«Ich muss darauf achten, dass ich nicht störe»
Dan Fritsche spricht über seinen abrupten Abgang in Lugano und seine Rolle bei den ZSC Lions.
Mit Dan Fritsche sprach Simon Graf
Wie schnell hat sich Ihr Transfer von Lugano nach Zürich abgespielt?
Wie lange die beiden Teams schon miteinander verhandelt hatten, weiss ich nicht. Die ersten Gerüchte hörte ich vor eineinhalb, zwei Wochen. Fünf, sechs Tage, bevor der Tausch fix wurde, wusste ich davon. Er traf mich also nicht gänzlich unvorbereitet. Und ich wurde in Nordamerika ja schon zweimal transferiert, bin solche Situationen also gewohnt.
In Europa allerdings sind solche Tauschgeschäfte unüblich. Sie hätten auch Ihr Veto einlegen können.
Ja, das hätte ich tun können. Aber ich denke, dass es so, wie es nun herausgekommen ist, für alle Beteiligten das Beste ist. Natürlich hätte ich mich nicht überallhin abschieben lassen. Die ZSC Lions sind ein Topteam und pflegen einen nordamerikanischen Stil. Ich denke, dass ich da gut hineinpasse.
Sie unterschrieben für drei Jahre in Lugano und blieben nun nur drei Monate. Was lief schief ?
Der Club schlug eine andere Richtung ein. Als ich unterschrieb, war Larry Huras der Coach, und ich sah, wohin er mit dem Team wollte. Nun hat man eine neue Vision, und die wird auch mit Spielertransfers verfolgt. Das ist eben Teil des Geschäfts.
Wie ist es, während einer Saison zu einer neuen Mannschaft zu stossen?
Die Situation war schon etwas bizarr. Am Freitag spielte Lugano ja noch gegen mein neues Team, und ich sass in der Resega. Ich wäre gerne schon bei der Kabine der ZSC Lions vorbeigegangen, doch die Clubs wollten das nicht. Das Spiel solle im Vordergrund stehen, hiess es. Das kann ich natürlich verstehen. Wenn man zu einem Team stösst, dem es gut läuft, muss man vor allem darauf achten, dass man nicht stört. Ich möchte mich möglichst gut einfügen.
Wie war Ihr Eindruck von den ZSC Lions am Freitag?
Es gab keine Überraschungen für mich. Sie sind läuferisch und technisch sehr versiert und spielen ziemlich aggressiv. Wie gesagt: Ich denke, ihr Stil behagt mir.
Die ZSC Lions wollten Sie schon 2010, doch damals zogen Sie Servette vor. Wieso?
Meine Entscheidung fiel zwischen Genf und Zürich. Sie fiel mir nicht leicht, doch ich habe sie nicht bereut. Ich habe meine Zeit in Genf genossen. Und nun kann ich ja auch noch in Zürich spielen. Edgar (Salis, der ZSC-Sportchef ) hat mir schon damals vermittelt, dass ihm in Zürich ein nordamerikanisches Eishockey vorschwebt. Ich freue mich, Teil davon zu werden.
Wie gut kannten Sie die Schweiz, bevor Sie nach Genf kamen?
Als Teenager besuchte ich meinen Onkel John ein paar Mal in Ambri. Die italienisch geprägte Kultur des Tessins gefiel mir sehr gut. Das war ein Grund, wieso ich nach Lugano ging. Das hat nun leider nicht geklappt. Aber in erster Linie bin ich ja hier, um Eishockey zu spielen.
Sind Sie ein ähnlicher Spielertyp wie Ihr Onkel, der als Kraftwürfel bekannt war?
Wir haben einige Ähnlichkeiten, ich spiele auch hart und kompromisslos, checke gerne vor und gehe gerne vors Tor.
Wie gut kennen Sie Ihre neuen Teamkollegen?
Bis jetzt sind mir nur Keller und Trachsler aus Genf bekannt und Bergeron aus Minnesota. Coach Crawford kenne ich noch nicht persönlich. Ich habe aber in der NHL gegen Teams von ihm gespielt.
Wie gut ist Ihr Deutsch?
Mein Deutsch? Fürchterlich. In Genf haben meine Frau und ich Französisch gelernt. Ich kann ein paar Brocken Italienisch, und meine Frau hat Spanisch studiert. Aber die deutsche Sprache ist uns noch gänzlich unbekannt. Das wird eine Herausforderung.
Haben Sie viel zum Zügeln?
Die grössten Möbel, die wir mitnehmen, sind ein Sofa und ein paar Stühle. Und wir haben einen ziemlich grossen Hund, einen Labrador. Am Mittwoch werden unsere Möbel in Lugano geholt. Bis Donnerstag übernachten wir im Swissôtel, dann können wir in unsere neue Wohnung einziehen. Zuerst freue ich mich nun, meine Teamkollegen kennen zu lernen. Und wenn alles gut läuft, kann ich am Dienstag schon spielen.
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