«Nein, wir haben keine Krise»
Die ZSC Lions weisen eine miserable Auswärtsbilanz auf. Flügel Patrik Bärtschi (30) ist sich dessen bewusst, will aber nichts von einem Meisterblues wissen.
Das 1:3 in Zug war die 9. Niederlage im 13. Auswärtsspiel für die Lions. Kann der ZSC auf fremdem Eis nicht mehr gewinnen?
Das kann man so nicht stehen lassen. Man muss die Niederlagen klar unterscheiden. Wirklich schlechte Spiele zeigten wir nur wenige. Meistens war es so, dass wir die sogenannt engen Duelle verloren. Das war in den letzten Jahren anders. Aber es ist schon so: Wir müssen wieder zur alten Auswärtsstärke zurückfinden.
Aber diese Bilanz sieht für einen Meister nicht gerade rosig aus. Letzten Winter legten die ZSC Lions eine beeindruckende Siegesserie hin.
Eigentlich möchte ich nicht mehr vom letzten Jahr sprechen. Das ist Vergangenheit. Wichtig ist nun, dass es uns gelingt, diese engen Spiele für uns zu entscheiden.
Aber was ist die Ursache für die Baisse?
Ich muss gestehen, dass unser Powerplay schlecht ist. (Der ZSC hat mit einer Quote von 15,46 Prozent gemäss dem Verbandsstatistiker den drittschlechtesten Wert der Liga.) Und wenn man weniger Tore schiesst, so hat das im Eishockey auch erklärbare Gründe. Wir müssen vermehrt und konsequenter den Abschluss suchen, uns verstärkt vor dem gegnerischen Tor aufhalten, gefährlichere Situationen provozieren, mehr Torchancen kreieren und effizienter werden.
Ist nun ein Krisenfondue der gesamten Mannschaft angesagt?
Natürlich: Die Auswärtsbilanz genügt unseren Ansprüchen nicht, die Resultate sprechen ja für sich. Aber man darf nicht vergessen: Wir hatten einen guten Saisonstart, zeigten auch gute Leistungen, vor allem zu Hause. (Die Lions entschieden 11 von 13 Heimpartien für sich.) Unser Teamgeist ist intakt. Wir müssen jetzt einfach anfangen, auswärts erfolgreicher zu sein. Ich muss es nochmals betonen: Wirklich schlechte Auftritte waren die Ausnahme.
Dann würden Sie nicht von einer Krise sprechen?
Nein, wir haben keine Krise, die wir bewältigen müssen. Alle sind professionell genug, alle ziehen bei uns am gleichen Strick. Es ist nun wichtig, dass wir nicht in Panik verfallen.
Also auch kein Meisterblues?
Nein. Wenn man Meister ist, dann sind die Gegner besonders motiviert, gegen einen anzutreten. Ich will die sportliche Situation nicht schönreden, aber ich will sie auch nicht schwarzmalen. Wir arbeiten täglich hart, um uns zu verbessern. Nach der bitteren Niederlage in Zug möchte man am liebsten gleich wieder antreten, um zu gewinnen. Der Spielkalender sagt aber etwas anderes, wir müssen erst wieder am Sonntag antreten. Wir nehmen uns für das Spiel in Lausanne viel vor, damit die Auswärtsbilanz besser wird.
Sie sind zusammen mit Morris Trachsler und Robert Nilsson nach der 2:3-Overtime-Niederlage in Biel von Trainer Marc Crawford harsch kritisiert worden. Motiviert Sie diese Kritik, oder nagt sie an Ihrem Selbstvertrauen?
Ich habe ein bisschen ein Problem damit, dass ich stets auf diese Kritik angesprochen werde. Der Trainer hat gesagt, dass wir in Biel einfach zu wenig gebracht haben. Aber das ist nun wirklich Schnee von gestern. Ich bin genug selbstkritisch. Eigentlich ist das Ganze nicht mehr der Rede wert.
Die Statistik besagt, dass Sie bisher erst sechs Goals erzielt haben. Zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr waren es doppelt so viele. Kann man bei Ihnen von einer Torflaute sprechen?
Es ist nicht das erste Mal in meiner Laufbahn, dass ich eine Torflaute, wie Sie es nennen, durchmache. Ich habe in dieser Meisterschaft schon siebenmal an den Pfosten geschossen. Manchmal fallen die Pucks ins Tor, manchmal weniger. Aber wenn wir mehr Chancen erarbeiten, dann fallen auch mehr Treffer. Ich mache mir diesbezüglich keine Sorgen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
(Erstellt: 27.11.2014, 11:55 Uhr)