https://www.srf.ch/sport/eishocke…rosser-hypothek
Team-Analyse National League - Freiburg «wie die Feuerwehr» und Biel «mit grosser Hypothek»
Ein gutes Drittel der regulären Saison in der National League ist um. SRF-Experte Marc Reichert analysiert Höhenflüge und Baissen.
Heute, 09:57 Uhr
Satte 43 Jahre dauert Freiburgs Wartezeit in der höchsten Liga bereits an. Damals, 1980, stiegen die «Drachen» auf – und bis heute konnte der mittlerweile dienstälteste Klub in der National League noch keinen Meistertitel feiern.
In dieser Saison sind zumindest schon einmal die Weichen gestellt. Nach 21 Spielen grüsst Fribourg-Gottéron von der Tabellenspitze. Die Basis dazu legten die Westschweizer zum Saisonauftakt. «Sie kamen aus den Startlöchern wie die Feuerwehr. Ende September und Anfang Oktober reihten sie 9 Siege aneinander», weiss SRF-Experte Marc Reichert. Das schönste Gefühl im Eishockey sei nämlich «wenn du abends die Schlittschuhe anziehst, aufs Eis gehst und es einfach läuft». Reichert pickt Marcus Sörensen, Lucas Wallmark, Chris DiDomenico, Christoph Bertschy und Goalie Reto Berra als «Stützen, die Top-Niveau erreicht haben», heraus.
Berns «Über-Trainer» liefert
Auch der SC Bern gehört für Reichert zu den positiven Überraschungen. «Wenn man bedenkt, wie viel hartes Brot die Berner in den letzten Jahren essen mussten. Mit Jussi Tapola haben sie einen ‹Über-Trainer› mit grossen Vorschusslorbeeren verpflichtet. Und der Mann kann etwas; man hat wieder das Gefühl, dass der SCB eine Spielidee verfolgt.»
Nach den Quali-Plätzen 8, 11, 9 und 9 in den letzten 4 Jahren ist der 16-fache Meister vergleichsweise sehr gut gestartet und liegt derzeit auf dem soliden 4. Rang.
Ausfälle und auslaufende Verträge
Weniger euphorisch blicken derzeit Biel und Rapperswil-Jona auf die Tabelle. Beide Teams spielen derzeit unter den Erwartungen, die sie sich in den letzten Jahren erarbeitet haben. So macht Reichert die Gründe bei den Seeländern fest:
- Die Welle fehlt: «Biel hat in der letzten Saison das Maximum herausgeholt. So konnten die Spieler, wenn es mal nicht so gut lief, auf einer Welle mitreiten. In dieser Saison läuft alles noch etwas harzig.»
- Die Ausfälle wiegen schwer: «Wenn ein Damien Brunner, ein Luca Cunti und ein Gaëtan Haas über längere Zeit ausfallen, geht das an einem Team nicht spurlos vorbei.»
- Die auslaufenden Verträge hemmen: «Einige Spieler kann das beflügeln, weil sie um einen neuen Vertrag spielen. Bei anderen kann das hemmend wirken, weil man es auch zu gut machen will und sich verkrampft.»

01:52Video
Reichert: «Biels Hypothek ist doch schon recht gross»
Aus Sport-Clip vom 07.11.2023. Bild: Keystone/Anthony Anex abspielen. Laufzeit 1 Minute 52 Sekunden.
Bei den Lakers spielen gemäss Reichert ähnliche Gründe eine Rolle. «Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um zwei nach vorne gehen zu können», bedient sich der ehemalige SCB-Stürmer einer Floskel. «Wenn die Lakers nicht auf dem Maximum spielen, werden sie durchgereicht.»
https://www.srf.ch/sport/eishocke…unter-dem-radar
National League
Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.
https://il.srgssr.ch/images/?imageU…=jpg&width=1920
Reicherts NL-Bilanz - Ein «Skorer-Gesamtpaket» und ein Verteidiger unter dem Radar
Pünktlich zur Nati-Pause verteilt SRF-Experte Marc Reichert in der National League Spieler-Awards. Gestern, 14:16 Uhr
Nach einer letzten Vollrunde verabschiedete sich die National League am Samstag in eine knapp 2-wöchige Pause. Bislang haben alle Teams 20 oder 21 Partien absolviert, einzig Schlusslicht Ajoie steht bei 19. Damit ist ein gutes Drittel der regulären Spielzeit absolviert – Zeit, die ersten Monate unter die Lupe zu nehmen.
