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    Ein Schweizer erobert New York - «Wir telefonierten nie mit Skype – sonst hätten wir alle geweint»

    Ein Schweizer erobert New York – «Wir telefonierten nie mit Skype – sonst hätten wir alle geweint»
    Akira Schmid verblüfft im NHL-Playoff mit den New Jersey Devils. Seine Mutter sagt, woher der junge Goalie seine Ruhe hat – und wie er zu seinem exotischen…
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    «Wir telefonierten nie mit Skype – sonst hätten wir alle geweint»

    Akira Schmid verblüfft im NHL-Playoff mit den New Jersey Devils. Seine Mutter sagt, woher der junge Goalie seine Ruhe hat – und wie er zu seinem exotischen Vornamen kam.

    New York staunt über einen jungen Langnauer, den vor kurzem noch kaum jemand kannte. «Schmid happens!», titelte die «New York Post», nachdem Goalie Akira Schmid die New Jersey Devils zum 2:1-Overtimesieg gegen die New York Rangers und zurück in die Playoff-Serie geführt hatte. In Anlehnung an: «Shit happens», dumm gelaufen! Auch sein zweites Spiel im legendären Madison Square Garden gewann der 22-Jährige und glich das New Yorker Duell auf 2:2 aus. Und die Experten rätseln: Wie kann einer in seinen ersten NHL-Playoffspielen so ruhig bleiben?

    Zu Hause in Langnau im Emmental schlägt sich Mutter Andrea die Nächte um die Ohren, um seine Heldentaten aus der Ferne live zu verfolgen. Sie sagt: «Er ruft ab, was schon lange in ihm schlummert.» Und woher kommt seine Ruhe? «Die hat er eindeutig von meinem Mann. Nicht von mir. Ich bin eher die Wilde. Ich kenne Akira nicht anders. Aber vor seinem ersten Playoff-Match überlegte ich mir schon: Was geht in ihm ab? Was macht das mit einem Menschen, in einer solchen Atmosphäre vor so vielen Zuschauern zu spielen?» Wenn er nervös war, zeigte er das jedenfalls nicht.

    Die Karriere des Akira Schmid hat in den vergangenen zwei Jahren rasant an Fahrt aufgenommen. Er war acht, als ihn sein Vater erstmals an ein Spiel der SCL Tigers mitnahm. «Er und sein Bruder zeichneten einen Tiger auf ein Blatt und befestigten es an einem Essstäbchen», erzählt die Mutter. Das war ihre Fahne. Dank einer Ferienpass-Aktion kam er zu einem Schnuppertraining in der Ilfishalle. Eishockey sagte ihm mehr zu als Fussball, er schloss sich den SCL Tigers an.

    Sie seien damals einfach froh gewesen, dass er im Eishockey eine Betätigung gefunden hatte, sagt die Mutter. «Es hätte auch Ballett sein können. Aber obschon er eine sportliche Ader hatte, dachte ich nicht, dass er dabei bleibt. Ich dachte, jetzt fahre ich ihn fünf-, sechsmal mit dieser Bagage ins Training, dann hat es sich erledigt. Doch dem war nicht so.» Akira und auch dessen zwei Jahre jüngerer Bruder Krilin fanden Gefallen am Eishockey, und die Mutter half bei den Junioren der SCL Tigers mit.

    Inspiriert von der Manga-Reihe «Dragonball»

    Akira und Krilin sind nicht gerade typische Emmentaler Namen. Die Mutter lacht. «Mein Mann und ich betrieben früher intensiv Karate, er führte ein Karatestudio und gibt noch heute Trainings, und wir waren fasziniert von Japan.» Akira Toriyama ist der Verfasser der beliebten japanischen Manga-Reihe «Dragonball», die Vater Andreas damals auf Französisch las und aus der auch eine TV-Serie wurde. So kamen sie auf Akira. Auch Krilin stammt aus dem Japanischen.

    Für Karate konnten sich die Söhne nicht begeistern, aber die Philosophie dahinter habe auf sie abgefärbt, sagt die Mutter. «Der Respekt vor dem Gegenüber war uns immer extrem wichtig. Egal, wer dir gegenübersteht, ob reich oder arm, egal welcher Hautfarbe, behandle alle respektvoll. Das ist ja eigentlich etwas Grundlegendes. Aber wir sind froh, konnten wir das unseren Söhnen vermitteln.»

    Krilin spielt heute nur noch Plauschhockey und ist sehr aktiv im lokalen Turnverein Bärau, Akira entpuppte sich als grosses Talent und kam in die Junioren-Nationalteams, 2018 sicherten sich die New Jersey Devils im Draft seine NHL-Rechte mit der Nummer 136. Weil die Schweizer Juniorenliga inzwischen zu wenig gut war für ihn und er in keinem Swiss-League-Team Unterschlupf fand, wechselte er mit 18 nach Nordamerika und reifte da auch als Mensch. «Durch diesen Schritt wurde er viel selbstsicherer und offener», sagt seine Mutter. «Er lebte in verschiedenen Familien und knüpfte viele Kontakte. Zuvor war er eher zurückhaltend gewesen. Selbstständig war er schon immer, er organisierte stets alles selber.»

    «Es heisst ja: Gib deinen Kindern Flügel, dann fliegen sie wieder zurück. Das stimmt. Er würde für uns alles machen.»
    Mutter Andrea Schmid

    Für sie als Mutter sei es indes nicht einfach gewesen, als er nach Übersee auszog. «Ich schwor mir immer: Ich binde meine Kinder nicht an mich. Sie haben das Recht, ihren eigenen Weg zu gehen. Aber ich vermisste ihn schon sehr. Wir telefonierten nie mit Skype, aus Eigenschutz. Sonst hätten wir alle geweint.» Dessen Beziehung zur Familie habe Akiras Abwesenheit aber nur noch gestärkt. Die Mutter sagt: «Es heisst ja: Gib deinen Kindern Flügel, dann fliegen sie wieder zurück. Das stimmt. Er würde für uns alles machen. Und er und sein Bruder sind beste Freunde.»

    In Übersee wurde Schmid nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Bei Lethbridge in der Western Hockey League (WHL) auf der höchsten Juniorenstufe wurde er nach nur einem missglückten Spiel ausgemustert. Nach einem Monat ohne Spiel landete er in Texas (Corpus Christi) und bestritt da zwei Partien, ehe er nach Omaha, Nebraska, zog und sich da in der United States Hockey League auf tieferer Stufe bewährte. Weiter ging es in Sioux City, Iowa, ehe er im Juni 2021 einen Dreijahresvertrag bei den New Jersey Devils unterschrieb.

    Sein Weg erinnert an Martin Gerber

    Jene Erfahrungen haben den 1,95-Meter-Hünen auch mental reifen lassen. Im Devils-Farmteam Utica setzte er sich gegen seinen deutsch-kanadischen Konkurrenten Nico Daws durch. Und musste er in der vergangenen Saison in seinen ersten NHL-Spielen noch Lehrgeld bezahlen, etablierte er sich in diesem Winter als valable Alternative zu den erfahreneren Vitek Vanecek (27) und Mackenzie Blackwood (26) und erspielte sich mit seiner ruhigen Art das Vertrauen seiner Teamkollegen. Sein Weg erinnert an Mark Streit oder Martin Gerber, denen auch nichts geschenkt wurde.

    Bei den Devils erleichterte seine Integration, dass er da mit Nico Hischier und Jonas Siegenthaler auf Schweizer Teamkollegen traf. Nach dem Zuzug von Timo Meier hat New Jersey ein Schweizer Quartett. Im Playoff wurde Schmid nun nach den ersten zwei Devils-Heimspielen, die beide 1:5 verloren gingen, für den Tschechen Vanecek eingewechselt und veränderte die Dynamik in der Serie komplett. Weiter geht es mit Spiel 5 in der Nacht auf Freitag. Mutter Andrea wird über 6000 Kilometer entfernt wieder mitfiebern. Sie sagt: «Wir sind unglaublich stolz auf ihn. Aber für uns ist er immer noch der genau gleiche Giel wie immer.»

    Ich nöd.

    Die Leistungen in der CHL waren seit längerem unter aller Sau.

    Wenn wir die CHL genau so locker nehmen (oder streng gesagt, nicht ernst) wie die NLA Quali, müssen wir gar nicht antreten.

    Crawford ist kein Freund der CHL und das erklärt dann wohl auch die Leistung im letzten Qualispiel in Bern. Aber:

    Der ZSC war Gründungsmitglied der CHL deshalb verstehe ich diese Lausigen und lustlosen Leistungen va damals unter Crawford nicht.

    Voll im Flow: Der EHC Biel ist mithilfe eines ungarischen Psychologen erwachsen geworden

    Der Trainer Antti Törmänen greift tief in die Trickkiste, erinnert seine Spieler an die Weisheiten von Mihaly Csikszentmihalyi. Und bringt damit den Flow ins Bieler Spiel zurück. Am Donnerstag kommt es in Genf zur «Belle».

    Am Tag, an dem der EHC Biel nicht verlieren durfte, sahen die Spieler, wie Mitarbeiter von Swiss Ice Hockey in der Tissot-Arena sicherheitshalber schon einmal die Bühne für eine mögliche Pokalübergabe an Genf/Servette aufbauten. Ablenkung war im Bieler Lager willkommen, und weil Antti Törmänen, dieser smarte Trainer mit dem feinen Sinn für Symbolik, das wusste, liess er seine Schützlinge erst einmal ein Spiel absolvieren.

