Beiträge von Larry

    Ich fände es wirklich gut mehr Schweizer Coaches in der NLA zu haben, wie im Fussball! Und was ein Urs Fischer in der BuLi macht zeigt auch das Schweizer nicht per se schlechter sind.

    Bei Liniger denke ich einfach der ZSC sollte nicht sein erster Job sein, der Druck ist doch bei uns sehr gross. Wir erinnern uns an Christian Weber......

    Es wird ein Ausländer werden, es sei denn WF/PS drücken Liniger durch.

    Wäre eigentlich schon für eine Schweizer Lösung, mir gefällt was Schweizer in Ambri machen.

    Aber Liniger als Anfänger in der NLA mit einem Team das Meister werden "muss"? Er soll erst ein anderes Team coachen.

    Mein Vorschlag: Barry Trotz, Stanley Cup Champion.

    Einfach nicht wieder ein erfolgloser Skandinavier, schon gar nicht einer der schon in Schweiz wurstelt wie AT oder andere Clowns....

    Ex-SCB-Star Blum nach Horror-Check

    «Was ich erlebt habe, soll kein anderer erleben»

    Seit sechs Wochen wird wieder Eishockey gespielt. Doch einer fehlt noch immer: Eric Blum. Er hat nach dem Horror-Check von EVZ-Stürmer Fabrice Herzog rechtliche Schritte eingeleitet.

    Angelo Rocchinotti (TA)
    Publiziert heute um 09:10 Uhr


    Der dreifache Schweizer Meister Eric Blum hat nach einem rüden Check seit 20 Monaten keinen Ernstkampf mehr bestreiten können. Die Zukunft des 36-Jährigen bleibt ungewiss.


    Der dreifache Schweizer Meister Eric Blum hat nach einem rüden Check seit 20 Monaten keinen Ernstkampf mehr bestreiten können. Die Zukunft des 36-Jährigen bleibt ungewiss. Foto: Urs Jaudas

    Es ist ein trüber Herbstmorgen in Zürich-Wiedikon. Heftiger Regen prasselt vom Himmel. Nur wenige Leute kommen am Schaufenster an der Zurlindenstrasse 57 vorbei. Eric Blum und Luca Meyer sitzen in ihrem Showroom. Blum fertigt gerade einen neuen Filzhut an. Sein Schwager brütet über Schnittmustern. Onkai Heiwa heisst ihr Label. Eine Hommage an Blums Grossvater. Er wurde stolze 103 Jahre alt.


    «Auch er trug oft Hüte», sagt der schweizerisch-japanische Doppelbürger, der sich gerne auf Flohmärkten und in Brockenhäusern herumtreibt, eines Tages Borsalinos zu kaufen und sie schliesslich zu bearbeiten beginnt. Das Handwerk fasziniert ihn. Doch Blum findet keine Lehrgänge. Also kontaktiert er kurzerhand eine Modistin in Aarau und bittet sie um Unterstützung. Gegen Entgelt, versteht sich.

    Eine Saison lang pendelt er wöchentlich in den Kanton Aargau. Selbst während des Playoff. Es ist seine punktemässig stärkste Spielzeit beim SCB. Und endet mit dem Meistertitel. Sechs Jahre ist das her. Seither hat sich Blum aus aller Welt mit antiken Hutmacher-Werkzeugen eingedeckt und unzählige Hüte kreiert. Heute sagt er stolz: «Unsere Produkte sind handgemacht und aus den besten verfügbaren Materialien hergestellt.» Doch bei aller Begeisterung, für sein Start-up hat der 36-Jährige mehr Zeit, als ihm lieb ist.

    «Am liebsten würde ich jetzt in einer Garderobe sitzen und über Eishockey reden», sinniert der Verteidiger. Doch an Spitzensport ist weiterhin nicht zu denken, nachdem er von Fabrice Herzog übel gegen den Kopf gecheckt wurde. Seit nunmehr 20 Monaten hat Blum keinen Ernstkampf mehr bestreiten können. Sein Vertrag beim SCB ist am Ende der letzten Saison ausgelaufen und die Trikotnummer 58 bereits neu vergeben worden. Nun trägt sie Romain Loeffel.

