Beiträge von Ouimet

    Zudem: wer will schon mit 35 Jahren aufhören zu arbeiten? Da geht es sicher nicht um Zeitvertrieb sondern man will im Leben ja noch etwas erreichen und etwas bewirken und vielleicht auch Erfahrungen aus dem Sport in der Wirtschaft weitergeben. Weshalb wohl arbeiten sogar viele Multimillionäre meist über das Pensionsalter hinaus? Ein Peter Spuhler bspw. könnte sich ja auch mit seinem Vermögen zur Ruhe setzen wenn er wollte.

    gibt auch in der schweiz leute die dank Krypto mit 35 in Pension gingen und das Leben mit Reisen und Sport zur Genüge füllen. (Bei der letzten Weiterbildung kennen gelernt). Aber jedem das seinige. Segi, Streit, Wick arbeiten ja jetzt auch nicht zu 100%

    Spuhler und Frey haben eigene Buden das ist etwas anderes als angestellt zu sein.

    Und hier für alle die eine Frühpension planen…

    Raus aus dem Job-Hamsterrad – Mit 40 in Rente – so gehts
    Finanziell unabhängig sein und sich früh zur Ruhe setzen – das ist der Plan von Marc Pittet. In einem neuen Buch erklärt der Waadtländer, wie Schweizer dieses…
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    So kämpfen Olten und Langenthal um die Existenz
    Wut, Ängste und Hoffnung prägen aktuell den Alltag in der Swiss League. Doch mitten in der Krise wurde diese Woche in Olten auch eine besondere Geschichte…
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    Das Ziel ist klar: Den Rettungsanker werfen und in die National League aufsteigen. Olten dominiert die Liga, ist souveräner Leader. Und das, obwohl die Solothurner über ein Drittel der bisherigen Saison mit nur einem Ausländer bestritten haben, da Garry Nunn verletzt ist. Durch die Breite des Kaders kann es sich Olten leisten, dieses Geld nun zu sparen. Um stattdessen dann beim Saisonfinale nochmals nachzurüsten. Präsident Marc Thommen: «Wir haben entschieden, in dieser und in der nächsten Saison anzugreifen. Auch, weil wir keine Zukunft sehen in dieser Liga. Allerdings weiss auch keiner, wie die Zukunft der Swiss League wirklich aussieht.» 

    Wenn wir nicht mehr aufsteigen können, kann ich auch einen Sportlehrer der Kanti an die Bande stellen, da brauche ich keinen Lars Leuenberger mehr.»

    SC Langenthal steht am Abgrund

    Von solchen Gedankengängen kann der SC Langenthal nicht mal zu träumen wagen. Sportlich stehen die Oberaargauer mit Rang 5 zwar ordentlich da – und trotzdem sieht es für sie zappenduster aus. Der Traditionsverein ist klamm. Und die Hoffnungen, das jährliche strukturelles Defizit in ihrer Stadion-Bruchbude Schoren auch weiterhin durch zahlungswillige Gönner ausgleichen zu können, schwinden. Genauso wie die Aussichten auf ein neues Stadion und eine attraktive Swiss League. Es ist von einem Rückzug, freiwilligen Abstieg oder gar einer Fusion mit Olten oder Huttwil die Rede. Die Gerüchteküche brodelt.

    Darum wäre es perfekt, wenn wir oder ein anderer Klub aus der Swiss League aufsteigen würde», sagt Olten-Präsi Thommen. «Dann würden die da oben ins Trudeln geraten.»


    Betreffend Flüeli. Nehme mal an dass er bei uns zwischen > 300K - 500K mit Prämien und Titel eher noch mehr verdiente ebenso bei Sulo und das über 10 Jahre. Ergo die müssten Millionäre sein (sie haben ja auch nicht den Protz Lebensstil wie Fussballer). Daher meine Frage arbeiten die nach der Karriere eher als Zeitvertreib oder aber sind die Löhne doch nicht so hoch in unserer Liga?

    Meistergoalies

    «Im Büro bist du dafür nicht dreimal die Woche der Depp»

    Lukas Flüeler führte die ZSC Lions zu drei Titeln und stieg im Frühjahr mit 33 ins Berufsleben um. Nun spricht er über die schwierigen Momente im Rampenlicht – und was er am meisten vermisst.

    Danke, dass Sie sich in Ihrer Mittagspause Zeit nehmen. Sie sind nach Ihrem Rücktritt nahtlos ins Berufsleben eingestiegen, arbeiten bereits zu 100 Prozent bei der Swiss Life. Wie kam es dazu?

    Früher hätten wir uns um zwei, drei Uhr nachmittags getroffen, als Hockeyprofi hatte ich am Nachmittag frei. Nun bin ich acht, neun Stunden am Arbeiten. Wie es dazu kam? Ich studierte neben dem Eishockey Wirtschaft, machte zuerst den Bachelor, dann den Master. Vor zwei Jahren begann ich bei der Swiss Life zu 30 Prozent im Projektcontrolling. Als ich merkte, dass sich meine Karriere langsam dem Ende zuneigte, bekam ich eine Stelle in der Unternehmensstrategie angeboten. Da arbeite ich nun seit Juni.

    Für eine Weltreise nach der Karriere blieb also keine Zeit mehr?

    Nein, es ging alles Schlag auf Schlag. Im April bekamen wir unsere Tochter, unser erstes Kind, dann war ja noch der Final gegen Zug. Auch wenn ich nicht mitspielte, war ich mit dem Herzen dabei. Danach verreisten wir kurz in die Berge, mit dem Team hatten wir noch die Abschlussreise nach Mallorca, dann ging es schon los im neuen Job.

    Ist es härter, im Büro zu arbeiten denn als Hockeyprofi?

    Es ist anders. Ich würde nicht sagen härter. Mein Job macht mir grossen Spass. Der Tag ist ein paar Stunden länger, dafür habe ich am Wochenende frei. Wir waren gerade in den Bergen im Berner Oberland. Bald kommt der Winter, ich freue mich aufs Skifahren.

    Durften Sie während Ihrer Karriere Ski fahren?

    Nein. Im Vertrag stand, dass wir keine Risikosportarten ausüben dürfen. Ich war nun erstmals seit Ewigkeiten wieder in einem Skiladen und machte mich schlau. Seit 15 Jahren bin ich nicht mehr auf den Ski gestanden.

    Wenn Sie im Hallenstadion eine starke Parade machten, jubelten Ihnen 10’000 zu. Fehlt Ihnen das im Büro?

    Im Eishockey gehen die Emotionen hoch, du spielst dreimal pro Woche. Im Büro dauert alles etwas länger, aber auch hier hast du Erfolgsmomente. Wenn du eine gute Präsentation machst, gibt es ein Kompliment vom Chef. Aber klar, nicht dreimal die Woche. Dafür bist du auch nicht dreimal die Woche der Depp, wenn du keinen Puck stoppst.

