Der Start in die NHL hat diesmal zeitlich geklappt und das volle Programm wird abgespult, in welchem bis zu den Playoffs jedes Team 82 Matches bestreiten wird.
Neu ist die Gruppierung der 30 Mannschaften: Heuer sind die 7 Mannschaften im Westen in der Pacific- und die 7 Teams in „Inner-Amerika“ in der Central Division zusammengefasst. Im Osten gibt es neu 2 Divisions, nämlich die Metropolitan- und die Atlantic Division, in welchen je 8 Mannschaften um die 4 begehrten Playoff-Plätze streiten.
Alle Teams haben nun mindestens ein Spiel ausgetragen, manche bereits zwei. Was fällt auf?
Hervorragende Torhüter
Mit den Toronto Maple Leafs und den Winnipeg Jets liegen 2 kanadische Mannschaften ungeschlagen an der Spitze. Ihre Torhüter waren in absolut bestechender Form. Reimer in Spiel eins gegen ihren „Erzfeind“ Montreal und Neuzugang Jonathan Bernier ebefalls für die Leafs im Auswärtsmatch gegen die Philly Flyers. Was die beiden Goalies alles hielten war auf der einen Seite höchst beeindruckend. Auf der anderen Seite brachten ihre Leistungen die Canadians und die Flyers schier zur Verzweiflung. Der Tscheche Ondrej Pavelec, Schlussmann der erstaunlichen Winnipeg Jets, legte ebenso mit einer sehr soliden Leistung den Grundstein der beiden Erfolge der Jets. Evander Kane und der von den Minnesota Wild zur Mannschaft gestossene Devin Setoguchi überzeugten im Spiel nach vorne. Auch zu erwähnen gilt es die sehr überzeugenden Leistungen von Keeper Semyon Varlamov der Colorado Avalanche.
Gut in die Saison gestartet
Auch die Detroit Red Wings, die sich mit den Offensivkräften Daniel Alfredsson (bislang Captain der Ottawa Senators) sowie dem Florida Panther Stephen Weiss verstärkten sind nach bislang zwei Partien verlustpunktfrei. Allerdings siegten sie gegen die Buffalo Sabres (daheim) und gegen die Carolina Hurricanes (auswärts) nur knapp. Die jetzt vom ehemaligen Star Goalie Patrick Roy gecoachte Lawine aus Denver, die Colorado Avalanche, präsentieren sich nach zwei Heimspielen ebenfalls mit reiner Weste und dem Punktemaximum. Zum Schmunzeln Anlass gab ein Techtelmechtel nach der ersten Partie der Avalanche gegen die Ducks aus Anaheim. Nach dem klaren Sieg gab es eigentlich keinen Grund zur Panik. Oder war das Ehrentor der Kalifornier ein paar Sekunden vor Schluss Roy in den falschen Hals geraten? Jedenfalls war er derart aufgebracht, dass er nach Matchende beinahe die trennende Plexiglasscheibe, die die Spieler beider Mannschaften trennte, eindrückte. Er wetterte wie ein Rohrspatz gegen Duck Coach Bruce Boudreau, der seinerseits später Roy’s Affentheater gegenüber den Medien mit Gehabe in einer Urwald-Liga verglich. ;o) Bei den Ducks kam übrigens – im Gegensatz zu den Playoffs dieses Frühjahr – im Tor der Schwede Viktor Fasth, statt Jonas Hiller, zum Einsatz. Traumstart für Roy und seine Avalanche also.
Aber auch Bob Hartleys Calgary Flames machten positiv von sich reden. Führten sie doch in der Hauptstadt gegen die Capitals 0:3 und 1:4 um schliesslich noch nach Penaltyschiessen zu verlieren. Besser machten sie es einen Tag darauf in Columbus gegen die Blue Jackets; es resultierte ein 3:4 Sieg. 3 Punkte nach zwei Auswärtsspielen – not bad!
Boston, Florida, Ottawa, die New York Islanders, Pittsburgh, Chicago und St. Louis haben alle ihr erstes Spiel gewonnen und steigen heute Abend wieder in die Hosen.