Zu diesem Zweck hat SRF-Experte Marc Reichert diversen Spielern Awards verteilt:
Die positive Überraschung: Calvin Thürkauf (Lugano)
Reichert: «Als Schweizer steht er in der Skorerliste zuoberst – das ist bei den vielen starken Ausländern in der Liga beeindruckend. Neben den Skorerpunkten bringt er auch das Gesamtpaket mit. Er ist Anfang Saison Captain geworden und geht in dieser Rolle voll auf. Thürkauf ist der Leader, den Lugano braucht. Er geht nicht mit Worten, sondern mit Leistungen vorneweg, auch durch sein physisches Spiel.»
Zitat
Einen so starken Defensiv-Verteidiger wie ihn habe ich in der Liga schon lange nicht mehr gesehen.
Autor: Marc Reichert über Berns Patrick Nemeth
Mit Luft nach oben: Denis Malgin (ZSC)
«Er ist nicht abgefallen, aber wenn man ihn mit seiner Form von vor seinem Nordamerika-Abenteuer vergleicht ... es ist immer eine Frage der Erwartungshaltung. Die ist bei ihm riesig. Man darf von Malgin noch mehr erwarten und ich hoffe, er kann noch richtig abheben. Es ist immer schön, ihm zuzuschauen, wenn er das Eis ‹streichelt›.»
Die beste Sturmlinie: Thürkauf, Daniel Carr und Michael Joly (Lugano)
«Diese 3 tragen Lugano. Eine Kombination aus Trickkiste und Wucht. Es ist aber nicht nur Tic-Tac-Toe, sie können ein Tor auch erzwingen. Carr und Thürkauf spielen seit Saisonbeginn zusammen, Joly hat im Verlauf Marco Zanetti ersetzt. Jetzt sind alle 3 in den Top 6 der Liga-Skorerliste zu finden. Eine solche Linie ist sehr schwer zu kontrollieren.»

https://www.srf.ch/static/cms/images/1280w/c80e20.webp 01:21 Video
Reichert über die perfekte Mischung bei Luganos Toplinie
Aus Sport-Clip vom 07.11.2023.
Bild: PostFinance/KEYSTONE/Marcel Bieri abspielen. Laufzeit 1 Minute 21 Sekunden.
Das beste Verteidigerduo: Patrik Nemeth und Romain Loeffel (Bern)
«Es ist eine unspektakuläre Wahl, aber für mich macht genau das die grosse Stärke aus. Nemeth fliegt unter dem Radar, doch er spielt sehr stabil und seine Pässe kommen an. Wenn er in eine Ecke geht, erobert er eigentlich immer den Puck. Er hat eine starke Plus-8-Bilanz. Einen so starken Defensiv-Verteidiger wie ihn habe ich in der Liga schon lange nicht mehr gesehen. So gibt er Loeffel die Möglichkeit, nach vorne etwas zu riskieren. Bei ihm kommt sicher noch mehr.»
Der beste Goalie: Reto Berra (Freiburg)
«Er ist wieder zurück. Berra hatte ein schwieriges Jahr hinter sich mit Rückenoperationen. Er ist nicht mehr 20, da macht man sich sicher auch Gedanken darüber, ob es noch weitergeht und ob man wieder fit wird. Im Sommer hat er es geschafft, den Rücken dorthin zu bekommen, wo er sein muss. Nur schon durch seine Postur strahlt er eine grosse Ruhe aus und gibt der Mannschaft Sicherheit. Er ist aber auch sehr athletisch und reflexstark. Ich finde es sehr schön, dass ein solch grosser Schweizer Goalie seinen Weg zurückgefunden hat.»