    Wie half Ihnen Ihre Hockeykarriere für das Berufsleben danach?

    Unser Vorteil als Sportler ist: Wir müssen von jung auf sehr diszipliniert sein, damit wir unsere Ziele erreichen. Wir können nicht die ganze Zeit in den Ausgang gehen …

    … Eishockeyaner gehen nicht in den Ausgang?

    Wenn man es zum Profi geschafft hat, vielleicht eher einmal. Aber mit 16, 17, wenn meine Kollegen in den Ausgang gingen, hatte ich immer Match. Diese Disziplin hilft mir nun im Beruf. Ich bleibe dran und auch ein paar Stunden länger, wenn es sein muss.

    «Ich empfehle allen, neben dem Eishockey früh mit etwas anderem zu beginnen. Man kann auch ein Instrument lernen oder eine Sprache.»

    Sie studierten während der Karriere zusammen mit Leonardo Genoni und Simon Bodenmann. Würden Sie das anderen Sportlern empfehlen?

    Auf jeden Fall. Ich würde allen empfehlen, neben dem Eishockey schon früh mit etwas anderem zu beginnen. Das muss kein Studium sein, man kann auch ein Instrument lernen oder eine Sprache. Das Schweizer Eishockey ist eine kleine Welt. Es tut gut, da auszubrechen, auch gedanklich. Sicher brauchst du ein gutes Zeitmanagement, aber als Eishockeyprofi hat man immer mal wieder Zeit. Man hat Busfahrten, in denen man lernen kann, freie Nachmittage. Und wir drei haben uns im Studium immer unterstützt. Wenn einer mal nicht kommen konnte, schrieb ein anderer eine Zusammenfassung.

    Wer war der Fleissigste von Ihnen dreien?

    Leo (Genoni) war mit Abstand der Beste, er schrieb immer Sechser. Bodenmann und ich waren auf einem ähnlichen Level. Am Schluss hat er mich bei der Masternote noch leicht überholt. Es war eine schöne Zeit, wir halfen uns gegenseitig und gingen nach der Schule auch einmal auf ein Bier zusammen, oder assen zu Abend. Meistens war das am Montag, und es konnte gut sein, dass wir uns dann am Dienstag auf dem Eis gegenüberstanden.

    «Die Garderobe ist etwas Magisches im Sport.»

    Was fehlt Ihnen aus dem Eishockey?

    Die Garderobe. Die Garderobe ist etwas Magisches im Sport. 16-, 17-Jährige bis 42-Jährige sitzen dort zusammen. Man ist den ganzen Tag zusammen, geht auf Champions-League-Reisen, hat hohe Ziele, muss Niederlagen gemeinsam verarbeiten. Im normalen Arbeitsalltag gibt es das nicht.

    Und man darf Kind sein bis ins hohe Alter.

    Es ist genau das. Segi (Mathias Seger) sagte immer zu mir, es tue ihm so gut, mit Jungen zu spielen. Das halte ihn selber auch jung. Die Jungen reden anders, sie haben andere Interessen, man lernt viele Dinge von ihnen.

    Was fehlt Ihnen gar nicht?

    Dass ich täglich den Rücken und die Adduktoren spüre. Die Verletzungshexe besuchte mich vor ein paar Jahren, danach liess sie mich nicht mehr los. Wenn ich mit meinen 100 Kilo hundert-, zweihundertmal auf die Knie pralle, ist das für meinen Rücken nicht ideal. Es ist schön, morgens aufzustehen ohne Rückenweh.

    Sie hatten täglich Rückenweh, wenn Sie aufstanden?

    Wenn die Entzündung mal da ist, beginnst du zu spritzen oder nimmst eine Tablette. Es heilt nie richtig aus. Du willst spielen, gönnst dir keine längere Pause. Nun merke ich: Es heilt schon, wenn man es ruhiger angehen lässt.

    «Ich machte zuerst mal eine Pause und nahm gleich fünf Kilo zu. Die habe ich jetzt wieder weggebracht.»

    Sind Sie sportlich noch aktiv?

    Ich machte zuerst mal eine Pause und nahm gleich fünf Kilo zu. Die habe ich jetzt wieder weggebracht. Durch die Ernährung, nicht durch den Sport. Vorher konnte ich mir alles erlauben, jetzt passe ich mehr auf, etwa bei den Kohlenhydraten. Und ich beginne nun, in einer Plauschmannschaft zu spielen. Ich ging vorher noch auf den freien Eislauf mit den Spielerschlittschuhen, damit ich mich nicht blamiere. Es sah nicht gut aus. Hoffentlich hat mich niemand erkannt.

    Sie spielen nicht als Goalie?

    Nein, als Verteidiger. Goalie werde ich nie mehr sein. Da weiss ich, was möglich ist. Ich hätte keinen Spass, das so halbbatzig zu machen.

    Es war für Sie ein Abschied auf Raten. Sie bestritten Ihr letztes Spiel am 7. Dezember 2021, im neuen Jahr waren Sie nicht einmal mehr auf der Bank. Wie gingen Sie damit um?

    Vorletzte Saison hatte ich gar kein gutes Jahr. Ich verlor meinen Platz an Ludovic Waeber, ich war der schlechtere Goalie. Das kann man so sagen. Im Sommer (2021) arbeitete ich dann sehr hart, probierte Neues und hatte einen guten Saisonstart. Ich zeigte einige gute Spiele, doch ich kam nie richtig ins Tor zurück, für zwei, drei Spiele nacheinander. Irgendwann wurde mit Jakub Kovar ein ausländischer Goalie geholt, und der machte einen super Job. Klar hätte ich gern im Playoff gespielt. Aber es sollte nicht sein.

    Bereits Anfang November 2021 entschieden Sie, per Ende Saison zurückzutreten. Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie vorher?

    Keine. Ich hatte immer gewusst, dass ich mit 33, 34 aufhören würde. Das war kein Entscheid aus dem Buch heraus. Es lief also alles nach Plan. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass ich am Schluss noch den Pokal hätte hochstemmen können. Aber so etwas kann man nicht planen.

    «Wenn ich als junger Goalie ein faules Tor kassierte, riefen die Leute: ‹Sulo, Sulo.› Das nahm ich damals oft mit ins Bett.»

    Wie war es für Sie, in Zürich einst als junger Goalie in die grossen Fussstapfen von Ari Sulander zu treten?

    Nicht einfach. Sulo ist eine Riesenlegende, er holte 2000, 2001 die ersten Meistertitel wieder nach Zürich. Wenn ich als junger Goalie ein faules Tor kassierte, riefen die Leute: «Sulo, Sulo.» Im Nachhinein kann ich sagen: Das hat mich mental stärker gemacht. Aber damals nahm ich es oft mit ins Bett.

    Wie begegnete er Ihnen? Sah er Sie als Konkurrent?