    Nicht auf dem Eis, sondern in der Kabine: Hangman, «Galgenmännchen». Ein Spiel, bei dem man einen Begriff erraten muss. In möglichst wenigen Anläufen; für jeden falschen Buchstaben wird ein weiterer Strich des Galgens gezeichnet. Die Denkaufgabe ist zu Ende, wenn ein Strichmännchen am Strick hängt. Oder die Lösung gefunden ist.

    Törmänen stellte die Belegschaft am Dienstag vor eine knifflige Aufgabe. Das Lösungswort bestand aus 16 Buchstaben, die in ihrer Aneinanderreihung nicht jedem auf Anhieb geläufig sind: Csikszentmihalyi. Der 2021 verstorbene Mihaly Csikszentmihalyi war ein ungarischer Psychologe, er ist jener Mann, der als führender Forscher hinsichtlich jenes Gefühls gilt, das heute als Flow bekannt ist. Den Zustand des Aufgehens in einer Tätigkeit, in dem eine Person sich selber und die Zeit vergisst – eine Art natürlicher Rausch.

    Csikszentmihalyi war am Dienstag das Opus magnum der Trainerkarriere von Antti Törmänen

    Es ist dieses Gefühl, das den EHC Biel über weite Strecken dieser Saison getragen hat. Und das dem Kollektiv abhandenkam bei den Niederlagen in den Spielen Nummer 4 und 5 in diesem Final; Flow, das ist ein ebenso flüchtiges wie kostbares Gut. Csikszentmihalyi, das war die Idee, sollte den Flow zurückbringen, und na ja, wer denn sonst als der anerkannteste Experte auf diesem Gebiet?

    Ein Eishockeyteam besteht in der Regel nicht aus Männern, die ihre Freizeit damit verbringen, wissenschaftliche Dissertationen zur menschlichen Psyche zu durchforsten. Biel ist in dieser Hinsicht ein Spezialfall, der Stürmer Luca Cunti absolviert ein Fernstudium in Psychologie.

    Es brauchte trotzdem ein paar Anläufe; Törmänen liess Nachsicht walten, als es darum ging, das Galgenmännchen fertig zu zeichnen. Aber am Schluss fanden seine Spieler zuerst die Lösung. Und dann, im Spiel, tatsächlich den Flow. Was auch immer der EHC Biel seinem Coach bezahlt: Es ist zu wenig. Was Törmänen, 52, am Dienstag ablieferte, war nicht weniger als sein persönliches Opus magnum in der Sparte Motivationskniffe.

    Der Coach hat auch sonst an all den richtigen Schrauben gedreht. Er untersagte seinen Spielern für den Montag den Besuch der Eishalle. Sie sollten ihren Kopf frei kriegen, an etwas anderes als an Eishockey und diese vielleicht einmalige Chance auf einen Titel denken.

    Es lief am Dienstag zunächst wenig für Biel: Rückstand nach 13 Minuten, dazu der Ausfall von Damien Brunner noch im ersten Drittel – die Muskelverletzung des Stürmers brach wieder auf. Doch Biel siegte trotzdem 4:2, es liess sich nicht beirren und komplettierte ein furioses Comeback.

    Es gab eine Zeit, da hätte Biel sich von den Widrigkeiten nicht mehr erholt. Das Kollektiv stand im Ruf, in Schönheit zu sterben. Und zu keiner Reaktion in der Lage zu sein, wenn es einmal nicht läuft. Aber der Verteidiger Robin Grossmann sagt: «Wir sind reifer geworden.» Und dann fügt er an: «Diese Mannschaft ist erwachsen geworden.»

    Die emotionalisierte Bieler Mannschaft spielt nicht zuletzt für ihren krebskranken Trainer

    Ein Schlüsselerlebnis im Reifeprozess des EHC Biel waren die verlorenen Play-off-Viertelfinals gegen die ZSC Lions vom April 2022. Biel führte in jener Serie mit 3:2 Siegen. Und unterlag am Ende doch. Der Stürmer Mike Künzle sagt: «Wir haben damals Lehrgeld bezahlt. Ich glaube, im Unterbewusstsein hat das einiges ausgelöst. Wir spielen jetzt abgeklärter und gehen weniger Risiko ein.»

    Der Lohn für diese Entwicklung ist eine «Belle» am Donnerstag in Genf. Csikszentmihalyis Standardwerk heisst: «Flow: Das Geheimnis des Glücks». Aber im Play-off ist der Flow natürlich vor allem das: ein Mittel zum Zweck beim Streben nach dem ganz grossen Coup. Der Meistertitel als höchste Form der Glückseligkeit.

    Törmänen werden bestimmt die richtigen Worte und Gesten einfallen, um seine Mannschaft auf das Entscheidungsspiel einzuschwören. Aber möglicherweise wird das gar nicht nötig sein. Der Abwehrspieler Grossmann sagt, seit der erneuten Krebsdiagnose bei Törmänen, die unmittelbar vor dem Play-off-Start publik wurde, spiele die Mannschaft nicht mehr nur für persönliche Meriten: «Unser Antrieb ist es, Antti zum Lächeln zu bringen. Das ist das Mindeste, was wir tun können.»

    Als Meister lacht es sich leicht und enthemmt, es fehlt nur noch ein Sieg. Für den Favoriten Genf/Servette stellt dieser emotionalisierte EHC Biel eine Gefahr dar. Jetzt, wo er den Flow wiedergefunden hat, sowieso.

    Kurioses aus der Sportwelt – Del Curtos vergessener Junge spielt jetzt für Australien
    Der frühere HCD-Stürmer Andreas Camenzind ist einst nach Down Under ausgewandert. Mit 41 taucht er plötzlich wieder auf der Hockey-Landkarte auf – an der D-WM.
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    Del Curtos vergessener Junge spielt jetzt für Australien

    Der frühere HCD-Stürmer Andreas Camenzind ist einst nach Down Under ausgewandert. Mit 41 taucht er plötzlich wieder auf der Hockey-Landkarte auf – an der D-WM.

    Erinnern Sie sich an Andreas Camenzind? Ex Rapperswil, ex Langnau, ex Basel, ex ZSC, ex Kloten und ex Davos. Der gebürtige Aargauer kam ziemlich umher in der damaligen Nationalliga A, lief immerhin 608-mal in der höchsten Eishockeyliga auf, bis er 2013 wegen einer Gehirnerschütterung 31-jährig zurücktrat.

    Der Erfolg verfolgte den Stürmer nicht wirklich, in seinen letzten neun Saisons spielte er nur einmal eine Playoff-Serie (ausgerechnet mit den SCL Tigers), selbst mit dem ZSC kämpfte er 2006 gegen den Abstieg.

    Doch da war noch etwas. Als Arno Del Curto 1996 den HC Davos übernahm, bastelte er sechs Jahre lang an seiner Mannschaft, bis es 2002 so weit war mit Titel Nummer 1. Danach war jahrelang die Rede von seiner Mittelachse mit den Centern Reto von Arx, Josef Marha und Sandro Rizzi.

    Es gab aber bei jedem Titel natürlich vier HCD-Mittelstürmer, die so wichtig für das ganze Davoser Spiel Del Curtos waren. Doch während die Top 3 gesetzt waren, wechselte jener der 4. Linie alle paar Jahre. Sie ahnen es: Der erste meisterliche Viertlinien-Center Del Curtos war … der 19-jährige Andreas Camenzind.

    Das unerwartete WM-Debüt mit 41

    Lange ist es her. Und Camenzind wäre längstens von der Eishockey-Landkarte verschwunden, immerhin als einfacher Schweizer Meister. Doch nun nahm er, mittlerweile 41, vergangene Woche erstmals an einer Weltmeisterschaft teil. An der D-WM in Madrid, um genau zu sein. Erneut war Camenzind Viertlinien-Center – allerdings für Australien.

    Camenzind wanderte schon vor Jahren in die Heimat seiner Ehefrau aus, noch früher kam er mit dem Eishockey aus Down Under in Kontakt: Bereits 2011 als Spieler von Rapperswil-Jona, als er im Sommer ein paar Partien für die Gold Coast Blue Tongues aus Bundall bestritt. Als mittlerweile Australier folgten zwei weitere Comebacks mit den CBR Brave aus Canberra. Seit 2022, also 20 Jahre nach dem ersten und einzigen Titel in der Schweiz, darf sich Camenzind nun auch australischer Meister nennen.

    An der D-WM in Spanien ging es für Camenzinds Team nun allerdings vor allem gegen die Relegation – dank eines 7:1-Sieges gegen Israel konnte dieses Ziel immerhin erreicht werden.

    Die Aufstockung der Ausländer hat das Schweizer Eishockey grundlegend verändert – niemand hat das besser verstanden als Genf/Servette, das vor dem Titelgewinn steht

    Eishockey: Genf/Servette fehlt im Final gegen Biel noch ein Sieg
    Nur noch ein Sieg fehlt den Genfern zum ersten Meistertitel ihrer Klubgeschichte. In der Play-off-Finalserie gegen Biel liegen die Vorteile auch darum bei…
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    Die Aufstockung der Ausländer hat das Schweizer Eishockey grundlegend verändert – niemand hat das besser verstanden als Genf/Servette, das vor dem Titelgewinn steht

    Nur noch ein Sieg fehlt den Genfern zum ersten Meistertitel ihrer Klubgeschichte. In der Play-off-Finalserie gegen Biel liegen die Vorteile auch darum bei ihnen, weil ihre ausländischen Spieler in der Offensive so produktiv sind.

