Beiträge von Larry


    Eine Liga auf dem Sterbebett – die Swiss League kämpft um ihr Überleben

    Strukturelle Probleme, überzogene Erwartungen und der Streit zwischen National League und Verband führen dazu, dass die zweithöchste professionelle Liga in der Schweiz auseinanderzubrechen droht. Traditionsklubs wie der EHC Olten, der EHC Visp oder der SC Langenthal bangen um ihre Zukunft.

    Daniel Germann (NZZ)


    Weg aus der Perspektivlosigkeit: Dem EHC Kloten ist noch rechtzeitig der Sprung in die National League gelungen.

    Weg aus der Perspektivlosigkeit: Dem EHC Kloten ist noch rechtzeitig der Sprung in die National League gelungen.

    Ennio Leanza / Keystone

    In einem Monat beginnt die Schweizer Eishockey-Meisterschaft. Die Klubs quer durch die National League rüsten mit Hochpreis-Ausländern aus der russischen KHL auf, die wegen Wladimir Putins Überfall auf die Ukraine im internationalen Eishockey zum Paria geworden ist. Die kommende Meisterschaft verspricht zu einer der spektakulärsten der vergangenen Jahre zu werden.

    Darunter fragt sich der Grossteil der zehn Swiss-League-Vertreter: «Und wo bleibt unser Platz in der Pyramide des Schweizer Spitzen-Eishockeys?» Seit sich die National League formell vom Schweizer Eishockey-Verband (SIHF) gelöst und damit die Swiss League in die Unabhängigkeit gezwungen hat, hat diese Liga kein Geld, keinen Markt und auch keine sportliche Perspektive mehr.

    Nur wenige Wochen vor dem Meisterschaftsstart wies die Führung ihre Klubs in einem dramatischen vierseitigen Brief auf die desolate Situation hin. Selbst gemässigte Protagonisten bezeichnen die Lage als katastrophal. Der Langenthaler Klubpräsident Gian Kämpf, einer der langjährigen Wortführer in der Liga, sagt: «Geschieht nicht schnell etwas, gibt es uns in zwei, drei Jahren nicht mehr.»

    Doch woher soll die Hilfe kommen? Im Schosse der National League waren und fühlten sich die Vertreter der zweithöchsten Liga nicht mehr willkommen. Sie gründeten deshalb eine eigene Körperschaft, gingen eine Kooperation mit der SIHF ein und versuchten sich selber zu vermarkten.

    Doch das Resultat dieser Bemühungen ist niederschmetternd. Vom Verband kam keine Hilfe, und die mandatierte Vermarktungsagentur des Klotener Präsidenten Mike Schälchli fand mit dem Online-Versicherungsanbieter Wefox zwar einen Partner, der für ein umfangreiches Werbepaket unter anderem mit dem Liga-Namensrecht und der Präsenz in sämtlichen Mittelkreisen sowie auf den Dresses aller zehn Klubs bereit gewesen wäre, rund eine halbe Million Franken oder knapp 50 000 Franken pro Klub zu zahlen. Doch das sei viel zu wenig, befand die Mehrheit und entzog Schälchli das Mandat.

    Mit Ajoie und Kloten verabschiedeten sich in den letzten beiden Jahren zwei tragende Klubs aus der Swiss League

    Schälchli ist mit seinem EHC Kloten noch rechtzeitig der Sprung in die National League gelungen. Doch ohne den EHC Kloten und den HC Ajoie fehlen der Liga nicht nur solide Partner, sondern auch publikumswirksame Zugpferde. Ihre Partien werden künftig über die Streamingplattform von Asport verbreitet. Doch das bringt kein Geld, sondern kostet mutmasslich: Peter Zahner, der neben den ZSC Lions auch dessen Partnerteam GCK Lions verantwortet, rechnet mit Kosten von 65 000 Franken für die sogenannte OTT-Lösung.

    Bisher hatten die Swiss-League-Klubs pro Saison 385 000 Franken aus der zentralen Vermarktung erhalten. Dieser Betrag fällt nun ersatzlos weg. Für Klubs wie den EHC Winterthur oder die Ticino Rockets, die mit Budgets von knapp 2 Millionen Franken operieren, ist das verheerend. Für sie geht es um die Existenz. Winterthur beispielsweise hat einen Einstellungsstopp verfügt.

    Marc Thommen, der Präsident des EHC Olten, gehörte zusammen mit Gian Kämpf zu den Initianten und Befürwortern des neuen Weges. Man träumte davon, ein Konkurrenzprodukt zur National League aufzubauen. Diese Pläne sind krachend gescheitert. Thommen sagt, es habe keine Alternative gegeben. Im Rückblick sei dieser Alleingang aber ein Fehler gewesen. «Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Wir gingen damals von zwei Zwölferligen aus. Seither haben wir mit Ajoie und Kloten zwei unserer zugkräftigsten Klubs verloren.»

    Die Ligaqualifikation wird im kommenden Frühjahr nach zwei Jahren Corona-Pause zwar wieder gespielt. Doch de facto ist die National League nach ihrer Erweiterung von 12 auf 14 Teams mehr oder weniger geschlossen. Das Nadelöhr zwischen den beiden Ligen wird immer enger. Die National League spielt ab dieser Saison mit sechs Ausländern, in der Swiss League sind es zwei. Er soll ein Rechtsgutachten für die Modalitäten der Ligaqualifikation erstellen: der renommierte Jurist und GC-Vizepräsident András Gurovits.

    Er soll ein Rechtsgutachten für die Modalitäten der Ligaqualifikation erstellen: der renommierte Jurist und GC-Vizepräsident András Gurovits.

    Ennio Leanza / Keystone

    Derzeit ringen die beiden Ligen um die Modalitäten der Ligaqualifikation. An einer Sitzung am Mittwoch sollen die Rahmenbedingungen festgelegt werden. Findet sich kein Konsens, dann droht die nächste Eskalation. Bereits hat der Verbandspräsident Michael Rindlisbacher beim renommierten Juristen András Gurovits ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Findet sich keine Lösung, dann drohen gewisse Swiss-League-Klubs mit dem Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof oder die Wettbewerbskommission.

    Swiss Ice Hockey als Dachorganisation des Schweizer Eishockeys gibt in der Angelegenheit eine jämmerliche Figur ab. Statt zu vermitteln, baut der Verband neue Drohgebärden auf, die das ohnehin belastete Klima zwischen ihm und der Liga weiter vergiften. Selbst in mehreren Swiss-League-Vereinen wünscht man sich einen Wechsel an der Verbandsspitze und einen neuen Präsidenten, der vermittelt und nicht weiter spaltet.

    Der EHC Visp gilt als der praktisch einzige Klub in der Swiss League, der infrastrukturell, aber auch vom Einzugsgebiet her in der National League bestehen könnte. Doch auch bei dessen CEO Sébastien Pico macht sich Ernüchterung breit. Er sagt: «Gewisse Klubrepräsentanten gehen gar nicht mehr an die Sitzungen, weil sie sich und ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen fühlen. Die National League schaut nur noch für sich selber.»