    Sie kennen Sulo ja auch. Was er sicher nicht tut: gross mit einem reden. Aber er war immer sehr fair im Training. Er sagte: «Du musst dir deine Einsätze erarbeiten.» Er war auch kein Trainingsweltmeister, aber er wollte jedes Spielchen, jedes Penaltyschiessen gewinnen. Die ersten zwei Jahre habe ich kein Spielchen gegen ihn gewonnen.

    Sulander ist inzwischen Tierkremator in Oulu. Haben Sie mit ihm über sein neues Leben gesprochen?

    Gerade kürzlich, beim ersten Spiel in der Swiss-Life-Arena. Da sah ich ihn erstmals wieder. Er machte einen sehr zufriedenen Eindruck. Er führt eine Einmannbetrieb. Ein Tierarzt sagte ihm, das sei eine gute Business-Idee. Diese Chance hat er genutzt.

    Hätte Sie das auch gereizt?

    (schmunzelt) Tierkremator? Ich glaube, das hätte nicht meinen Stärken entsprochen. Ich wäre viel zu traurig, wenn ich täglich Tiere einäschern müsste.

    2012 führten Sie die ZSC Lions erstmals zum Meistertitel, in der legendären Finalserie gegen den SC Bern, als Sie schon 1:3 zurücklagen. Damals kam ein Kaminfeger und verteilte Glücksräppler. Braucht es solche besonderen Geschichten, um ein Team speziell zu inspirieren?

    Im Playoff geht es sehr schnell. Du spielst jeden zweiten Tag, wenn du verlierst, bist du völlig am Boden, und 48 Stunden später musst du wieder einen Sieg holen. Da hilft es, wenn man Impulse von aussen bekommt. Unser damaliger Trainer Bob Hartley ist Meister darin, solche Dinge aufzunehmen. Darum hat er in jeder Liga gewonnen, in der NHL, in Russland, in der Schweiz. Er hat wirklich alles getan für den Sieg. Alles. Ich hörte einmal, dass er einen kleinen Bub anstellte, um nach Davos zu fahren und ein Autogramm von Reto von Arx zu holen, um zu wissen, welche Hand bei ihm angeschlagen war.

    Hartley war nicht besonders beliebt bei den Spielern. Bei ihm heisst es: 364 Tage im Jahr hassen sie ihn, am 365. feiern sie den Meistertitel. Wie haben Sie das erlebt?

    Hartley und auch Marc Crawford haben die Geschichte vieler Spieler bei den ZSC Lions geprägt. Wenn man schaut: Die Gebrüder Baltisberger, Schäppi, Geering, ich, wir bekamen alle die Chance unter ihnen. Das half dem Club sehr. Trainer, die mit den Jungen arbeiten und ihnen die Chance geben, sind extrem wichtig. So prägen sie ganze Jahrgänge.

    Aber sie waren auch hart?

    Ja, sehr hart. Extrem hart. Aber das braucht es. Man sagt immer: Die Spieler sind selber verantwortlich, die verdienen ja auch genug. Das stimmt schon. Du musst selber schauen, dass du Leistungen erbringst. Trotzdem: Ein Trainer hat viele Werkzeuge in der Hand, die er einsetzen kann, damit die Spieler vorwärtskommen.

    Als Typen waren sie unterschiedlich: Hartley war sehr detailversessen, Crawford konnte auch einmal laut werden.

    Beide konnten laut werden. Ich war bei beiden im Büro, und es wurde bei beiden sehr laut. Das können Sie mir glauben. (lacht) Aber beide sind fair. Hartley ist noch extremer, wenn es um den Erfolg geht. Das ist vielleicht keine so langfristige Methode, deshalb blieb er auch nur ein Jahr. Crawford war neben dem Eis viel menschlicher.

    Sie führten die ZSC Lions dreimal zum Titel: 2012, 2014 und 2018. Was war Ihr Highlight?

    Sicher 2012. Ich erlebte mit fünf mit meinem Vater das erste Spiel in Kloten und hatte nur Augen für Reto Pavoni. Mein Vater sagte: «Der Puck ist dort vorne!» Aber ich schaute immer nur auf den Goalie. Ich durfte mit Denis Hollenstein auch in die Garderobe, als Kloten Meister wurde. Für mich war da klar: Das möchte ich auch einmal erleben. Wenn du es dann geschafft hast, ist das schon sehr speziell. Das Gefühl, das ich damals hatte, ist immer noch in mir drin.

    Sie waren ein Meister der siebten Spiele: Sie gewannen alle sechs. Woher kam diese mentale Stärke?

    Das hat nicht nur mit mir zu tun, das war Teamwork. Ich schaute mir diese Spiele alle nochmals an. Wie wir da jeweils als Mannschaft auftraten, das war eindrücklich. Wir wussten: Wir schaffen es. Das spürten wir in dieser Garderobe einfach. Das steckt an. Es ist kein Zufall, dass auch der HCD so viele dieser Spiele gewann.

    Was war Ihr Rezept vor so grossen Spielen, um ruhig zu bleiben?

    Mir half immer die Routine. Durch Routinen kannst du dich beruhigen. Deshalb hatte ich vor den Spielen immer den gleichen Ablauf. Ich redete selten am Matchtag. Ab Mittag nahm ich keinen Anruf mehr an und sprach nicht mehr mit den Jungs.

    Sie redeten gar nicht mehr?

    Nein, ab Mittag redete ich mit niemandem mehr. Bis nach dem Match. Ich bin einer, der sonst sehr gern plaudert. Über jeden Blödsinn. Aber ich wusste: Wenn ich am Matchtag mit den Jungs über Fernsehserien rede oder darüber, was im Ausgang gelaufen ist, bringt mich das nur durcheinander.

    «Du hasst deinen Gegner im Playoff. Du willst nichts mit ihm zu tun haben.»

    Mit Simon Bodenmann bildeten Sie lange Jahre eine Wohngemeinschaft, noch bevor Sie bei den ZSC Lions zusammenspielten. Wie war das, als Sie sich 2014 im Zürcher Playoff-Final duellierten?

    Gut, er musste ausziehen. (lacht) So hatte ich meine Ruhe. Wir sagten immer: Wenn wir im Playoff gegeneinander spielen, können wir nicht miteinander wohnen. Journalisten fragten uns ein paarmal: Wieso nicht? Das ist doch nicht so schlimm? Aber das geht nicht. Du hasst deinen Gegner im Playoff. Du willst nichts mit ihm zu tun haben.

    Sie redeten auch nicht mehr miteinander in dieser Zeit?

    Nein, wir hatten keinen Kontakt. Erst zwei, drei Wochen später wieder.

    Sie sind Vater geworden, haben einen Bürojob. Kann man sagen: Nun haben Sie ein geregeltes Leben?

