Der FCZ, der FC Canepa
Der FCZ hat eine neue Organisationsstruktur. Das Ehepaar Canepa stärkt seine Position weiter, der Technische Direktor Marco Bernet wird zurückgestuft.
Peter Bühler
Marco Bernet baute beim FC Zürich die Nachwuchsorganisation Letzikids auf und führte sie zehn Jahre sehr erfolgreich. Diese Leistung wurde im Stadtclub von allen geschätzt, auch vom Präsidenten Ancillo Canepa. Als der Verein vor eineinhalb Jahren arg ins Schlingern geriet, Trainer Rolf Fringer entlassen wurde und Sportchef Fredy Bickel aus eigenen Stücken zu den Young Boys wechselte, stieg Bernet beim FCZ zum wichtigsten Mann hinter Canepa auf. Er wurde im Winter 2013 zum Technischen Direktor und damit zum Sportlichen Leiter mit Verantwortung für den ganzen Verein, von den Junioren bis zu den Profis.
Bernet machte seine Sache gut. Er hatte stets eine eigene Meinung und vertrat diese konsequent, gegenüber den Spielern sprach er Klartext, gleichwohl war er mit seiner zurückhaltenden Art bei ihnen akzeptiert. Der FCZ verbesserte sich im ersten halben Jahr mit ihm und dem neuen Trainer Urs Meier vom 9. auf den 4. Rang und qualifizierte sich für die Europa League. Und in der letzten Saison gewann der Stadtclub den Schweizer Cup durch einen Finalsieg gegen den Erzrivalen Basel, es war der erste Triumph nach einer Durststrecke von fünf Jahren und dem Meistertitel 2009 mit dem Duo Challandes (Trainer) und Bickel.
Profifussball ohne Bernet
Umso überraschender kommt nun Bernets Degradierung. Der 55-jährige Stadtzürcher, der gegenwärtig in Brasilien in den Ferien weilt, wird künftig gemäss dem gestern veröffentlichten neuen Organigramm des Stadtclubs die Leitung der neuen Abteilung «Entwicklung und Teammanagement» übernehmen, sich vorab um die Talentförderung und Talentbetreuung kümmern (Schule und Beruf, Internat- und Wohnungssuche etc.), somit mit dem Spitzenfussball und der 1. Mannschaft nur noch am Rande zu tun haben. Das, so war zu vernehmen, sei nicht eben sein Wunsch gewesen. Immerhin könne er sich mit der neuen Rolle einigermassen abfinden.
Im Communiqué, welches mit dem Organigramm an die Medien verschickt wurde, heisst es, dass «mit diesem Schritt eine Optimierung der Betreuung der FCZ-Nachwuchstalente» angestrebt werde. Für den Profibereich aber werden künftig mehr oder weniger ausschliesslich Präsident Ancillo Canepa und die ihm direkt unterstellten Trainer Urs Meier und Assistent Massimo Rizzo zuständig sein. Zusätzlich ist Canepa für das Transferwesen verantwortlich.
Damit stärkt Canepa seine Stellung und seinen Einfluss im Stadtclub weiter. Seit Dezember 2006 ist er als Nachfolger von Sven Hotz Präsident, mittlerweile hält er gemeinsam mit seiner Ehefrau Heliane, die einst zweimal zur Schweizer Unternehmerin des Jahres gewählt wurde, rund 70 Prozent der Aktien. Der Verein ist heute auf Gedeih und Verderb vom Geldbeutel der beiden abhängig.
Die Canepas tilgen die Schulden
Die Canepas sind auch in der Vergangenheit immer wieder für die Tilgung der roten Zahlen aufgekommen. So leisteten sie im Geschäftsjahr 2012 an das Defizit von rund 10 Millionen Franken Sanierungsbeiträge in der Höhe von 8,9 Millionen; und 2013 betrug der Verlust 3,9 Millionen, gedeckt worden sein dürfte er vorab von den Canepas. Für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 sind erneut Kapitalerhöhungen geplant, von 5 und 4 Millionen, was bedeutet, dass wieder in erster Linie Ancillo und Heliane Canepa für die Beschaffung der Geldmittel besorgt sein müssen. Der FCZ ist für sie zu einer sehr kostspieligen Angelegenheit geworden.
Wer zahlt, befiehlt
Wer zahlt, befiehlt, heisst es in einem Sprichwort. Heliane Canepa, die im vergangenen Winter während ein paar Wochen beim FCZ interimistisch als Geschäftsführerin amtierte und die Geschäftsstelle reorganisierte, sitzt seit der Generalversammlung vom 19. Mai 2014 neu im Verwaltungsrat. Auffallend ist, wie weit im neuen Organigramm die Ämterkumulation der beiden Canepas nun gediehen ist. In allen wichtigen Abteilungen und Kommissionen der FCZ-Organisation halten sie Einsitz, ihr Name ist 13-mal erwähnt. Da bleibt nur noch die Feststellung: Der FCZ wird immer mehr zum FC Canepa.
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