    Der Wert der Swiss League als Ausbildungsliga ist unbestritten. Einigkeit herrscht im Prinzip auch darüber, dass je zwölf Teams pro Liga dem Schweizer Markt und dem Spielerpotenzial angemessen wären. Doch eine Rückkehr der National League zu zwölf Teams ist politisch undenkbar. Die Topklubs verteidigen ihre Interessen aus einer Position der Stärke heraus.

    Eine Task-Force soll die Zukunft der Swiss League sichern

    Das Schweizer Eishockey steht deshalb neben dem Eis vor einer Zerreissprobe. Der Zusammenbruch der Swiss League ist mehr als ein Katastrophenszenario von professionellen Schwarzmalern. Die National League hat der Swiss League angeboten, über den Kooperationsvertrag jedem Klub 50 000 Franken zukommen zu lassen – allerdings nur dann, wenn die Klubs sich ihrem Diktat beugen. Leicht spöttisch spricht man innerhalb der Liga von Almosen, die dem darbenden Stiefkind zukämen.

    Der Versuch, die Swiss League als eigenständiges Produkt im Markt zu positionieren, ist also gescheitert. Es gibt ausserhalb der involvierten Regionen weder einen Markt noch ein Bedürfnis für eine Liga wie sie. Eine Task-Force, bestehend aus dem Verbands-CEO Patrick Bloch, dem National-League-Direktor Denis Vaucher und dem neuen Swiss-League-Geschäftsführer Patrick Signer, bemüht sich darum, den finanziellen Schaden zu begrenzen und dafür zu sorgen, dass Eishockey weiterhin nicht nur in den grossen Arenen in Zug, Zürich, Bern oder dem Tessin gespielt wird. Die Aufgabe wird alles andere als einfach.

    an weihnachten waren wir letzter! alle wollten favre entlassen. aber strittmatter, der damalige finanzchef des fcz, hat sich für ihn bei hotz stark gemacht, darum durfte er bleiben. strittmatters frau ist welsche und mit frau favre befreundet.

    am schluss der saison 2003/2004 war der fcz vierter, nur 3 punkte hinter dem dritten servette.

    Ausnahmen bestätigen die Regel!

    Die Erwartungen waren total übersteigert.

    Nein. Niemand hatte Erwartungen. Sowohl die Medien wie auch wir hier sahen den FCZ auf Platz 4. Wenn das mit diesem Team und diesem Budget nicht mehr möglich ist sollte man aufhören. FF hat mit seinem Systemwechsel zu Beginn der Saison viel zerstört und nun fehlt das Selbstbewusstsein. Habe schon oft gesagt wie wichtig ein guter Start in die Saison ist, sei es FCZ oder ZSC. FF hat es auf dem Gewissen.

    Super League: Winterthur – FCZ

    Der FCZ in Winterthur – kein Anschluss unter dieser Nummer

    Nach einem erschreckenden Auftritt verhindert ein spätes Tor von Fabian Rohner die Niederlage des FCZ beim FC Winterthur. Nach dem 1:1 bleibt Zürich Tabellenletzter.

    Florian Raz
    Florian Raz (TA)

    Es geht gerade gar nichts: Blerim Dzemaili hadert in Winterthur mit dem Schicksal – und vielleicht auch ein klein wenig mit sich.


    Es geht gerade gar nichts: Blerim Dzemaili hadert in Winterthur mit dem Schicksal – und vielleicht auch ein klein wenig mit sich. Foto: Andy Müller (Freshfocus)

    Manchmal muss man sich im Fussball auf die ganz kleinen Dinge achten, um das grosse Ganze zu verstehen. Und manchmal ist es so, wie an diesem Sonntagnachmittag, als der FC Zürich beim FC Winterthur antritt: Da liegt alles offen in der Sommersonne.

    Was da zum Vorschein kommt, ist aus Sicht des FCZ erschreckend. Alles, was die Zürcher in ihrer Meistersaison ausgezeichnet hat, ist weg. Einsatzwille? Verschwunden. Spielwitz? Unauffindbar. Defensive Stabilität? Eine Mär aus vergangenen Zeiten. Spielauslösung? Kein Anschluss unter dieser Nummer.

    Bislang konnten sich die Zürcher die Auftritte unter ihrem neuen Trainer Franco Foda ja jeweils schönreden. Sie fanden hier eine vergebene Chance und dort eine gute Phase, um sich daran festzuhalten. Und sie haben am Donnerstag das erste, grosse Saisonziel erreicht: eine europäische Gruppenphase.


    Foda denkt, seine Mannschaft werde dadurch beflügelt. Er will «den Schwung mitnehmen», wie er nach dem Spiel in Winterthur sagt. Dazu nimmt er so wenige Wechsel in der Startformation vor, wie noch nie in seiner Amtszeit. Bloss Ivan Santini und Blerim Dzemaili kommen frisch ins Team. Dazu spielt Zürich zum dritten Mal in Serie 3-5-2.


    Ein Team ist heiss auf das Derby – und eines immerhin da


    Aber das bringt alles nichts. Von Anpfiff weg ist auf der ausverkauften Schützenwiese zu sehen, dass hier eine Mannschaft auf das Kantonsderby brennt. Und der FCZ ist immerhin rechtzeitig auf dem Feld. Das schon. Mehr Positives lässt sich über seine erste Halbzeit dann leider nicht sagen.

    Oder vielleicht doch: Es steht 0:0. Weil Roman Buess zeigt, warum es die Winterthurer in der Super League bei all ihrem Eifer und all ihrer Leidenschaft schwer haben: Zu oft fehlen ihnen die entscheidenden Zentimeter, sind sie hier etwas zu ungenau und dort zu überhastet.

    So, wie in der 21. Minute, als Mirlind Kryeziu im Spielaufbau ein Ball über die Füsse rollt. Buess kommt aus rund 14 Metern zum Schuss. Aber er schliesst so schwach ab, dass Yanick Brecher mit einem schnellen Taucher die Winterthurer Führung verhindern kann.


    In der FCZ-Garderobe wird es etwas lauter


    Zur Pause wird es in der Garderobe des FCZ «etwas lauter», wie Brecher und Foda einhellig berichten. Danach divergieren ihre Erzählungen leicht. Der Trainer will nun einen «sehr aktiven FCZ» sehen. Der Goalie findet, wegen der kleinen Steigerung «nach der schlechtesten Halbzeit dieser Saison» solle bloss niemand «etwas schönreden».

    Zumal der FCZ trotz viel Ballbesitz bis zur 85. Minute zu exakt null Schüssen auf das Tor des Gegners kommt. Stattdessen lässt er sich von immer müder wirkenden Winterthurern einmal auskontern. Was dann bereits reicht, um eine Viertelstunde vor Schluss in Rückstand zu geraten. Kryeziu lässt sich von Neftali Manzambi überlaufen, Brecher zögert zu lange – und Francisco Rodriguez trifft per Flachschuss.