    Ich habe mehr Freiheiten als vorher. Als Hockeyprofi wurde mir vorgegeben, was ich zu Mittag esse, wann der Bus abfährt. Anfang Woche bekamen wir von unserem Teammanager André ein Mail, worauf wir alles achten müssen. Du weisst auf die Minute, was du anziehen, wo du essen, wo du wann sein musst. Das ist tubelisicher. Ich geniesse es, dass ich nach 20 Jahren selber entscheiden kann, was ich esse oder wie ich das Wochenende verbringe. Mein heutiger Job ist zwar stundenmässig aufwendiger. Ich stehe um sechs Uhr morgens auf und komme manchmal spät nach Hause, wenn wir noch Events haben. Trotzdem fühle ich mich freier.

    So noch etwas mehr als 7h bis zum wichtigsten Spiel der bisherigen Saison, der EVZ hat gestern schon gut vorgelegt und auch bei Davos und Fribourg liegt noch alles drin. Hoffe die Sensation gelingt uns und wir sind auswärts ready, hatten diese Saison ja bislang einige Probleme auf fremden Eis…

    ach ja und die kommende Fussball WM wird auch nicht gerade helfen für die Zuschauerzahlen..

    Natürlich sind aber nicht nur die Auftritte der Nati, sondern die November-Dezember-WM als Ganzes für das Eishockey eine völlig neue Situation. An nicht weniger als 14 Hockey-Tagen wird mehr oder minder zeitgleich WM-Fussball gespielt. Und darunter sind auch Kracher. Etwa am 27. November, wenn Spanien - Deutschland und Zug - ZSC Lions beide auf 20 Uhr angesetzt sind. Oder in den Achtel- und Viertelfinals.

    Wie blicken die Klubs auf den bevorstehenden WM-Monat? SCB-CEO Raeto Raffainer ist nicht begeistert: «Für uns könnte das Timing nicht schlechter sein. Ausgerechnet in den nächsten Wochen haben wir einige Heimspiele gegen attraktive Gegner.» Raffainer hofft aber, dass die Auswirkungen wegen der «ungewöhnlichen WM-Jahreszeit und den politischen Komponenten» dennoch nicht zu markant sind.

    Lob für Vögtlins Voraussicht

    Daran glaubt auch Peter Zahner, CEO der ZSC Lions: «Einerseits hilft uns die Zeitverschiebung. Und zudem sehe ich viele Aktionen von Fans, die Katar boykottieren wollen.» Daher frage er sich schon, ob diese WM – mal abgesehen von den Schweizer Spielen – so begehrt sein werde.

    Dass die National League dem Kracher Serbien – Schweiz komplett aus dem Weg geht, finden übrigens sowohl Raffainer als auch Zahner grossartig: «Da hat Willi Vögtlin mit seiner weisen Voraussicht einen Topjob gemacht!»

    Kampf ums Publikum – Laufen den Eishockeyclubs die Fans davon?
    Die National League ist ausgeglichen und hochstehend wie lange nicht mehr. Trotzdem bleiben viele Plätze leer. Manche Clubs starteten Aktionen – vergeblich.
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    Gründe:

    Zu lange Quali wo es um nichts geht (ausser unter die ersten acht zu kommen)

    Kein Absteiger

    Sonntagsspiele um 20:00

    zu dichter Spielplan


    Nimmt mich dann wieder wieviele wir unter der Woche gegen Ajoie haben… und zwar anwesende ohne die Saisonkarten die eh immer zählen ob anwesend oder nicht

    Laufen den Eishockeyclubs die Fans davon?

    Die National League ist ausgeglichen und hochstehend wie lange nicht mehr. Trotzdem bleiben viele Plätze leer. Manche Clubs starteten Aktionen – vergeblich.

    Vielleicht muss diese Geschichte mit der Berner Postfinance-Arena beginnen. Schliesslich rutschte schon so manchem Spieler das Herz in die Hose, wenn er beim Einlaufen zur Stehplatzrampe blickte, die mit jedem Schritt höher und mächtiger zu werden schien. Zumindest war das einmal so.

    Denn nun bilden sich dort immer mehr Löcher. Gegenüber 2019/2020 – der letzten Saison, die ohne Corona-Einschränkungen für das Publikum stattfand – hat der SC Bern im Schnitt rund 1400 Zuschauerinnen und Zuschauer (-9 Prozent) pro Spiel verloren. Und er steht mit dieser Entwicklung bei weitem nicht allein da: Lausanne (-22 Prozent), den SCL Tigers (-19) und Lugano (-12) sind im Verhältnis noch mehr Fans abhandengekommen

    Das erstaunt, weil diese Meisterschaft so spannend und hochstehend ist wie lange keine mehr. Bedingt durch den Ukraine-Krieg konnten die Clubs aus der National League Topspieler aus der KHL verpflichten, die zuvor nicht erschwinglich gewesen wären. Was zur Folge hat, dass selbst Aussenseiter wie Langnau und Kloten regelmässig punkten. Wieso wird das vom Publikum nicht honoriert?

    Erfolg füllt Stadien

    Die National League ist äusserst heterogen. Das zeigt sich gerade beim Blick auf die Zuschauerzahlen. Ambri, Gottéron und die ZSC Lions spielen in neuen respektive rundum sanierten Arenen und ziehen mit diesen die Massen an. Und es gibt die Rapperswil-Jona Lakers, die sich in den vergangenen Jahren in die erweiterte Spitze der Liga hochgespielt haben – was die Fans ebenfalls mit einem grösseren Aufkommen belohnen.

    Erfolg ist zweifellos eine Voraussetzung, um ein Stadion füllen zu können. «Machen die sportlichen Darbietungen keinen Spass, wird es schwierig, Leute zu mobilisieren», betonte unlängst SCB-COO Rolf Bachmann. Die Berner blicken auf schwierige Jahre zurück, ebenso die SCL Tigers. Und bei den vermeintlichen Spitzenclubs Lugano und Lausanne harzt es in dieser Saison gewaltig. LHC-CEO Chris Wolf sagt: «Die schlechten Resultate, gerade zu Hause, spielen sicher eine Rolle beim Zuschauerrückgang. Zudem hatten wir ein paar Wechsel bei den Trainern und im Vorstand, was einige Fans verunsichert haben könnte.»

    Selbst in Langnau, wo die Treue des Anhangs kaum Grenzen kennt, haben sich einige vom Club abgewendet. Die Warteliste für einen Sitzplatz konnte auf diese Saison hin abgearbeitet werden. Was aber nicht genügte, um die Abgänge zu kompensieren. Also versuchte es der Club mit Aktionen wie Spezialabonnementen zu attraktiven Preisen – doch auch diese liefen durchzogen.