    Mit 7:1 zerzauste Genf/Servette am Samstagabend den für einmal überforderten EHC Biel. Drei Tore und sechs Skorerpunkte steuerten in der siegreichen Mannschaft ausländische Spieler bei. In fünf Duellen in diesem Play-off-Final haben die Servette-Ausländer 16 Skorerpunkte produziert, jene von Biel deren 8.

    Bevor die Saison begann, im September, hatte es nicht viele Gewissheiten gegeben. Aber eine war: Servette hat die besten und die teuersten Ausländer. Nach dem Aufstieg des EHC Kloten ist das Kontingent für ausländische Spieler von vier auf sechs pro Team angehoben worden. Die Erhöhung hat einiges verändert in der National League, sie wurde besser und ausgeglichener.

    Servette ist für Schweizer Top-Spieler wenig attraktiv, für Ausländer dafür umso mehr

    Manche Klubs nutzten die zusätzlichen Plätze, um Ergänzungsspieler zu verpflichten. Servette hingegen holte Teemu Hartikainen, einen finnischen Olympiasieger und Weltmeister, der kurzfristig zu haben war, weil er nicht weiter im Land des Kriegstreibers Russland arbeiten wollte. Und Linus Omark, einen ehemaligen Topskorer der Schweizer Liga.

    Das Sextett bei Servette wird komplettiert von Henrik Tömmernes, dem besten Verteidiger der Liga. Vom Stürmer Valtteri Filppula, dem einzigen Finnen im «Triple Gold Club», in den nur aufgenommen wird, wer mit dem Stanley-Cup auch Olympia- und WM-Gold gewonnen hat. Von Sami Vatanen, einem der elegantesten, kreativsten Abwehrspieler Europas. Von Daniel Winnik, einer kanadischen Dampfwalze mit dem Erfahrungsschatz von mehr als 850 NHL-Partien. Und im Fall der Fälle steht mit dem Franzosen Yohann Auvitu als Ersatz immerhin ein Verteidiger parat, der ebenfalls NHL-erprobt ist.

    Das sind allesamt kostspielige Akteure. Aber die Investitionen haben sich ausbezahlt, sie könnten bereits am Dienstag in Biel mit dem ersten Meistertitel der Klubgeschichte belohnt werden. Einer, der seit mehr als zwei Jahrzehnten als Manager im Schweizer Eishockey unterwegs ist, sagt, es sei möglich, in dieser Meisterschaft den Titel zu kaufen. Wer genug ins Kader investiere, werde Meister. Genau das habe Servette anzustreben versucht.

    Es ist kein Zufall, dass Servette in finanzieller Hinsicht die Muskeln auf dem Ausländermarkt hat spielen lassen. Der 2020 als Nachfolger von Chris McSorley eingesetzte Sportchef Marc Gautschi hat in den letzten Jahren immer wieder darüber gesprochen, wie schwierig es für Servette sei, auswärtige Schweizer Nationalspieler von einem Wechsel nach Genf zu überzeugen. Die Infrastruktur ist mies, die Sprache für einen Deutschschweizer etwas kurlig, der Steuersatz hoch. Wenn einer Familie in Bern oder Zürich hat, gibt es wenig Gründe, nach Genf zu ziehen. Zuletzt musste Servette sogar für den Viertlinienstürmer Alessio Bertaggia zu viel zahlen, um von ihm den Zuschlag zu erhalten.

    Aus der Perspektive eines Ausländers mag sich die Situation anders darstellen, etwa so: Genf ist eine attraktive Stadt, der Flughafen nahe, der Lohn kommt pünktlich, und die Kinder können in eine internationale Schule – was will man mehr?

    Didier Fischer, der starke Mann bei Servette, vertritt das Mantra, dass man sich stets so viel unternehmerische Flexibilität bewahren müsse, dass man im richtigen Moment zuschlagen könne. Er und Gautschi erkannten schnell, dass in der Saison 2022/23 für Servette die Stunde schlagen muss.

    Der EV Zug, von Fischer zuletzt etwas überzeichnet als «Bayern München des Eishockeys» apostrophiert, wirkte nach zwei Meistertiteln in Folge satt und müde. Der ZSC konnte den Abgang von Denis Malgin nicht kompensieren und war zu stark mit sich beschäftigt. Bern, Gottéron, Lugano und Lausanne sparten bei den Ausländern und zahlten dafür einen hohen Preis.

    Niemand sonst spult auch nur annähernd ein solches Pensum ab wie Henrik Tömmernes

    Vor allem aber läuft Servette die Zeit davon. Nur Gottéron stellt ein noch älteres Team, der Abwehrchef Tömmernes wird sich nach dem Saisonende in die Heimat verabschieden, er wechselt zu Frölunda. Als er seinen Abgang im Januar bekanntgab, schrieb er in einem Statement, es sei der Moment gekommen, um nach Hause zurückzukehren. Doch bevor es so weit sei, wolle er mit einem Titel Adieu sagen.

    Es fehlt nur noch ein Sieg für dieses Abschiedsgeschenk, diesen würdigen Schlusspunkt für sechs phänomenale Jahre, in denen Tömmernes Grenzen verschoben hat. In diesem Play-off steht er durchschnittlich wieder 27:30 Minuten pro Partie auf dem Eis. Niemand sonst spult auch nur annähernd ein solches Pensum ab.

    Möglicherweise wird auch Omark bald nach Schweden wechseln, trotz einem weiterlaufenden Vertrag in Genf. Filppula ist im März 39 Jahre alt geworden, bei all seiner Klasse und Übersicht wird er nicht ewig die Beine für das enorme Tempo der National League haben.

    Es ist darum bei Servette eine Art Jetzt-oder-nie-Mentalität auszumachen, während der ganzen Saison schon. Der Trainer Jan Cadieux hat seinem Kollektiv gekonnt vermittelt, dass sich eine möglicherweise einmalige Chance bietet. Auch Cadieux, 43, kann Geschichte schreiben, denn Schweizer Meistertrainer sind eine Rarität. Im Play-off-Zeitalter beschränkt sich der Zirkel auf den sechsfachen Champion Arno Del Curto und auf Lars Leuenberger (2016, SC Bern) – sofern man die eingebürgerten Kanadier Kent Ruhnke und Hans Kossmann in Klammern setzt, Männer, die das Hockey-ABC in Übersee erlernt haben.

    Vielleicht kann sich das zähe, tapfere Biel noch einmal aufbäumen. Aber es gibt keine zwei Meinungen darüber, wer in dieser Finalserie bisher die bessere, konstantere Mannschaft war – und über die stärkeren Ausländer verfügte

    SwissIceHockey hat bestätigt, dass Sven Andrighetto, Grégory Hofmann, Philipp Kurashev, Lino Martschini und Pius Suter die WM wegen Verletzungen verpassen werden. Josi ist noch unsicher.

    Falls man den Sportchef wechseln möchte wäre jetzt die Gelegenheit dazu im Juli machts dann ja auch keinen Sinn mehr - aber so wie ich die Interviews gelesen habe ist man mehr daran interessiert wie man den Umsatz in der Swiss Life Arena noch mehr steigern kann und man dazu weniger Personal bei den Eingängen benötigt, das sportliche hat erst die zweite Priorität. Sind ja alle happy, Rekord Umsatz, Rekord Saisonkarten, Rekord Zuschauerzahlen Rekord Auslastung.

    Aus der NZZ a/S

    «Genf hat keine einfachen Jahre hinter sich»
    Die Marke Servette stand für Chaos. Unter dem Genfer Geschäftsmann Didier Fischer ist im Eishockey und im Fussball die Stabilität zurück. Interview: Nicola Berger

    Im Januar 2018 stand Genf/Servette vor dem Ruin: Der kanadische Präsident Hugh Quennec konnte die Rechnungen nicht mehr bezahlen, es drohte die Insolvenz. Die Fondation 1890 um den Genevois Didier Fischer eilte zu Hilfe. Wie zuvor schon Quennec kontrolliert sie seither sowohl den HC Genf/Servette wie auch den Servette FC. Der Hockeyklub erreichte seit der Übernahme zweimal den Final, in der Corona-Saison 2020/21 und nun gegen den EHC Biel. Der Fussballklub ist unter Fischer aus der drittklassigen, semiprofessionellen Promotion League in die erweiterte Spitze der Super League zurückgekehrt und ins europäische Geschäft.

    Das für die Wiedererstarkung erforderliche Kapital stammt zu einem grossen Teil von der Fondation Hans Wilsdorf, der Stiftung des gleichnamigen verstorbenen Rolex-Gründers, die in Genf seit vielen Jahren mit nobler Verschwiegenheit, doch im grossen Stil in verschiedenen Bereichen Projekte subventioniert. Die Stiftung hält 100 Prozent der Aktien des hochprofitablen und nicht börsenkotierten Konzerns, es ist also etwas Kleingeld vorhanden. Die Les-Vernets-Halle, das aus der Zeit gefallene Heimstadion der Eishockey-Sektion, liegt sinnigerweise direkt neben dem Rolex-Hauptsitz und hat diese offizielle Postadresse: Rue Hans Wilsdorf 4.

    Seit dem Einstieg der Stiftung ist es mit den finanziellen Kapriolen, den drohenden In­solvenzen und Lizenzentzügen bei Servette vorbei. Gleichzeitig wachsen die Ambitionen: Im Eishockey will Servette nach 118 Jahren des Bestehens den ersten Meistertitel. Die letzte Meisterschaft im Fussball liegt 24 Jahre zurück, nun ist man in der Spitzengruppe.

    NZZ am Sonntag: Didier Fischer, Genf/Servette steht im Play-off-Final, der Servette FC belegt in der Meisterschaft Platz 2. Verwandelt sich Genf gerade in eine Sportstadt?

