Schubiger
Laufen, verlieren, rosten
Vor Schubiger lag die Stadt in der Dunkelheit. Er hatte die Turnschuhe an den Füssen und fand es einen guten Augenblick für einen Lauf. Unter diesen Umständen konnte niemand seine lächerliche Form ausleuchten.
Unterwegs traf Schubiger Lucy und hörte die Musik vom Conelli. Er zog vorbei am Bellevue und kurz dem Seebecken entlang. Auf dem Rückweg sah er hinüber zum Sternen-Grill. Es war der Moment, in dem er sich fragte, ob er sich moralisch gerade korrekt verhielt. Im Hallenstadion spielte der ZSC gegen Davos.
Schubiger hatte entschieden, der Mannschaft zwischenzeitlich seine Liebe zu künden nach vier Niederlagen in Serie. Und während seine Beine schwerer wurden und der Atem lauter, kam er zum Schluss, dass er sich nun zwar etwas einsam fühlte in der fast leeren Stadt. Aber auch, dass es ihm gut ging und er niemanden brauchte, der ihm die Laune verdarb. Ja, Schubiger fühlte sich eigentlich erstmals nach längerer Zeit wieder als Sieger. Bis er zurück in die Wohnung kam, das Radio einstellte und feststellte, dass er doch ein Verlierer war. Besiegt von der Stimme, die aus dem Hallenstadion meldete: Sulander im ZSC-Tor.
Am Morgen danach war es Zeit für eine ehrliche Analyse. Sie endete für Schubiger mit der Feststellung, dass seine Wochenplanung ein Desaster war. Er hatte den Ausflug ins Hallenstadion bei Frau Schubiger erst auf Sonntag angemeldet. Kinderfreundlich und mit praktischer Siegesgarantie gegen Rapperswil. Und so rostig wie er sich fühlte nach dem sportlich zwar in allen Belangen gewonnen, aber persönlich und seelisch doch irgendwie verlorenen Abend, hatte er grössere Zweifel, ob der noch etwas ältere Sulander bis dahin wieder einsatzbereit sein konnte.
Ganz objektiv gesehen gab es für Schubiger eine Menge Gründe, die für eine lückenlose Fortsetzung mit Sulander im ZSC-Tor sprachen: Flüeler könnte sehen, wo er sich noch verbessern muss; Sulander wäre vermutlich der einzige ZSC-Spieler, der sich auf ein Spiel gegen die Lakers freuen würde; Owen Nolan würde sich mit Sulander in der Mannschaft jung wie noch nie fühlen. Und nach den jüngsten Abstimmungen vermutete Schubiger auch, dass weitere Einsätze Sulanders Chancen auf den roten Pass erhöhen, weil es arbeitslose Ausländer in diesem Land gerade etwas schwieriger haben.