Zitat von Mushu
Geile Kommunikation bei GCN. Der Trainer -mit Vertrag bis Ende 12/13 - ist heute entlassen worden. Der Vollzug folgt aber erst in zwei Monaten. Fruchtbare Basis für eine fordernde Leistungskultur. Brillianter Start des Neuen!
aus der heutigen nzz am sonntag.
gruess roli c.
«Der Erfolg muss kurzfristig kommen»
Der neue GC-Präsident André Dosé wäre nie bei einem erfolgreichen Klub eingestiegen. Ihn reizt es, die Grasshoppers mit mehr Geld neu aufzubauen. Ciriaco Sforza ist in der neuen Saison nicht mehr Trainer
NZZ am Sonntag: Sie hatten bisher keine persönliche Beziehung zu GC, jetzt werden Sie Präsident. Woher kommt das plötzliche Interesse?
André Dosé: GC ist ein Traditionsklub und immer noch ein sehr guter Brand. Es ist wichtig, dass es in der Schweiz wieder einen starken Grasshopper-Club gibt. Es ist meine Aufgabe, GC vorwärtszubringen.
Aber bisher sind Sie nie mit GC in Zusammenhang gebracht worden.
Das interpretieren Sie so, weil ich immer mit dem FC Basel in Verbindung gebracht werde. Es gibt Leute, die das jetzt kritisieren, aber ich würde diesen Hintergrund nicht überbewerten. Mein Heimatort ist Horgen, ich wohne im Fricktal, dort gibt es sehr viele GC-Fans.
Sie hätten FCB-Präsident werden sollen.
Ich war als Crossair-Chef Sponsor des FCB. Später gab es eine Anfrage, ob ich Präsident werden wolle. Aber das war schon nach der Gründung der Swiss. Da konnte ich nicht auch noch FCB-Präsident sein. Und es wäre auch nicht klug gewesen, denn die Swiss war ein Schweizer, kein Basler Projekt.
Ihre fünf Vorgänger bei GC sind fast alle frustriert aus dem Amt geschieden. Wieso passiert Ihnen das nicht?
Ich spüre die Solidarität des Owner Club, sonst wäre ich nicht angetreten. Ich habe es mir gut überlegt und mit vielen Leuten diskutiert, die viel Geld in den Klub investieren. Sie sind bereit, in der Zukunft noch etwas mehr zu geben. Auf diesem finanziellen Fundament kann man aufbauen. Geld ist nicht gleich Erfolg. Aber es ist ein wesentlicher Teil.
Das Budget von heute 15, 16 Millionen Franken soll grösser werden?
Wir müssen ganz klar mehr Mittel haben, das ist so.
Investieren Sie persönlich Geld in GC?
Dazu äussere ich mich nicht. Meine Hauptaufgabe ist, mich gewaltig hinter das Dossier Sponsoring zu klemmen, um neue Quellen zu erschliessen.
Werden Sie Ihre Beziehungen im Airline-Business aktivieren?
Die Fluggesellschaften in Europa kämpfen gegen sehr tiefe Margen, das wäre keine gute Idee.
Ihre Airline-Beziehungen reichen bis in den arabischen Raum.
Ich sage nur, ich werde alles anschauen. Aber machen wir uns keine Illusionen - ein Sponsor muss auch zu GC passen, und umgekehrt muss GC auch der Firma etwas bringen. Ich kenne das von der anderen Seite, die Swiss hat sich stark im Sport engagiert.
Den Namen Gulf Air nehmen Sie also nicht in den Mund?
Nein, das mache ich nicht.
Sind Sie Mitglied im Owners Club, der jährlich vier Millionen Franken zahlt?
Im Moment nicht. Aber es ist möglich, dass sich das ändert.
Werden Sie wie Ihr Vorgänger Leutwiler auch Präsident des Owners Club?
Nein, die Trennung muss klar sein. Es ist auch klar, wer der neue Präsident der Owners sein wird. Das werden wir später bekanntgeben.