    Didier Fischer: Wissen Sie, die Welt verändert sich. Die jungen Leute von heute, die 20- bis 35-Jährigen, haben andere Prioritäten als die Generationen vor ihnen. Es geht nicht mehr in erster Linie um Geld und darum, ein Haus kaufen zu können. Die Work-Life-Balance ist wichtiger, zum Beispiel, Selbstverwirklichung, solche Dinge. Der Sport wird ebenfalls wichtiger, ein aktiver Lebensstil.

    Was heisst das für Genf?

    Wir haben in den zwei grossen Publikumssportarten, dem Fussball und dem Eishockey, je eine Lokomotive in der höchsten Liga, die dem Nachwuchs Perspektiven aufzeigt. Es gibt gerade Genferinnen und Genfer, die den Profisport neu für sich entdecken. Das ist schön zu sehen. Man darf nicht vergessen, dass wir im Fussball nach dem Konkurs von 2004 praktisch eine ganze Generation von Fans verloren haben. Aber wir wissen auch, dass wir uns noch lange nicht auf dem Level von Zürich oder Bern befinden, gerade was den Besucherschnitt angeht.

    Der Servette FC spielte kürzlich innert zehn Tagen zweimal gegen Lugano. Im verlorenen Cup-Halbfinal kamen 12 500 Zuschauer. Und danach in der Meisterschaft an einem Samstagabend noch 4140. Das charakterisiert Genf ziemlich gut, nicht?

    Es ist so: In Zürich, in Bern, in St. Gallen und Basel sind die Klubs kantonale Institutionen. Man kommt vom Land in die Stadt und stellt sich hinter seinen Klub. Das gibt es in Genf nicht, wir sind kein ruraler Kanton. Wir sind eine internationale, multikulturelle Metropole mit sehr vielen Möglichkeiten, was die Abendgestaltung angeht. Natürlich gibt es hier Sportinteressierte, aber diese Basis, dieser Kern, das sind 20 000, vielleicht 30 000 Menschen. Da stösst man an Grenzen.

    Seit dem Cup-Sieg der Fussballer von 2001 hat die Stadt keinen Titel mehr feiern können. Spüren Sie den Hunger des Publikums?

    Ja. Genf hat keine einfachen Jahre hinter sich. Ich will Sie nicht mit unseren lokalen Sorgen langweilen, aber es gab zum Beispiel die Affäre um den ehemaligen Genfer Staatsrat Pierre Maudet. Als ich während der Play-off-Finalserie in Biel war, sagte man mir dort: «Genf, das ist die Stadt der Mafia, oder?»

    Das muss schmerzen.

    So schlimm ist es nicht, aber der Stolz ist schon ein bisschen angeknackst. Es gab den Konkurs des Servette FC, die finanziellen Probleme der beiden Klubs. Der Hockeyklub stand 2018 vor der Insolvenz, ehe wir ihn übernahmen. Was den Sport angeht, haben die Genfer für ein paar Jahre ihre Identität verloren. Bevor wir 2015 den Fussballklub retteten, trugen die Jugendlichen in den Gassen die Trikots von Manchester United und Barcelona. Das hat mich geschmerzt. Heute sind es wieder vor allem die Farben von Servette. Da ist etwas passiert, Servette ist wieder eine Marke, die positiv assoziiert wird. Ein Meistertitel gäbe den Leuten hier etwas, worauf sie stolz sein können. Darauf arbeiten wir hin.

    Im Eishockey wäre der Titelgewinn keine Über­raschung, Sie stellen eine relativ teure Mannschaft mit sechs Weltklasse-Ausländern.

    Also billig ist sie nicht, das stimmt. Aber wir haben uns diese finanziellen Möglichkeiten erarbeitet, das ist nicht von heute auf morgen geschehen. Wir verstecken unsere Ambitionen nicht. Und wenn man eine Chance sieht, muss man den Mut haben anzugreifen. Aber Geld ist nicht alles im Sport, sonst hätte Paris Saint-Germain längst die Champions League gewonnen.

    Ihre von der Fondation Hans Wilsdorf alimentierte Stiftung «Fondation 1890» stellt drei Sektionen, dem Fussball, Eishockey und auch dem Rugby Defizitgarantien aus. Wann können die Klubs selbsttragend ­operieren?

    Das ist von Saison zu Saison verschieden. Im Eishockey wären wir selbsttragend, hätten wir eine neue Halle, da fehlt nicht viel. Die Prozesse funktionieren gut, aber es gibt in Les Vernets, gerade was die Gastronomie angeht, Limiten – es gibt zum Beispiel in der ganzen Halle keine Küche. Das bedeutet, dass wir einen grossen Aufwand betreiben müssen.

    Wie sieht es im Fussball aus?

    Wir haben im ersten Jahr in der Promotion League drei Millionen Franken verloren. In den letzten zwei Jahren war das Defizit klein. In dieser Saison werden wir dank einigen Spielerverkäufen einen Gewinn schreiben. Wir haben, was das Budget angeht, aber auch noch Luft nach oben, es gibt viel Geld in Genf. Die Frage lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich lässt sich festhalten: Der Betrag, den wir deckeln, beläuft sich meistens auf einen Wert von 10 bis 30 Prozent der Budgets.

    Sie wünschen sich eine neue Eishockeyhalle. Mehrere Projekte sind gescheitert, der Fussballklub bekundet grosse Mühe, eine Fläche für ein Trainingszentrum zu finden. Politisch scheint der Sport weiterhin einen schweren Stand zu haben.

    Wir müssen mehr Geduld haben, als uns lieb ist. Es gibt viele Leute und Gremien, die mitreden. Was die Halle angeht, bin ich immer noch zuversichtlich, dass sie 2028 steht.

    Wie oft treten Investoren mit Übernahme­angeboten an Sie heran?

    Immer wieder. Es gibt regelmässig ­Anfragen von diesen amerikanischen ­Hedge-Fund-Firmen, die schon Klubs in halb Europa besitzen. Auch aus Asien gibt es Interesse. Unsere Statuten schliessen einen Verkauf nicht kategorisch aus. Aber heute ist das überhaupt kein Thema. Wir merken, dass wir als «Groupe Grenat» für Partner immer interessanter werden. Also für Firmen, die bei all unseren Teams einsteigen wollen. Das wird uns neue ­Möglichkeiten eröffnen.

    Der Hockeyklub befindet sich in einem erbitterten Rechtsstreit mit dem im Sommer 2020 fristlos entlassenen Ex-Trainer und Sportchef Chris McSorley. Die Streitsumme beträgt 7,6 Millionen Franken, bereitet Ihnen der Fall Sorgen?

    Es handelt sich um ein laufendes Verfahren, deshalb kann ich dazu nicht im Detail Stellung nehmen. Nur so viel: Ich vertraue darauf, dass die Justiz die Faktenlage richtig erkennt.

    Im Fussball wird zum Saisonende der Trainer Alain Geiger durch René Weiler ersetzt. Auch der Sportchef Philippe Senderos und der Geschäftsführer Richard Feuz sind nicht mehr im Amt. Das sind viele Wechsel für eine ­Mannschaft, die auf Platz 2 liegt.

    Schauen Sie, es ist so: In der Wirtschaft kommt für eine Firma irgendwann der Moment, an dem man eine Maschine austauscht. Um besser, schneller, kostengünstiger, effizienter zu produzieren – was auch immer. Im Sport gibt es keine Maschinen, also tauscht man, um Fortschritte zu machen, hin und wieder die Menschen aus. Natürlich in der Hoffnung weiterzukommen. Wir hatten mit Alain Geiger fünf sehr erfolgreiche Jahre. Wir haben nicht aus einer Not heraus gehandelt, sondern weil wir der ­Überzeugung sind, dass es jetzt einen Schnitt braucht. Es ist immer besser, wenn man ­agieren kann, als wenn man reagieren muss. Wir haben fast 500 Mitarbeiter, die unter dem Servette-Dach arbeiten. Da gehört Fluktuation dazu.

    So ein Typ Richard, Scherwey, fehlt uns. Hatten wir ja mal mit Schrepfer und Klein… also einfach Leaderfiguren…


    Servette-Stürmer Tanner Richard - «Ich sehe nicht ein, weshalb ich freundlich sein soll»

    Servette-Stürmer Tanner Richard – «Ich sehe nicht ein, weshalb ich freundlich sein soll»
    Mit einem losen Mundwerk, den pointierten Kommentaren und seinem unermüdlichen Einsatz polarisiert er wie nur wenige. Nun will Tanner Richard mit Servette den…
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    «Ich sehe nicht ein, weshalb ich freundlich sein soll»

    Mit einem losen Mundwerk, den pointierten Kommentaren und seinem unermüdlichen Einsatz polarisiert er wie nur wenige. Nun will Tanner Richard mit Servette den Titel.

    Tanner Richard gehört zu den schillerndsten Figuren im Schweizer Eishockey. Der 30-Jährige trägt das Herz auf der Zunge. Was andere von ihm halten, kümmert ihn wenig. Der Stürmer ist authentisch, ehrlich und unverblümt. Auf dem Eis gilt er als König des Trash-Talks. Er sagt: «Nur wenn ich emotional voll dabei bin, kann ich meine Bestleistung abrufen. Beim Gegner habe ich keine Freunde, also sehe ich auch nicht ein, weshalb ich freundlich sein soll.»

