik an der Ikone, und sie ist seither nicht mehr verstummt. Domenig sagt, dass man alles und jeden hinterfragen dürfe, auch wenn Del Curto mit seiner Geschichte einen Bonus besitze; einen «benefit of the doubt», wie er es nennt. Ausgedeutscht heisst das so viel wie: im Zweifel für den Angeklagten.

    Tatsache ist: Der HCD und mit ihm sein Trainer Arno Del Curto haben an Strahlkraft verloren. Der Spengler-Cup schwächelt; er war über Jahre die wirtschaftliche Säule des Erfolges. Seit 2012 muss der HCD einen Teil seines Gewinns an die Konkurrenten abgeben, um den Termin zu schützen. Nur dank regelmässigen Zuschüssen der Gönnervereinigung «Kristall Club» bleibt er finanziell einigermassen konkurrenzfähig.

    Doch es sind nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die den HCD taumeln lassen. Immer öfter wagt einer die Frage zu stellen: Hat Arno Del Curto mit 62 Jahren die Leidenschaft, die Kraft und den Innovationswillen, um noch einmal von vorne zu beginnen und den HC Davos und letztlich auch sich selber neu zu erfinden?

    Vor allem die ersten Jahre von Del Curtos Karriere waren voller Brüche. Er scheiterte als Geschäftsmann mit einer Telefonmarketingfirma und zahlte für die Erfahrung, indem er vorübergehend in vier Jobs gleichzeitig arbeiten musste. Er sorgte in seinem ersten Job als Nationalliga-A-Trainer 1992 mit dem ZSC gegen Lugano für die erste echte Sensation in den Schweizer Play-offs und musste doch noch einmal zurück bis in die 1. Liga, ehe man seine Qualitäten anerkannte und honorierte. Er kokettierte mit der Rolle am Rande der Gesellschaft und stand doch mittendrin. Er lobte den Wert der konstruktiven Kritik und reagierte vehement auf solche, die er für verfehlt hielt.

    Nun ist Del Curto zu dem geworden, was er nie sein wollte: zu einer Art Elder Statesman des Schweizer Eishockeys, einer Persönlichkeit, die man nicht dafür schätzt, was sie tut, sondern dafür, was sie einmal geleistet hat. Und er leidet darunter. Er sagt: «Fragen Sie, aber machen Sie es kurz. Wenn ich zu lange darüber spreche, werde ich krank.» Es ist das pure Chaos.
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    m.E. ein sehr guter Artikel zur Situation in Davos. Del Curto hat für mich mit dem IKEA Goalie einen grossen Fehler gemacht, der Entscheid wurde ja auch von Kull nicht mitgetragen. In Davos gehen sie schweren Zeiten entgegen!

    Das wird ganz sicher kommen und die Anspielzeit wird nach vorne verschoben, z.B. 19:15, wie in der NHL!

    Ebenso ist es eine Illusion zu glauben man werde von 50 Spielen abrücken, ich denke man wird auf 55 aufstocken.

    Dafür dürften die sinnlosen Nati Termine stark unter Druck kommen, genauso wie der geschützte Termin für den SC, an dem je länger je mehr niemand mehr teilnehmen will/wird.

    Habe das auch so gesehen. Wenn man die Werbepausen so überbrückt wie in der NHL können sie echt Spass machen, ich unterhalte mich jeweils köstlich! Wenig bis kein Verständnis habe ich für Leute wie Dino Kessler die glauben sie müssten motzen weil alles so lief wie es die NHL wollte. Wer gegen die Devils spielen will muss die Spielregeln akzeptieren oder er lässt es bleiben! Ich bin eh der Meinung die NHL sollte nur reguläre NHL Spiele im Rest der Welt veranstalten aber keine solchen Exhibition Games.

    Die ZSC Lions können sich auch in Genf nicht aufbäumen

    Drei Niederlagen in vier Spielen: Der Saisonstart wird für die Zürcher zunehmend ungemütlich. In Genf zeigen sie ein paar gute Ansätze – doch diese reichen insgesamt nicht. Nach dem 1:4 am Dienstag verlieren die ZSC Lions erneut – 1:2 bei Servette.

    Ulrich Pickel (NZZ)

    Die ZSC Lions kommen nicht vom Fleck. Dabei wäre in Genf Wiedergutmachung dringend gefordert gewesen. Nach dem 1:4 im Heimspiel am Dienstag gegen die SCL Tigers hatte der Lions-Coach Serge Aubin aus seinem Ärger kein Hehl gemacht. «Nicht akzeptabel» sei die Leistung seiner Mannschaft gewesen. Mehr als die Niederlage an sich machte ihm die Art zu schaffen, wie diese zustande gekommen war.