    Blum kann die Frage nach seiner Zukunft nur schwer beantworten. Er greift zur bildlichen Sprache, sagt: «Die Realität ist, dass der Zug aus dem Bahnhof rollt und bereits ein ziemlich hohes Tempo aufgenommen hat. Es wird immer schwieriger, ihn noch zu erreichen.» Wann er das letzte Mal auf dem Eis stand? Blum kann sich kaum noch erinnern. «Es dürfte im April gewesen sein», mutmasst er.


    Keine weiteren Fortschritte mehr


    SCB-Präsident Marc Lüthi bot seinem Meisterschützen von 2019 in sämtlichen Bereichen Unterstützung an. So hätte Blum weiterhin die Infrastruktur nutzen und in der Postfinance-Arena ein und aus gehen können. Doch der 89-fache Nationalspieler und Silbermedaillengewinner der WM von 2013 hielt sich nicht dafür. Die Begründung? «Die Energie in einer Mannschaft ist nach schwierigen Jahren nicht dieselbe wie nach einem Meistertitel, wenn alle etwas lockerer sind. Ich wäre ein Sonderfall und für den Club nicht von Nutzen gewesen. Ich fühlte mich nicht in der Position, um Ansprüche zu stellen.»


    Aus diesem Grund verzichtete Blum auch darauf, bei Swiss-League-Clubs vorstellig zu werden. Denn: «Dort wird ebenso professionell gearbeitet. Ich hatte stets grossen Respekt vor Spielern, die in der zweithöchsten Liga denselben Aufwand betreiben und nebenbei noch einer gewöhnlichen Arbeit nachgehen.»

    Im auf Hirnerschütterungen spezialisierten Concussion Center in Zürich liess sich der 36-Jährige letztmals im August therapieren. «Ich habe keine Fortschritte mehr erzielt», sagt er nüchtern. Nun hält er sich mit Yoga und Padel-Tennis, einer Mischung aus Tennis und Squash, fit. «Eine 360-Grad-Sportart mit vielen koordinativen und konditionellen Reizen. Das ist auch aus therapeutischer Sicht interessant», weiss Blum. Im Februar 2021 streckt Fabrice Herzog (damals noch beim HCD) Eric Blum mit einem wüsten Check gegen den Kopf nieder. Er wird danach für 8 Partien gesperrt und mit 11’150 Franken gebüsst.


    Im Februar 2021 streckt Fabrice Herzog (damals noch beim HCD) Eric Blum mit einem wüsten Check gegen den Kopf nieder. Er wird danach für 8 Partien gesperrt und mit 11’150 Franken gebüsst. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

    Doch sobald sein Hirn zu vielen Reizen ausgesetzt ist und er die Belastungsgrenze überschreitet, kehren die Symptome zurück. Wo die Grenze genau liegt, weiss er nicht. Im Alltag erreicht er sie selten. Doch bereits eine halbe Stunde Padel-Tennis setzt ihm zu. «Ich spüre Schwindel, nehme meine Umgebung nicht mehr fliessend wahr und sehe alles verzögert. Ob das jemals wieder besser wird, ich weiss es nicht.»


    Blum kontaktierte Nationalcoach Fischer


    Nicht abgeschlossen ist für Blum der Fall Herzog. Der Verteidiger hat juristische Schritte gegen den heutigen EVZ-Stürmer eingeleitet, der in seiner Karriere bereits 33 Spielsperren verbüsst hat. Blum sagt: «Eishockey ist ein fantastischer und harter Sport. Es braucht Checks. Doch was mir und anderen Spielern widerfahren ist, gehört nicht zu diesem Sport. Es ist nicht okay, so Eishockey zu spielen. Es ist einfach nicht okay.»