    Corona wirkt nach

    Allerdings ist der Erfolg nur ein Faktor. Die Teuerung und eine mögliche Rezession haben gerade in strukturschwachen Regionen wie dem Emmental Auswirkungen. Manch ein Fan muss sich zweimal überlegen, ob er nun Geld für Ticket, Bratwurst und Bier ausgibt oder es doch lieber auf die Seite legt. Und dann wirkt die Corona-Pandemie immer noch nach. Obwohl keine Einschränkungen mehr gelten, dürften einige nach wie vor einen grossen Bogen um Grossanlässe machen – gerade in geschlossenen Räumen. «Andere haben ihre Gewohnheiten angepasst, sie schauen sich die Spiele vielleicht lieber am TV an», sagt Wolf.

    Er vermutet zudem, dass ein Teil der Zuschauer in den letzten zwei Jahren generell das Interesse am Eishockey verloren hat. Gerade in einer grossen Stadt wie Lausanne, wo der Sport mit diversen kulturellen Angeboten konkurriert. Diese These stützt Lugano-COO Jean-Jacques Aeschlimann: «Die Analyse ist schnell gemacht: Die Menschen haben während der Pandemie auch andere Hobbys entdeckt und sich teilweise vom Eishockey im Tessin abgewendet.»

    Hinzu kommt das goldene Herbstwetter. Als die Saison Mitte September begann, herrschten teilweise noch 20 Grad, waren die Abende mild. Der Gang in eine Eishalle wirkte da wenig verlockend. Deshalb sagt Langnau-CEO Simon Laager, die wichtigste Zeit für den Club stehe nun an: «Bis nach den Herbstferien halten sich die Leute eher noch zurück. Die traditionellen Monate für das Eishockey sind Dezember, Januar, Februar.»

    Das würde zumindest die teilweise hohe No-show-Quote erklären. Selbst in Kloten, wo nach dem Aufstieg Euphorie herrschen sollte, blieben den Spielen 20 Prozent der Zuschauer fern – trotz Ticket oder Abonnement. Meister Zug kämpft mit ähnlichen Problemen. «Gefühlt ist die No-show-Rate bei uns höher als im Herbst 2019», hält CEO Patrick Lengwiler fest. Eine genaue Auswertung wird beim EVZ Mitte und Ende Saison vorgenommen. «Aber wir hatten generell lange Mühe, die Leute zurück ins Stadion zu führen. Selbst nach Aufhebung sämtlicher Restriktionen.» Erst im Playoff im Frühling habe sich dies geändert.

    Klotens Präsident Mike Schälchli sieht einen weiteren Grund für die hohe No-show-Quote: den Spielplan respektive die Gegner. Der EHC spielte bisher viermal an einem Dienstag und stets gegen Teams aus der Romandie. Gegen Lausanne erschienen offiziell 4406 Zuschauer – bei fast 4000 verkauften Saisonkarten. «Welsche Teams sind in Kloten wenig zugkräftig», sagt Schälchli. «Hinzu kommt, dass unsere Fans auch aus Schaffhausen und dem Aargau kommen und aufgrund der längeren Anreise mal auf eine Partie verzichten.»

    Der neidische Blick zum Fussball

    Ein ganz anderes Bild präsentiert sich beim Fussball. Im Vergleich zur Saison 2018/2019 – die letzte ohne Einschränkungen für das Publikum – haben einzig Basel und Lugano Zuschauer eingebüsst. Alle anderen Clubs legten zu. Den grössten Sprung machte der FC St. Gallen. Die Ostschweizer mobilisieren rund 5000 Fans mehr als noch vor der Pandemie. «Es wird weniger Fussball gespielt», sagt Schälchli und mutmasst: «Alle Sportarten mit einer hohen Spielkadenz könnten irgendwann ein Problem bekommen. Die Jungen picken sich heute die besten Spiele heraus. Ich sehe das bei meinen Söhnen.»

    Der Kloten-Präsident weiss, wovon er spricht. Er verweist auf die Festivals, die er mit seiner Event-Agentur mitbetreibt. «Früher hast du Rammstein hingestellt, und die Sache war erledigt. Heute müssen wir uns viel mehr anstrengen, um das Niveau halten zu können. Am Greenfield tun wir dies beispielsweise mit diversen Themenwelten. Sind wir vielseitiger, holen wir neue Leute ab.» Es überrascht deshalb kaum, versuchen die Clubs mit Aktionen für Familien oder speziellen Verpflegungsangeboten die Gunst der Fans zurückzugewinnen.

    Interessant ist, dass sich alle Befragten gegen den Einwand wehren, wonach die lange Qualifikation mit 52 Runden die Attraktivität eines Matchbesuchs mindere. Lausanne-CEO Wolf sagt, das Produkt Eishockey sei von hoher Qualität. «Es gibt keinen Grund, sich zu viele Sorgen zu machen. Es gibt Arbeit, um Zuschauer zurückzugewinnen, aber das ist durchaus möglich.» Diese Zuversicht teilt Langnau-CEO Laager: «Der Mannschaft läuft es, deshalb gehen wir davon aus, dass die Zahlen steigen werden. Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein.» Wie auf dem Eis gilt: Abgerechnet wird am Schluss.

    Die ZSC Lions verlängern den Vertrag mit Stürmer Denis Hollenstein um zwei Jahre bis und mit Saison 2024/25.

    Denis Hollenstein trägt seit der Saison 2018/19 das Trikot der ZSC Lions und hat bislang insgesamt 231 Meisterschaftsspiele für den Stadtklub absolviert. Dabei gelangen dem Flügel 71 Tore und 100 Assists (171 Skorerpunkte). In der laufenden Saison stand der 33-Jährige in 16 Partien im Einsatz (fünf Tore, zwölf Assists).

    «Denis ist ein Skorer, der Spiele prägen kann. Als einer der Leader im aktuellen Team bekleidet er zudem eine Vorbildfunktion für unsere Jungen», sagt Sportchef Sven Leuenberger.

    Mit der Schweizer A-Nationalmannschaft bestritt Denis Hollenstein sechs Weltmeisterschaften und er nahm an drei Olympischen Spielen teil. 2013 gewann der Linksschütze mit der Schweiz die WM-Silbermedaille.

    Meditation statt Hybris: wie Kevin Fiala zu einem der besten Eishockeystürmer der Welt gereift ist https://www.nzz.ch/sport/meditati…-ist-ld.1711320

    Meditation statt Hybris: wie Kevin Fiala zu einem der besten Eishockeystürmer der Welt gereift ist

    Kevin Fiala galt lange als launisches Genie mit einem Hang zur Überheblichkeit. Doch inzwischen ist der Ostschweizer in der NHL zu einem der weltbesten Stürmer aufgestiegen und hat sich in Los Angeles vergolden lassen. Ein Besuch beim wahrscheinlich dynamischsten Schweizer Angreifer der Moderne.