    Der berichtet danach von seiner Dankbarkeit, «dass ich vor so einer Kulisse ein Tor erzielen darf». Aber Rodriguez gibt auch unumwunden zu, dass der Frust die Freude überwiegt. Der Frust, den ersten Sieg in der Super League seit dem Aufstieg verpasst zu haben.

    Es ist am Ende nicht ganz klar, ob den Winterthurern einfach die Kraft ausgeht. Oder ob der FCZ mit dem Blick auf die Derbyniederlage doch noch so etwas wie eine Steigerung hinlegt.

    Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem. Zürich braucht jedenfalls ein doppeltes Geschenk der Winterthurer, um doch noch einen Punkt zu retten. Erst verliert ein weich gekochter Souleymane Diaby den Ball an den eingewechselten Fabian Rohner, dann rutscht Timothy Fayulu dessen haltbarer Schuss unter dem Körper durch. Es ist der erste Treffer unter Foda in der Super League. Immerhin. Aber Brecher sagt danach: «Das interessiert jetzt wirklich niemanden.»


    Wobei am Ende der FCZ gar noch den Siegtreffer erzielen könnte. Aber Wilfried Gnonto schliesst in der Nachspielzeit so schwach ab, wie sein Team zuvor während 92 Minuten aufgetreten ist. Selbst Foda sagt: «Einen Sieg hätten wir auch nicht verdient.»

    Mit dem 1:1 bleibt der FCZ Letzter der Super League. Und damit auch knapp hinter Winterthur die Nummer 3 im Kanton. Der Trainer redet von den «Basics», die gefehlt haben. Gibt zu: «So wie zu Beginn darfst du nicht auftreten.» Und findet, das alles sei durch «Arbeit» wieder gerade zu biegen: «Da muss man auch mal den inneren Schweinehund bezwingen.»

    Das klingt alles bereits verdächtig nach Durchhalteparolen. Aber vielleicht hat Foda ja einen Plan, den er intern zur Anwendung bringt. Gut wäre es für den FCZ, der am Donnerstag in St. Gallen im Hinspiel gegen Heart of Midlothian um den Einzug in die Europa League spielt. Einen Auftritt wie in Winterthur sollte er sich dann nicht erlauben.

    doch mushu, unter einem anderen trainer würde es sofort besser! als rizzo auf magnin folgte gewann der fcz urplötzlich in serie! nur schon aus dem grund, weil sie magnin nicht mehr anschauen mussten. das löste vieles und brachte die spielfreude zurück! kurzfristig wäre es daher sogar egal, wer trainer würde, er muss einfach empathisch sein.

    Sehe das auch so. FF hat die Mannschaft bereits verloren, es wäre wohl sogar relativ einfach für einen neuen wieder in die Spur zu finden.

    ein weiteres trauerspiel heute, sehr glückliches unentschieden! wir sind wieder am exakt selben ort, wie unter magnin oder rizzo!

    Ich wollte wohl den FCZ nicht so schlecht sehen wie er wirklich ist, habe jetzt aber leider den Beweis.

    Was Foda anbelangt sehe ich es wie Du, vor allem wollte man die Signale nicht hören.

    ....und genau, die Trainings sind wieder so gut wie unter dem Finnen! :suff: :facepalm:

    Franco Foda, der Missverstandene

    Der FC Zürich ist unter seinem neuen Trainer schlecht in die Saison gestartet. Franco Foda fällt mit Aktionismus und harter Rhetorik auf. Wie funktioniert der 56-jährige Deutsche? Auf Spurensuche in seiner fussballerischen Heimat Österreich.

    Fabian Ruch (NZZ)



    In Österreich kursieren Geschichten über Franco Foda, die entlarvend wirken. (St. Gallen, 30. Juli 2022)

    In Österreich kursieren Geschichten über Franco Foda, die entlarvend wirken. (St. Gallen, 30. Juli 2022)

    keystone sda

    Das Interview mit Franco Foda ist ein paar Wochen her. Und das Gefühl nach der Unterhaltung war zwiespältig, was vermutlich für beide Seiten galt. Foda gab sich distanziert, er reagierte gereizt auf Fragen zu seiner Arbeit als österreichischer Nationaltrainer und zu den kritischen Berichten in Österreich über ihn. Er sagte, das Thema langweile ihn, er sage nichts dazu, Geschichten seien erfunden worden.

    Mittlerweile hat Foda als Trainer des FC Zürich acht Pflichtspiele bestritten und einzig den nordirischen Klub Linfield FC in der Europa-League-Qualifikation zweimal bezwungen. So schwach wie der FCZ ist noch nie ein Schweizer Meister in die Liga gestartet, am Sonntag tritt er als Letzter mit einem Punkt aus vier Begegnungen zum Derby beim Aufsteiger FC Winterthur an.

    Foda ist bisher vor allem durch Aktionismus aufgefallen. Er steuert die Belastung seiner Fussballer mit vielen personellen Wechseln, verändert das System regelmässig. Die FCZ-Spieler reagieren verunsichert, treten fehlerhaft auf. Und man fragt sich, warum Foda nicht vorerst auf die bewährte 3-5-2-Formation aus der Meistersaison gesetzt hat.


    «Sieger keiner Herzen»


    Foda betont, er wolle die Mannschaft weiterentwickeln, die Fussballer sollen flexibler sein. Am letzten Sonntag, nach dem 0:3 gegen den FC Sion, meinte der Deutsche, der Fehlstart habe nichts mit dem System zu tun, seine Spieler müssten halt besser performen. Es waren für einen neuen Trainer erstaunlich harte Aussagen, die in der Spielerkabine erneut kaum Begeisterungsstürme ausgelöst haben.

    Ein erstes Saisonziel, den Sprung in eine europäische Gruppenphase, hat Foda mit dem 3:0 am Donnerstag gegen Linfield FC erreicht. Doch der Trainer wirkt manchmal verkniffen, er ist kein Kumpeltyp, die «Zeit» schrieb einmal über ihn: «Sieger keiner Herzen». Fodas Auftreten irritiert und fasziniert gleichzeitig, weil er sich scheinbar gar nicht erst Mühe gibt, sympathisch zu sein. Er wirkt wie ein Gegenentwurf zum jovialen Vorgänger André Breitenreiter.


    Harte Kritik in Österreich


    Wenn man sich mit Menschen unterhält, die Franco Foda länger begleitet haben, verfestigt sich das Bild eines Trainers, der unbeirrt seinen Weg geht. Den Lebensmittelpunkt hat der 56-Jährige seit über zwei Jahrzehnten in Graz. Michael Schuen ist Sportchef der dort ansässigen «Kleinen Zeitung». Er beschreibt Foda als «zielstrebig, exakt, ehrlich».

