«Ich würde gerne wieder auf die ZSC Lions treffen»
Mit Jan Alston sprach Simon Graf
Jan Alston hat als Sportchef in Lausanne ein Team geformt, das gefürchtet ist. Der frühere Stürmer des ZSC erklärt nach dem 2:1 über die Lions die Gründe des Erfolgs.
Ist es besonders süss, mit Lausanne an Ihrer früheren Wirkungsstätte in Zürich zu gewinnen?
Ich würde es anders ausdrücken: Es ist immer besonders schön, ins Hallenstadion zurückzukehren und alte Bekannte zu treffen. Alle sind sehr nett zu mir. Das geniesse ich. Aber jetzt bin ich bei Lausanne, und wir reisen an, um Spiele zu gewinnen. Das kann ich gut trennen.
Man sagt, die zweite Saison sei besonders schwierig. Nun ist Lausanne sogar noch besser. Wieso?
Weil wir unsere Arbeit weitergeführt haben. Wir betonen immer noch die gleichen Werte, Teamwork und eine gute Arbeitseinstellung. Und durch ein paar personelle Wechsel haben wir jetzt noch etwas mehr Qualität im Kader.
Wo finden Sie eigentlich all diese finnischen Stürmer?
So schwierig war das nicht. Louhivaara und Pesonen waren ja in Finnland mit Hytönen schon zweimal Meister geworden (2009 und 2012 mit Jyväskylä). Da lag es nahe, sie zu holen. Aber die Nationalität ist mir nicht wichtig. Eishockey ist ein globales Spiel. Wir haben einen dänischen Coach, einen schwedischen Assistenten, einen französischen Fitnesstrainer und einen russischen Berater.
Was war die Philosophie beim Aufbau dieses Teams?
Unser Goalie ist der Star, wir haben es um ihn herum aufgebaut. Wir wissen, dass wir keine Nationalspieler kaufen können, also müssen wir uns auf ein solides System und harte Arbeit verlassen. Es gibt keine Tricks. Wir versuchen, alles so einfach wie möglich zu halten.
Cristobal Huet spielt mit 39 überragend. Erinnert er Sie an einen anderen Goalie?
(lacht) Natürlich. Huet und Ari Sulander haben viele Gemeinsamkeiten. Sie sind sehr ausgeglichene Menschen, und ihre Ruhe strahlt auf den Rest des Teams ab. Sie coachen sich von alleine.
Wie erklären Sie sich, dass Huet in diesem hohen Alter so gut spielt?
Er ist technisch enorm stark, das erlaubt es ihm, alles einfach aussehen zu lassen. Ich hoffe, er bleibt von weiteren Verletzungen verschont. Sein Vertrag läuft noch ein weiteres Jahr, doch ich traue ihm zu, noch länger zu spielen.
Was ist möglich für Lausanne?
Träumen Sie vom Meistertitel?
Vom Meistertitel? Ich schaue nur von Tag zu Tag, will einfach, dass wir das nächste Spiel gewinnen. Wir sind eine junge Organisation, sind erst in unserem zweiten Jahr in der National League A. Unser Ziel ist, uns hier zu etablieren. Vom Meistertitel zu reden, wäre verfehlt.
Bereuen Sie etwas, wenn Sie zurückschauen auf den letztjährigen Viertelfinal gegen die ZSC Lions, der in sieben Spielen verloren ging?
Nein. Natürlich tut es weh, das siebte Spiel 0:1 zu verlieren. Aber wir haben Zürich einen guten Kampf geliefert. Ich war sehr stolz auf unsere Spieler. Für viele waren es die ersten Playoff-Spiele überhaupt gewesen. Bereuen tue ich nichts. Das bessere Team hat gewonnen. Das bestätigte sich dann ja auch im weiteren Verlauf des Playoffs.
Würden Sie im Viertelfinal gerne nochmals auf Zürich treffen?
Natürlich würde ich gerne wieder auf die ZSC Lions treffen. Denn das würde heissen, dass wir das Playoff geschafft haben.
Sie stapeln tief. Der Vorsprung auf den Strich beträgt 15 Punkte.
Die Liga ist so ausgeglichen, dass man schnell einmal fünf Spiele in Serie verloren hat. Das sahen wir im November. Nein, wir eilen mit den Gedanken nicht voraus, bleiben beim nächsten Spiel.
Eilen wir zurück mit den Gedanken. Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Ihre ZSC-Zeit denken?
Dass es ein Privileg war, für eine Organisation zu spielen, bei der vom ersten Puckeinwurf der Meistertitel das Ziel war. Davon Teil zu sein, hat sehr viel Spass gemacht. Und ich pflege immer noch viel Kontakt zu früheren ZSCTeamkollegen, zu Sulander, Suchy, Pittis, Blindenbacher, Seger. Es ist spannend zu erleben, welche Wege sie eingeschlagen haben. Ich probiere, auf dem Laufenden zu bleiben.
Wie sind Sie zufrieden mit Ihrem Weg?
Ich schätze mich sehr glücklich, weiter Teil des Eishockeybusiness sein zu dürfen. Ich bin noch ein junger Sportchef, lerne jeden Tag dazu. Work in progress, könnte man sagen.
Sie wirken immer noch fit. Spielen Sie noch Eishockey?
Nein, dieses Kapitel ist für mich abgeschlossen. Aber natürlich versuche ich, in Form zu bleiben. Ich tue das Übliche, gehe ins Fitness oder fahre Velo.
© Tages Anzeiger
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Geiler Siech
der bei Lausanne einen verdammt guten Job macht! 