    Blum betont, sein Ansporn sei nicht finanzieller Natur. Er wolle weder Mitleid, noch gehe es um Aktionen, die in einem Graubereich liegen. «Wenn mich ein im Grunde fairer Spieler hart, aber korrekt checkt und es mich durch Zufall oder durch die Dynamik des Sports erwischt, ist das ein Unfall. Unfälle passieren», so Blum. «Wenn ich aber der siebte Fall bin, wenn vier Spieler vor mir gegen den Kopf- oder Nackenbereich gecheckt wurden, wenn nach mir Mauro Dufner gegen den Nacken gecheckt und an der WM ein weiterer Spieler umgefahren wird, dann zeigt dies, dass dieser Typ Spieler gefährlich ist und ein Risiko darstellt.»

    Zitat
    «Wenn solche Spieler wissen, dass sie auch ausserhalb des Sports belangt werden können, ändern sie vielleicht ihr Verhalten.»
    Ex-SCB-Verteidiger Eric Blum

    Der Zürcher will ein Zeichen setzen. «Wenn solche Spieler wissen, dass sie auch ausserhalb des Sports belangt werden können, ändern sie vielleicht ihr Verhalten. Was ich erlebt habe, soll kein anderer erleben.» Es bedürfe einer höheren Sensibilität. Noch immer würden die Folgen von Hirnerschütterungen unterschätzt. «Wenn dir deine Frau sagt, sie habe dich seit zwei Wochen nicht mehr lachen sehen oder sie dürfe sich keine Fehler leisten, weil du stets gereizt reagierest, dann merkst du, dass hier eine Veränderung deiner Persönlichkeit stattfindet. Und das aufgrund dieser Verletzung.»

    Blum nahm auch Kontakt mit Nationalcoach Patrick Fischer auf. «Herzog ist unbestritten ein grossartiger Spieler und kann ein Mehrwert sein. Doch dass ein solcher Spieler, der eigentlich eine Vorbildrolle einnehmen sollte, bei den Olympischen Spielen und an Weltmeisterschaften teilnehmen kann, ist für mich schwer nachvollziehbar. Ich bin der Meinung, der Verband setzt mit seiner Nomination ein falsches Signal.» Es zeige, dass einzig die Qualität zähle. Ob sich ein Spieler unter Kontrolle habe oder nicht, sei zweitrangig. «Wenn das die Message ist, welche Mutter schickt dann ihr Kind noch zum Eishockey, wenn sie weiss, dass ihr Sohn Verletzungen erleiden kann, die ihn ein Leben lang beeinträchtigen könnten?»

    Noch wird versucht, eine aussergerichtliche Einigung zu erzielen. Ein von beiden Parteien anerkannter und unabhängiger Experte soll ein Urteil fällen, das beide Seiten zu akzeptieren gedenken. Doch bereits die Suche nach dem Experten gestaltet sich schwierig.


    Blum verfolgt Hockey nur noch am Rande


    Blum wirkt nachdenklich. «Ich schaute zu meinem Körper, zeigte noch gutes Eishockey, hätte locker noch zwei Jahre spielen und gutes Geld verdienen können. Mir wurde sehr viel genommen», so der dreifache Schweizer Meister. Er trat schon früh mit einem Psychologen in Kontakt, vertraut noch immer auf seine Dienste. Heute sagt der Vater eines zweijährigen Sohnes: «Es geht mir super. Ich kann für meine Familie da sein. Das macht mich glücklich.»

    Die Meisterschaft verfolgt er nur noch am Rande. Einen Fernseher besitzt Blum seit je nicht. Auch verfügt er über kein Abo für Livesport. Die Spielzusammenfassungen auf den Onlineportalen sprechen ihn nicht an. «Wenn Sie mich fragen, wer an der Tabellenspitze liegt, habe ich vielleicht eine Chance von 1 zu 8, den Richtigen zu treffen. Ich habe vom grossartigen Solo von Andres Ambühl gelesen und werde mir das noch anschauen. Er ist eine faszinierende Persönlichkeit, und es ist wunderschön, dass Büeli noch solche Storys schreiben kann.»

