EHC Olten-Headcoach Lars Leuenberger im exklusiven Interview
"In Zukunft muss man sich überlegen, ob man bei 14 Teams in der National League bleibt"
Lars Leuenberger steht vor seiner dritten Saison mit dem EHC Olten. Nach zwei Finalniederlagen blickt der Headcoach des EHCO auf die vergangene Saison zurück. Im Interview mit uns verrät er zudem, was die Ziele der Oltner in dieser Saison sind und wie er die Entwicklung von Schweizer Trainern in den obersten beiden Schweizer Liga sieht.
Was hat die Analyse der letzten Saison ergeben?
Lars Leuenberger: "Das Resultat im Playoff-Final ist aus unserer Sicht ohne Erfolg etwas hart ausgefallen. Wir waren jedoch immer sehr nahe an einem Sieg. Uns fehlte teilweise die Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Vor allem auswärts in La Chaux-de-Fonds hatten wir genügend Chancen herausgespielt, um mindestens eine der beiden Partien in der Verlängerung zu unseren Gunsten zu entscheiden."
"Unser grosses Pech war es zudem, dass wir schon während der gesamten Saison mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Im Playoff-Final fehlten uns dann mit Garry Nunn und Stanislav Horansky zwei Topspieler, die in der Qualifikation viele Scorerpunkte sammeln konnten. Bei La Chaux-de-Fonds machte vor allem die erste Linie den Unterschied."
Was erwarten Sie von ihren beiden neuen Importspielern?
"Eric Faille kennt man aus seiner langjährigen Vergangenheit bei Kloten. Beim EHCK war er stets sehr erfolgreich und vor allem produktiv, was die Scorerpunkte anbelangt. Mit François Beauchemin konnten wir den letztjährigen Topscorer aus der französischen Liga verpflichten. Schon in der Saison zuvor bei den Ticino Rockets wusste der Kanadier in einer Mannschaft, in der es viele Wechsel gab, zu überzeugen. Zudem ist er ein physisch starker Spieler, der in unserer Mannschaft als Vorreiter vorangehen kann. Daneben hat er grosse Stärken am Bullykreis."
Gibt es in dieser Saison Änderungen im Vergleich zur letzten Saison?
"Unsere beiden Importspieler sind neu zwei Center. In den letzten Jahren hatten wir jeweils einen Center und einen Flügelspieler. In den kommenden Wochen wollen wir herausfinden, welche vier Flügelspieler zusammen mit unseren Importspielern harmonieren. Wie jede Mannschaft sind auch wir von zwei starken Importspielern abhängig. Unser GM hat mit der Verpflichtung von Faille und Beauchemin einen sehr guten Job gemacht."
Gibt es beim EHC Olten noch offene Kaderpositionen im Hinblick auf die kommende Saison?
"Stand heute wollen wir mit dem jetzigen Kader in die Saison starten. Allenfalls werden wir noch einige Spieler testen, die sich bei uns melden oder die wir zu uns ins Training einladen. Das kann sich von Tag zu Tag ändern. Mit momentan acht Verteidigern und 14 Stürmern im Kader sind wir jedoch zufrieden."
Was erwarten Sie von jungen Spielern wie Jeremy Jabola und Gregory Weber?
"Ich arbeite sehr gerne mit jungen Spielern zusammen. Da sie bisher mehrheitlich im Nachwuchs aufgelaufen sind, brauchen sie sicherlich eine Eingewöhnungsphase. In finde es toll, erhalten die jungen Spieler die Chance, bei uns in der Swiss League Fuss zu fassen, wo sie mehr Eiszeit erhalten werden als in der National League. Mein Assistenztrainer und ich kennen Jabola und Weber bereits aus unserer Vergangenheit beim SC Bern. Wir haben ihre Entwicklung genaustens beobachtet und waren darüber sehr erfreut. Unser Job ist es nun, die Youngsters bei ihrem nächsten Schritt ins Profibusiness zu unterstützen."
Was ist bei der Entwicklung von jungen Spielern anders als bei routinierten Spielern?
"Bei jungen Spielern braucht man vor allem mehr Geduld. Im Erwachseneneishockey hat man weniger Zeit und weniger Raum und muss schnellere Entscheidungen fällen. Die Gegenspieler sind physisch stärker. Bereits im Training muss man mit den jungen Spielern individuell viel Zeit investieren. Dies ist nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis sehr wichtig. Sei es im Videostudium oder auch im Kraftraum. Unsere ganze Mannschaft ist jedoch auch bereit, den jungen Spielern in der Entwicklung zu helfen, es liegt also nicht alles am Trainerstab."