Rasse, Klasse vom ersten Spiel an
Es muss fast zwangsläufig am kleineren Eisrink liegen, denn die Spielintensität, die Zweikämpfe, die Szenen vor den Toren, das Tempo ist im Vergleich mit Spielen bei uns praktisch nicht vergleichbar. Es scheint fast eine andere Sportart zu sein, wenn man Spiele der NHL live ansieht und vorher vielleicht noch einen ZSC Match im Hallenstadion mitverfolgt hat.
Soll jetzt keiner kommen und sagen, dass halt in Übersee die Spieler generell einfach um Klassen besser seien, als unsere hier in der Schweiz. Denn….. wo war denn Kanada oder die USA an den letzten Weltmeisterschaften in Schweden? Und wie haben sie gegen die Schweiz in den Direktbegegnungen abgeschnitten? Wer erinnert sich noch? Ja genau, die Kanadier schlugen wir in der Gruppenphase nach Penalties und die USA schickten wir im Halbfinal 3:0 nach Hause! Den Final (gegen Schweden) bestritten wir! Ausrufezeichen! Aber das ist nicht das Thema, sondern die Hockeyspiele der NHL und die hier in Europa.
Vielleicht kann man die Situation mit folgender (ein bisschen) vergleichen: England wurde zwar 1966 bei der Fussball WM im eigenen Land Weltmeister. Danach kamen sie diesem Ziel nie mehr nahe, nicht mal annähernd. Aber das ist nochmals nicht das, auf was ich hinaus will. Es geht mir mehr um Meisterschaftsspiele der 1. englischen Division, oder wie sie heute genannt wird, der Premier League. Herrgott nochmals, da konnte man anlässlich eines verlängerten Weekendes in London an die White Hart Lane, ins Highbury, an die Stamford Bridge, ins Craven Cottage, in den Upton Park oder selbst zu Charlton Athletic oder Crystal Palace – unbesehen der Gegner – und man erlebte einen Fussballmatch wie er im Buche steht. Physisches Engagement, Kampf bis zur letzen Sekunde, Fairness, Respekt vor dem Gegner und mustergültige Kameradschaft innerhalb der Teams waren selbstverständlich. Die Zuschauer standen wie ein Mann hinter ihrem Team, auch wenn’s mal nicht lief. Ausländer gab es praktisch keine. Höchstens Waliser, Nordiren, Schotten und den einen oder anderen Iren. Jener Fussball begeisterte mich genauso, wie mich heute die NHL Spiele begeistern.
Nur zu gerne möchte ich eine Saison unserer National League A auf den kleinen, nordamerikanischen Eisfeldern sehen. Ich bin sicher, dass dadurch die Attraktivität der Spiele enorm gesteigert würde. Eigentlich „en fertige Seich“, dass für die gleiche Sportart (masslich) dermassen weit auseinander liegende Ice Rinks überhaupt zugelassen sind.
Die Schweizer in der NHL
Gestern Nacht hat wenigstens Sven Bärtschi mit den Flames gewonnen. Allen anderen Schweizern in der NHL klebte bislang etwas das Pech an den Kufen: Roman Josi - Nashville (2 Niederlagen und eine Hirnerschütterung), Raphael Diaz - Montreal (1 Niederlage, eine unglückliche Aktion, die zum 4. Gegentor für Toronto führte, 1 Assistpunkt), Damien Brunner – New Jersey (2 Niederlagen, eine im Penaltyschiessen, immerhin 1 Punkt auf dem Konto plus 2 persönliche Skorerpunkte), Mark Streit – Philadelphia (1 Niederlage, 1 Assistpunkt), Nino Niederreiter – Minnesota (1 Niederlage nach Penalty-Shootout, 1 Assistpunkt), Luca Sbisa und Jonas Hiller – Anaheim (1 Niederlage, beide wurden nicht eingesetzt, bzw. Sbisa ist verletzt), Yannick Weber – Vancouver (1 Niederlage, wurde nicht eingesetzt). Hoffen wir, dass wir bald von Erfolgserlebnissen der Schweizer Eishockeyaner in Nordamerika berichten können. Good luck von hier aus!