    Mit aktiven ehemaligen Teamkollegen hat Blum kaum Kontakt. Einzig mit Vincent Praplan tauscht er sich regelmässig aus. Vieles deutet darauf hin, dass der einstige Kreativverteidiger, der den SCB auch imagemässig wieder aufgepeppt hat, nie mehr aufs Eis zurückkehren wird. Ob er zurücktreten wird, ist offen. «Sich noch einmal abfeiern lassen? Ich weiss nicht, ob ich dieses Tamtam brauche.» Hüte sind sein Markenzeichen. Mit Onkai Heiwa hat Blum sein eigenes Label gegründet. Nun will er nächsten Herbst eine Ausbildung beginnen.


    Hüte sind sein Markenzeichen. Mit Onkai Heiwa hat Blum sein eigenes Label gegründet. Nun will er nächsten Herbst eine Ausbildung beginnen. Foto: Urs Jaudas

    Blum, der über einen Maturaabschluss verfügt, will im nächsten Herbst eine Ausbildung beginnen. In welchem Bereich, weiss er noch nicht. Er begann einst mit einem Maschinenbaustudium, musste dieses aus zeitlichen Gründen aber wieder abbrechen. Nun haben diverse Personen ihr Interesse deponiert. Blum solle sie kontaktieren, sobald definitiv Schluss sei mit Eishockey. Doch Blum will nichts überstürzen, sich erst ein solides Fundament schaffen und in der Aussenwelt ankommen, wie er es formuliert.

    «Ich bin 36 und werde länger arbeiten, als ich Eishockey gespielt habe. Ich will keinen Job annehmen, nur weil ich Eric Blum heisse und man mich für einen kreativen Typen mit Sinn für Ästhetik hält. Liefere ich nicht, ist der Name schnell verblasst. Ich will einer Arbeit nachgehen, die ich mir während zwanzig bis dreissig Jahren vorstellen kann.»

    Blum legt seinen Fokus wieder auf seinen Filzhut, formt Krone und Krempe. «Natürliche Materialien reagieren auf Feuchtigkeit und Hitze. Man wird nie die perfekte Symmetrie finden, auch wenn das unser Anspruch ist», erklärt Blum. Draussen regnet es noch immer.

    Sein Abgang dürfte mit einer gewissen Gleichgültigkeit quittiert werden.

    Schliesslich ist Grönborg der teuerste Coach der National League. Und hat in drei Jahren trotzdem keinen Titel gewonnen. Im Frühjahr war er der erste Trainer, der im Play-off-Final eine 3:0-Führung aus der Hand gab.

    Wer sich den kostspieligsten Coach und die edelste Mannschaft leistet, für den ist alles andere als der Meistertitel eine Enttäuschung.

    Er ist ab sofort das, was im nordamerikanischen Sprachgebrauch als «Lame Duck» bezeichnet wird. Es ist nicht auszuschliessen, dass der nahende Abschied etwas Befreiendes hat und eine Dynamik freisetzt, die es Grönborg ermöglicht, im Frühjahr mit einem Titel in den Sonnenuntergang zu reiten. Doch seine Leine ist am Mittwoch noch ein bisschen kürzer geworden, sie kann schnell reissen, sollte der ZSC noch einmal in eine Krise rasseln; aus fehlgeleiteter Loyalität wird der Klub diesen Trainer nicht mehr stützen.

    Nochmals zusammengefasst was auch mich störte. Sollte er doch noch Meister werden: Ok, ansonsten war es ein grosser, teurer Flop, insbesondere wie er ein 3:0 im Final noch preisgab. Geht gar nicht!

    Der ZSC-Trainer Rikard Grönborg coacht ab der nächsten Saison in Finnland – die Zürcher können seinem Abgang gelassen entgegenblicken

    Der ZSC-Coach Rikard Grönborg wechselt auf die neue Saison hin zum finnischen Rekordmeister Tappara Tampere. Die Art und Weise und der Zeitpunkt des Wechsels überraschen. Aber sie passen zur bisher unvollendeten ZSC-Ära des zweifachen Weltmeistertrainers.

    Nicola Berger26.10.2022, 20.20 Uhr (NZZ)


    Bald nicht mehr in Zürich an der Bande: Rikard Grönborg.

    Bald nicht mehr in Zürich an der Bande: Rikard Grönborg.