    Aber auch als einen Menschen, der viel Zeit benötige, um Vertrauen zu gewinnen. Aufgrund seiner Erfolge und Titelgewinne, zuerst als Spieler, später als Trainer, sei Foda bei Sturm Graz eine Klublegende. Deshalb werde er in der Steiermark freundlicher beurteilt als im Rest des Landes.

    Das spürt man in den Gesprächen über Foda. Extrem misstrauisch sei dieser, heisst es, jemand sagt, Foda sei einer, bei dem das Glas immer halb leer sei. Wenn es um die Arbeit als Nationaltrainer Österreichs von Herbst 2017 bis zur Trennung in diesem Frühling geht, sind die Urteile erstaunlich streng. Tobias Waidhofer von der «Tiroler Tageszeitung» findet Foda stur und schwierig im Umgang. Zudem sei er, auch das erwähnen mehrere Leute, ein Defensivtrainer und damit nur geeignet für Aussenseitermannschaften.

    Österreichs Ausnahmefussballer David Alaba von Real Madrid sagte nach einem starken Auftritt beim 1:1 gegen Weltmeister Frankreich Anfang Sommer unter Fodas Nachfolger Ralf Rangnick: «Es zeigt einfach, dass wir vielleicht irgendwo die Schnauze voll hatten von einer gewissen Art, Fussball zu spielen, wie wir es immer wieder in den Jahren zuvor hatten.» Foda entgegnete, er habe mit Alaba immer konstruktiv zusammengearbeitet. Zudem habe der Spieler die Aussagen später entschärft, es sei nicht gegen ihn als Trainer gegangen.

    Dennoch werden in Österreich Geschichten über Fodas Wirken kolportiert, die nicht besonders schmeichelhaft sind. So habe er unmittelbar vor der Euro im letzten Sommer ein Führungsseminar besuchen müssen, weil die Nationalspieler verärgert über die barsche Kommunikation des Coachs gewesen seien.

    Und nicht nur das Magazin «Profil» schrieb, die Fussballer hätten im EM-Achtelfinal gegen Italien eigenmächtig die vorsichtige Taktik Fodas über den Haufen geworfen und entschieden, mutiger zu sein. Herausgekommen ist die beste Leistung unter Foda in viereinhalb Jahren, Österreich verlor gegen den späteren Europameister Italien unglücklich nach Verlängerung.


    Am liebsten immer 1:0 durch ein Kontertor


    Man könnte Franco Foda in eine Schublade stecken. Aber so einfach ist die Sache natürlich nicht. Der Trainer sagt mit Recht, Resultate seien entscheidend. «Und wir standen erstmals in einem EM-Achtelfinal.» Foda wird als fussballbesessen und als akribischer Arbeiter beschrieben, als Familienmensch, bodenständig, bescheiden. Graz und nicht Wien. Sein Vorgänger Marcel Koller lobt, Foda habe als Nationaltrainer eine gute Bilanz gehabt.

    Das ist noch zurückhaltend formuliert. Mit 1,81 Punkten im Schnitt aus 48 Länderspielen ist Foda einer der erfolgreichsten Nationaltrainer in der Geschichte Österreichs. Sein durchzogenes Image kontrastiert mit einer positiven sportlichen Bilanz.

    Auch Koller war als Ausländer zunächst argwöhnisch betrachtet worden. Doch mit einer attraktiven, erfolgreichen Spielweise eroberte der Schweizer das Fussballland, setzte sich ein Béret auf und erschien mit Baguette zu einer Medienkonferenz, als die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich feststand. «Obwohl ich ja auch eher zurückhaltend bin.»

    Es gibt das wunderbare österreichische Wort «Verhaberung», das sinngemäss bedeutet, sich zu verbrüdern und miteinander zu klüngeln. Der Grazer Journalist Michael Scheun sagt, Foda fehle dieser Schmäh. Der Deutsche kam nie richtig in der Wiener Welt an. Angesprochen auf das Wort «Verhaberung», reagierte Foda im Gespräch vor ein paar Wochen sauer, fast aggressiv. Er sagt, er habe unter dem Verhältnis zu den Medien nie gelitten.

    Dass es um dieses Verhältnis nicht zum Besten stand, ist offenkundig. Einmal schrieb Foda ein Interview mit «90minuten.at» mehrmals um, strich zahlreiche Fragen, ehe das Portal nach 45 Tagen hin und her entschied, das Gespräch in dieser weichgespülten Form nicht zu publizieren – und nur die Fragen veröffentlichte.

    Foda würde neben den Antworten auch die Fragen ganz gerne selbst formulieren.

    Angesichts seiner mangelnden Beliebtheit taten sich österreichische Medienvertreter leicht, seinen Abgang zu fordern. Mehrere Beobachter vertreten noch heute die Meinung, Foda hätte spätestens nach der Europameisterschaft 2021 entlassen werden müssen. Man habe mit einer historisch talentierten Mannschaft Zeit vergeudet.

    Die WM wurde im Play-off gegen Wales verpasst. «Fodas Zeit war längst abgelaufen», sagt Andreas Heidenreich vom «Kurier» in Wien. «Er arbeitet hart und will nichts dem Zufall überlassen. Aber er hielt die Spieler zu stark an der kurzen Leine.» Am liebsten, so formuliert es Heidenreich, möchte Foda jedes Spiel durch ein Kontertor 1:0 gewinnen.

    Was, nebenbei gesagt, keine so schlechte Sache wäre.


    Ein paar Millimeter – und Foda hätte Legendenstatus


    In Österreich ist man wenig überrascht über den ersten Eindruck, den Foda in der Schweiz hinterlassen hat. Es würden die gleichen Dinge wie schon in Österreich moniert. «Hat sich der FC Zürich eigentlich nicht erkundigt, wie Foda funktioniert?», fragt jemand. Beim FCZ lobt man die Arbeit des neuen Trainers in anspruchsvoller Ausgangslage. Der Präsident Ancillo Canepa sagt, er könne die Debatten um verschiedene Systeme nicht nachvollziehen, ein Profifussballer müsse damit umgehen können.

    Foda wird seinen Weg weitergehen. Ohne Verhaberung, ohne Brimborium, ohne Anbiederung. Und wenn ein Trainer fast fünf Jahre ein Nationalteam betreut hat sowie bei Sturm Graz insgesamt rund dreizehn Jahre tätig war, können Art und Auftreten nicht total verkehrt sein.

    Vielleicht wird die Frage sein, ob Zürich eher wie Graz ist oder wie Wien. Und sowieso: Es ist vieles so eng im Fussball. Wäre der Stürmer Marko Arnautovic im EM-Achtelfinal bei seinem Tor nicht Millimeter im Abseits gestanden, hätte Österreich vermutlich Italien geschlagen – und heute würde vor dem Ernst-Happel-Stadion in Wien womöglich eine Statue von Franco Foda stehen.

    Interview Ancillo Canepa

    «Ich stehe immer noch zu dieser Aussage. Ja!»

    Der Präsident des FCZ erklärt, was von den Millionen im Europacup übrig bleibt, liefert Gründe für den Fehlstart in der Liga und glaubt weiter, dass das Team besser ist als letzte Saison.

