Nun beginnt der finale Showdown
von Klaus Zaugg - Ab heute verhandelt die Liga im NHL-Lockout wieder mit der Spielergewerkschaft. Alles deutet darauf hin, dass die Saison verloren ist, wenn im Dezember keine Lösung gefunden wird.
Wie verzweifelt um eine Einigung im NHL-Lockout gerungen wird, zeigt die Rückkehr der staatlichen Schlichter: Scot Beckenbaugh und John Sweeney von der staatlichen amerikanischen Schlichtungsstelle kehren an den Verhandlungstisch zurück. Ende November hatten auch sie in zweitägigen Verhandlungen keine Lösung.
Das Comeback der staatlichen Vermittler ist auch ein politischer Schachzug. Es geht ja bei diesem Titanenkampf zwischen NHL-General Gary Bettman und Gewerkschafts-Boss Don Fehr immer auch darum, wer sich am Ende als Sieger feiern lassen kann. Sollten die neutralen staatlichen Vermittler eine Lösung finden, so wird es für Bettman und Fehr einfacher sein, nicht als Verlierer dazustehen – sie wären dann doch noch beide kluge Staatsmänner, die einem Kompromiss zugestimmt haben, der nicht von ihrem Erzfeind kommt.
Alle drängen auf eine Einigung
Obwohl offiziell nicht bestätigt, dürften Teambesitzer und Spieler nach den gescheiterten Verhandlungen der letzte Woche weiterhin im Kontakt gestanden haben. Sowohl Teambesitzer und Spieler machen offensichtlich Druck auf ihre Verhandlungsführer (Gary Bettman/NHL, Don Fehr/Gewerkschaft). Inzwischen sind auch die Agenten immer besorgter und drängen hinter den Kulissen auf Einigung: Wenn nicht gespielt wird, kassieren sie keine Provisionen.
Es wird versucht, den Ort der Verhandlungen geheim zu halten, um einen ähnlichen Medien-Zirkus wie bei den grandios gescheiterten Gesprächen letzte Woche in New York zu verhindern. Noch in keinem Punkt ist bisher eine Einigung erzielt worden. Doch sollte eine Verständigung in den drei wichtigsten Traktanden gelingen (Dauer des neuen Gesamtarbeitsvertrages, Ausgestaltung der Spielerverträge, Art und Weise der Geldverteilung Liga/Spieler unter Berücksichtigung der weiterlaufenden Verträge) – dann dürfte es auch in den übrigen Punkten schnell eine Lösung geben.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Die Hoffnung auf eine NHL-Saison 2012/13 glimmt nach wie vor, weil die NHL erst die Spiele bis und mit 30. Dezember abgesagt hat. Optimisten sagen: So liesse sich die Saison am Silvester, am 31. Dezember, noch im alten Jahr mit einem Feuerwerk starten.
Von nun an sitzen unsere Sportchefs und Spengler Cup-General Fredi Pargätzi auf glühenden Kohlen: An dem Tag, an dem eine Einigung erzielt wird, werden alle NHL-Stars nach Hause fliegen. Die Trainingscamps würden dann sofort und die NHL-Meisterschaft etwa 10 Tage später beginnen. Die winzig kleine Chance besteht im Falle einer Einigung nach dem 20. Dezember, dass die NHL-Stars, die beim Spengler Cup spielen, nicht sofort ins Trainingslager einrücken müssen und die Spengler-Cup-Tage als Trainingscamp angerechnet werden. Doch das ist nur eine kleine theoretische Chance.
Beim Lockout der Saison 1994/95 einigten sich die Parteien am 11. Januar 1995 und die Saison begann am 20. Januar mit einer von 82 auf 48 Partien verkürzten und nur innerhalb der beiden Ost- und West-Divisionen gespielten Qualifikation. Eine ähnliche Lösung wird auch diesmal angestrebt. Die Saison 2004/05 ist am 16. Februar 2005 definitiv abgesagt worden. Doch inzwischen ist klar, dass diesmal nicht so lange zugewartet wird: Gibt es im Dezember keine Einigung, dürfte es keine NHL-Meisterschaft geben.