    Ennio Leanza / Keystone

    Es schien, als würden die ZSC Lions gerade zur Ruhe kommen: Der Einzug in die neue Arena verlief nach Plan, sportlich erlebt der Klub einen weitgehend sorgenfreien Herbst. Doch am Mittwoch störte eine Nachricht aus Finnland die Einkehr: Der Coach Rikard Grönborg werde ab 2023/24 Trainer von Tappara Tampere. Grönborg und der ZSC schwiegen am Mittwochabend, doch aus dem Klubumfeld ist zu vernehmen, dass die Information stimmt: Die Ära Grönborg wird nach vier Jahren zu Ende gehen.

    Es ist ungewöhnlich, dass der Abschied eines Trainers so früh feststeht. Zumal der finnische Rekordmeister Tappara bei allem Respekt nicht den grossen Karrieresprung darstellt. Aber der unkonventionelle Abschied passt zur Ära Grönborg im ZSC, die auch davon geprägt war, dass der Schwede immer wieder ziemlich unverhohlen mit NHL-Teams flirtete. Seine Ausstiegsklausel für die NHL liess Grönborg in Ermangelung konkreter Angebote ungenutzt. Doch es erstaunte, wie schwer er sich damit tat, ein Bekenntnis zum ZSC abzugeben. Eine feurige Liebesbeziehung zwischen dem Trainer und dem Klub inklusive Anhang und Umfeld konnte so gar nie entstehen. Sein Abgang dürfte mit einer gewissen Gleichgültigkeit quittiert werden. Grönborg kämpfte zwar stets für seine Spieler, er schützte sie, wo er nur konnte. Aber er wirkte manchmal verkrampft – und es kam vor, dass das Gezeigte auf dem Eis das ebenfalls war.

    Sanfte Dissonanzen zwischen dem Trainer und dem Management

    Das Management des ZSC hat den Trainer in den letzten Wochen ähnlich distanziert behandelt, wie Grönborg das umgekehrt in den Jahren mit dem Klub auch getan hatte. Der Coach signalisierte schon im Sommer, dass er den im Sommer auslaufenden Vertrag gerne verlängern würde. Der Sportchef Sven Leuenberger entgegnete, es bestehe keine Eile, man wolle abwarten, wie sich die Saison entwickle. Das war die richtige Handhabe. Schliesslich ist Grönborg der teuerste Coach der National League. Und hat in drei Jahren trotzdem keinen Titel gewonnen. Im Frühjahr war er der erste Trainer, der im Play-off-Final eine 3:0-Führung aus der Hand gab.

    In der Analyse der historischen Schmach hatte es gewisse Dissonanzen gegeben. Leuenberger hatte es etwa geärgert, dass Dario Trutmann, die Nummer 7 in der Abwehrhierarchie, in sieben Partien total 104 Sekunden eingesetzt wurde. Und Grönborg hatte – nicht zum ersten Mal – auf Verstärkungen gepocht. Es fehle ein mobiler, kreativer Schweizer Verteidiger mit Stärken in der Angriffsauslösung. Kurz darauf verpflichtete der ZSC exakt diesen Spielertyp: Der NHL-Rückkehrer Dean Kukan erhielt einen Fünfjahresvertrag. Zuvor hatte Grönborg sich mehrfach das Engagement eines ausländischen Torhüters gewünscht.

    Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Trainer Verstärkungen fordert. Aber es lohnt sich, sich daran zu erinnern, dass der ZSC 2021/22 das wahrscheinlich teuerste Team der Liga stellte. Wer sich den kostspieligsten Coach und die edelste Mannschaft leistet, für den ist alles andere als der Meistertitel eine Enttäuschung.