Wie schwierig ist der Spagat zwischen Ambitionen und der Ausbildung von jungen Talenten?
"Das ist eine sehr wichtige Balance. Besonders in der National League sieht man die Herausforderung immer wieder. Das Gleichgewicht zwischen der Integrierung von jungen Spielern und kurzfristigem Erfolg ist nicht immer einfach zu erreichen. Ich denke, dass man nicht in den ersten Monaten der Saison Meister wird, sondern es soll einen Steigerungslauf über die gesamte Saison geben. Unser Ziel in dieser Saison ist es, am Tag X bereit zu sein. Somit erhalten die Spieler auch die benötigte Zeit, sich bei uns weiterentwickeln zu können."
Was sind ihre Ziele für die kommende Saison?
"Für mich ist es wichtig, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt machen, um eine sehr gute Qualifikation spielen können. Danach wollen wir im richtigen Moment die Höchstform erreichen. Wir wollen in diesem Jahr mit den jungen Spielern den nächsten Schritt machen."
Welches sind für Sie die härtesten Gegner im Kampf um eine gute Ausgangslage für die Playoffs?
"Ich denke, dass La Chaux-de-Fonds auch in dieser Saison wieder stark sein wird. Bereits seit zwei Jahren haben wir gegen sie jeweils enge Spiele. Den EHC Visp erwarte ich auch im Kampf um die vorderen Plätze. Sie haben starke Neuverpflichtungen getätigt und mit Heinz Ehlers auch einen neuen, sehr erfahrenen Coach an die Bande geholt, der bereits bei den SCL Tigers einen guten Job gemacht hat. Der EHC Basel hat ebenfalls mit Spielern von Langenthal aufgerüstet. Sie erwarte ich in der kommenden Saison auch weit vorne."
Wie würden Sie Ihr Naturell beschreiben?
"Ich bin ein sehr erfolgshungriger Typ. Ich möchte immer das Beste erreichen und vor allem gewinnen. Mein persönliches Ziel ist es, aus meiner Mannschaft das Beste herauszuholen und Erfolg zu haben."
Wie sehen Sie die Entwicklung in der National League, dass wieder vermehrt Schweizer Trainer eingesetzt werden?
"Es ist sehr erfreulich, dass Christian Wohlwend in Ajoie seine Chance erhält. Es wäre zudem wünschenswert, wenn wieder vermehrt Schweizer Trainer in den beiden obersten Ligen die Möglichkeit erhalten würden, als Trainer an der Bande zu stehen. Dabei liegt es auch an uns Schweizer Trainern, den Erfolg in die Teams zu bringen.
Bestes Beispiel dafür ist Jan Cadieux, der in der letzten Saison mit Genf den Meistertitel geholt hat. Zuvor hatte ich vor mittlerweile sieben Jahren den letzten Meistertitel als Schweizer Trainer feiern dürfen."
Wie würden Sie Ihr Naturell beschreiben?
"Ich bin ein sehr erfolgshungriger Typ. Ich möchte immer das Beste erreichen und vor allem gewinnen. Mein persönliches Ziel ist es, aus meiner Mannschaft das Beste herauszuholen und Erfolg zu haben."
Wie sehen Sie die Entwicklung in der National League, dass wieder vermehrt Schweizer Trainer eingesetzt werden?
"Es ist sehr erfreulich, dass Christian Wohlwend in Ajoie seine Chance erhält. Es wäre zudem wünschenswert, wenn wieder vermehrt Schweizer Trainer in den beiden obersten Ligen die Möglichkeit erhalten würden, als Trainer an der Bande zu stehen. Dabei liegt es auch an uns Schweizer Trainern, den Erfolg in die Teams zu bringen.
Wo sehen Sie die Herausforderungen in finanzieller Hinsicht für die Swiss-League-Clubs?
"Wenn wir auf den sportlichen Aspekt blicken, darf man nicht vergessen, dass vor zwei Jahren mit Ajoie und Kloten noch zwei Teams mehr vertreten waren, was zu mehr Zuschauern geführt hat. Für uns ist natürlich sehr bitter, dass Langenthal nicht mehr in der Swiss League vertreten ist und unser Derby somit wegfällt. Heutzutage ist es auch nicht mehr so einfach, alles zu vermarkten. In Zukunft muss man sich überlegen, ob man bei 14 Teams in der National League bleibt oder ob man wieder auf zwölf Teams zurückgeht. Ich denke, das würde der Swiss League bestimmt helfen. "