Da us de Bernerzitig es interessants Interview mit em Sandro Rizzi: (fast scho sympathisch de Hund)
De Teil über de Sarault isch au no interessant..
Nach 17 HCD-Jahren mit fünf Meistertiteln traten Sie kürzlich zurück. Fiel Ihnen dieser Schritt schwer?
Es war ein laufender Prozess. Als ich mich im Dezember mit Arno Del Curto unterhielt, zeichnete sich schon ab, dass ich Ende Saison aufhören würde. Ich wusste also schon mehrere Monate, was auf mich zukommt. Aber bis zuletzt probierte ich, mich nicht gross damit zu befassen. Ich liess es auf mich zukommen. So richtig realisierte ich es erst im letzten Heimspiel, zehn Sekunden vor Schluss, als wir das 0:2 per Penalty kriegten. Es lief wie ein Film ab in meinem Kopf. Aber so richtig begriffen, dass Schluss ist, habe ich wohl noch nicht. Das kommt erst noch, wenn das Sommmertraining ohne mich beginnt. Oder wenn ich erstmals an der Eisbahn vorbeilaufe und statt in die Kabine ins HCD-Büro laufe.
Was ging Ihnen auf der Bank durch den Kopf?
Ich erinnerte mich an die schönen Situationen, die ich in den letzten 10, 15 Jahren erlebt hatte. Und es wurde mir bewusst, dass es das letzte Mal ist, dass ich auf dieser Bank sitze.
Was werden Sie am meisten vermissen?
Ich glaube, es werden nicht einmal die Spiele sein. Oder, vor vielen Leute zu spielen. Was mir wirklich fehlen wird, wird das Leben in der Kabine sein. Tagtäglich mit 20, 25 anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Das Leben in der Kabine, die Busfahrten an die Auswärtsspiele.
Was werden Sie am meisten vermissen?
Ich glaube, es werden nicht einmal die Spiele sein. Oder, vor vielen Leute zu spielen. Was mir wirklich fehlen wird, wird das Leben in der Kabine sein. Tagtäglich mit 20, 25 anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Das Leben in der Kabine, die Busfahrten an die Auswärtsspiele.
Kann man eine Mannschaft mit einer Familie vergleichen?
Es mag komisch tönen, aber sie ist so etwas wie die Ersatzfamilie. Man verbringt enorm viel Zeit mit den anderen Spielern, dem Staff. Und das von Mai, April an. Man arbeitet mit 25 Leuten ein Jahr lang akribisch auf ein Ziel hin. Und der Hinterste und Letzte ordnet sich diesem Ziel unter. Dieses tagtägliche Beisammensein macht den Mannschaftssport aus. Ich glaube, es wird enorm schwierig, im normalen Berufsleben ähnlich intensive Erfahrungen zu machen. Es gibt zu viele Leute, die ihren Beruf einfach machen, damit sie leben können.
Aber es gibt sicher auch Eishockeyprofis, die Ihrem Beruf primär deshalb nachgehen, weil sie gutes Geld verdienen wollen. Nicht?
Es gibt sicher Spieler, die dem Geld nachrennen, die immer den Club nehmen, der am meisten bezahlt. Und die es nicht gross interessiert, was im Club läuft. Aber ich glaube nicht, dass sie die ganze Erfüllung haben. Doch das ist jedem seine eigene Sache.
War für Sie ein Wechsel nie ein Thema?
Mit 26, 27, 28 spielte ich schon mit dem Gedanken, mal in eine Stadt zu wechseln. Aber wir hatten hier oben fast alles, was wir uns wünschten. Wir hatten ein hervorragendes Team, wir hatten Freude, wir hatten Erfolg. Ab und zu hätte man anderswo vielleicht etwas mehr verdienen können. Aber lohnt es sich, für 50'000 Franken einen Ort wie Davos zu verlassen, wo alles stimmt? Für mich wurde ein Wechsel deshalb nie wirklich ein Thema.
Was machte dieses Team aus?