    Es hat sie immer wieder gegeben, diese kleinen atmosphärischen Störungen und philosophischen Dissonanzen. Es gab Leute im Klub, die es Grönborg übelnahmen, wie selten er die Spiele des Farmteams GCK Lions besuchte. Und dass er in den ersten drei Jahren kaum junge Spieler einbaute. Der Schwede konterte, dass die Talente in der Organisation noch nicht bereit für die National League seien. Im Dezember 2021 wäre er nach einer Reihe an desillusionierenden Auftritten beinahe entlassen worden. Er rettete sich – und stürmte in den Final. Hätte der ZSC gegen Zug einen vierten Sieg geholt, es ist denkbar, dass der Vertrag längst verlängert worden und es gar nie zu Gesprächen mit Tappara gekommen wäre. Erfolg kittet und überstrahlt im Sport bekanntlich alles.

    Zwischen Tampere und der NHL liegen 6615 Kilometer – und eine ganze Eishockeywelt

    Es kam anders, auch wenn es überrascht, dass Grönborg sich so früh für die im Vergleich zur Schweiz weniger prestigeträchtige und weniger finanzstarke Liiga entscheidet. Der Wechsel dokumentiert, dass der Karriereplan des zweifachen schwedischen Weltmeistertrainers in Zürich ins Stocken geraten ist. Von Philadelphia, wo Grönborg im Sommer als Kandidat gehandelt wurde, trennen Tampere 6615 Kilometer. Und auch eine ganze Eishockeywelt.

    Die Frage ist, was Grönborgs bevorstehender Abgang für diese Saison bedeutet und ob er die Spielzeit in Zürich beendet. Er ist ab sofort das, was im nordamerikanischen Sprachgebrauch als «Lame Duck» bezeichnet wird. Ein Entscheidungsträger, dessen Autorität darunter leidet, dass er zwar noch die Gegenwart, aber nicht mehr die Zukunft verkörpert. Der Saisonstart des ZSC war bis auf wenige Ausnahmen wie zuletzt die Derby-Niederlage gegen ein arg dezimiertes Kloten ansprechend.

    Die Zürcher stellen die stabilste Defensive der Liga, der Tscheche Simon Hrubec weist die besten Statistiken aller Torhüter aus. Das ist auch das Verdienst des Trainers. Es ist nicht auszuschliessen, dass der nahende Abschied etwas Befreiendes hat und eine Dynamik freisetzt, die es Grönborg ermöglicht, im Frühjahr mit einem Titel in den Sonnenuntergang zu reiten. Doch seine Leine ist am Mittwoch noch ein bisschen kürzer geworden, sie kann schnell reissen, sollte der ZSC noch einmal in eine Krise rasseln; aus fehlgeleiteter Loyalität wird der Klub diesen Trainer nicht mehr stützen. Mit Michael Liniger von den GCK Lions stünde eine interessante Interimslösung bereit.

    Für mich die Bills stand jetzt Favorit für den Titel.

    Die waren schon vor der Saison Favoriten. Nun sehen die Wett Fritzen die Bills vor den Eagles und den Chiefs. Wenn die Bills an den Chiefs vorbei kommen könnte das passen.

    Meister FCZ in der Krise

    Wieso Henriksens erste Energiekur schon verpufft ist

    Der FCZ ist kein bisschen besser, nur weil seit zwei Wochen ein aufgekratzter Trainer am Werk ist. In den ersten vier Spielen unter dem Dänen haben sich vielmehr die Defizite der Mannschaft bestätigt.

    Thomas Schifferle
    Thomas Schifferle (TA)
    Publiziert heute um 20:09 Uhr



    Entgeisterte Blicke in der Präsidentenloge: Heliane und Ancillo Canepa mit ihrem Trainer Bo Henriksen (Mitte) beim Derby gegen GC.


    Entgeisterte Blicke in der Präsidentenloge: Heliane und Ancillo Canepa mit ihrem Trainer Bo Henriksen (Mitte) beim Derby gegen GC. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Zwei Wochen ist es her, als beim FCZ noch Aufbruchstimmung herrschte. Bo Henriksen stellte sich als neuer Trainer vor, und Happy Bo sagte Sätze wie: «Ich bin seit 16 Jahren Trainer. Ich habe immer gewonnen. Ich habe mit meinen Mannschaften immer die Erwartungen mehr als erfüllt.»

