Die totale Verunsicherung
Für den ZSC in seinem Tief war selbst der Tabellenletzte Ambri zu stark
VON KAI MÜLLER
AMBRI In einer Saison voller Misstöne und dürftiger Auftritte haben die ZSC Lions gestern in der Valascia einen weiteren Tiefpunkt erlebt: Nach dem 0:5 gegen Lugano am Freitag unterlagen sie Ambri 2:3 – dem Tabellenletzten, den sie zuvor in allen drei Duellen bezwungen und beim höchsten Sieg in diesem Winter (8:3) gar dominiert hatten. Dass die Tessiner auf neun verletzte Spieler, darunter auch den Kanadier Eric Landry (Entzündung im Rücken), verzichten mussten, fiel nicht ins Gewicht. Die Lions waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt. «Wir agieren zu ängstlich und denken zu viel», sagte Trainer Bengt-Ake Gustafsson danach. Der Vorsprung auf Biel, das unmittelbar unter dem Strich liegt, ist auf 7 Punkte geschrumpft. Zwar haben die Zürcher eine Partie weniger absolviert, aber es stehen noch zwei Direktbegegnungen an.
Die Lions, die nur mit drei Ausländern antraten, weil Nolan (Rückenprobleme) und Down (krank) ausfielen, hätten dringend ein frühes Tor gebraucht, um ihrer Verunsicherung entgegenzuwirken. Ambri kannte jedoch keine Gnade. In der 9. Minute erzielte der ehemalige ZSC-Spieler Stirnimann die Führung. Wenig später traf Bühler Ambri-Topskorer Duca mit dem Stock im Gesicht, kassierte eine 5-Minuten-Strafe und musste unter die Dusche.
Als kurz darauf auch ein Foul von Pittis geahndet wurde, nutzte Pestoni die doppelte Überzahl zum 2:0. Dass Geering den Puck ins eigene Tor abgelenkt hatte, erschien fast logisch in diesem Drittel, das für die Zürcher ganz nach Murphy’s Law verlaufen war. «Wenn bei uns schon wenig funktioniert, geht meistens gleich alles schief», sagte Sportchef Edgar Salis.
Die Lions überboten sich nach dem Rückstand mit technischen Fehlern, mangelhaften Zuspielen oder schwacher Abwehrarbeit. Zu zwingenden Chancen kamen sie nicht, bis Monnet sein Team nach 119 torlosen Minuten mit dem 1:3-Anschlusstreffer wieder einmal jubeln liess (49.). Ulmann verkürzte noch auf 2:3, zu mehr reichte es aber nicht, obwohl sich die Löwen gegen die Niederlage stemmten und am Ende gar dem Ausgleich nahekamen. Es wäre ein unverdienter Lohn gewesen. «Wir haben uns gut zurückgekämpft. Die Schlussphase war positiv, das müssen wir mitnehmen für die nächsten Spiele», sagte Gustafsson.
Während auf den Schweden in den kommenden Tagen viel Arbeit wartet, scheint Ambri gerüstet für das Playout. Zudem dürfen die Tessiner mit einer baldigen Rückkehr Westrums rechnen. Der Amerikaner steigt nach seiner Gehirnerschütterung im September kommende Woche wieder ins Mannschaftstraining ein. «Wenn zehn Tage keine Probleme auftreten, werden ihm die Ärzte grünes Licht geben», sagte Ambri-Sportchef Jean-Jacques Aeschlimann.