    Wie das dann tönt, konnte man unlängst bei Mysports hören. Im Viertelfinal legte sich Richard mit Luganos Julian Walker an, verhöhnte ihn für dessen Einsätze bei den Ticino Rockets in der Swiss League. Gleichzeitig nannte er den erst 30-jährigen Trainer Luca Gianinazzi einen «fucking rookie». Doch um die Stimmung aufzulockern, lässt Richard auch auf der eigenen Bank mal einen Spruch fallen. «Je mehr er jemanden mag, umso mehr Sprüche teilt er aus», sagt der SCB-Stürmer Joël Vermin.

    Die beiden lernten sich in Nordamerika in der AHL bei Syracuse kennen, lebten drei Jahre in einer WG und stürmten bis Sommer 2022 zwei Saisons gemeinsam für Servette. Vermin sagt: «Tanner polarisiert, hat das Herz aber am rechten Fleck. Wir sind in Nordamerika beste Freunde geworden. Der Mannschaft gibt er Energie. Er kann sie auf dem Rücken tragen, ist ein Leader und ein Leitwolf. Er hat Mut und nimmt es auch mal mit den Fans auf.»

    «Wenn ich jetzt etwas sage, hasst mich wieder die ganze Schweiz.»
    Tanner Richard

    Unlängst nahm der kanadisch-schweizerische Doppelbürger die Lugano-Anhänger ins Visier, als diese Champagnergläser aufs Eis geworfen hatten. «Nur weil diese Leute für ein Ticket bezahlen, haben sie nicht das Recht, sich wie Zirkustiere zu benehmen», kritisierte Richard. Kleinlauter gab er sich am Donnerstag, als Biel das 2:2 aberkannt wurde und Becher aufs Eis geflogen kamen. «Wenn ich jetzt etwas sage, hasst mich wieder die ganze Schweiz. Deshalb formuliere ich es so: Mir wäre es lieber, wenn nichts aufs Eis geworfen würde.»

    Richard ist in Ontario, Kanada, geboren, aber in Rapperswil-Jona aufgewachsen. Vater Mike, beim ZSC liebevoll «Ritschi Baby» genannt, prägte das Schweizer Eishockey fast zwei Jahrzehnte lang, skorte für die Stadtzürcher, Olten und den SCRJ in 459 Partien 555 Punkte (240 Tore). Heute arbeitet er als Bodenleger. Drei Jahre nach seinem Karriereende im Jahr 2007 kam Richard junior im Alter von 17 Jahren zu seinem Debüt bei den Lakers, ehe er sich danach während sechs Saisons in Übersee versuchte und es bei Tampa Bay zu drei Einsätzen in der NHL brachte.

    Nicht ganz 100

    Tanners loses Mundwerk war nicht immer förderlich. Von der Sportschule flog er einst nicht wegen schlechter Noten, sondern weil er darauf geprägt war, alles besser zu wissen, er morgens nicht aus dem Bett kam und zu spät zum Unterricht erschien. Richard sagt, er habe viele Fehler gemacht und auf dem Eis lange von seinem Talent gelebt. Heute gibt er sich selbstkritisch, kennt auch keine Ausreden. Vor zwei Jahren spielte er im Final trotz verletzter Schambeinfuge. Davon gewusst haben nur die wenigsten seiner Teamkollegen. Die Verletzung sollte nicht als Grund für die mässigen Leistungen herhalten.

    Richard beschreibt sich als positiven, offenen Menschen. Nicht ganz 100 zwar, doch er möge den Kontakt zu den Mitmenschen. Er gibt sich nahbar, tauscht sich nach den Spielen in der Supporter-Bar mit Sponsoren aus, interessiert sich für ihr Leben. Einmal gab er auf dem Tresen seine Tanzkünste zum Besten. Mitten im Playoff und nach einem Sieg gegen den SCB. Ein Anwesender filmte die Szene. Das Video fand den Weg in die Öffentlichkeit, der Fall wurde breitgeschlagen. Dabei war es nicht der Alkohol, der Richard so ausgelassen feiern liess. Die Frohnatur tanzt und singt bei jeder Gelegenheit.

    «Ich erwarte von jedem Spieler, dass er sich steigert. Und das kann man auch von mir erwarten.»
    Tanner Richard

    Akzente setzt Richard heuer ausschliesslich auf dem Eis. Er führt sein Team als Topskorer an. Seine Punkteausbeute ist im Playoff stets höher als in der Qualifikation. Obwohl Richard beim 3:2-Erfolg in Biel durch sein konsequentes Nachsetzen den Shorthander von Daniel Winnik erst ermöglichte, verwies er hinterher auf andere. Die vierte Linie etwa, die mit zwei Toren den Unterschied ausgemacht habe. «Ich erwarte von jedem Spieler, dass er sich steigert. Und das kann man auch von mir erwarten», sagt der Mann, der seinen Hund Rappi taufte.

    Was läuft mit der Nationalmannschaft?

    Erst einmal nahm er an einer WM teil, 2017 in Deutschland und Frankreich. Die letzten Länderspiele liegen schon dreieinhalb Jahre zurück. Er verweist auf Nationaltrainer Patrick Fischer, sagt: «Ich mache das Kader nicht. Fischi weiss, was er tut. Er ist ein guter Coach und muss hinter seinem Kader stehen. Zudem interessiert mich der Final im Moment mehr.»

    2021 war Servette gegen Zug chancenlos, verlor die Best-of-5-Finalsserie 0:3. «Diese Niederlage tat zwei Jahre lang weh», gibt der Stürmer zu. Letzte Saison war Genf im Pre-Playoff an Lugano gescheitert. Das Sommertraining begann am 18. April, just am Tag des Finalauftakts. «Es war frustrierend, morgens im Kraftraum zu schuften und abends Zug und Zürich zuschauen zu müssen. Wir sagten uns, wohin die Reise in dieser Saison gehen soll. Nun sind wir so nah am Ziel, und trotzdem ist es noch ein weiter Weg.»

    2:2 steht es nach vier Partien. Der Final ist zu einer Best-of-3-Serie verkommen. Am Samstag steigt in Genf Spiel 5.

    Krass.

    Wobei, dass ist ja das "House Cleaning" was ja diverse Leute hier auch auf unserem Board bei unserem Club wünschen.

    Ich nicht - für mich ein Zeichen von Schwäche!

    Das bei uns CEO Zahner gehen muss oder Crawford halte ich für ausgeschlossen und SL sitzt nach den Äusserungen von Herr Zahner auch fest im Sattel. Leider.

    Btw: unser VR Dörig kommt medial gerade durch den Schredder…. https://www.tagesanzeiger.ch/sechselaeuten-…en-833257170624

    Krass, dann ist ja noch 1 Spiel offen von der Playoff Finalserie von 2021. Und niemand hat's gemerkt - einzigartig:

    "Noch immer ist unklar, ob diese Serie für Genf/Servette ein besseres Ende nimmt als in den ersten drei Anläufen: 2021 verlor das Team 1:3 gegen Zug, 2010 3:4 gegen Bern und 2008 2:4 gegen die ZSC Lions."

    Da gabs nur 3 Spiele

    Play-off-Final: Der EV Zug bezwingt Genf/Servette im dritten Finalspiel 5:1 – der Klub feiert den zweiten Meistertitel der Klubgeschichte

    Eishockey: Der EV Zug ist zum zweiten Mal Schweizer Meister
    Der EV Zug gewinnt gegen Genf/Servette auch die dritte Partie der Finalserie. Damit sind die Zuger erstmals seit 1998 wieder Schweizer Meister.
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    Adler Sherkan, Genfer Cheerleader und Deutschschweizer Eifersucht: Was den Schweizer Eishockey-Final auch ausmacht

    Der HC Genf/Servette versprüht im Play-off-Final schrägen Flair
    Auch nach vier Duellen ist nicht absehbar, ob der Schweizer Meister Genf/Servette oder Biel heissen wird. In der Finalserie steht es 2:2. Aber gewiss ist, dass…
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    Adler Sherkan, Genfer Cheerleader und Deutschschweizer Eifersucht: Was den Schweizer Eishockey-Final auch ausmacht

    Auch nach vier Duellen ist nicht absehbar, ob der Schweizer Meister Genf/Servette oder Biel heissen wird. In der Finalserie steht es 2:2. Aber gewiss ist, dass das ungewohnte Duell eine Bereicherung darstellt.

    Am Donnerstagabend steht ein Reporter eines Deutschschweizer Medienunternehmens in der Bieler Tissot-Arena. Er blickt ein bisschen betreten auf seinen Notizblock und sagt, in der Redaktion hätten sie ihm mitgeteilt, dass der Text zum Qualifikationsspiel zwischen den SCL Tigers und den Rapperswil-Jona Lakers in Runde 18 bei der Leserschaft mehr Klicks generiert habe als die Artikel zu diesem Play-off-Final zwischen Biel und Genf/Servette.

    So ist das offenbar, jetzt, wo im Schweizer Eishockey in der entscheidenden Phase für einmal vorwiegend Französisch gesprochen wird. Auf den Rängen und an den Stammtischen der Anhänger jedenfalls – auf dem Eis lassen sich die frankofonen Spieler in den Kollektiven kumuliert an zwei Händen abzählen. «Watson» spottete schon, es handle sich keineswegs um ein welsches Endspiel, sondern «um einen Play-off-Final der Zürcher». Jetzt, wo erstmals seit La Chaux-de-Fonds 1973 wieder ein Team aus der Romandie den Titel holen könnte. Wobei diese Spitze ja vermutlich auch kaum jemand gelesen hat, ganz anders als den Spielbericht zwischen Langnau und den Lakers vom 31. Oktober, 3:5 übrigens, wobei Sie das ja bestimmt wussten.