Das Glück war, dass Arno (Del Curto) hier rauf kam, als wir alle jung waren. Von seiner U-20-Nationalmannschaft wechselten acht, neun Spieler innert zweier Jahre nach Davos. Sicher half der Erfolg, dass wir so lange beisammen blieben. Man spielt ja Eishockey, damit man auch mal einen Titel gewinnt. Aber viele erinnern sich nur an die Jahre von 2005 bis 2011. Und reden vielleicht noch von 2002. Aber wir mussten auch Lehrgeld bezahlen. In meiner ersten HCD-Saison (1998) kamen wir in den Final, danach gingen wir mehrmals sang- und klanglos unter im Playoff. Die Zeit von 1999 bis 2002 war nicht einfach. Sie war mit viel Arbeit verbunden. Und es brauchte die Vision von Arno, dem vorschwebte, was er in fünf, sechs, sieben, acht Jahren mit uns erreichen wollte.
Sie sind ein ausgeprägter Teamspieler. Woher kommt das?
Dahinter steckte auch ein Lernprozess. Mit 18 hatte ich das noch nicht so verinnerlicht. Mir fiel es am Anfang auch nicht immer leicht, wenn ich eine defensive Rolle übernehmen musste. Das ist ein Prozess. Aber ich bereute nie etwas. Man wird zu dem gemacht, was man ist. Ein Coach muss es schaffen, 20 Leute in ein System reinzupressen. Und das schafft er, wenn er viele Spieler hat, die relativ viel akzeptieren. Die nicht immer den Mund aufmachen. Es braucht auch die Extravaganten, die Divas. Aber zu viele darf man davon nicht haben.
Hatte der HCD zuletzt zu viele davon?
In den letzten drei Jahren, in denen wir immer im Viertelfinal scheiterten, ordnete sich nicht jeder Spieler zu 100 Prozent der Mannschaft unter. Das soll keine Kritik sein. Das ist einfach ein Fakt. Als wir so erfolgreich waren, hatte jeder seine Aufgabe. Jeder wusste, was der Teil ist, den er beitragen muss. Es gibt keinen Meister, der von A bis Z durchläuft. Jeder hat mal Probleme, und da kommt man nur durch, wenn jeder seinen Part spielt. Als Mannschaft kann man enorm viel bewirken. Nehmen wir das Beispiel Lausannes: Da wusste jeder, was er tun musste, damit sie im Playoff Zürich eventuell schlagen könnten. Jeder macht das, was er konnte, zu 100 Prozent. Es ging nicht ganz auf, weil ihnen vielleicht etwas die Klasse fehlte. Aber als Mannschaft machten sie einen Riesenjob.
Was raten Sie den Jungen, die sich damit befassen, Profi zu werden?
Das Wichtigste ist die Freude. Egal, ob man 15 ist oder 30. Aber was den Weg ins Profidasein angeht, haben sich die Zeiten verändert. Ich profitierte davon, dass ich schon mit 14 in der 1. Liga spielte. Es brachte mir sehr viel, so früh schon gegen Männer zu spielen. Körperlich ist man da noch unterlegen, man muss sich durchbeissen. Dass heute alle Talente schon früh zu den Elitejunioren eines Grossclubs wechseln, finde ich eine ungute Entwicklung. Wenn ich gewisse Elitespieler erlebte, hatte ich das Gefühl, ihnen sei alles in den Schoss gelegt worden. Es wurde ihnen zu einfach gemacht.
Arno Del Curto sagte, Sie hätten 700 Verletzungen gehabt. Waren Sie schon immer so zäh? Ist das die Eigenart eines Engadiners?
Das ist das Einzige, was ich wohl mitgekriegt habe als Bergler. Wenn man in den Bergen aufwächst, ist man ein bisschen zäher. Das glaube ich zumindest. Andres Ambühl etwa ist für mich der typische Sertiger, ein zäher Bauer.
Wieviele Verletzungen waren es bei Ihnen nun tatsächlich?
Ich habe nicht Buch geführt. Vor allem in meinen letzten zwei, drei Jahren war ich immer mal wieder verletzt. Das gab sicher auch den Ausschlag dafür, dass ich mich für den Rücktritt entschied. Ich habe zu Hause eine Frau und zwei gesunde Kinder. Mit 32 machte ich mir erstmals Gedanken darüber, was nach dem Eishockey ist. Ich habe sechs, sieben Gehirnerschütterungen gehabt. Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man sich sagt: Ist es das noch wert, jedes Spiel dieses Risiko einzugehen? Mein Körper wurde gebraucht, das merkte ich die letzten zwei, drei Jahren. Diese Schläge gehen an keinem spurlos vorbei. Der eine spürt es mit 34, der andere erst mit 38. Aber jeder kommt an den Punkt, an dem sein Körper nicht mehr mitmacht.