    Thomas Schifferle
    Thomas Schifferle (TA)
    Publiziert heute um 07:30 Uhr

    «Trotzdem bin ich mehr als gelassen»: Ancillo Canepa, Chef des sieglosen Meisters und Tabellenletzten. Foto: Thomas Egli


    «Trotzdem bin ich mehr als gelassen»: Ancillo Canepa, Chef des sieglosen Meisters und Tabellenletzten.

    Foto: Thomas Egli

    Am Tag nach dem erlösenden Sieg gegen Linfield Belfast ist Ancillo Canepa wieder früh auf den Beinen, um 7 Uhr schon. Viel Zeit, um die Berichte zum 3:0 am Vorabend zu lesen, hat der Präsident des FC Zürich trotzdem nicht. Er muss bald mit Kooki, seiner Schäferhündin, zum Arzt. Und über Mittag ist er in Schaffhausen. Vor dem 50er-Club des FC Schaffhausen hält er ein Referat zur Führung eines Profi-Fussballclubs.

    Am Nachmittag redet er in seinem Büro in der Zürcher Innenstadt nicht gleich zur Lage der Nation, aber zur Lage des FCZ nach dem Fehlstart in die Meisterschaft, dem Erfolg gegen Linfield, der im Minimum den Einzug in die Gruppenphase der Conference League gesichert hat, und zur Aussicht, sich gegen Heart of Midlothian gar für die Gruppenspiele der Europa League zu qualifizieren.



    Wie beruhigt haben Sie geschlafen mit ein paar Millionen unter dem Kopfkissen?



    Schon jetzt von ein paar Millionen zu reden, scheint mir verwegen.



    Welche denn?


    Ja, es gibt Prämien, zwischen 3 und 4 Millionen. Ja, wir werden zusätzliche Zuschauer-Einnahmen generieren. Ja, ein wichtiger Teil des strukturellen Defizits kann damit gedeckt werden. Und ja, die Qualifikation für die Conference League ist von daher schon wertvoll. Aber die Kosten sind gigantisch.

    Die Ausgaben für die Reisen sind wegen des ganzen Chaos in der Fliegerei so hoch wie nie. Ausserdem müssen wir zwei Heimspiele auswärts in St. Gallen bestreiten, weil der Letzigrund wegen irgendwelcher Konzerte für uns gesperrt sein wird. Das allein verursacht uns einen Millionenschaden. Und was viele wieder vergessen haben: Wir müssen noch Covid-Bundesdarlehen in Millionenhöhe zurückzahlen. Darum kann ich nicht sagen, rein finanziell sei alles super, wirklich nicht.



    Der Flug nach Baku kostete 200’000 Franken …



    … und nach Belfast auch mehr als 100’000 Franken. Alles absurd hohe Beträge.


    Zitat
    «Ich denke, der eine oder andere Club würde möglicherweise gerne mit uns tauschen.»


    Mit dem Sieg gegen Linfield ist immerhin ein erstes Saisonziel erreicht.



    Dass vor allem vor dem Rückspiel bei mir eine gewisse Anspannung da war, weil im Fussball vieles passieren kann, das ist sicher so. Jetzt betone ich gerne: Wir sind die erste Mannschaft der Super League, die ihr erstes kurzfristiges Ziel erreicht hat. Punkt. Ich denke, der eine oder andere Club würde möglicherweise gern mit uns tauschen.



    Mit einem Team, das in der Liga mit einem Punkt und null Toren Tabellenletzter ist?



    Trotzdem, ja.



    Diese Saison verläuft bisher ziemlich verwirrend. 0:4 verloren in Bern, gegen Karabach in der Champions-League-Qualifikation ausgeschieden, in St. Gallen verloren, zwischen den Spielen gegen Linfield gegen Sion 0:3 verloren …



    Wenn wir die Ergebnisse anschauen, sind wir alle nicht zufrieden. Wenn wir aber die Leistungen differenziert beurteilen, sieht es anders aus. Wir haben durchaus gute Spiele gezeigt. In Bern waren wir in den ersten 60 Minuten im Minimum auf Augenhöhe, bis wir den Elfmeter verschiessen.


    WEITER NACH DER WERBUNG


    Das braucht doch noch lange keinen solchen Einbruch zur Folge zu haben.



    Fussball ist Kopfsache. Und wenn du am Anfang der Saison bist und nicht weisst, wo du stehst, und wenn du weisst, wie schwierig es in Bern auf dem Kunstrasen ist, dann macht eine solch vergebene Chance etwas mit dir. Und YB ist dann clever genug, eine, wenn ich dem so sagen darf, Trauerphase auszunutzen und tac, tac die Tore zu schiessen. Aber machen wir weiter …



    … mit St. Gallen …


    … ich mag mich nicht erinnern, dass wir uns in St. Gallen je so viele Chancen erspielt haben. Wir hätten vier, fünf Tore schiessen können.



    Vielleicht hätte Assan Ceesay das eine oder andere Tor erzielt.



    Und ich könnte sagen: Wie war das mit ihm in den ersten drei Saisons? Wenn Marchesano in Topform ist, wenn Tosin in Topform ist, dann machen sie aus ihren Chancen ihre Tore. Im Fussball geht es auch um Selbstvertrauen, um Sicherheit, um Psychologie. Die Spieler mussten den Erfolg der letzten Saison und die vielen Feierlichkeiten verarbeiten und auch die Spiele mit der Nationalmannschaft verkraften. Die Sommerpause war für viele extrem kurz. Aber nochmals: Die Leistungen bisher waren teilweise gut.



    Wirklich?



    Für mich besteht auf jeden Fall kein Grund, in Panik zu verfallen oder wie Espenlaub zu zittern.



    Und was war mit dem 0:3 gegen Sion, diesem Auseinanderfallen innert elf Minuten?



    Natürlich ist das mehr als ärgerlich. Wir hatten diesen Match fast 60 Minuten lang kontrolliert. Aber dann unterlaufen uns individuelle Fehler, es fällt ein unnötiges Gegentor aus dem Nichts. Statt ruhig und konzentriert weiterzuspielen, reagiert die Mannschaft übermotiviert und erhält das nächste Tor. Das hat natürlich auch mit Routine zu tun. Ein Dzemaili hätte uns in dieser Situation sicherlich geholfen.



    Beissen Sie bei einem solchen Spiel aus Ärger in Ihre Pfeife?



    Freude hatte ich sicher nicht, aber auch die Mannschaft war enttäuscht. Gegen Sion kann man so nicht verlieren. Das ist eigentlich gar nicht möglich.



    Der FCZ ist seit 2003 nie mehr so schlecht in eine Saison gestartet …



    … und trotzdem bin ich mehr als gelassen. Wir stehen erst am Anfang der Saison, und ich bin sicher, dass wir relativ schnell vom letzten Platz wegkommen. Wir haben ja vor der Saison kommuniziert: Das erste Ziel ist das Erreichen der Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs. Darauf hat der Fokus gelegen, auch bei mir. Dass wir dieses Ziel erreicht haben, wird der Mannschaft Schub, Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Davon bin ich überzeugt.