    Einer, der mit «Watson» zu konspirieren scheint, ist Marco Maurer, ein Zürcher Verteidiger in Genfer Diensten. Er sagt: «Früher war es bei Servette Pflicht, in der Kabine Französisch zu reden, der Captain Goran Bezina bestand darauf. Aber heute brauche ich diesen Wortschatz eigentlich kaum mehr, die Garderobensprache ist Englisch.» Unabhängig von der Sprache scheint Maurer, 35, interessante Wörter zu kennen: Er wurde am Donnerstag in Biel noch im ersten Drittel für eine Schiedsrichterbeleidigung unter die Dusche geschickt, was sehr selten vorkommt in diesem Sport.

    Die Tickets für Spiel 5 vom Samstag waren innert acht Minuten ausverkauft

    Was die Watson-Schlagzeile aber vor allem aussagte ist, dass es in der Deutschschweiz diesen Reflex zu geben scheint: Dringend bei erster Gelegenheit versuchen, diesen Play-off-Final irgendwie für sich zu vereinnahmen, weil hier noch ein Walliseller ein Tor erzielt hat und dort ein Berner Sportchef ist. Dabei ist es doch genau der Reiz dieses Finals, dass für einmal nicht die ewigen Hockey-Zentren Zürich, Bern, Davos und zuletzt Zug im Fokus stehen. Dass andere Städte die Sogwirkung eines Play-off-Finals erleben, eines Titels vielleicht sogar, der prägend für Generationen sein kann. In Genf waren die 7135 Tickets für Spiel 5 vom Samstag innert acht Minuten ausverkauft.

    Gerade Genf bringt einiges an ungewohntem, schrägem Flair in diese Finalserie. In Les Vernets, diesem Wellblech-Zweckbau, sind die Uhren einfach irgendwann stehen geblieben, und zwar nicht nur, weil die Halle 1954 erbaut wurde und längst aus der Zeit gefallen ist. Noch immer fliegt vor jedem Spiel der Fischadler Sherkan quer durch das Stadion und ist so etwas wie der heimliche Star dieses Klubs. Auf den Rängen tanzen auch im Frühjahr 2023 Cheerleader, während in den USA, wo dieser Trend einst begann, inzwischen etliche Klubs auf Tänzerinnen mit Pom-Poms verzichten – es gibt Menschen, die finden, das vermittelte Frauenbild entspringe so ungefähr dem Jahr des Genfer Stadionbaus.

    Sherkan und die Cheerleader sind Relikte aus der Ära von Chris McSorley, der viel unternahm, um die dem Eishockey gegenüber lange skeptisch eingestellte Bevölkerung zum Ticketkauf zu bewegen. Tiere und tanzende Frauen, das waren jahrzehntelang amerikanische Synonyme dafür, wie man eine schnöde Sportveranstaltung um öffentlichkeitswirksame Showelemente erweitern kann.

    McSorley muss man darüber nichts erzählen, er spielte und coachte jahrelang im Entertainmenthimmel Las Vegas. In Genf erinnert heute sonst wenig an ihn; der Klub hat ihn im August 2020 fristlos entlassen; seither liefern sich die Parteien einen erbitterten Rechtsstreit um 7,6 Millionen Franken, der bald in die nächste Runde gehen wird.

    Den Stadionsprecher hat nicht McSorley ausgesucht, obwohl das nicht überraschen würde. Der Verein hat diesen offenkundig beim Luna-Park auf dem Plainpalais eingesammelt, es ist ein Mann, der mit der Atemlosigkeit des Besitzers einer Putschautobahn unentwegt «Macht ein Maximum an Lärm!!!» ins Mikrofon brüllt. So als müsste das Publikum noch lernen, wie das geht: Sport und Emotionen. Was natürlich Unsinn ist – es ist immerhin die bereits vierte Finalteilnahme dieses Klubs.

    Servette ist die teurere – und bisher auch die bessere Mannschaft

    Noch immer ist unklar, ob diese Serie für Genf/Servette ein besseres Ende nimmt als in den ersten drei Anläufen: 2021 verlor das Team 1:3 gegen Zug, 2010 3:4 gegen Bern und 2008 2:4 gegen die ZSC Lions. Aber nach vier Duellen mit Biel lässt sich sagen, dass die edler besetzte und teurere Mannschaft, also Servette, bisher besser ist. Das Schussverhältnis lautet 145:89 für die Genfer, sie lagen in dieser Hinsicht in jeder Partie deutlich vorne; Biel war insbesondere mit dem 2:1-Sieg nach Verlängerung vom Dienstag sehr gut bedient. Servette gelang am Donnerstag mit einem 3:2 das nicht unverdiente Rebreak.

    Der Traum vom ersten Titel im 118-jährigen Bestehen des Klubs lebt also weiter. Und es fragt sich, ob dann ein altes Versprechen eingelöst wird: Jacques-Olivier Travers, der Mann, auf dessen Kommando Sherkan sich durch Les Vernets schwingt, sagte einst, er wolle das Kunststück so lange aufführen, bis Servette einmal Meister geworden sei. Es fehlen nur noch zwei Siege.

    Biels Matchwinner Damien Brunner war jahrelang der spektakulärste Spieler im Schweizer Eishockey – kann er seine unvollendete Karriere mit 37 krönen?

    EHC Biel: Brunners langer Anlauf zum Held eines Play-off-Finals
    Der Zürcher Damien Brunner ist sehr hoch geflogen, er war Liga-Topskorer und schaffte es bis in die NHL. Vielleicht vermag er sich im Spätherbst dieser famosen…
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    Biels Matchwinner Damien Brunner war jahrelang der spektakulärste Spieler im Schweizer Eishockey – kann er seine unvollendete Karriere mit 37 krönen?

    Der Zürcher Damien Brunner ist sehr hoch geflogen, er war Liga-Topskorer und schaffte es bis in die NHL. Vielleicht vermag er sich im Spätherbst dieser famosen Laufbahn doch noch zu einem Meistertitel zu schiessen.

    Fünf Jahre sind vergangen, seit Damien Brunner seinen Vertrag im HC Lugano aufgelöst hat. Die Tessiner hatten Brunner, heute 37, im Dezember 2014 zum bis dato teuersten Spieler in der Geschichte des Schweizer Eishockeys gemacht; inklusive Prämien konnte es Brunner auf ein siebenstelliges Salär bringen.

    Eine Million Franken, das ist viel Geld dafür, zwischen Ambri und Lausanne einem Puck hinterherzujagen. Aber das Glück fand er in der Resega trotz üppiger Entlöhnung nicht. Brunner kämpfte mit gesundheitlichen Problemen, wurde vom heutigen Nationalcoach Patrick Fischerblossgestellt und musste als Sündenbock herhalten.

    Die Flucht aus New Jersey kommt Brunner teuer zu stehen

    Der vorzeitige Abgang kostete ihn viel Geld – und das nicht zum ersten Mal: Als er 2014 die New Jersey Devils mitten in der Saison verliess, hatte er auf 1,3 Millionen Dollar verzichtet. Die Abschreibungen hat Brunner nie bereut, er hatte es in New Jersey einfach nicht mehr ausgehalten. Unter einem längst abgelösten Regime von fast militärischer Strenge fand er keine Entfaltung, die Kreativität wurde erstickt.

    In den Verträgen standen allerlei eigenartige Dekrete. Dass Bärte nur in den Play-offs erlaubt sind. Dass man Twitter und Facebook nicht aktiv nutzen darf. Dass das Haupthaar maximal bis zu den Ohren reichen darf. Dass auf Reisen auch an freien Tagen Anzugspflicht herrscht. Dass Rückennummern höher als 30 nur in Ausnahmefällen gewählt werden dürfen. «In dieser Organisation werden die Dinge so gemacht, wie ich es sage. Wem das nicht passt, kann gehen», sagte der Generalmanager Lou Lamoriello.

    Dem Freigeist Brunner passte es nicht; er ging, was nur konsequent war für einen, der Eishockey immer als das begriffen hat, was es ist: ein Spiel. Und erst in zweiter Linie ein Job. Er musste weg, den Kopf frei bekommen.

    In Lugano war es drei Jahre später wieder so.

    In New Jersey und im Tessin suchte Brunner vergeblich jene Leichtigkeit, die ihn überhaupt erst in die NHL katapultiert hatte. 2012 war er der erste Schweizer Liga-Topskorer seit 30 Jahren und hatte den EV Zug fast im Alleingang zurück zu sportlicher Relevanz geführt. Mit seinem Spielwitz bot er praktisch jeden Abend Spektakel, es sah so wahnsinnig einfach aus, wie er mit seinen Taschenspielertricks die gegnerischen Abwehrreihen düpierte. Hier ein Hattrick, da eine Handvoll Assists und dort Widersacher, denen nur das Staunen blieb.

    Sogar der während des NHL-Lockouts in Zug gastierende schwedische Weltstar Henrik Zetterberg sagte anerkennend: «Er hat die rare Gabe, aus wirklich jeder Situation Tore zu erzielen.»

    Mit Brunners Krankenakte liesse sich ein Sachbuch füllen

    Damien Brunner entwuchs der hiesigen Liga, er war unterfordert. Die Lichtgestalt Steve Yzerman, damals Generalmanager des heutigen Serienmeisters Tampa Bay Lightning, versuchte ihn im Einzelgespräch für einen Wechsel nach Florida zu begeistern. Doch der Stürmer entschied sich für Detroit, den Arbeitgeber Zetterbergs. Warum auch nicht?

