us de hütige nzz. wie allerdings eine zusammenarbeit aussehen soll, ist mir ein rätsel. realistisch gesehen gibts doch nur 2 szenarien: ist-zustand oder fusion.
sie wänd doch tatsächli nur no 1 saisoncharte verchaufe! an mushu...
im ernst: was de canepa seit, hat natürlich was: «Wenn man es rein rational anschaut, ohne Emotionen, dann könnte eine Zusammenarbeit aus wirtschaftlichen Gründen einen Sinn ergeben.»
s'problem isch, dass es susch gfühlti 318 gründ gege e fusion git, aber de einti grund geld viel meh gwicht hät...
mit eim einzige satz s'pack us niederhasli sehr treffend analysiert, herrlich!: «Bloss weil GC in den letzten Wochen ein paar Spiele gewonnen hat, hocken die jetzt plötzlich wieder auf dem hohen Ross», meint ein Kenner dieser Vorgänge.
GC lässt Gespräche mit dem FCZ platzen
Stadtzürcher Fussballvereine brüten über einer engeren Zusammenarbeit - bis hin zur Fusion
Schlechte Finanzlage, drohende Defizite und der Neubau des Stadions Hardturm weichen die Fronten auf beiden Seiten auf.
Felix E. Müller
Die Sitzung war auf Dienstag um 7 Uhr 15 angesetzt. Ort: Städtisches Verwaltungszentrum Werdstrasse. Teilnehmer: die Spitzen der beiden Zürcher Vereine GC und FCZ sowie Vertreter der Stadt Zürich. Traktandum: Unterzeichnung eines «letter of intent» über die offizielle Aufnahme von Verhandlungen über eine Zusammenarbeit der beiden Grossklubs.
Nur: Die Sitzung fand nie statt. Sie wurde in letzter Minute abgesagt, weil es sich die Vertreter der Grasshoppers in letzter Sekunde anders überlegt hatten. «Bloss weil GC in den letzten Wochen ein paar Spiele gewonnen hat, hocken die jetzt plötzlich wieder auf dem hohen Ross», meint ein Kenner dieser Vorgänge. «Doch mit ein paar gewonnenen Spielen löst keiner der beiden Klubs seine strukturellen Probleme.»
Strukturelle Probleme umschreibt mit schönen Worten eine simple Tatsache: Beide Klubs haben zu wenig Geld. Im Moment ist dies im Fall des FCZ offensichtlicher: Nicht weniger als 8,6 Millionen Franken Verlust machte der Klub im Geschäftsjahr 2010. FCZ-Präsident Ancillo Canepa und der Vorstand reagierten darauf, indem sie für die neue Saison das Budget auf rund 20 Millionen senkten. Doch auch damit lebt der Verein über die Verhältnisse. Der «Sonntags-Blick» meldete vor einer Woche: «Um die kurzfristige Liquidität zu sichern, hat der FCZ bereits Transferrechte einzelner Talente an eine englische Investmentfirma verkauft.» Der Nennwert der Aktie wurde von 10 Franken auf 1 Franken 40 heruntergesetzt. Jetzt läuft eine Erhöhung des Aktienkapitals von 1,4 Millionen auf 4,2 Millionen Franken.
Teurer GC-Campus
Das ist jedoch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Dringend benötigt der Verein bessere Trainingsbedingungen. Eine grosse Juniorenbewegung, eine wachsende Frauensektion beanspruchen die sportliche Infrastruktur über Gebühr. Doch die Pläne für einen Trainings-Campus Heerenschürli in Zürich Schwamendingen mussten mittlerweile wegen fehlender Mittel auf Eis gelegt werden; auch eine Finanzierung durch Bankkredite erwies sich als unmöglich. Jetzt liegt ein Gesuch auf dem Tisch der Stadt Zürich, das Projekt mithilfe der öffentlichen Hand zu stemmen. Zu alldem kommen enttäuschende sportliche Leistungen der 1. Mannschaft, was zusätzliche Unruhe in den Verein bringt.
Nur vor einem Jahr steckten die Grasshoppers in der gleichen Situation. Ohne die reglementarische Zurückstufung von Xamax Neuenburg und Sion wäre der Abstieg in die Challenge League Tatsache geworden. Finanziell gelang es dem vorübergehend als Sanierer geholten Urs Linsi vor zwei Jahren, mit dem neu gebildeten Owners Club wenigstens eine solide Kapitalbasis bis 2014 zu formieren. Doch dann folgte die desaströse letzte Saison, die den Rekordmeister viel Goodwill kostete. Es erwies sich etwa als unmöglich, einen neuen Leibchensponsor zu finden. Schliesslich sprangen zwei Mitglieder des Owners Club mit je 500 000 Franken in die Bresche.
Doch auch mit all diesen Massnahmen steht das gegenwärtige Budget von 17 Millionen auf wackeligen Füssen. Der Jahresabschluss 11/12 per Ende Juni 2012 weist einen Verlust von rund 500 000 Franken aus, trotz ausserordentlichen Transfererlösen von 2,3 Millionen. Gegenüber dem geplanten «Nullergebnis» ohne Transfer-Erträge stellt dieses Ergebnis eine Verschlechterung von 2,8 Millionen dar. Somit beginnt die Rechnung der neuen Saison mit einem Verlustvortrag von einer halben Million. Dazu hat die Anbindung des Spielers Veroljub Salatic grössere, nicht budgetierte Kostenfolgen. Und auch die gegenwärtige Siegesserie ist aus finanzieller Hinsicht nicht ohne Wermutstropfen, weil die Siegesprämien viel höher sind als erwartet.