    Zitat
    «Schauen Sie, welche Gegner wir haben können: Manchester United, Arsenal, Union Berlin, Roma …»


    Der Europacup ist Ihnen vor allem wirtschaftlich wichtig.



    Nein, nicht nur! Es geht doch um sportliche Gründe. International mitspielen zu können, das ist für einen Club das Höchste der Gefühle. Schauen Sie, welche Gegner wir haben können, wenn wir uns im Playoff gegen Heart of Midlothian für die Europa League qualifizieren: Manchester United, Arsenal, Union Berlin, Sturm Graz, Roma, Lazio … Und klar, auch wirtschaftliche Gründe sind für uns relevant. Wir budgetieren jede Saison mit einem strukturellen Defizit. Um das zu decken, gibt es zwei Varianten: Du machst Transfers oder spielst im Europacup.



    Dieses Defizit beträgt rund 5 Millionen …



    … plus/minus …



    … wieso bringen Sie vor einer Saison kein ausgeglichenes Budget zustande?



    Bei allem Respekt: Eine solche Frage kann nur jemand stellen, der nicht in der operativen Verantwortung eines Proficlubs steht. Wenn man gewisse Ansprüche und Ambitionen hat, muss das Kader ein Mindestmass an Qualität aufweisen. Das bekommt man auch in der Schweiz nicht zum Nulltarif. Im Rahmen der Budgetierung kennen wir die Kosten, die Einnahmen sind aber nicht zuletzt abhängig vom sportlichen Erfolg. Deshalb verzichten wir darauf, uns ein Budget zusammenzulügen und Fantasiezahlen einzusetzen.



    Also planen Sie zum Beispiel ohne Einnahmen aus dem Europacup?



    Auch ohne Einnahmen aus dem Cup. Und bei den Transfers ist es nur ein ganz moderater Betrag, ein tiefer einstelliger Millionenbetrag. In der Fachsprache nennt man das Kostenwahrheit.



    Zwei Tage vor dem Saisonstart haben Sie beschwingt gesagt, die Mannschaft sei besser als jene der Meistersaison.



    Das habe ich so wortwörtlich nicht gesagt. Das wird mir jetzt permanent im Mund herumgedreht. Im Schweizer Fernsehen auch wieder: «Herr Canepa, Sie haben doch gesagt …» Man muss doch sehen, wie die Aussage entstanden ist. An der Medienkonferenz vor der Saison fragte mich ein Journalist: «Herr Canepa, ist die Mannschaft besser, gleich gut oder schlechter als letzte Saison?» Ich sagte: Besser. Punkt.



    Dieser Journalist sitzt vor Ihnen.



    Was ich sagen will: Ich habe nicht aus eigener Initiative gesagt, wow, wir sind besser.



    Am Ende bleibt trotzdem die Wertung, dass Sie die Mannschaft stärker einschätzen.



    Ich stehe nach wie vor zu dieser Aussage. Ja! Wir haben zwei Spieler abgegeben, die wir nicht abgeben wollten. Das sind Doumbia und Ceesay. Dafür haben wir fünf Spieler geholt – allesamt mit viel Potenzial, mit Erfahrung, mit grossem Talent, gutem Charakter. Deshalb ist das Kader auf dem Papier besser als letzte Saison.


    «Wer etwas vom Fussball versteht, erkennt sein riesiges Leistungsvermögen»: Ancillo Canepa über Donis Avdijaj. Foto: Andy Müller (freshfocus)


    «Wer etwas vom Fussball versteht, erkennt sein riesiges Leistungsvermögen»: Ancillo Canepa über Donis Avdijaj.

    Foto: Andy Müller (freshfocus)


    Die Neuen heissen Condé, Selnaes, Okita und Santini.



    Condé ist der Nachfolger von Doumbia, er ist ein junger Spieler mit sehr viel Potenzial. Wir haben Ole Selnaes geholt, einen norwegischen Nationalspieler, er ist auf einem sehr guten Weg. Wir haben Santini geholt, einen, der weiss, wo das Tor steht, und der im Sechzehner Assists machen kann, wie ich das selten gesehen habe. Wir haben Okita geholt, einen Stürmer, der in St. Gallen ein paar Sachen zeigte, die man so sonst in der Schweiz nicht sieht.



    Und Avdijai ist nachträglich gekommen.



    Wer etwas vom Fussball versteht und nur schon die ersten zwei Spiele von ihm gesehen hat, der erkennt sein riesiges Leistungsvermögen. Mit diesen fünf Spielern haben wir das Kader von den Anlagen her einen Schritt weiterentwickeln können. Aber logisch, es braucht noch ein wenig Geduld.



    Besteht mit Ihrer Annahme, die Mannschaft sei besser geworden, nicht die Gefahr einer erhöhten Erwartungshaltung?



    Überhaupt nicht. Ich habe das schon festgehalten: Wir wollen nicht gleich den Serienmeister ausrufen. Wir wissen, woher wir kommen und was wir können. Wir haben ja auch nur ein Ziel formuliert: die Gruppenphase im Europacup zu erreichen. Nichts mehr, nichts weniger.


    Zitat
    «Franco Foda weiss, wie man Erfolg hat. Wir suchten keine Kopie von André Breitenreiter.»


    Was macht Sie so stolz, dass Franco Foda Ihr Trainer ist?



    Weil er genau dem Profil entspricht, welches wir definiert haben. Er ist sehr erfahren, extrem engagiert, weiss, wie man Erfolg hat, und überzeugt als Persönlichkeit. Auch als Spieler hat er eine grosse Karriere gemacht. Er passt menschlich perfekt zum FCZ, und die Tatsache, dass er diese Aufgabe als Nachfolger eines Meistertrainers angenommen hat, spricht ebenfalls für ihn.



    Nach aussen macht er nicht den Eindruck, als würde er die gleiche Wärme ausstrahlen wie André Breitenreiter. Wie ist es nach innen?



    Wir suchten keine Kopie von André Breitenreiter. Wichtig ist, dass ein Trainer die Mannschaft mit seiner fachlichen und menschlichen Kompetenz überzeugt. Dass Franco das gelingen wird, daran zweifle ich keine Sekunde. Natürlich muss auch er die Mannschaft und das ganze FCZ-Umfeld noch besser kennen lernen. Dass sich die Zusammenarbeit laufend weiterentwickelt, spürt man als Insider tagtäglich.



    Wie viel Verständnis bringen Sie für seine Rotationen und Systemwechsel auf?



    Zum Rotieren: Wir haben sechs Wochen, in denen wir Sonntag-Mittwoch-Sonntag spielen. Angenommen, er hätte immer mit der gleichen Mannschaft gespielt, käme sofort der Vorwurf: Wieso rotiert er nicht? Das Rotieren ist bei dieser Belastung absolut vernünftig. Nur ein dummer Trainer würde das nicht machen.



