Matthews überzeugt in Team der ZSC Lions
Auf dem Weg nach oben
Der 18-jährige Amerikaner der ZSC Lions hat keine Anlaufzeit gebraucht, um sich als Ausnahmekönner zu zeigen. Doch was macht diesen Spieler aus? Am besten, man geht ins Stadion und sieht ihn sich an.
«Ab und zu etwas Neues zu probieren, kann nur gut sein.» So beschrieb der Zürcher Sportchef Edgar Salis, warum er sich für die Verpflichtung von Auston Matthews starkmachte. Das war im Mai. Matthews war ein ziemlich unbekannter Teenager, dem in Fachkreisen eine grosse Karriere vorausgesagt wurde – den aber kaum jemand aus eigener Anschauung kannte. Und der nie gegen Erwachsene gespielt hatte. Nun ist allen klar, warum er im nächsten NHL-Draft als Nummer 1 gesehen wird.
Nach 11 Partien steht der jüngste Ausländer, der bisher in der NLA spielte, bei 9 Toren. Das ist der Bestwert, den er mit dem Berner Cory Conacher teilt – doch Conacher hat vier Spiele mehr absolviert. Heute sagt Salis: «Matthews macht das wirklich gut. Aber ich glaube, er hat noch Potenzial – wie der Rest des Teams.» Gleich tönt die Einschätzung des Trainers Marc Crawford, der im August sagte: «Man sieht sofort, dass er ein aussergewöhnlicher Spieler ist. Aber er wird einige Zeit brauchen, bis er sich an alles gewöhnt hat.»
Ruhig wie ein Routinier
Da schwang wohl etwas Understatement mit. Denn Anlaufzeit hat Matthews keine gebraucht. Vom ersten Spiel an war seine Präsenz spür- und sichtbar. Beschreibt man ihn, ist es unmöglich, nicht ins Schwärmen zu geraten. Ob aus dem Stand oder bei vollem Tempo, es gibt kaum etwas, das Matthews nicht kann. Sein Auge fürs Spiel, die feinen Hände, die schnellen Beine, die gnadenlose Kaltblütigkeit. Das Zusammenspiel von Feinmotorik, Kraft und Dynamik macht diesen Center zu einem Rundum-sorglos-Paket auf Kufen. Er kann Dinge, die man nicht lernen kann. Instinktiv und blitzschnell erfasst er jede Situation.
Nun gibt es in der NLA noch andere hervorragende Läufer und Techniker. Matthews hebt sich aber in der Ausführung seiner Aktionen ab: Während andere gern in die Ecken fahren und dabei Quer- und Rückpässe spielen, bevor sie den Abschluss wagen, zieht er direkt vors Tor. Und dann kommt sein Schuss aus dem Handgelenk ansatzlos, hart und präzis – das ist NHL-Niveau.
Am faszinierendsten aber ist, mit wie viel Ruhe und Reife er spielt. Nicht eine Spur von jugendlichem Übereifer lässt er erkennen, nie erliegt er der Verlockung, Dribblings für die Galerie einzubauen. Matthews ist ein Teamplayer im besten Sinne. Sieht man ihm zu, wie er im Stil eines Routiniers bei der Arbeit ist, muss man sich immer wieder in Erinnerung rufen: Dieser Spieler ist erst 18 Jahre alt. So komplett ist hierzulande ein Teenager in seiner ersten Saison unter Profis noch nie aufgetreten. Doch was sollen eigentlich diese vielen Worte des Lobes? Am besten, man geht ins Stadion und schaut ihn sich selber an.
Matthews brilliert allerdings auch, weil das Zusammenspiel im Team funktioniert. An seiner Seite blüht Robert Nilsson förmlich auf, und am anderen Flügel passt Fabrice Herzog mit seinem ruppigen Stil ideal zu den beiden Spielmachern. Diese Sturmlinie ist derzeit das offensive Rückgrat der ZSC Lions, die in der Meisterschaft seit nunmehr sechs Spielen ungeschlagen sind.
Da wird noch mehr kommen
Innert kürzester Zeit ist Matthews zu einer Schlüsselfigur geworden in einem Team, das auch ohne ihn sehr gut besetzt wäre. Mit seiner Klasse aber sorgte er zuletzt oft für den Unterschied. Dabei tastet er sich erst an das neue Umfeld heran, hat noch nicht einmal jedes Stadion gesehen. Aber die ersten elf Spiele haben gezeigt: Auston Matthews ist schon sehr weit. Und es ist keine Frage: Da wird noch mehr kommen.
(us de NZZ: http://www.nzz.ch/sport/eishocke…oben-1.18631464 )