    Los Angeles, hat Jack Kerouac einmal geschrieben, sei die einsamste und brutalste Stadt der USA. Sie kann das sein, in den Strassen rund um die Skid Row zum Beispiel, wo viele der fast 70 000 Obdachlosen in für eine Weltmacht unwürdigen Verhältnissen leben. Downtown wuchern Armut und Verzweiflung, die Dystopie. Sie breitet sich über immer mehr Strassenzüge aus, es ist ein Elend, das die Touristen lieber nicht sehen sollen: Als Los Angeles im Februar den Super Bowl ausrichtete, räumte die Stadt in der Gegend um das SoFi Stadium etliche Schlafplätze von Obdachlosen. Die Realität der Strasse sollte den zügellosen Gigantismus der Megaveranstaltung bitte nicht trüben. Willkommen in Amerika.

    Los Angeles ist eine Stadt der Gegensätze, ein Ort, wo die Ungerechtigkeiten dieser Welt besonders augenfällig werden. Hier Menschen, die mit Kartons gegen die Kälte und ums Überleben kämpfen. Und einen Steinwurf weiter feiert sich die Überflussgesellschaft. Weniger als drei Kilometer sind es von der Skid Row bis zur Crypto.com-Arena, der Heimstätte der Los Angeles Kings, einem bis zur Unkenntlichkeit gentrifizierten Rayon. Ein Ort, wo man klaglos 14 Dollar plus Trinkgeld für das Light-Bier bezahlt, aber keinen Dollar für den Bedürftigen vor den Toren der Arena übrig hat.

    Seit ein paar Wochen ist das der Arbeitsort des Schweizer Eishockey-Nationalstürmers Kevin Fiala. Das Los-Angeles-Erlebnis von Fiala, 26, hat nichts mit Einsamkeit und Brutalität zu tun. Er lebt in Kalifornien in einer Glitzerwelt, ein Sonnyboy wie aus dem Katalog für Musterschwiegersöhne und Unterwäschemodels geschnitten: muskulös, gutaussehend, auf der Sonnenseite des Lebens stehend. Sehr vermögend und selbstverständlich in einem mondänen Haus am Wasser logierend.

    Roman Josi ist der einzige Schweizer, der in der NHL in einer Saison je mehr Punkte produziert hat als Kevin Fiala

    Als die Kings Fiala im Sommer verpflichteten, statteten sie ihn mit einem Siebenjahrevertrag aus, der mit 55,125 Millionen Dollar dotiert ist. Es war der Lohn für Fialas Saison des Lebens: 85 Skorerpunkte in 82 Partien liess er sich 2021/22 für die Minnesota Wild gutschreiben. Auf seiner Position gab es nur sechs produktivere Spieler, direkt vor ihm lag Alexander Owetschkin, der russische Superstar. Und in der Geschichte der NHL hat es lediglich einen Schweizer gegeben, der in einer Saison eindrücklichere Statistiken aufwies: die Lichtgestalt Roman Josi. Josi und Owetschkin: Das ist die Gewichtsklasse, in der sich Fiala inzwischen bewegt.

    Es war ein Durchbruch zum perfekten Zeitpunkt: Der Vertrag in Minnesota lief aus, und dynamische, läuferisch starke Angreifer im besten Alter und mit dem Potenzial für 40 Saisontore sind auf dem Markt sehr gefragt. Fiala hat sein Können immer wieder angedeutet, aber die Leistungsexplosion gelang ihm erst in der achten Saison in der NHL.

    Sein Talent stand nie infrage: 2014 bestritt er im gleichen Jahr die U-18-, die U-20- und die A-Weltmeisterschaft, als weltweit erst dritter Spieler überhaupt. Kurz darauf machten ihn die Nashville Predators zu einem Erstrunden-Draft. Fiala war ein explosiver Skorer, und es schien, als stünde ihm die Welt offen. Doch es kam immer wieder vor, dass er sich selbst im Weg stand. Er galt als selbstverliebt, an der Grenze zur Hybris, eine Vorhaltung war, dass ihm die Demut fehlt.

    «Manchmal muss man ihn schütteln und aus seiner Kevin-Fiala-Welt herausholen», sagte vor ein paar Jahren einer, der ihn gut kennt. Es kam vor, dass er mit seiner Art aneckte. Und dass die Kritiker trotzdem schwiegen, weil er wieder ein Spiel im Alleingang entschied.

    Fiala hat viel in seine Karriere investiert. Mit 14 schloss er sich dem ZSC an, mit 16 wechselte er nach Schweden. Der Vater Jan, einst Nationalliga-Stürmer in Uzwil und Lugano, förderte ihn früh und forderte viel. Der Trainer Andreas Johansson, früher Angreifer im SC Bern, betreute Fiala einst beim schwedischen Erstligisten HV71. Er attestierte dem Flügelstürmer ein Potenzial «hoch wie der Himmel», sagte aber auch: «Er muss noch viel lernen. Vor allem mental. Es dauert eine Weile, erwachsen zu werden.»

    Und Patrick Fischer, der Schweizer Nationaltrainer, sagt: «Kevin musste emotional intelligenter werden. Er kann sehr impulsiv sein, mit Emotionen in alle Richtungen. Er war oft schnell frustriert, weil er sich selber stark unter Druck setzt. Das hat ihn gebremst, ihm fehlte die Konstanz. Aber er ist reifer geworden und hat gezeigt, was für ein unglaublicher Spieler er ist.»


    Manchmal schimmert die Vergangenheit noch heute durch: Im Januar, während seiner famosen Saison in Minnesota, wurde er vom Trainer als Disziplinarmassnahme ein Drittel lang nicht eingesetzt. Aber sonst hat sich Fiala als einer der besten Stürmer der Welt etabliert. Die Metamorphose gelang ihm unter anderem deshalb, weil er inzwischen mit einem kanadischen Mentalcoach zusammenarbeitet.

    Er habe die Kunst der Meditation für sich entdeckt und sei ruhiger geworden, sagt Fiala, reifer auch: «Ich bin jetzt acht Jahre in der NHL und weiss inzwischen, wie die Dinge laufen. Da verliert man nicht mehr so schnell die Nerven.» Erfahrung ist der beste Lehrer, zu dieser Erkenntnis ist schon Jack Kerouac in «Unterwegs» gelangt.

    Als Wayne Gretzky Eishockey in Kalifornien boomen liess

    Es ist ein Freitag Ende Oktober, über El Segundo scheint die Herbstsonne. Der Spielwarenkonzern Mattel, der Hersteller des Kartenspiels Uno, hat hier seinen Hauptsitz, hier befindet sich auch der Trainingskomplex der Los Angeles Kings. Über der Eisfläche thronen riesige Bilder von Wayne Gretzky, dem besten Eishockeyspieler der Geschichte.

    Gretzky, 61, landete 1988 in einem der denkwürdigsten Tauschgeschäfte der Hockeygeschichte bei den Kings, mit ihm begann für das Eishockey in Kalifornien eine neue Zeitrechnung. Der Sport fristete im Gliedstaat vorher ein Nischendasein und tut das im Grunde bis heute, was nicht verwunderlich ist, weil man hier auch noch etwas anderes mit seinem Tag anstellen kann, als ihn bei null Grad in der Eishalle zu verbringen – als Sportkonsument und als potenzieller Nachwuchsspieler.