    Vier Spiele hat der Däne nun hinter sich als Nachfolger von Franco Foda. 0:5, 0:0, 0:0 und 1:4 heissen die Resultate. Gut sieht anders aus. Vor allem dieses 1:4 am Sonntag gegen die Grasshoppers hat den FCZ wie ein Schlag in die Magengrube getroffen.


    Henriksen ist aus Dänemark geholt worden, um einer demoralisierten Mannschaft wieder Leben einzuhauchen. Energie war ein Wort, das bei seiner Vorstellung im Zentrum stand. «Es braucht jetzt jemanden, der die Mannschaft mit seiner Energie aus dem Sumpf holt», war die dazu passende Aussage von Präsident Ancillo Canepa.

    Die erste Energiekur, die Henriksen den Spielern verordnen wollte, ist ohne besonderen Ertrag verpufft. In Eindhoven waren sie chancenlos, gegen YB und in Basel mauerten sie sich auf eine Art zu Unentschieden, wie das sonst eine kleine Mannschaft macht und nicht ein Meister. Henriksen reichte das schon, um die Defensivarbeit als «fantastisch» zu würdigen.

    Spielerisch ist null Fortschritt zu erkennen, und wie wenig der neue Trainer bisher mit seiner aufgekratzten Art erreicht hat, zeigt sich dann im Derby. Auf einmal hat er das Gefühl, er könne die Mannschaft offensiver ausrichten. Eine Viertelstunde oder so geht das noch gut, bis GC nach einem Corner das Führungstor geschenkt wird. Dann bricht der FCZ bereits auseinander. Davon erholt er sich nie mehr.

    Zitat
    «Wir haben nicht so lange Zeit, um den Kopf hängen zu lassen und in den Sand zu stecken.»
    FCZ-Co-Trainer Genesio Colatrella

    Fünf Spiele bleiben ihm bis zum Beginn der Winterpause Mitte November, um den trostlosen Eindruck zu korrigieren. Am Donnerstag trifft er in der Europa League auf Bodö/Glimt, am Sonntag im Tourbillon auf Sion, nächste Woche auswärts auf Arsenal und schliesslich auf Lugano und Servette. Er stellt sich besser nicht vor, wie die Gemütslage ist, wenn er keines dieser Spiele gewinnt. Ohne schwarzzumalen, das ist nicht einmal eine unrealistische Vorstellung. Zumindest gilt der FCZ in keinem dieser Spiele als Favorit. Das hat in erster Linie mit seiner Verfassung zu tun.

    «Wir haben nicht so lange Zeit, um den Kopf hängen zu lassen und in den Sand zu stecken», sagt Genesio Colatrella am Sonntag. Er hat den Nachmittag an der Seitenlinie verbracht, weil Henriksen nach der Roten Karte in Basel gesperrt ist. Und als er nach der Pause einmal seine Coachingzone ausmisst, nutzt Canepa die Chance und nimmt auf der Bank den Sitz ein, der für den Trainer reserviert ist.


    Brechers Frust


    Keiner trägt nach dem Spiel seinen Frust mehr nach aussen als Yanick Brecher, das Sprachrohr der Mannschaft in allen Lagen. Mal für Mal steht er hin und versucht zu erklären, wieso schon wieder etwas schiefgegangen ist. In dieser Disziplin hat er eine zweifelhafte Routine entwickeln können, weil der FCZ sieglos am Tabellenende taumelt und inzwischen über alle Wettbewerbe hinweg seit 13 Spielen sieglos ist.

    Zitat
    «Wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, ist wenig Hoffnung da.»
    FCZ-Goalie Yanick Brecher

    Brecher versieht seine Arbeit diese Saison auf konstantem Niveau, auf und neben dem Platz. Damit ist er aber auch schon der Einzige, über den sich das sagen lässt. Die Stützen der Meistersaison sind weggebrochen. Entweder sind sie gegangen wie Ousmane Doumbia und Assan Ceesay oder in einem anhaltenden Tief wie Mirlind Kryeziu, Antonio Marchesano und Blerim Dzemaili.

