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Die Grenzüberschreitung der FCB-Fans
Christoph Kieslich 26.02.2023, 13.57 Uhr

Die Muttenzerkurve beim Trabzonspor-Spiel: Erst ungehalten und ungebührlich, dann mit einer Choreografie auftrumpfend. Claudio Thoma / freshfocus
Ein Übergriff von FCB-Ultras im Sektor A des St. Jakob-Park beim Trabzonspor-Spiel reiht sich ein in eine Serie von Vorfällen, die nicht nur die Fans betreffen und den FC Basel herausfordern.
Es ist ja nicht so, dass der FC Basel nicht für ausreichend Gesprächsstoff sorgen würde. Auf den Haupt- wie auf Nebenschauplätzen. Dort erlebte zum Beispiel Lukie Wyniger am Donnerstag einen unangenehmen Moment.
Der bekannte Radiomann, Reggae-Liebhaber und mindestens so grosse FCB-Fan war im St. Jakob-Park am DJ-Pult, als er eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn Besuch bekam: Eine Handvoll Fans, nach ihrem Outfit dem Kern der Muttenzerkurve zugehörig und zum Teil vermummt, bahnte sich ihren Weg im A4-Sektor über noch weitgehend unbesetzte Zuschauerplätze, bis sie zum in der ersten Reihe der Medientische aufgebauten Mischpult gelangten. Dort zogen sie dem DJ sämtliche Stecker, machten auf dem Absatz kehrt und zogen mit grimmigen Mienen von dannen.
Lukie Wyniger schaute konsterniert drein, versicherte, dass nichts kaputt gegangen sei bei dem Übergriff und hatte auch eine Erklärung dafür: Den Fans in der Kurve sei die Beschallung schlicht zu laut. Sie fühlen sich bei ihren Gesängen vom neuen Unterhaltungskonzept des FCB offenbar gestört. Neben Verständnis dafür lieferte Wyniger, als der erste Schreck vorbei war, gleich auch eine Lösung mit: Man könne ja schlicht die Lautsprecher in der Kurve ausschalten.
ZitatGrenzüberschreitungen von Ultras dürfen zwar nicht überraschen, der Handstreich hat aber eine Linie überschritten.
Eine grosse Sache will Wyniger, seit neuestem Gastronom in Birsfelden, aus der Angelegenheit nicht machen. Er hat sich im Anschluss an das Spiel mit Vertretern der Kurve ausgetauscht. Und auch beim FC Basel versucht man, den Ball flach zu halten: Die Stimmung im Stadion mit den aussergewöhnlichen vielen und lauten Fans der Gästemannschaft aus der Türkei sei sehr emotional gewesen, der Kurve sei die Musik generell zu laut, Abhilfe ging ihr nicht schnell genug und so sei es zu dieser Kurzschlussreaktion gekommen.
Festhalten darf man, dass der Handstreich dieser Fans eindeutig eine Linie überschritten hat. Grenzüberschreitungen dürfen im Umfeld einer Ultra-Kurve mit allen subkulturellen Facetten und Auswüchsen zwar nicht überraschen, der FC Basel steht jedoch in der Verantwortung, zumindest innerhalb des Stadions Grenzen aufzuzeigen.
Erst vergangenen Sonntag wurde der Fall eines in Freiburg im Breisgau lebenden russischen Studenten publik, der im St. Jakob-Park in der Nähe der Muttenzerkurve mit seinem Smartphone sich und die Szenerie filmte und körperlich angegangen wurde. Dazu nahm der FCB mit dem Ausdruck des Bedauern Stellung, merkte aber auch an, dass im Fan-Sektor eine Null-Toleranz beim Filmen herrsche. Laut «Blick» meldete der junge Russe den Vorfall bei der Polizei.
Am selben Tag sorgte eine Comedycrew des Schweizer Radio und Fernsehen mit einer Guerilla-Aktion für Aufsehen. Weitgehend unbemerkt hatte sich zu Spielbeginn ein Mitarbeiter eines Humorformats in offiziell anmutenden FCB-Klamotten in die Coaching Zone gestellt. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorüber, der junge Mann aus dem Stadion geleitet und die Erregung beim FCB einigermassen gross.
Geharnischt fiel die Reaktion dazu aus, vom SRF als Rechteinhaber sah man sich hintergangen und die offizielle Stellungnahme fiel so aus: «Wir können nicht nachvollziehen, dass sich ein seriöses Medium unrechtmässigen Zutritt in die Coachingzone verschafft und dadurch die Störung eines offiziellen Ligaspiels in Kauf nimmt.»
Diese Schärfe fehlt nach dem Übergriff auf ein Mischpult. Die Kommunikationsabteilung des Klubs schreibt auf Anfrage dazu: «Die Aktion war auch aus Sicht des FCB nicht in Ordnung. Der Klub wird die Sache sowohl intern als auch im direkten Dialog mit den Fans anschauen.»
Die Aufforderung, «den Stecker zu ziehen», kennt man in Basel seit den Hochzeiten der E-Sport-Aktivitäten des Klubs. Es zu unterlassen, dies selbst zu tun, könnte der FC Basel seinen Fans wenigstens ins Stammbuch schreiben.