    Gretzky aber löste in seinen acht Jahren bei den Kings einen Boom aus, er verlieh der Sportart an der Westküste Relevanz und Aufmerksamkeit. Er legte den Grundstein dafür, dass die Kings heute 41 Mal pro Jahr zwischen 15 000 und 18 000 Menschen anziehen. Und dass mit den Anaheim Ducks (seit 1993) und den San Jose Sharks (1991) zwei weitere NHL-Teams in Kalifornien beheimatet sind. In Los Angeles steht seine Statue vor dem Stadion, das Trainingszentrum ist voller Reminiszenzen an jene goldenen Jahre. Fiala sagt, er habe Gretzky leider nie spielen sehen, er sei zu jung, um dessen Brillanz so richtig zu erfassen.

    Es ist eine Wahrnehmung, die sich mit jener von Marco Sturm deckt, der sagt, Gretzkys Einfluss sei heute kaum noch spürbar: «Er ist nie hier. Und sein Erbe ist kaum noch wahrzunehmen, es ist alles schon so lange her.» Sturm, 44, war bis 2018 Nationaltrainer Deutschlands, in Pyeongchang errang sein Team Olympiasilber. Er war zuletzt Assistenztrainer bei den Kings, seit dem Herbst coacht er die Ontario Reign, das AHL-Farmteam der Kings, das ebenfalls in El Segundo trainiert.

    Die Kings haben jetzt neue Helden, den Slowenen Anze Kopitar zum Beispiel und, das ist der Plan: Kevin Fiala. «Wenn er in Form ist, ist er einer der besten Flügelstürmer der Liga. Sehr schnell, explosiv und abgezockt», sagt Sturm.

    Fiala steht nach dem Vormittagstraining vor der Garderobe, hinter ihm liegt ein traumhaftes Jahr inklusive Hochzeit mit seiner langjährigen schwedischen Freundin Jessica Ljung und des lukrativen Kings-Vertrags. Er sagt: «Ich bin glücklich und da, wo ich sein will.» Bevor Minnesota ihn im Sommer abgab, hatte Fiala eine Art Mitspracherecht bei der Wahl des nächsten Arbeitgebers, es gab Vorverhandlungen um den neuen Vertrag. Fiala sagt, der kalifornische Lebensentwurf habe beim Entscheid auch eine Rolle gespielt: «Ich verbringe meine Sommer in Zürich und gehe jeden Tag ins Wasser, bei der Chinawiese oder am Letten. Jetzt habe ich das Meer vor der Türe, was will man mehr?»

    Und er ergänzt: «In Minnesota gab es nicht viel zu tun, im Winter war es zu kalt, um rauszugehen. Also sitzt du zu Hause und hast viel Zeit, um nachzudenken. Hier ist es einfacher, den Kopf frei zu kriegen und Abstand vom Hockey zu gewinnen, wenn es mal nicht läuft.»

    Die Erleichterung des Weltklasse-Verteidigers Drew Doughty

    Fiala ist bei den Kings hinter Kopitar und dem Verteidiger Drew Doughty der drittteuerste Spieler, er soll dabei helfen, dass aus dieser jungen Mannschaft wieder ein Titelanwärter wird. Doughty, 32, sagt, er sei froh, dass Fiala in Los Angeles gelandet sei. Schon nur aus dem einfachen Grund, weil er nicht gerne gegen ihn gespielt habe: «Ich bin sehr, sehr glücklich, dass er hier ist. Er macht unser Team so viel besser.»

    Mit seinem Standing und seinem Salär sind die Ansprüche gestiegen. Fiala begann die Saison mit mittelmässigen Darbietungen; der aufmerksame Beobachter Sturm sagte: «Er muss besser spielen. Und wird das auch tun.» Fiala liess auf diese Worte neun Punkte in acht Spielen folgen, in der Nacht auf Freitag schoss er mit seinem vierten Saisontor zwei Sekunden vor Schluss der Overtime die Kings zum 2:1-Sieg gegen die Chicago Blackhawks. Der durchzogene Saisonstart ist vergessen – und Fiala der beste Skorer der Kings.

    Wo endet Fialas Himmel, von dem der Trainer Johansson einst sprach? Fiala sieht das Ende nicht, er glaubt, dass seine Leistungsgrenze noch lange nicht erreicht ist. Fiala sagt, er habe noch nie neben einem Center der Güteklasse Kopitars gespielt. Die Qualität des Vorlagengebers könnte in eine neuerliche Rekordsaison münden. Fiala sagt: «Ich bin erst 26. Und habe noch sehr viel mehr in meinem Rucksack, als ich bisher gezeigt habe.»

    Es gibt Platz für einen neuen Hockey-Publikumsliebling in Südkalifornien. Fiala kann diesen Status erreichen. Einsam wird er nicht werden, in Los Angeles, und brutal wird es potenziell nur für die Gegner, die er austanzt und deren Netze er füllt.

    Neu im Konzert der Grossen – So profitiert das Schweizer Eishockey vom Ukraine-Krieg
    Wegen des Ausschlusses der Russen sind die Schweizer in der Euro Hockey Tour mit den grossen Nationen dabei – vorerst für zwei Jahre. Nun gilt es, das…
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    So profitiert das Schweizer Eishockey vom Ukraine-Krieg

    Wegen des Ausschlusses der Russen sind die Schweizer in der Euro Hockey Tour mit den grossen Nationen dabei – vorerst für zwei Jahre. Nun gilt es, das sportlich zu rechtfertigen.

    Zu Zeiten des Kalten Kriegs waren die Duelle zwischen Kanada und der Sowjetunion weitaus mehr als nur sportliche Wettkämpfe: Die Summit Series von 1972 und die fünf Canada-Cups von 1976 bis 1991 standen auch im Zeichen des Kampfes der Systeme. Hinter dem Eisernen Vorhang entwickelten die Sowjets ihre eigene Philosophie, die ihre Kollektividee reflektierte und auch im Westen viele faszinierte.

    Seit Russland am 24. Februar dieses Jahres in die Ukraine einmarschierte, sind die Verbindungen des Westens zur Eishockey-Grossmacht erstmals seit 50 Jahren wieder gekappt. Und so bald dürfte der sportliche Wettkampf nicht wieder aufgenommen werden. Frühestens 2024 könnten Russland und Weissrussland wieder an einer A-WM teilnehmen – und das müsste der Council des Internationalen Eishockeyverbands bereits ein Jahr zuvor beschliessen.

    Wann rollt der Rubel wieder?

