Bei aller Euphorie: Ghetto ist "nur" der Ersatz für Suter, und Suter war Top Skorer in der letzten Saison in der Schweiz! 30 (!) Tore schiesst nicht einfach so jeder! Von da her liegt die Latte für Ghetto ziemlich hoch. Aber um Suter zu ersetzten war es wohl der beste mögliche Deal.
Der ZSC-Stürmer im Interview über seine Unterschrift, seinen Lohn und seine Ziele
Sven Andrighetto: "Scorerpunkte sind mir egal, ich will Meister werden"
Die ZSC Lions haben am Dienstagmorgen den zu erwartenden Transfercoup bekanntgegeben. Sven Andrighetto wird in Zukunft das Logo vom "Zett" auf der Brust tragen. Der Stürmer hat in Zürich für fünf Jahre unterschrieben und hat mit uns über seinen neuen Vertrag gesprochen.
Was hat schlussendlich den Ausschlag für eine Unterschrift bei den ZSC Lions gegeben?
Ich hatte natürlich mehrere Angebote und habe mit verschiedenen Teams gesprochen, aber schlussendlich war es für mich eine relativ einfache Entscheidung. Ich hatte sehr gute Gespräche mit Sven Leuenberger und Rikard Grönborg. Sie haben mir die Philosophie der gesamten Organisation vorgestellt, welche mir sehr gut gefällt. Ich meine, ich bin in Zürich aufgewachsen, habe bei den Lions die Nachwuchsabteilungen durchlaufen und bin da gross geworden. Es ist mein Zuhause, mein Herz ist Zürich. Die ZSC Lions sind für mich eine Top-Destination in ganz Europa.
Schlussendlich habe ich mir auch den Kader angeschaut und in Zürich haben wir bereits eine hervorragende Mannschaft beisammen, welche schon viel erreicht hat. Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Ich freue mich auch darauf, ehemalige Teamkollegen wieder zu sehen. Mit Reto Schäppi und Chris Baltisberger habe ich beispielsweise schon für die GCK Lions gespielt. Auch Christian Marti ist ein sehr guter Freund von mir. Ich bin auch "Götti" von seinem Sohn. Die Mannschaft hat also auch einen Ausschlag gegeben und ich freue mich wirklich sehr, Teil davon zu sein.
Hattest du auch noch Angebote aus dem Ausland?
Nein, für mich war nach Russland klar, dass ich in die Schweiz will. In Russland hätte ich ja noch einen Vertrag über ein Jahr gehabt, war aber froh, als ich diesen auflösen konnte. Für mich persönlich ist die Schweiz ein super Hockeyland, das riesige Fortschritte gemacht hat. Ich denke es ist nach der NHL eine der besten Destinationen, vor allem auf spielerischer Ebene.
Ein Fünfjahresvertrag ist eine Hausnummer, da gibt es in der Schweiz nicht viele Spieler, welche einen solchen Kontrakt aufweisen können...
...Ich freue mich natürlich sehr, in den nächsten fünf Jahren den Löwen auf der Brust zu tragen. Für mich ist der ZSC keine Zwischendestination, ich will hier etwas bewegen. Da kommt in zwei Jahren auch noch das neue Stadion hinzu. Es hat für beide Seiten so gestimmt und darüber freue ich mich sehr.
Ist die NHL überhaupt noch ein Ziel?
Das ist schwierig zu sagen, zum heutigen Zeitpunkt ist mein Fokus voll und ganz auf Zürich gerichtet. Klar, jeder Eishockeyspieler will in der NHL spielen und jetzt wo es das neue NHL-Agreement gibt, benötigt man ja keine Ausstiegsklausel mehr. Wenn diese Türe wieder aufgehen würde, dann wäre dies sicherlich interessant und ich würde es mir überlegen. Mit dem will ich nicht abschliessen, aber wie erwähnt, mein Fokus liegt auf Zürich.
Deine Vorschusslorbeeren in der Schweiz sind sehr gross, wenn nicht riesig. Spürst du schon einen gewissen Druck?
Nein überhaupt nicht, ich nehme die Vorschusslorbeeren als Motivation. Schlussendlich ist es mir aber egal, wie viele Tore ich erziele, ich will mit den Lions einfach Meister werden und Titel gewinnen, aber ich will natürlich helfen, wo ich kann.
In Russland hätte ich sicher doppelt so viel verdienen können.
Die National League passt sehr gut zu deinem Spielstil (schnell, offensiv, technisch), also auf deine Punkte solltest du ja eigentlich kommen. In den letzten beiden Jahren fehlte dir aber genau in diesem Punkt etwas die Konstanz.
Für mich ist dies schwierig zu sagen, da ich noch nie in der National League gespielt habe. Schon zwischen der NHL und der KHL gibt es sehr grosse Unterschiede, darum bin ich gespannt, was mich erwartet. Die Konstanz ist immer das wichtigste für einen professionellen Athleten, in allen Sportarten. Jeden Abend die beste Leistung abzurufen, ist die grösste Challenge. Ich habe sicher noch an vielen Orten ein grosses Potenzial und glaube ich bin noch nicht auf meinem Top-Level angekommen.
Wenn wir das Kader der Lions betrachten, mit wem würdest du am liebsten in der Linie spielen?
Das musst du Rikard Grönborg fragen [lacht], aber ich habe natürlich bereits mit Reto Schäppi zusammengespielt. Er war an der WM 2016 und teilweise auch 2018 mein Center. Das gilt auch für Dennis Hollenstein. Schlussendlich kommt es aber nicht darauf an, da alles sehr gute Spieler sind, mit welchen man hervorragend zusammenspielen kann.
Und jetzt mal ehrlich, verdienst du eine Million?
Zu Zahlen werde ich nicht sprechen, aber es ist sicher keine Million. Das kann man während der Corona-Pandemie auch nicht erwarten. Mein Entscheid hat Nullkommanull mit dem Geld zu tun. Wäre ich dem Geld nachgerannt, dann wäre ich sicherlich in Russland geblieben. Dort hätte ich sicher doppelt so viel verdienen können. Ich habe aber vor allem im letzten Jahr gemerkt: Geld ist nicht alles im Leben. Das Geld hat in meiner Entscheidung keine Rolle gespielt, viel wichtiger war für mich die Lebensqualität.