Auch bei GC lasten strukturelle Probleme schwer auf dem Verein, insbesondere der Campus in Niederhasli. Dieser verschlingt 2,5 Millionen pro Jahr, einen substanziellen Teil des regulären Budgets. Deshalb sind die Hoppers momentan nicht einmal mehr in der Lage, den dringend nötigen Ersatz eines Kunstrasenfelds im Betrag von 350 000 Franken zu finanzieren. So hat auch dieser Spitzenverein bei der Stadt angeklopft mit der Bitte um Unterstützung. Übrigens nicht zum ersten Mal: Die Stadt besitzt heute bereits zwei Fussballfelder des GC-Campus.
Das momentane sportliche Hoch bei den Grasshoppers sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aussichten für die Zeit nach 2014 umwölkt sind. Einige der Owners werden dannzumal abspringen, Nachfolger müssen zuerst gefunden werden. Zwar hat der neue Präsident André Dosé einen schönen Anreiz, um neue Mittel aufzustöbern. Er erhält nämlich vertraglich eine fixe Provision auf alle Sponsorgelder, die er generiert. Aber ob dies genügt, um den künftigen Finanzbedarf des Vereins zu stillen, ist fraglich. Zudem: Wenn intern bereits von möglichen Einnahmen aus der Champions League gesprochen wird, verlässt man den Bereich seriöser Finanzplanung definitiv.
Wen überrascht es da, dass beide Vereine immer wieder bei der Stadt auf der Matte stehen mit der Bitte um Unterstützung. Diese anerkennt zwar die positive Rolle der Fussballvereine gerade in der Nachwuchsförderung, tendiert aber zu einer Gesamtschau, weil sie genug hat von punktuellen Hilfsmassnahmen. Deshalb begrüsst und befördert sie die Annäherung der beiden Klubs. Von deren Wohlergehen ist sie schliesslich direkt betroffen, weil dies Einfluss hat auf die Pläne für ein neues Fussballstadion im Hardturm.
Am 24. Oktober will das Hochbaudepartement das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs vorstellen. Dabei sind die Kosten ein wichtiges Thema. Ursprünglich plante die Bauherrin mit einem Betrag von 135 Millionen. Als das Sportamt aber dem Druck der FCZ-Fans nachgab und zwei getrennte Fankurven plante, schnellten die Kosten auf 150 Millionen hoch. Doch auch nach der zweiten Wettbewerbsrunde «verfehlte das Trio das Kostenziel wieder», schreibt die NZZ am 19. September. Wenn heute der Sprecher des Hochbaudepartements sagt, die 150 Millionen seien «kein Kostendach», sagt er im Kern, dass das Stadion noch teurer werden könnte.
Eine Fusion der beiden Vereine zöge logischerweise den Verzicht auf eine der beiden Fankurven nach sich; die Kosten würden schlagartig um 15 Millionen sinken. Das dürfte die Chancen des Projekts in einer Volksabstimmung verbessern, zumal der städtische Haushalt jetzt in die roten Zahlen rutscht und deshalb der Kostenaspekt bei Abstimmungen wichtiger werden dürfte.
Nüchterne Rechner im FCZ
Im Stadthaus heisst es deshalb, beide Vereine sollten jenseits aller emotionalen Wallungen eine nüchterne Überlegung anstellen: Ist es möglich, in Zürich auf die Dauer zwei Spitzenklubs auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis zu führen? Die Frage stellen heisst sie verneinen. In den Führungsetagen beider Vereine gibt es Leute, die aus diesen Gründen einer engen Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion nicht mehr abgeneigt sind. Eine Machbarkeitsstudie des Beratungsunternehmens Deloitte soll eine Kosten-Nutzen-Analyse einer Fusion vornehmen.
FCZ-Präsident Canepa hat der NZZ kürzlich gesagt: «Wenn man es rein rational anschaut, ohne Emotionen, dann könnte eine Zusammenarbeit aus wirtschaftlichen Gründen einen Sinn ergeben.» Canepa muss es wissen: Er hat im selben Interview enthüllt, dass er in den letzten sechs Jahren gegen zehn Millionen in den Klub versenkt hat. Auch jetzt ist er massgeblich an der laufenden Kapitalerhöhung beteiligt. Und im Verwaltungsrat sitzen etwa mit Gregor Greber und dem Sanierer Hans Ziegler Leute, die sicher eines können: nüchtern rechnen.
Bei GC war es ähnlich. Der Verwaltungsrat hat den Auftrag erteilt, eine Fusion zu prüfen. Doch der Owners Club ist gespalten, auch wenn bis vor kurzem die Befürworter einer Annäherung eher das Übergewicht besassen. Mit der jüngsten Siegesserie hat sich das allerdings geändert. Nur so kann man das Fernbleiben von der Sitzung am vergangenen Dienstag interpretieren. Das letzte Wort ist damit aber sicher noch nicht gesprochen. Denn bei beiden Vereinen fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Und scheitert das neue Stadion an der Kostenfrage, dürfte die Stadt Zürich für längere Zeit fussballerisch gesehen kleine Bälle schieben.
