Und dann sagt er mit Blick auf die vielen mitgereisten Zürcher Anhänger: «Wir sind unseren Fans in der nächsten Saison einiges schuldig.»
für mich DIE überraschung der saison! da spielst du weit unter erwartungen, oft gar einen für fürchterlichen mist und bist nur auf den tabellenplätzen 8-10 platziert. trotzdem hast du zu hause +/- 15‘000 zuschauer im schnitt und wirst auswärts von jeweils 2-3‘000 begleitet!
1:1 gegen Meister YB - Der FCZ feiert die Schönheit des Abwehrkampfs
Ein Punkt bei den Young Boys: Der FC Zürich muss nicht mehr um den Klassenerhalt bangen. Und Trainer Bo Henriksen freut sich über ein «Meisterwerk» seiner Spieler.
Florian Raz
Publiziert am 14. Mai 2023 um 16:18 Uhr
Der Zürcher Himmel ist blau: Die Spieler des FCZ vor der Rauchwand ihrer Anhänger.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)
Die Schönheit des Fussballs kann sich auf ganz unterschiedliche Arten offenbaren. Es gibt jene Momente, die funkeln und glänzen wie ein Alpsee in der Sommersonne. Wenn zum Beispiel eine eingesprungene Direktabnahme mit diesem ganz speziellen Dreh via Innenpfosten ins Tor titscht.
Und dann gibt es die etwas andere, die nicht ganz so offensichtliche Schönheit, die man sich erst erschliessen muss wie das Silbergrau einer kargen, moorigen Hochebene im Herbstnebel. Jene von Grätschen und lustvoll weggedroschenen Bällen und Umarmungen nach jedem zumindest nicht verlorenen Kopfballduell.
Die Partie des FC Zürich bei den Young Boys bietet beides. Für die feine, die filigrane Sonnenseite des Spiels war der Meister aus Bern zuständig. Mit Lewin Blums 1:0 in der 21. Minute als Höhepunkt. Die andere, die schwitzende, die neblig-dampfende übernimmt der FCZ.
Ja, mit etwas bösem Willen könnte man seinen Auftritt im tief stehenden 5-3-2 als destruktiv bezeichnen. Aber es hat etwas Lustvolles, wie sich die Zürcher einigeln. Wie sie sich an den einen Punkt klammern, der sie deren sieben vom Tabellenende wegbringen wird.
Henriksen nimmt alles Werkzeug raus
«Es liegt eine Schönheit darin, das Beste zu geben, was du in dir hast», sagt ein sichtlich stolzer Bo Henriksen nach dem Schlusspfiff. Der FCZ-Trainer redet von nichts weniger als einem «Meisterwerk», das seinen Spielern gegen YB gelungen ist. Und er gibt zu: «Manchmal macht es als Trainer mehr Spass, wenn du alle Werkzeuge rausholen kannst.»
Gegen YB öffnet Henriksen nicht den kleinen, portablen Werkzeugkasten – es ist gleich ein ganzer Schrank voller Gerätschaften. Im Angriff setzt er zu Beginn auf null gelernte Stürmer. Stattdessen legt er die Offensive in die Füsse von Antonio Marchesano, Fabian Rohner und Bledian Krasniqi. Drei eher schmächtige Wusler, deren kombiniertes Lebendgewicht circa einen YB-Innenverteidiger wie Aurèle Amenda aufwiegen dürfte.
Ziel: die eher gross gewachsene YB-Abwehr mit raschen Läufen und schnellen Zuspielen in die Tiefe überrumpeln. Das klappt zu Beginn des Spiels ganz passabel – und danach von Minute zu Minute immer weniger. Aber das ist egal. Weil die Zürcher an diesem Sonntag kaum Chancen brauchen für ihr eines Tor.
Ganze vier Schüsse gibt der FCZ an diesem Nachmittag ab. Einen davon aus elf Metern, nachdem Fabian Lustenberger einen der guten Läufe seines Vornamensvetters Rohner mit einem Foul stoppt. Krasniqi verwandelt den Penalty gegen den 20-jährigen Super-League-Debütanten Marvin Keller im YB-Tor. Es ist der vierte Elfmeter für Zürich in den letzten drei Spielen.
Brecher schwärmt von seinem «Big Save»
Fünf Punkte hat der FCZ in diesen Partien gesammelt und sich nach menschlichem Ermessen vor dem Fall in die Barrage gerettet. Und Henriksen steht kurz davor, jenes Ziel zu erreichen, das ihm der FCZ bei seinem Amtsantritt gesetzt hat. 40 Punkte hätten die Verantwortlichen bis zum Saisonende von ihm verlangt, erzählt Henriksen. Und erinnert noch einmal kurz daran, wie viele Punkte das Team bis dahin in zehn Ligaspielen gewonnen hatte: vier (in Ziffern: 4).
So solidarisch und leidenschaftlich seine Zürcher allerdings auch verteidigen: Einen Goalie brauchen sie dann schon auch noch, um das Spiel nicht doch zu verlieren. Es läuft die 52. Minute, als Donat Rrudhani aus sechs Metern zum Schuss kommt, aber am unfassbar schnell tauchenden Yanick Brecher scheitert. «Das war ein richtiger Big Save», sagt der FCZ-Captain danach selber, «so einen hatte ich schon lange nicht mehr.»
Und dann sagt er mit Blick auf die vielen mitgereisten Zürcher Anhänger: «Wir sind unseren Fans in der nächsten Saison einiges schuldig.» Er weiss, was die Schönheit des Abwehrkampfs eben auch an sich hat: Ihre Faszination ist endlich.