Vom Hoffnungsträger bis zum Aussenseiter
Silvan Schweizer
In zehn Tagen soll die NHLSaison doch noch beginnen. Die Schweizer rücken mit ganz unterschiedlichen Rollen und Aussichten in die Camps ihrer Clubs ein.
Bärtschi
Reifeprozess unter Hartley Von einer «Svensation» war in der Presse die Rede, als Sven Bärtschi letzten Frühling wegen einer Verletzungsmisere notfallmässig nach Calgary beordert wurde und 3 Tore in 5 Spielen erzielte. Der 20-jährige Langenthaler gilt dort als grösste Hoffnung der Organisation. Und von den ZSC Lions weiss man, dass es der neue Coach Bob Hartley versteht, Talente zu fördern. Nach einer Nackenverletzung muss Bärtschi jedoch erst wieder den Tritt finden. Prognose: sammelt in seiner Debütsaison 20 Punkte.
Brunner
Ein magisches Dreieck?
Damien Brunner hat während des Lockout erneut demonstriert, dass er der NLA entwachsen ist. Und er konnte erst noch eine wichtige Kooperation mit Henrik Zetterberg beschliessen, dessen Wort in Detroit Gewicht hat. EVZ-Coach Doug Shedden vermutet, dass Brunner da bald mit Zetterberg und Pawel Dazjuk ein geniales Sturmtrio bilden wird. Die Frage ist, ob sich der 26-jährige Zürcher auch mit weniger Platz und dem rauen Stil zurechtfindet. Prognose: spielt in der NHL durch und erzielt 30 Punkte.
Diaz
Keine unbekannte Welt mehr Rafael Diaz war der erste Schweizer, der ohne Umschweife gleich ins NHL-Team integriert wurde; er durfte in Montreal als Neuling 59 Spiele bestreiten. Nun weiss der 26-jährige Verteidiger, was auf ihn zukommt, und er hat sich bei seinem Stammclub EVZ in Form gespielt. Das wird auch der neue Canadiens-Coach Michel Therrien erkennen. Prognose: spielt im Powerplay eine grössere Rolle und etabliert sich als Top-4-Verteidiger.
Hiller
Die unangefochtene Nummer 1 Die chronischen Schwindelanfälle von Anfang 2011 liess Goalie Jonas Hiller letzte Saison hinter sich und bestritt 72 von 82 Partien. Der 30-jährige Appenzeller bleibt die unangefochtene Nummer 1 in Anaheim. Konkurrenz droht ihm erst, wenn der US-Junioren-Weltmeister John Gibson heranreift. Prognose: absolviert erneut über 80 Prozent aller Partien und bringt die Ducks zurück ins Playoff.
Josi
Die Lücke neben dem Star Nashville musste seinen US-Topverteidiger Ryan Suter nach Minnesota ziehen lassen. Das bedeutet, dass der Platz neben Star Shea Weber frei wird – und Roman Josi, ein äusserst verlässlicher und beweglicher Abwehrspieler, hat die besten Chancen, diesen zu erhalten. Prognose: Der 22-jährige Berner wird an der Seite Webers auch im Powerplay viel eingesetzt und punktet im Schnitt wie in der Schweiz fast in jeder zweiten Partie.
Niederreiter
Neues Jahr, neues Glück Sein erstes NHL-Jahr bei den New York Islanders war eines zum Vergessen. Nino Niederreiter, ein Nummer-5-Draft, war zweimal verletzt und wurde von Coach Jack Capuano in die vierte Checkerlinie verfrachtet. Bald ging das Selbstvertrauen verloren, er traf bloss einmal und erreichte eine Minus-29-Bilanz. Jetzt hat der 20-jährige Churer in der AHL seine Qualitäten als Goalgetter wieder entdeckt und erzielte da einen Punkt pro Match. Prognose: rückt eine Sturmreihe nach vorne und skort mindestens 10-mal.
Sbisa
Der gefürchtete Checker Auch wenn Anaheim zuletzt das Playoff verpasste, Verteidiger Luca Sbisa konnte auf eine gelungene Saison zurückblicken. Der 22-jährige Zuger erhielt mehr Verantwortung und Eiszeit, als der altmodische Coach Randy Carlyle entlassen wurde und Bruce Boudreau kam. Prognose: kommt im Powerplay zwar weiterhin nur wenig zum Zug, macht aber Fortschritte in der Offensive und wird erneut bester Checker seiner Mannschaft, was für einen Schweizer ungewöhnlich ist.
Streit
Der Traum vom Stanley-Cup Vor der letzten Saison erreichte Mark Streit die nächste Stufe seiner beeindruckenden Karriere: Er wurde zum ersten Schweizer NHL-Captain ernannt. Der 35-jährige Berner zeigte danach bei den New York Islanders mit 47 Punkten den gewohnten Offensivdrang, wies am Ende aber auch eine Minus-27-Bilanz auf. Fast schien es so, als ob ihn die Erinnerung an seine schwere Schulterverletzung vom Vorjahr in der Defensivarbeit hemmen würde. Nun steht er vor einer wegweisenden Saison, spielt er doch um seinen letzten NHL-Vertrag. Prognose: kann die Islanders trotz der verkürzten Saison erneut nicht ins Playoff führen und unterschreibt im Sommer bei einem Club mit Stanley-Cup-Ambitionen.
Weber
Zeichen stehen auf Abschied Die Ankunft von Landsmann Rafael Diaz brachte für Yannick Weber letztes Jahr nichts Gutes: Der 24-jährige Berner rutschte in der Hierarchie von Montreals Abwehr nach hinten und erhielt im Schnitt nur 15 Minuten Eiszeit. Prognose: muss auch in seinem letzten Vertragsjahr um einen Stammplatz kämpfen und verlässt die Canadiens im Sommer.
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