Kommentar
Nicht geklopft, eingetreten!
Von Simon Graf
Immer wieder hatten die Schweizer im neuen Jahrtausend an die Tür geklopft, um an einem grossen Turnier Einlass zu erhalten in den exklusiven Zirkel der Topnationen. Stets wurden sie abgewiesen. Sieben WM- und zwei OlympiaViertelfinals verloren sie, die Erkenntnis war danach fast immer die gleiche: Ihnen fehlt die Durchschlagskraft, um solche Spiele zu gewinnen. Neunmal hatten die Schweizer artig geklopft, in Stockholm machten sie es anders: Sie traten die Tür kurzerhand ein.
Sie besiegten im Viertelfinal die technisch und spielerisch versierten Tschechen, weil sie körperbetonter auftraten und gradliniger. Weil sie die Zweikämpfe suchten, vor den Toren mehr Entschlossenheit zeigten. Es ist nicht mehr das Nationalteam, das man von früher kennt, das sich darauf konzentriert, gegen die Grossen den Schaden in Grenzen zu halten. Sondern eines, das aktiv und mutig spielt, das erinnert an den ZSC in der Champions League 08/09, als er Europa eroberte.
Es ist kein Zufall, dass der Coach mit Sean Simpson der gleiche ist. Der Kanadier wagte mit dem Nationalteam den nächsten Schritt und riskierte, damit abzustürzen. Nach zwei verpassten WM-Viertelfinals stand sein Job infrage, inzwischen ist er das Gesicht des Schweizer Siegeszugs, der die Entwicklung des helvetischen Eishockeys in den letzten zehn Jahren spiegelt. Immer mehr Schweizer spielen in der NHL, die nationale Liga muss in Europa keinen Vergleich mehr scheuen, die Junioren setzen sich höhere Ziele. Weil sie Vorbilder haben wie Mark Streit, der sich einst als ungedrafteter Schweizer nach Übersee wagte, weil er von der NHL träumte.
Die legendäre Liga schien für ihn damals weit weg. Fünf Jahre später wurde sie für ihn Realität. Den Mutigen gehört die Welt. Wie Streit, wie dem ZSC in der Champions League und wie diesem Nationalteam, das auch gegen die Topnationen spielt, um zu gewinnen. Nicht, um nicht zu verlieren.
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