    Auch in dem Ausmass, mit bis zu sieben Spielern?



    Das ist ja auch unser Credo. Alle Positionen sollen gleichwertig ersetzt werden können. In der Fachsprache nennt man das «breites Kader». Das machte uns gerade letzte Saison stark. Wir gewannen den Titel nicht zuletzt dank unserer Ersatzbank. Und diese ewige Thematik vom System: Einige Vorgänger von Franco wollten flexible Systeme einführen. Auch André Breitenreiter.



    Dann liess er es doch sein.



    a. Franco sagte uns beim ersten Gespräch: Ich habe gesehen, wie ihr gespielt habt, 3-5-2, aber ich möchte flexibler sein. Wir haben auch unter ihm einige Male mit der Dreierkette gespielt. Ich spüre inzwischen, dass die Mannschaft mental flexibler geworden ist. Das System ist nicht das Problem. Chancen vergeben wir nicht deswegen. Die vielen Gegentore haben damit auch nichts zu tun, sondern mit individuellen Fehlern. Die Spieler wissen das selbst auch. Sie sind alle sehr selbstkritisch.



    Was den FCZ weiterhin begleitet, ist die Unsicherheit über die Zukunft von Wilfried Gnonto und Becir Omeragic. Sind die beiden im Winter noch in Zürich?



    Das kann ich heute nicht sagen. Die Ausgangslage ist klar: Sie haben Verträge, die im nächsten Sommer auslaufen, wir möchten mit beiden gerne verlängern, die Transferfrist läuft noch bis Ende August, und gerade für Gnonto sind sehr viele konkrete Angebote gekommen.



    Aus England, Deutschland, Italien, Frankreich, Holland?



    So schaut es aus.



    Und nichts hat Sie überzeugt?



    Nein. Es ist kein Geheimnis, dass ich klare Vorstellungen vom Wert von Wilfried Gnontos habe. Wir werden keinen verschenken, auch Omeragic nicht.


    Zitat
    «Bei Wilfried Gnonto und Becir Omeragic bin ich weiterhin völlig entspannt.»


    Also lieber am Preisschild von 10 Millionen festhalten …



    (unterbricht) Was auch immer auf diesem Preisschild steht. Ich habe nie explizit von 10 Millionen geredet.



    Trotzdem sind Sie zum Risiko bereit, Gnonto notfalls Ende Saison gratis abgeben zu müssen.



    Das ist theoretisch möglich. Oder aber er macht einen Transfer im Winter. Oder er verlängert doch noch. Alle Optionen sind offen.



    Wie ist der Stand bei Omeragic?



    Er hatte das Pech, lange verletzt gewesen zu sein. Und international konnte er nicht den Hype erleben wie Gnonto nach seinen Länderspielen für Italien.



    Doumbia und Ceesay gingen ablösefrei, das Gleiche droht bei den zwei Jungen. Sind Sie zu knausrig, um sie zu einer vorzeitigen Verlängerung bewegen zu können?



    Das hat damit nichts zu tun. Das Problem bei jungen Spielern ist, dass man mit ihnen aus reglementarischen Gründen zu Beginn keine langfristigen Verträge abschliessen kann. Einen 16-Jährigen kann man höchstens für drei Jahre binden. Und wenn bei einem Spieler wie Gnonto plötzlich viele neue Türen aufgehen, dann kann es sein, dass sein Umfeld nervös wird. Das ist «the name of the game». Wäre er nicht im Nationalteam, hätten wir den Vertrag mit ihm problemlos verlängern können.



    Und jetzt sind Sie nervös?



    Wir werden so oder so Lösungen zum Wohlergehen von allen finden. Ich bin weiterhin völlig entspannt.



    Am Sonntag geht es für den FCZ in Winterthur weiter. Über den FCW haben Sie sich nach seinem Aufstieg sehr wohlwollend geäussert. Dann freuen Sie sich sicher auf dieses Derby.



    Absolut. Es ist Zeit geworden, dass Winterthur in der Super League angekommen ist. Ich freue mich einfach auf das Wiedersehen mit der geliebten Schützenwiese, auf dieses traditionelle Stadion, das mit Erinnerungen verbunden ist. Wie ich als Bub, mit 12, 13 Jahren, im Schneidersitz neben dem Tor sitzen durfte und das Netz in der Hand hielt, wenn Zürich in Winterthur spielte.



    Sie gehen davon aus, dass der FCZ jetzt gewinnt.


    Ich gehe davon aus, dass wir eine gute Leistung auf den Platz bringen werden. Das Ergebnis? Sie wissen, Derbys haben eigene Gesetze.

    Nach Niederlagen gegen Schweden (2:3) und USA (1:7) nun auch eine Niederlage gegen Deutschland (2:3).

    Bleibt noch das Spiel gegen Österreich das darüber entscheidet wer letzter wird und wer es in die Viertelfinals schafft. Dort wären sie gegen Kanada chancenlos.

    Absteigen können sie ja dieses Jahr nicht.

    Spiele und Tore:

    IIHF - Schedule and Results 2022 IIHF WORLD JUNIOR CHAMPIONSHIP
    IIHF - Schedule and Results 2022 IIHF WORLD JUNIOR CHAMPIONSHIP
    www.iihf.com

    Der FCZ ist sowas von angezählt, hier einen Pflichtsieg zu verlangen ist naja sagen wir mal, zu viel des guten.

    Mir schon klar aber falls sie wieder verlieren gegen den sieglosen Aufsteiger ist dies Totalversagen. Etwas Druck muss sein!

    BASIEREND AUF WAHREN BEGEBENHEITEN

    Berliner, die Urs Fischer lieben

    Der Schweizer Fussballtrainer hat aus dem 1. FC Union Berlin ein Spitzenteam geformt. In der Köpenicker Heimat des Kultvereins entdecken gestandene Anhänger tiefste Gefühle.

    Tom Kummer (Weltwoche)

    Berlin

    Von was reden wir eigentlich, wenn wir von Liebe reden?» Herausfordernd schaut Hans-Günther in die Runde. Er betreibt eine Autowerkstatt in Köpenick, einem Viertel in Berlins Südosten. Einen kurzen Fussmarsch entfernt steht das Stadion Alte Försterei, die Heimat des Fussballvereins 1. FC Union Berlin. Trainer Urs Fischer aus Zürich hat Hans-Günther kürzlich seinen Wagen zur Inspektion anvertraut. Seither nimmt sich dieser immer öfter das Recht dazu, das Wort zu ergreifen. «Ich frage euch: Was unterscheidet eigentlich Menschenliebe von Trainerliebe? Ihr dürft es ruhig weitererzählen: Ich liebe diesen Schweizer.»