Müssen Sie langfristige Schäden befürchten?
Ich hoffe es nicht. Im Moment fühle ich mich körperlich gut. Und ich habe auch nicht Angst, dass in fünf Jahren etwas auftaucht. Es gibt viele Ex-Spitzensportler, die mit Arthrose kämpfen. Mit meinem Kopf ist jedenfalls wieder alles gut. Aber das Schleudertrauma, das ich in dieser Saison erlitt, gab mir schon zu Denken. Da lernte ich eine neue Seite von Arno kennen. Wenn ich früher verletzt war, wollte er am liebsten heute operien, damit ich morgen wieder spielen könnte. Diesmal war er es, der mich bremste. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Das öffnete mir schon die Augen.
Was für Sie der schönste Moment?
Der erste Meistertitel 2002 war sicher speziell. Alles war neu. Bei den Titeln drei oder vier wussten wir schon, was auf uns zukommt. Es gab viele schöne Momente. Vielfach auch solche, die nicht in einem Spiel stattfanden, sondern im Innenleben der Mannschaft, etwa im Trainingslager im Sommer. Vom Eishockey her waren die fünf Meistertitel sicher das Highlight. Und ich kann mich gut noch an den ersten Spengler-Cup-Sieg erinnern, nach 40 Jahren. Da explodierte die Halle fast. Für solche Momente lebt ein Sportler. Die kann kein Geld aufwiegen.
Welcher Teamkollege hat Ihnen am meisten imponiert?
Reto von Arx. Wie er sich trotz seines Könnens immer der Mannschaft unterordnete, hat mir imponiert. Er hatte nie Ansprüche. Und es faszinierte mich, wie er mit wenigen Worten, ohne grosses Aufhebens eine solch zentrale Rolle übernahm bei uns. Einfach durch seine Art, durch seine Leistung. Solche Typen braucht man. Was die Ausländer betrifft, so möchte ich Yves Sarault erwähnen.
Yves Sarault?
Ja. Er war nur kurz hier, kam als fünfter Ausländer zu uns, als wir (2007) gegen Bern den Titel holten. Ich hatte Sarault zuvor nur aus Bern gekannt, als Aggressivleader, als mühsamer Gegner. Aber wie er es in seinem Alter damals zustande brachte, auf den Tag X, bereit zu sein, beeindruckte mich. Er spielte nicht oft, aber wenn, war es unglaublich, mit welchem Fokus er da war während 60 Minuten. Er war nicht mehr jung, sein Körper war verschlissen. Wenn er einen Match spielte, war er danach eine Stunde im Eisbad. Er konnte sich kaum mehr bewegen. Dass er sich so fürs Team einsetzen würde, hätte ich nicht gedacht.
Wie geht es für Sie weiter?
Es ist noch nicht zu 100 Prozent sicher. Aber es wird etwas im Club sein. Nicht auf der sportlichen Seite. Es wird eher Richtung Management gehen.
Trainer zu werden ist für Sie kein Thema?
Im Moment nicht. Ich bin froh, dass ich nicht mehr jeden Freitag und Samstag nach Genf, Zürich oder Bern fahren muss. Als Trainer hat man das wieder, auch im Nachwuchs. Aber vielleicht sieht es in drei, vier Jahren anders aus.
Wann beginnen Sie, in Ihrem neuen Job zu arbeiten?
Zuerst mache ich Ferien. Das brauche ich, um einen Schlussstrich zu ziehen. Ich muss zuerst eine gewisse Distanz gewinnen. Ich kann nicht in zwei Wochen einen neuen Job antreten. Viele tun das, und die fallen dann später in ein Loch.
Haben Sie einen Wunsch, den Sie sich, da Sie nun nicht mehr Profisportler sind, erfüllen wollen?
Hätte ich nicht den Sprung ins Profihockey gemacht, wäre ich mit 23, 24 auf eine Weltreise gegangen. Dieser Wunsch ist immer noch da. Aber wegen der Kinder (sie sind vier und eins) ist er noch nicht realisierbar. Es würde mich reizen, ein halbes Jahr oder ein Jahr auf Weltreise zu gehen. Aber dazu muss ich mich wohl noch ein bisschen gedulden. (schmunzelt)