    «Qualität!», sagt Brecher, «die Qualität fehlt.» An anderer Stelle redet er zwar davon, dass sie eigentlich «genug Qualität» hätten. Aber um sie abzurufen, fehlt es aus seiner Sicht an etwas Entscheidendem: an der richtigen Einstellung, an der Leidenschaft, an der Bereitschaft, dem Teamkollegen zu helfen, wenn der in Schwierigkeiten ist. Brecher sagt: «Wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, ist wenig Hoffnung da.»


    Canepas Verantwortung


    Henriksen ist mit der Vorgabe angetreten, dass es ohne Zusammenhalt, ohne Füreinander und Miteinander keinen Erfolg gibt. «Füreinander sterben» ist ein Ausdruck, der von ihm hängen geblieben ist. Das Melodramatische mag er offensichtlich. Es tönt überdreht und nutzt sich schnell ab.

    Gegen YB und in Basel war der Teamgedanke noch da. Es ist Henriksens Aufgabe, herauszufinden, wieso davon im Derby auf einmal nichts mehr zu sehen ist. Brecher jedenfalls geht es so, er erkennt dafür, wie es auf dem Platz Schuldzuweisungen gibt. «Nach dem 0:1 fangen wir an, auf die anderen, auf die Mitspieler zu zeigen», gibt er zu Protokoll. «Jeder muss sich bewusst sein, welche Rolle er hat, egal, ob er spielt oder nicht.»

    Unter André Breitenreiter war dieses Verständnis für die eigene Aufgabe eine der Stärken des FCZ. Gegen GC fehlt es, wie sich bei den Gegentoren zeigt oder beim üblen Frustfoul von Fabian Rohner an Petar Pusic. «Wir haben uns gegenseitig runtergezogen», stellt Brecher fest. Reklamieren geht wenigstens noch: Mittelfeldspieler Ole Selnaes, einer der enttäuschenden neuen Spieler des FCZ.


    Reklamieren geht wenigstens noch: Mittelfeldspieler Ole Selnaes, einer der enttäuschenden neuen Spieler des FCZ. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Viele Spieler sind inzwischen neu, sie heissen Katic, Conde, Selnaes, Santini, Okita und Avdijaj. Dass die Mannschaft dank ihnen besser sein soll als noch letzte Saison, ist Canepas Einschätzung. Es ist sein Pech, dass sie nicht vergessen geht und vor allem nicht zutrifft, zumindest bis jetzt nicht. Keiner ist ein Gewinn, keiner hat nur schon Fortschritte gemacht.

    Die Verantwortung dafür tragen der Präsident, die letztendlich entscheidende Instanz im Club, und Marinko Jurendic als Sportchef, der zusammen mit seinem Team das neue Personal für eine Verpflichtung vorschlägt. Letzte Saison wurde Jurendic für seine Arbeit noch gelobt. Jetzt ist der Lack angekratzt. Ihre Hoffnung muss nun Henriksen sein. Damit der Däne herausfindet, ob die Neuen darunter leiden, dass unter Foda ein zuvor funktionierendes Gebilde zusammengebrochen ist. Oder ob ihre Verpflichtungen halt doch auf einen grundlegenden Irrtum zurückzuführen sind.


    Henriksens Prognose


    «Jetzt braucht es Lockerheit, Humor», hat Canepa am Tag von Henriksens Vorstellung gesagt, «dann kommt der Befreiungsschlag.» Humor braucht ein Fan wirklich, um an den Auftritten des FCZ nicht zu verzweifeln.

    «Man kann reden und reden und reden», hat Henriksen am gleichen Tag gesagt, «aber das Wichtigste ist, man muss auch umsetzen, was man sagt. Sonst glaubt keiner irgendetwas.» Mit seiner Prognose liegt er richtig. Motivationsredner verbrauchen sich schnell, wenn die Resultate ausbleiben.

    «Es ist die traurige Wahrheit», bilanziert Brecher am Sonntag, «wir stehen da, wo wir hingehören.» Um den Misserfolg zu erklären, will er nichts von Pech oder Glück oder einem Fussballgott wissen, der in Ausstand getreten ist. Er erinnert nur an das, was Fakt ist. An den Blick auf die Rangliste.