Die GCK Lions haben ein Problem aufgedeckt
Spannung in der Mogelpackung für die Fans der National League und die dahindarbende Swiss League
Die GCK Lions haben den beiden höchsten Schweizer Eishockey-Ligen den Spiegel vorgehalten. Es drängt sich die Frage auf, ob auf das darin Gesehene rechtzeitig reagiert wird, denn aktuell schadet sich der Sport auf Profistufe selbst.
GCK Lions sorgt für Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Modus
Mit dem Sieg gegen den EHC Olten haben die GCK Lions nicht nur die Saison der Powermäuse beendet, auch der EHC Kloten und der HC Ajoie durften sich in Richtung Ferien verabschieden. Die beiden Kellerteams der National League feierten gewissermassen den Klassenerhalt vom Sofa aus. Wobei der eine oder andere Spieler wahrscheinlich schon auf dem Weg ins Bett war, als die um 19:45 Uhr begonnene Partie am Freitagabend zu Ende ging. Hätte nämlich der EHC Olten gewonnen, wäre am Samstag die Playout-Serie zwischen Kloten und Ajoie gestartet worden.
So fehlt ein Aufstiegsaspirant im Swiss-League-Final. Der HC La Chaux-de-Fonds und die GCK Lions spielen also einzig und alleine um den Titelgewinn auf zweithöchster Stufe. Die Playouts und die Ligaqualifikation haben sich derweil in Luft aufgelöst. Nur zwei Teams hätten dieses Szenario verhindern können, der EHC Visp und der an den GCK Lions gescheiterte EHC Olten.
Das Wegfallen der Auf- beziehungsweise Abstiegsspiele ist weit einschneidender, als es vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Natürlich überwiegt bei Kloten und Ajoie vorerst die Erleichterung, auch nächstes Jahr Teil der National League zu sein. Unter dem Strich gehen aber durch die wegfallenden Spiele wichtige Einnahmen verloren. Auch das dürften die NL-Teams verkraften. Schwerwiegend ist die beschädigte Glaubwürdigkeit des aktuellen Modus.
Die Aufstiegsaspiranten können nicht Schritt halten
In den letzten Wochen und Monaten herrschte im Tabellenkeller Spannung, auch weil Kloten lange Zeit die SCRJ Lakers herausfordern konnte. Rückblickend wird klar, es war alles irrelevant. Sobald klar war, dass die Teams keine Chance mehr auf die Play-In-Ränge hatten, war die Saison sportlich komplett gelaufen. Wird dieses Szenario zur Regel, wird das vor allem auf die Fans ihre Auswirkungen haben. So leidenschaftlich wie sie in dieser Saison dabei waren, werden sie es nicht mehr sein, wenn sich der vorgelebte Kampf um den Klassenerhalt langfristig als Farce herausstellen sollte.
Auch wenn derzeit noch daran herumgeschraubt wird, der Modus mit Play-Ins oder zuvor Pre-Playoffs konnte sich bewähren. Zumindest ist er zuträglich für die Spannung während der Regular Season. Der Doppelstrich, wie er bei seiner Einführung oft genannt wurde, sorgt tatsächlich für doppelte Spannung. In diesem Punkt droht also gar innerhalb der National League die Schere zu den Kellerteams aufzugehen und eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

Für die Teams auf den Rängen 11 bis 14 war die Saison nach der Regular Season gelaufen, erfahren haben das der EHC Kloten und der HC Ajoie allerdings erst am letzten Freitag nach dem Sieg der GCK Lions im Halbfinale der Swiss League.
In dieser Spielzeit findet gar keine Ligaqualifikation statt und ein Erfolg eines Unterklassigen wird in den kommenden Jahren immer unwahrscheinlicher. Durch die Import-Reform ist der Unterschied zu den Swiss-League-Clubs grösser geworden, selbst wenn in der Ligaqualifikation weiterhin nur vier Ausländer zum Einsatz kämen. Der Oberklassige könnte zwischen eingespielten Ausländern rotieren, während der Unterklassige auf zusätzliche Verstärkungsspieler setzten muss. Und auch auf den übrigen Kaderplätzen wird der Unterschied immer frappanter. Die National League ist finanziell attraktiv, nur zu gerne käme der zweiten Spielklasse ähnliche Bezeichnung zu.