Werden Sie für Ihre Aufgabe bezahlt?
Im Moment nicht, wir hatten noch gar keine Zeit, darüber zu sprechen.
Dann können Sie sich Ihr Engagement auch finanziell leisten.
Ja, sonst würde ich es nicht machen.
Was kommt nun auf Sie zu?
Ich werde bis Anfang nächster Saison stark operativ führen und GC sicher 50 Prozent meiner Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Auch wenn wir die richtigen Leute am richtigen Ort installiert haben, werde ich mich nicht zurücklehnen. Ich werde sie weiterhin kritisch hinterfragen.
Wie haben Sie die letzten Jahre bei GC aus der Distanz mitverfolgt?
Es gab unglaublich viele Wechsel bei den Präsidenten, den Sportchefs und den Trainern. Mit einer solchen Inkonstanz kann man keine Firma und auch keinen Sportklub führen. Seit 1999 war GC zweimal Meister und hat einmal einen Cup-Final verloren. Das ist für GC zu wenig. Da braucht es andere Ansprüche.
Was sind das für Ansprüche?
Ich möchte jetzt noch keine sportlichen Ziele setzen. Aber wir müssen Jahr für Jahr besser werden, auch bei den Junioren. Leistung allein genügt nicht, wir müssen auf allen Ebenen wieder eine Winner-Mentalität haben. Erfolgsdenken muss man eintrichtern.
Viele Ihrer Vorgänger haben genau
das Gleiche gesagt. Können Sie nachvollziehen, dass man skeptisch ist?
Das verstehe ich sehr gut. Ich erwarte keine Vorschusslorbeeren.
Der zurückgetretene Verwaltungsrat Alain Sutter hat gesagt, dass es unmöglich sei, GC als Ausbildungsverein zu führen. Sehen Sie das auch so?
Ja, da hat er recht. Im Sport ist es anders als in der Wirtschaft, der Erfolg muss kurzfristig kommen.
Dafür braucht es sportliche Kompetenz - einen Cheftrainer, einen Sportchef, jemanden im Verwaltungsrat. Woher holen Sie diese Kompetenz?
Wir brauchen zusätzlich sportliche Kompetenz, das ist klar. Interne Lösungen sind denkbar, externe auch.
Der technische Direktor Mathias Walther wäre eine interne Lösung.
Das ist so, er war auch schon Sportchef. Er hat derzeit eine wichtige Rolle. Man muss sich das gut überlegen, wenn man ihn verpflanzt.
Könnte Ihnen Ihre Vergangenheit in Zürich politisch zum Nachteil werden? Immerhin übernahm die Basler Crossair mit Ihnen die Swissair in Zürich.
In Basel gab es damals Vorwürfe an mich, weil ich mein Büro nach Zürich verlegen musste. Den Hauptteil unserer Operationen mussten wir in Zürich erledigen. Das war nicht einfach.
Sie waren Krisenmanager bei der Swiss, jetzt sind Sie es bei GC. Wo ist der Unterschied?
Die Grösse spielt keine Rolle, die Probleme sind stets ähnlich, auch die Lösungen. Es geht immer um Menschen, die man neu motivieren muss.
Liegt darin auch Ihr persönlicher Reiz, weil man im Sport Leistung nicht unbedingt mit Erfolg identifizieren kann?
Vielleicht, ja. Aber es geht mir persönlich vor allem darum, etwas aufbauen und den Klub auf Kurs bringen zu können. Das ist der Reiz für mich. Ich hätte mich nie bei einem erfolgreichen Klub engagiert.
Sie haben dem Trainer Ciriaco Sforza mitgeteilt, dass für ihn Ende Saison definitiv Schluss sein wird.
Ja, das ist einer der Unterschiede zwischen Sport und Wirtschaft. Dieser Schnitt musste einfach gemacht werden, als Zeichen für den Neuanfang nach innen und nach aussen. Es gibt Erwartungen. Sie sind berechtigt.
Interview: Stephan Ramming, Flurin Clalüna