    Es wirkte, als stünde Brunner die Welt offen. Ihm, der in Kloten einst sträflich verkannt und 2008 im einseitigsten Tauschgeschäft der Schweizer Eishockeygeschichte nach Zug weitergereicht worden war – er nach Zug und der Ergänzungsspieler Thomas Walser nach Kloten –, weil der Trainer Anders Eldebrink im Schluefweg keine Verwendung für ihn fand. Erst durch diesen Transfer begann sein kometenhafter Aufstieg.

    Doch die Form und vor allem die Konstanz aus Zuger Tagen suchte er danach lange vergeblich. Brunner kämpfte mit einer enormen Erwartungshaltung. Und seinem eigenen Körper. Die Krankenakte ist umfassend: gerissenes Syndesmoseband, Beinbruch, chronische Darmentzündung, Gehirnerschütterung, kaputte Hand, Kiefer- und Blinddarmoperation.

    Von den neun Spielzeiten seit der Rückkehr in die Schweiz konnte er nur eine einzige ganz bestreiten; sonst war er im ewig gleichen Kreislauf gefangen: Aufbau – Form und Rhythmus suchen – Optimismus – nächste Blessur. Immer wieder verletzte er sich zur Unzeit, kurz vor oder in den Play-offs. Meister wurde er nie, in den Final schaffte er es ein einziges Mal. Er, der mitreissendste Schweizer National-League-Stürmer seiner Generation.

    Vor ein paar Wochen, in der Viertelfinalserie gegen Bern, war es wieder so weit: Brunner erlitt eine Muskelverletzung, nach einer MRI-Untersuchung lautete die Diagnose auf vier Wochen Zwangspause, es drohte das Saisonende. Brunner hadert selten, aber nach diesem neuerlichen Nackenschlag sagte er: «Ich weiss wirklich nicht, was ich falsch mache. Warum es immer mich trifft.»

    Doch er kämpfte sich sehr schnell zurück und stand dem EHC Biel schon im erstaunlich locker gewonnenen Halbfinal gegen die ZSC Lions wieder zur Verfügung. Brunner hat keine Zeit zu verlieren, er weiss, dass das vermutlich seine letzte Chance auf einen Titelgewinn ist. Er sagt: «Es bedeutet mir viel, diesen Final spielen zu können, denn ich habe lange auf diese Chance gewartet. Die Verletzungen gehören zu meiner Geschichte, zu meiner Karriere, da gab es ein paar richtig harte Augenblicke.» Er habe das Glück gehabt, immer Menschen um sich zu haben, die ihn mental und physisch wieder aufgerichtet hätten. Manchmal machten sein Körper, seine Muskeln einfach nicht mit. «Ich musste lernen, mich damit abzufinden. Heute bin ich relaxt und kann den Moment geniessen.»

    Eine Stunde bevor Brunner diese Worte spricht, hat er Spiel 2 der Finalserie praktisch im Alleingang entschieden: Zum 3:2-Sieg gegen Genf/Servette steuert er zwei Tore bei, darunter den entscheidenden Treffer 7,4 Sekunden vor Schluss. Es ist die Rückkehr der Vintageversion Brunners, der Abend wirkt so, als hätte Marty McFly aus «Zurück in die Zukunft» seine Zeitmaschine angeworfen und die Tissot-Arena und ihre 6562 Zuschauer um zehn Jahre zurückgeschleudert.

    Biel ist das perfekte Biotop für den sensiblen Künstler Brunner

    Dass Brunner einen goldenen Spätherbst der Karriere verlebt, hängt stark mit seinem Arbeitgeber zusammen. Er hatte auch andere Angebote, als er Lugano verliess. Doch er mochte die Bieler Unaufgeregtheit, das ausgeprägte Flair der Organisation für das spielerische Element.

    Im Gegenschnitt mit den Devils von einst wirkt Biel wie die Antithese: ein Klub, dessen sportliche Abteilung vom Sportchef Martin Steinegger und vom Trainer Antti Törmänen geleitet wird, zwei Männern, die ihr Personal dazu ermutigen, etwas zu wagen und den Instinkten zu vertrauen. Und die zum Lachen nicht in den Keller gehen. Steinegger sagt: «Damien ist ein Spieler, der sich wohl fühlen und das Vertrauen spüren muss. Bei uns ist das der Fall.»

    Steinegger skizziert eine gewisse Fragilität, einen sensiblen Künstler, und diese Facette hat es bei Brunner immer gegeben. Einst wurde ihm überbordendes Selbstvertrauen vorgehalten, gegnerische Fans konnten sich ewiglich an ihm abarbeiten. Aber sie missverstanden dieses Faszinosum, das bis heute eine fast kindliche, ansteckende Spielfreude ausstrahlt. Und sich nicht scheut, seine Emotionen zu zeigen, warum auch?

    Brunner sagt: «Ich habe sofort gemerkt, dass das mit Biel passt. Die Atmosphäre ist familiär, man schaut aufeinander. Und wenn einem etwas nicht gefällt, kann man das ansprechen, ohne dass jemand beleidigt ist. Ich fühle mich hier zu Hause.»

    Es ist in Biel ruhiger geworden um Damien Brunner. In Zug und in der NHL war der Rummel phasenweise gross gewesen, ein Schweizer Ausrüster ermunterte ihn, eine eigene Produktlinie zu lancieren. Es wurde nicht das grosse Geschäft, Brunner ist keiner dieser schmierigen Selbstvermarkter, man liest von ihm und seiner Frau, der Weltklasse-Beachvolleyballerin Nina Brunner, keine Homestorys in der «Schweizer Illustrierten». Er sucht nicht das Scheinwerferlicht, sondern spielt Eishockey, weil er diesen Sport liebt und sehr gut beherrscht. Und es ihm oft gelingt, auf dem Eis Spass zu haben, das ist augenfällig.

    Für den EHC Biel ist es die Final-Premiere, auch der Verein wartet im Play-off-Zeitalter auf seinen ersten grossen Wurf, das passt zu dieser Romanze. Es schien lange so, als ob Brunner diesen Preis zahlen müsste, um im Idyll zu spielen: Dass sein Klub sportlich halt nicht ganz mit den Schwergewichten der Liga mithalten kann, weil immer irgendwas fehlt, in erster Linie Geld.

    Aber nach einem verblüffenden Winter ist es jetzt doch möglich, dass Brunner seine fabelhafte Karriere in den nächsten Tagen im Bieler Dress krönt. Und wenn nicht, dann bleibt ihm immerhin dieser so langersehnte, rauschhafte Sonntagabend, an dem er Biel die Hoffnung zurückbrachte. Und die Leichtigkeit, als wäre es das Jahr 2013.


    «Die totale Explosion der Emotionen»: Marco Schällibaum klopft mit Yverdon an die Türe der Super League. Ist ihm nach Schicksalsschlägen ein Happy End vergönnt?

    Marco Schällibaum wurde vom Leben geplagt. Schafft er es mit Yverdon in die Super League?
    Der Trainer Marco Schällibaum ist das Stehaufmännchen des Schweizer Fussballs. Mit seinen 61 Jahren hat er eine filmreife Geschichte hinter sich.
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    «Die totale Explosion der Emotionen»: Marco Schällibaum klopft mit Yverdon an die Türe der Super League. Ist ihm nach Schicksalsschlägen ein Happy End vergönnt?

    Der Trainer Marco Schällibaum ist das Stehaufmännchen des Schweizer Fussballs. Mit seinen 61 Jahren hat er eine filmreife Geschichte hinter sich.

    «Komm», sagt Marco Schällibaum, «wir setzen uns auf die Terrasse, da kann ich rauchen.» Schällibaum, 61, zieht ein Pack rote Marlboro hervor und spricht über den Fussball und das Leben. Der Zürcher gemahnt in seinem Erscheinungsbild an Sylvester Stallone, und wie der Boxer Rocky Balboa, neben Rambo Stallones grosse Filmfigur, hat Schällibaum eindrückliche Nehmerqualitäten bewiesen, eine Unzerstörbarkeit, obwohl er sich oft aus der Deckung wagt.

    Auch seine Geschichte hat etwas Filmreifes. Sie könnte viel erzählen über die Verwirrungen dieses Geschäfts. Darüber, wie man es schafft, wieder aufzustehen.

    Schällibaum ist ein Vergessener des Schweizer Fussballs, aber gerade ruft er sich in Erinnerung, als Trainer von Yverdon, dem Tabellenersten der Challenge League. Es ist lange her, seit er letztmals als Cheftrainer in der Super League gecoacht hat, 2009 bei der AC Bellinzona. Nach einem 1:7 gegen YB und einem 0:5 gegen St. Gallen trat er zurück, die Saison zuvor hatte er den Klub ins europäische Geschäft geführt.

    Besonders die Ohrfeige gegen YB ist Schällibaum im Gedächtnis geblieben: Der italienische Torhüter Carlo Zotti war in der 12. Minute ohne erkennbaren Grund aus dem Tor geeilt, hatte einen Gegenspieler zu Boden gerissen und dafür Rot gesehen. Schällibaum sagt: «Wir konnten es nie beweisen, aber ich weiss, dass es da um Wettbetrug ging. Es ging mafiamässig zu und her. Und anders war sein Foul nicht zu erklären.»

    In Bern schrieben die Fans auf ein Transparent: «Schällibaum for Bundesrat»

    Die letzten Tage in Bellinzona waren nicht die einzige Enttäuschung, die Schällibaum im Fussball zu verarbeiten hatte. Die vielleicht heftigste erlebte er in Genf; Servette war sein grosser Karriereknick. 2003 hatte er YB für dieses Abenteuer verlassen, die Stadt Bern, wo ihm bis heute Verehrung zuteilwird und sie auf den Rängen «Schällibaum for Bundesrat» auf ein Transparent pinselten.