    «Kämpfen kann man immer», hielt der Kanadier dazu fest. Tags darauf liess er die Spieler im Training mit giftigen Laufübungen seine Unzufriedenheit spüren. In Genf hatte Aubin mit Roman Cervenka (bisher verletzt) und Severin Blindenbacher (überzählig) zwei Saison-Debütanten aufgestellt.

    Doch es kam erneut zu einem Fehlstart. Schon die erste Zürcher Strafe konnte Jeremy Wick im starken Servette-Powerplay ausnutzen (7. Minute). Die Führung hielt lange an. Die Zürcher starteten engagierter als am Dienstag und verzeichneten auch ein paar Torchancen – trotzdem war erneut der Gegner aktiver. Servette war aggressiv und unnachgiebig, wie man das von McSorleys Team immer erwartet. Dass dieses mit personellen Sorgen kämpft und gegen die Lions nur mit zwei Ausländern spielte, war nicht zu sehen. Mit Lance Bouma (Kanada) und Tommy Wingels (USA) fallen gleich beide neuen Ausländer aus.

    Die ZSC Lions hatten nicht nur Mühe mit dem aufsässigen Gegner, sondern auch mit sich selber. Viel Zufälliges ist momentan in ihrem Spiel. Sie leisteten sich zahlreiche Fehler und ungenaue Zuspiele. Dennoch gelang der Ausgleich nach 36 Minuten. Im Powerplay verwertete Chris Baltisberger einen Abpraller gekonnt. Die Freude währte nur kurz. Ganze 14 Sekunden nach Beginn des Schlussabschnitts legte Tanner Richard für Servette erneut vor – es war die entscheidende Szene. Der ZSC suchte den Ausgleich vehement, eine zwingende Aktion oder ein individueller Exploit, die es gebraucht hätte, blieben aber aus.

    Nach der dritten Niederlage im vierten Spiel sehen die Zürcher nun schlecht aus. Sie machen nicht alles falsch, aber sie sehen aus wie eine Mannschaft auf der Suche nach sich selber. Durchschlagskraft und Präzision fehlen auffallend häufig. Vielleicht ist es für sie von Vorteil, dass das nächste Spiel erst am Dienstag in Zug ansteht. Dann wird auch der bisher gesperrte Schwede Fredrik Pettersson wieder spielen dürfen. Doch er allein wird es nicht richten können. Die Saison ist noch jung – das Spiel gegen den EVZ wird aber schon ein erster Charaktertest für die Lions sein.


    Ja vielleicht hat der ZSC ein Teil seiner "Identität" verloren.

    Was für eine Identität? Definition?

    Wir hatten bereits in den 70er Jahren viele aus der Klotener Meistermannschaft 1967 beim ZSC: Richi Fehr, Peter & Heinz Lüthi, Jürg & Urs Lott, etc.

    Auch Kult Spieler wie Zesi oder Segi waren und sind Ostschweizer! Zesi war vor dem ZSC auch bei Kloten!

    Wann hatten wir mehr eigene Junioren im Team als jetzt?

    In den 90er ZSC Jahren hatten wir die Dübi Fraktion (Hotz, Weber, Vollmer, etc.), die Ostschweizer Fraktion (Zeiter, Zesi, Ivankovic, etc) und die Bündner (Salis, Micheli, etc).

    Identität? Was für eine Identität haben wir angeblich verloren? Die eine Söldnertruppe gewesen zu sein?

    Von selber wird nichts klappen

    Aubin wird gut daran tun, den Spielern nicht zu sehr über den Weg zu trauen, ihnen gegenüber keine falsche Scheu an den Tag zu legen und seinen Worten gegebenenfalls Taten folgen zu lassen, die geeignet sind, das Team aufzurütteln. Er wird nur Erfolg haben, wenn er konsequent und durchsetzungsstark führen kann. Denn Meister hin, starkes Kader her – von selbst wird sich der Erfolg nicht einstellen. Das ist die Lektion aus der letzten Saison. Es brauchte zuerst einen Trainerwechsel und monatelange beharrliche Kleinarbeit im Hintergrund, nicht zuletzt auch vom Sportchef, bis die Mannschaft in die Gänge kam. Aber wie stark wirkt die Lektion des letzten Jahres nach? Mit dem Titelgewinn ist das Selbstvertrauen zu den ZSC Lions zurückgekehrt. Doch die Unberechenbarkeit gehört bei ihnen stets auch dazu. Man weiss nie genau, woran man mit den Zürcher Eishockey-Löwen wirklich ist.

    https://www.nzz.ch/sport/haben-di…rnt--ld.1421805