    Solange der Krieg tobt, dürfte das nicht geschehen, obschon Russland wirtschaftlich ein wichtiger Player ist: Es machte bisher rund ein Drittel des Vermarktungsvolumens einer A-Weltmeisterschaft aus. Die NHL würde am World-Cup im Februar 2024 übrigens gerne ein Team mit russischen NHL-Spielern teilnehmen lassen. In Nordamerika soll der Rubel, Pardon, der Dollar, weiterrollen. Doch das ist Zukunftsmusik.

    Aktuell profitiert das Schweizer Eishockey vom Ausschluss Russlands aus den internationalen Wettbewerben: Das Nationalteam wurde im vergangenen Mai für die nächsten zwei Jahre anstelle der Russen ins Konzert der Grossen aufgenommen – in die Euro Hockey Tour mit vier Turnieren gegen Weltmeister Finnland, Schweden und Tschechien im November, Dezember, Februar und April. Los geht es ab Donnerstag mit dem Karjala-Cup in Turku.

    «Für uns ist es eine Riesenchance, mit den Besten zu spielen. Und natürlich wollen wir da eine gute Falle machen», sagt Nationalcoach Patrick Fischer, der für Finnland zwölf WM-Spieler vom Frühjahr aufbot. «Die ersten zwei Turniere treten wir mit erfahrenen Spielern an, im Februar werden wir ein jüngeres Team haben. Das ist tendenziell auch bei den anderen Nationen zu beobachten.» Das Turnier Ende April 2023 in Tschechien dient bereits der WM-Vorbereitung, da werden ohnehin die Besten dabei sein.

    «Die Euro Hockey Tour kommt einer WM schon sehr nahe», freut sich Fischer. «Das Ambiente, die Location, die Fans, die in Scharen kommen. Es ist ein prestigeträchtiger Event für alle beteiligten Nationen. Und wenn du gegen gleich gute oder bessere Gegner spielst, wirst du besser.» Zudem sei es für ihn zur Beurteilung von Spielern viel aufschlussreicher, diese gegen Topnationen spielen zu sehen und nicht nur wie bisher beispielsweise gegen die Slowakei oder Deutschland.

    Dass sich die Schweizer gegenüber diesen beiden Nationen und Lettland durchsetzen konnten im Rennen um den frei gewordenen Platz in der Euro Hockey Tour, ist nicht selbstverständlich. Denn sportlich sind die Slowaken und die Deutschen den siebtplatzierten Schweizern in der Weltrangliste dicht auf den Fersen.

    Die Teilnahme an der Euro Hockey Tour ist ein Erfolg für Lars Weibel, der im Frühling 2019 als Nachfolger Raeto Raffainers als Direktor der Nationalteams antrat und schon früh das Schweizer Interesse bekundete, in die Phalanx der grossen Nationen einzubrechen. «Mein Vorteil war, dass es eine spezielle Zeit war mit Corona», sagt Weibel. «So musste ich gleich mit jedem in Kontakt treten. Und als nun die Russen ausgeschlossen wurden, hatten wir schon vorgespurt. Zudem passte es ideal, dass das Heimturnier der Russen wie auch unseres jeweils im Dezember stattfand. Es war ein Volltreffer fürs Schweizer Eishockey.»

    Heimturnier in Freiburg

    Das Heimturnier wird vom 15. bis 18. Dezember in der Freiburger BCF-Arena ausgetragen, am Zweitspielort der WM 2026 neben der Zürcher Swiss-Life-Arena. Zwei Jahre sind den Schweizern garantiert in der Euro Hockey Tour, danach müssen die Verträge neu ausgehandelt werden. «Wir sind ein interessanter Partner auch über den Sport hinaus», gibt sich Weibel selbstbewusst. «Unser Wunschdenken ist, dass man die Euro Hockey Tour erweitert, sollten die Russen zurückkehren. Wir haben ein grosses Interesse, da weiterzumachen.»

    Fürs Erste gilt es, sportlich Werbung zu machen. So überzeugend die Schweizer an den letzten Weltmeisterschaften zuweilen auftraten, seit der Silbermedaille 2018 in Kopenhagen verloren sie dreimal im Viertelfinal. Das schmerzte besonders im vergangenen Frühjahr in Helsinki, als sie mit sieben Siegen zum Gruppensieg stürmten, ehe sie im Viertelfinal gegen die USA kein Bein mehr vors andere brachten und 0:3 verloren.

    Krank im WM-Viertelfinal

    Fischer hat eine klare Vorstellung, woran es lag: «Als wir nach dem letzten Gruppenspiel gegen Deutschland trainieren wollten, merkten wir, dass die halbe Mannschaft gesundheitlich angeschlagen war. Wir gingen schwer dezimiert ins USA-Spiel, brachten unsere Power leider nicht aufs Eis. Wir hatten mehrere Inhalationsgeräte in der Kabine. Und dann kriegen wir noch früh zwei dumme Tore und können nicht mehr reagieren.»

    Er sei sehr stolz auf die Mannschaft, dass dies danach niemand als Ausrede benutzt habe. Das solle es auch jetzt nicht sein. Aber eine Erklärung. Und natürlich werde man daraus Schlüsse ziehen. «Ein Fantreffen während der WM sagten wir kurzfristig ab, aber mit einer Gönnervereinigung trafen wir uns. Künftig werden wir uns während des WM-Turniers mehr abschotten und solche Risiken nicht mehr eingehen.»

    Fünfeinhalb Monate danach geht die Saison nun für das Nationalteam wieder los, mit attraktiven Affichen. Was Fischer dabei aber wichtig ist zu betonen: «Für uns ist es schön, dass wir an die Euro Hockey Tour gehen können. Aber natürlich hätte ich viel lieber keinen Krieg. Ich finde es absolut schrecklich und skandalös, dass in der heutigen Zeit mitten in Europa immer noch Krieg geführt wird.»

    Nach diesen Worten dürfte auch der Letzte verstanden haben, wieso viele die WM in Katar boykottieren wollen. In einem Interview mit dem ZDF lästert der Botschafter des Turniers so übel über Schwule ab, dass das Gespräch abgebrochen wird.

    Wer sich gefragt hatte, warum viele Menschen die WM in Katar kritisch sehen oder das Turnier sogar boykottieren wollen, dürfte nun eine Antwort finden. Ein offizieller Botschafter der Weltmeisterschaft in Katar bezeichnet Homosexualität in einem ZDF-Interview als „geistigen Schaden“.

    Der frühere Fußballer Khalid Salman sagt in der ZDF-Doku „Geheimsache Katar“ (Dienstag ab 20.15 Uhr), er habe Probleme damit, wenn Kinder Schwule sähen. Kinder würden dann etwas lernen, was nicht gut sei. In Salmans Augen sei Schwulsein „haram“. Er meint: verboten.

    Dann legt er nach: „Es ist ein geistiger Schaden“. Der Pressesprecher des WM-Organisationskomitees, der das ZDF-Team bei den Dreharbeiten begleitet und kontrolliert, bricht nach ZDF-Angaben das Interview an dieser Stelle ab.