...ich sehe einige Parallen im Wesen und Auftreten von Klopp zu Del Curto! Im positiven wie im negativen...
Gruess Roli C.
Das Porträt
Mit Euphorie und Kalkül
Deutschland vergöttert Jürgen Klopp, den Erfolgs-Coach von Dortmund und grossen Selbstvermarkter. Von Stefan Osterhaus
Es gibt ein paar Dinge, die dem Fussballtrainer Jürgen Klopp nachgesagt werden. Da ist zum einen die Fähigkeit zur messerscharfen Analyse, zudem soll er ein ausgesprochen guter Pädagoge sein. Vor allem aber ist es der unerschütterliche Wille zur guten Laune, der den Mann auf der Dortmunder Trainerbank auszeichnet, und nicht wenige halten es für das herausragendste Merkmal dieses Trainers.
Zurückhaltung ist ihm fremd. Skepsis kennt er gegenwärtig nur in einer Angelegenheit: beim Kampf um die Meisterschaft. Dabei wäre es gar nicht nötig. Tabellenführer ist die Borussia - mit einer souveränen Führung zur Winterpause. Erst einmal in der Geschichte der Bundesliga ist ein solcher Rückstand aufgeholt worden.
Deutschland ist ihm verfallen. Im Sommer 2008 war Klopp von Mainz 05 zu Dortmund gewechselt, einem schwierigen, weil überaus ambitionierten Klub. Schon im Januar 2009 notierte die «Welt» erstaunt: «Lediglich ein halbes Jahr hat Trainer Jürgen Klopp gebraucht, um bei Borussia Dortmund wieder Euphorie zu entfachen.» Kontinuierlich hat der 43-Jährige den Aufbau eines jungen Teams forciert. Mittlerweile ist die Euphorie ins Unermessliche gewachsen. Nun titelt dasselbe Blatt: «Menschenfänger und Wundertrainer.»
Ein Schnelldenker
Was ist dran an diesem Mann? «Ich habe noch nie jemanden gesehen, der einen Fehler im System so schnell erfasst», sagt sein ehemaliger ZDF-Mitkommentator Urs Meier. Klopp, der Analytiker, versteht die Erkenntnisse zudem umzusetzen, seine Arbeit mit jungen Spielern wird gerühmt, das Passspiel der Borussia ist atemberaubend schnell. «Er hat einen Blick für das grosse Ganze», sagt Meier, der sich bei der gemeinsamen Arbeit im TV-Studio, die einen nicht unwesentlichen Anteil zu Klopps Popularität beitrug, augenblicklich mit Klopp verstand: «Es war Liebe auf den ersten Blick.» Ganz platonisch versteht sich, auch die Ehefrauen, sagt Meier, kommen gut miteinander aus.
In einem rasanten Tempo hat Klopp sich seinen Weg durch den deutschen Profifussball gepflügt. Zunächst trat er als Interimstrainer seinen Job in der Karnevals-Hochburg Mainz an: Damals, im Jahr 2001, geschah die Inthronisation des ehemaligen Spielers bezeichnenderweise an einem Rosenmontag. Nicht wenige dachten, er sei eine Lösung auf Zeit. Doch Klopp wurde zum Dauerbrenner. Mainz stieg mit ihm im dritten Anlauf in die Bundesliga auf, er galt als Initiator des Mainzer Spitzenfussballs, und seinem tadellosen Ruf konnte es nicht einmal schaden, dass der Klub auch unter ihm wieder abstieg.
Auch nach dem Wechsel zum BVB ist Klopp eine Mainzer Ikone geblieben. Zum Manager Christian Heidel ist der Kontakt nie abgerissen, und so erklärte Heidel kürzlich: «In schwierigen Situationen tauscht man sich schon aus. Als er in Dortmund anfangs Probleme hatte, habe ich ihm den einen oder anderen Tipp gegeben.» Andererseits hat Heidel auch Klopp um Rat gefragt, als dieser schon nicht mehr in Mainz tätig war - etwa als es um die Entlassung des Trainers Jörn Andersen ging: «Ich habe ihn angerufen und ihm erzählt, was ich vorhabe. Da spreche ich aber nicht mit ihm in der Funktion als Trainer von Borussia Dortmund, sondern mit meinem Freund Jürgen Klopp.» Solche Verhältnisse sind im Fussballgeschäft nicht eben alltäglich.
Berechnend freundlich
Klopp pflegt das Image des allseits freundlichen Trainers mit einigem Kalkül. Kürzlich stellte sich Klopp einem fingierten Interview, in dem er im Stile eines Regierungssprechers Fragen zu einer imaginären Dortmunder Krise beantwortete, und spätestens in diesem Augenblick wurde klar: Er ist ein Meister der Selbstvermarktung. Für alte Mitstreiter, so war kürzlich zu vernehmen, ist er seit Wochen nicht mehr zu erreichen. Manche Journalisten berichten zudem nicht erst seit gestern noch von einem anderen Jürgen Klopp: von einem genervten Trainer, einem Mann mit ausgeprägtem Hang zur Besserwisserei, der bohrendes Nachfragen gern einmal abkanzelt und der sich in seiner Grundierung kaum von einem Coach wie dem Münchner Louis van Gaal unterscheidet, dessen Meinung zum Fussball nach eigener Ansicht ein Evangelium ist. Es wäre nur konsequent, sich an solchem Kaliber zu orientieren. Denn es ist genau jene Liga, in die Klopp strebt: Bereits im Januar 2009 wurde Klopp einmal nach einem Wechsel zu den Bayern befragt. Abgeneigt war er nicht, und er führte aus: «Wenn es irgendwann passieren sollte, dann hätten wir vorher mit dem BVB richtig Erfolg gehabt.»
Manchmal treten Dinge schneller ein als erwartet. Nähme er als Meister den nächsten logischen Karriereschritt nach München, dann würden sie ihm auch in Dortmund nicht böse sein.