Die Realität ist eine andere, eine ernüchternde. Wie erwartet ist es für Clubs in der Swiss League seit der Ligaaufstockung ein Kampf ums Überleben geworden. Der versuchte Schritt in die Unabhängigkeit hat der Liga nicht die erhofften Vorteile gebracht. Die Swiss League verkommt zu einer Abladestation für B-Lizenzspieler, einer professionellen Ausbildungsliga für die NL-Clubs. Untermauert werden diese Beschreibungen durch die Entwicklung der Spielklasse. Nachdem sich in der letzten Saison der SC Langenthal freiwillig in die MyHockey League verabschiedet hatte, zog sich vor wenigen Tagen mit dem HCV Martigny der letztjährige Aufsteiger zurück. Statt der angestrebten zwölf Teams werden in der nächsten Saison maximal deren zehn Clubs, inklusive Aufsteiger Chur, in der Swiss League antreten.
Das Kartenhaus der Swiss League droht einzustürzen
Noch alarmierender sind aber die aktuellsten Berichte. Das abgeschlagene Tabellenschlusslicht, die Bellinzona Rockets, überdenken ihre Zukunft in der Swiss League. Und dann liess auch noch Klaus Zaugg in seiner watson-Kolumne die Bombe platzen. Mit dem EHC Olten erwägt sogar einer der beiden Aufstiegsaspiranten, sich aus der Liga zu verabschieden. Das Problem ist eklatant. Es wäre sowas wie der Genickbruch für die Swiss League, auch noch die Oltner zu verlieren. Marc Thommen, Präsident des EHC Olten, spricht sich im genannten Artikel für eine Lösung gemeinsam mit der MyHockey League und der U20-Meisterschaft aus. Eine Ligastufe mit unterschiedlichen Regionalgruppen, in denen der finanzielle Aufwand tragbarer wäre.
Das Kartenhaus der Swiss League droht einzustürzen
Noch alarmierender sind aber die aktuellsten Berichte. Das abgeschlagene Tabellenschlusslicht, die Bellinzona Rockets, überdenken ihre Zukunft in der Swiss League. Und dann liess auch noch Klaus Zaugg in seiner watson-Kolumne die Bombe platzen. Mit dem EHC Olten erwägt sogar einer der beiden Aufstiegsaspiranten, sich aus der Liga zu verabschieden. Das Problem ist eklatant. Es wäre sowas wie der Genickbruch für die Swiss League, auch noch die Oltner zu verlieren. Marc Thommen, Präsident des EHC Olten, spricht sich im genannten Artikel für eine Lösung gemeinsam mit der MyHockey League und der U20-Meisterschaft aus. Eine Ligastufe mit unterschiedlichen Regionalgruppen, in denen der finanzielle Aufwand tragbarer wäre.
Fakt ist auch, die Entwicklung der Swiss League macht aus der National League beinahe eine geschlossene Liga. Die Erhöhung auf 14 Teams war bereits ein grosser Schritt in diese Richtung. Diese Bezeichnung wird vorzugsweise gemieden, vielleicht wäre es aber ehrlich, sich diese Situation einzugestehen. Es würde zumindest den Fans nicht weiter ein spannendes Auf- und Abstiegsrennen verkauft werden, dass sich schlussendlich als Mogelpackung herausstellt. Dann könnte sich die National League ganz im Stile der NHL die Aufnahme neuer Vereine per Bewerbungsverfahren aussuchen. Abermals müsste die Ligagrösse in der höchsten Spielklasse zur Diskussion gestellt werden, denn einige Teams haben jüngst ihre Ambitionen unterstrichen. So beispielsweise der HC La Chaux-de-Fonds, durch ein Millionen-Projekt mit dem eigenen Stadion.
Alternativen dazu sind rar. Soll der aktuelle Modus beibehalten werden, muss der Swiss League mehr Unterstützung zukommen, von seitens des Verbands, aber auch von der National League. Die Folgen von einem Verzicht auf Veränderung ist offensichtlich, die Swiss League droht auseinanderzufallen und die Spannung im Tabellenkeller der National League wäre wohl von rein formaler Natur. Planungssicherheit hätten die Clubs aber dennoch nicht zu hundert Prozent. Das Schweizer Profi-Eishockey steht an einem Scheideweg, auf welchen die GCK Lions mit einem harmlosen Sieg in der Belle im Playoff-Halbfinale der Swiss League vehement darauf hingedeutet haben.