    Am Vorabend dieses Gesprächs war er wieder in der Hauptstadt an einer Fanveranstaltung, man hat ihn im YB-Umfeld nicht vergessen. Diesen feurigen Trainer mit dem häufig roten Kopf, der einen unverstellten Blick auf den Fussball hat und sich nicht scheut, diesen in Worte zu fassen.

    Schällibaum verliess YB nur aus Solidarität mit dem damaligen Sportchef Fredy Bickel, der einen Machtkampf gegen den Stadioninvestor Peter Jauch verloren hatte. Servette zahlte eine Ablöse für den Coach, im ersten Jahr wurde das Team Dritter. Dann übernahm der Spielervermittler Marc Roger den Klub und stellte Schällibaum im Sommer 2004 fast dreissig neue Spieler hin. Christian Karembeu gehörte zu ihnen, der französische Weltmeister, aber das änderte wenig an der Unmöglichkeit der Situation.

    Nach fünf Spielen war Schällibaum seinen Job los, obwohl Roger den Vertrag kurz zuvor vorzeitig verlängert hatte. Ein halbes Jahr später meldete der Klub Konkurs an.

    Als letzten Retter hatte Roger einen libanesischen Geschäftsmann präsentiert, Joseph Ferrayé, der auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz davon sprach, dass er ein System zur Löschung von brennenden Ölquellen erfunden habe, leider aber Opfer eines internationalen Komplotts sei und deshalb gerade nicht an sein Geld komme. «Der Klub ist gerettet», verkündete Roger unbeirrt.

    Wenig später deponierte Servette die Bilanz. Und Schällibaum wartete jahrelang vergeblich auf seine 22 ausstehenden Monatslöhne. Am Ende erhielt er nach zermürbendem Kampf knapp die Hälfte, es haftete unter anderem der Manor-Erbe Olivier Maus, der im Servette-Verwaltungsrat sass. Schällibaum sagt: «Das war keine lustige Zeit. Mein Anwalt erhielt Morddrohungen, einmal wurden die Reifen seines Autos zerstochen.»

    Mafiöse Zustände in Bellinzona, Chaos in Genf. Und dazu erlebte Schällibaum die Präsidenten Pablo Bentancur, Christian Constantin und Angelo Renzetti, mit ihren Launen und Stimmungsschwankungen so etwas wie das Trio infernale des Schweizer Fussballs. Der Spielervermittler Bentancur, der peruanische Präsident der AC Bellinzona, hat ein vollgepacktes Strafregister, in Uruguay wurde er einst wegen Totschlags verurteilt. In der Schweiz verschleisst er Trainer am Laufmeter, weil er ihnen vorschreibt, wer zu spielen hat. Für Constantin arbeitete Schällibaum 47 Tage. Und Renzetti entliess den Trainer 2011 auf Platz 1 der Challenge League.

    Unmittelbar nach dem Abschied aus Genf ging Schällibaum aufs Arbeitsamt und heuerte danach bei Concordia Basel an, Challenge League im aus der Zeit gefallenen Rankhof. Die Liga ist über die Jahre zu seinem Revier geworden, er wirkte in allen Landesteilen für sieben verschiedene Arbeitgeber. Es gab eine Zeit, da haderte Schällibaum damit, dass er bei den grossen Schweizer Klubs nie mehr eine Chance erhielt. Beispielsweise, dass ihn Bickel, der alte Weggefährte, mit dem er in Bern eine WG geteilt hatte, nie zum FC Zürich holte.

    In St. Gallen fehlte einst nur noch die Unterschrift, ehe der Klub im letzten Moment einen Rückzieher machte – der GC-Manager Erich Vogel soll Schällibaum angeschwärzt haben, der Trainer habe ein Alkoholproblem. «So war das. Frei erfunden, aber was will man machen? Du kannst noch so vielen Menschen helfen. Wenn du selbst Hilfe brauchst, sind nicht mehr viele da», sagt er.

    Der Tod seines zehnmonatigen Sohnes 1996 war die schwierigste Prüfung

    Das Leben hat für ihn einige Prüfungen bereitgehalten. Die härteste, sagt Schällibaum, sei der Tod seines Sohnes Arno gewesen, der 1996 in Frankreich im Alter von zehn Monaten verstorben sei. Der Schweizer Hausarzt hatte ein Virus falsch eingeschätzt, in Frankreich war das Kind nicht mehr zu retten. Nach dem Schicksalsschlag habe er sich ein Jahr lang nicht mehr auf dieser Welt befunden, sagt Schällibaum. Und dass es der Fussball gewesen sei, der ihn gerettet habe. Ohne die Arbeit als Trainer fühle er sich nur als halber Mensch.

    Schällibaums hat sein ganzes Leben diesem Sport gewidmet, er war als Spieler einer der ersten modernen Aussenverteidiger Europas. Und coacht inzwischen seit 28 Jahren, er hat sich nie ganz vom Trainerkarussell abwerfen lassen, auch wenn das bedeutete, bis in die drittklassige Promotion League herunterzusteigen; Yverdon ist seine 16. Station.

    Die Zeit hat Wunden geheilt, privat und beruflich; Schällibaum hat sich damit abgefunden, wie die Dinge gelaufen sind. Zumal er doch noch hoch flog: 2013 wurde er aus dem Nichts Trainer von Montreal Impact in der Major League Soccer (MLS). Einer Mannschaft, bei der die angejahrten italienischen Granden Alessandro Nesta und Marco Di Vaio unter Vertrag standen. Aus bis heute nicht ganz geklärten Gründen liess Montreal damals drei Schweizer Trainer einfliegen, neben Schällibaum auch Ciriaco Sforza. Schällibaum machte das Rennen und tauchte in eine Glitzerwelt ein, in der es mit dem Privatjet zu den Auswärtsspielen ging und 20 000 Zuschauer zu den Heimspielen kamen. Der Coach erinnert sich gerne daran. Und sagt: Es sei nicht schwierig gewesen, Nesta und Di Vaio zu coachen, der Fussball und das Innenleben von Mannschaften funktionierten überall gleich.

    61 ist Schällibaum inzwischen, das ist ein stattliches Alter in einem Geschäft, das immer jüngere Leute verlangt. Schällibaum zündet sich noch eine Marlboro an und sagt, es gebe Dinge, die er der «Generation der Laptop-Trainer» voraushabe, Erfahrung und Bauchgefühl nämlich, da sei er «top». Der Mann, der sich an ihn erinnert hat, teilt diese Einschätzung: Marco Degennaro, der Geschäftsführer von Yverdon, sagt: «Er ist ein sehr guter Trainer, vor allem aber ist er jemand, auf dessen Wort man sich verlassen kann. Der weiss, wie man mit Menschen umgehen muss. Eine authentische, ehrliche Person.»

    Degennaro und Schällibaum arbeiteten einst schon in Bellinzona zusammen, nun schicken sie sich an, Yverdon zurück in die Super League zu führen. Am Freitag wandelte das Team in Schaffhausen einen 1:3-Rückstand zur Pause in einen 4:3-Sieg um, Schällibaum sagt am Tag danach: «Es war die totale Explosion der Emotionen. Es ist wahnsinnig, was im Moment passiert, das tut so gut. Ich bin dankbar, dass ich das erleben darf.»

    Yverdon zieht pro Spiel nur 1050 Zuschauer an – und müsste die Stadioninfrastruktur für die Super League stark aufrüsten

    Die Frage ist, ob der Klub einen Aufstieg stemmen könnte. Der Präsident und Mäzen Marco Di Pietrantonio sucht seit längerem einen Investor, der dabei hilft, die Rechnungen zu zahlen. Der Bauunternehmer übernahm den Klub 2014 in der 1. Liga und sorgte für Schlagzeilen, als er 2017 den früheren französischen Superstar Djibril Cisséverpflichtete. Cissé spielte mit einem künstlichen Hüftgelenk, verdrückte vor dem Training genüsslich diese langen Haribo-Gummischlangen und erzielte trotzdem 24 Tore in 29 Spielen.

    Solche Prominenz gibt es im Kader nicht mehr, manche Spieler verdienen nur um die 1000 Franken. Aber das Budget liegt bei mehr als vier Millionen – und müsste für die Super League signifikant aufgestockt werden. Es ist keine einfache Aufgabe, zumal der Zuschauerzuspruch trotz der aktuellen Hausse bescheiden ist: 1050 Besucher kommen durchschnittlich, das ist der schwächste Wert der Liga.

    Das Geld ist die eine Sache, die andere ist die Infrastruktur. Das pittoreske, am Ufer des Neuenburgersee gelegene Stade Municipal müsste für die Super League hochgerüstet werden, die Lichtanlage ist so dürftig, dass Yverdon schon diese Challenge-League-Saison nur dank einer Sonderbewilligung absolvieren kann. Degennaro sagt: «Die Lizenzauflagen kriegen wir hin. Da mache ich mir weniger Sorgen als um die Punkte. Schliesslich sind noch sieben Runden zu spielen.»

    Sowieso stehen Yverdon und Schällibaum vor entscheidenden Wochen: Der Tag der erstinstanzlichen Lizenzvergabe ist der 1. Mai, das Championnat endet 26 Tage später. Schällibaum muss einen Platz in den Top 5 belegen, damit sich sein Vertrag automatisch verlängert.

    Eine Rückkehr in die Super League wäre so etwas wie ein Happy End für Schällibaum, auch wenn er dafür mehr Anläufe brauchte als Rocky Balboa, dem das in «Rocky 3» vergönnt war.