    Hans-Günther, seine Frau Helga, sein Kumpel Schmidti und dessen Frau Conny sitzen an einem heissen Sommerabend am Küchentisch in Köpenick, trinken Bier mit Korn und überlegen, was es auf sich hat mit dieser Liebe zum Fussballverein 1. FC Union Berlin, zur Alten Försterei und besonders zu Urs Fischer, dem Schweizer, der ihr Leben verändert hat.

    Mörderischer Druck

    Union Berlin, das Provinzteam aus der deutschen Hauptstadt, gehört neuerdings zu den Grossen im europäischen Fussball. Das ist Urs Fischers Verdienst. Aber kann Union die hohen Erwartungen erfüllen? Oder herrscht auch hier bald der mörderische Druck, an dem schon so viele Teams zerbrochen sind? Ist ja bekannt, was daraus wird: zu viel Liebe, zu hohe Erwartungen, zu grosses Chaos. Wie früher bei Schalke 04. Oder jetzt beim HSV.

    Conny hält Schmidtis Hand und streichelt ihn. «Ihr wisst, was beim HSV passiert ist, oder? Wahnsinn! Da schiesst sich ein Fan selbst in den Mund, vor Liebe und Enttäuschung.»

    Schmidti befreit seinen Arm aus Connys Hand. «Der Bursche war doch übergeschnappt. Der wäre imstande gewesen, eine Bombe in der HSV-Kabine hochgeh’n zu lassen oder sonst was. Nur weil die den Aufstieg verpasst haben.»

    «Klingt wie ein Albtraum», sagt Conny. «Aber das kann bei uns nicht passieren. Wir haben den Urs Fischer.»

    Auf dem Tisch stehen vier Flaschen Berliner Kindl und ein Kornschnaps der Marke Berliner Brandstifter. Hinter dem geöffneten Fenster beginnt der Wald, dahinter erhebt sich die Alte Försterei. Nachts, wenn gespielt wird, leuchtet das Stadion wie ein Ufo, wirft Licht gegen die Wolken und zurück auf Köpenick.

    Hans-Günther hebt das Glas. «Wisst ihr, echte Liebe ist immer geistige Liebe! Aber das mit dem Urs Fischer ist etwas anderes, kommt von tiefer unten. Das habe ich so noch nie erlebt.»

    «Klar ist das was Besonderes», sagt Schmidti. «Aber was, wenn es auch mit dem Fischer zu Niederlagen und Enttäuschungen kommt? Wie lange hält dann die Liebe, Hans-Günther? Ist doch so in der Liebe, da kommt immer irgendwann die grosse Enttäuschung.»

    Auch Helga ist skeptisch. «Wer von uns weiss denn schon wirklich was von der Liebe? Mir kommt es schon länger so vor, als wären wir alle bloss Anfänger auf diesem Gebiet. Und ich geh jetzt auf die Fünfzig zu.»

    Unbeeindruckt hebt Hans-Günther wieder sein Glas. «Auf die Liebe, auf Urs Fischer.» Zögerlich tun es ihm die andern nach.

    Im Garten hinter dem Haus bellt ein Hund. Hans-Günther geht hinunter und nimmt Bessie an die Leine. Er führt sie auf die Hämmerlingstrasse, dann bei der Union-Fankneipe «Abseitsfalle» rechts rein, auf einen Waldweg direkt an der Wuhlheide, flankiert von Scheinwerferlampen wie im Todesstreifen zu DDR-Zeiten. Die Lampen sollen an Spieltagen für Sicherheit sorgen, wenn sich Tausende Fans über diesen naturbelassenen Waldweg von der S-Bahn-Station Köpenick der Alten Försterei nähern.

    Bald taucht das Stadion vor uns auf. Zäune, Gitterstäbe, Stacheldraht, Fan-Graffiti an alten Mauern. «Weisst du, die grössten Unterschiede zu anderen Vereinen merkt man erst im Stadion drin», sagt Hans-Günther. «Hier gibt’s keine Show vor dem Spiel. Wir sind keine Show-Leute, wir sind eiserne Schlosserjungs.»

    22 000 Zuschauer fasst die Alte Försterei offiziell. Manchmal sind es sehr viele mehr. Fans steigen hier auch mal über den Zaun, was keinen kümmert. Bald soll die Kapazität des Stadions erweitert werden, auf 37 000 Plätze, davon 29 000 altmodische Stehplätze.

    Plage aus England

    Hans-Günther legt seinen Arm um meine Schultern. «Weisst du, der Aufstieg dreissig Jahre nach dem Mauerfall war für uns eine Wiedervereinigung im Kleinen. Wir stehen für den Osten, das Widerspenstige. Wir mussten schon in der DDR immer gegen Widerstände von oben ankämpfen. Nun gehören wir zur Elite des deutschen Fussballs. Aber den Spielstand lassen wir uns immer noch über Steckschilder anzeigen.»

    Bessie kläfft sich das Maul heiser. Vor uns stehen englische Touristen. «Während der Saison kommen sie zu Tausenden, ist echt eine Plage geworden», sagt Hans-Günther. «Sie kommen wegen der billigen Stehplätze und weil es hier im Stadion noch richtig abgeht. Sie können hier ihre Körper testen. Wie viel kann man auf der Stehplatztribüne einstecken? Kotzt man sich vor Angst auf die Hose, oder hüpft man mit wackelnden Knien einfach immer weiter?» Er spuckt auf die Erde.

    «Kommen die Engländer wirklich, weil sie vom durchkommerzialisierten Fussballzirkus auf der Insel die Nase voll haben?», frage ich.

    «Ja, klar!», sagt Hans-Günther.

    «Kommen die nicht vor allem, weil sie in deutschen Stadien so viel Bier trinken dürfen, wie sie wollen?», hake ich nach.

    «Glaube ich nicht, nein. Das ist Fussball-Liebe, echte Liebe», sagt Hans Günter. Er hat sein Lieblingswort wieder entdeckt.

    Unvermittelt wendet er sich zu einem Baum, pinkelt, dreht dazu den Kopf in meine Richtung und redet weiter. «Hier werden Sachen halt anders gemacht. Die Alte Försterei ist das Stadion der Unioner. Es gibt keine privaten Grossaktionäre, keine Abhängigkeit von privaten Unternehmen. Die Verantwortung für das Stadion tragen die Menschen, die hier eine Heimat gefunden haben und denen es am Herzen liegt.» Bessie kläfft den Engländern nach. Langsam gehen wir zurück zur Autowerkstatt.

    «Wir stehen für das Widerspenstige. Wir mussten schon in der DDR gegen Widerstände ankämpfen.»

    «Hans-Günther, ich muss es dir jetzt doch sagen, obwohl ich zuerst nicht wollte: Eure Loblieder auf die ‹eisernen Schlosserjungs›, auf eure ‹Trainerliebe›, auf Urs Fischer – diese ganze Union-Romantik wirkt auf mich ein bisschen, wie soll ich sagen, überstrapaziert, wenn du weisst, was ich meine . . .»

    Hans-Günther schaut mich verdutzt an. Dann wendet er den Blick auf Bessie. Die schnuppert den Waldboden ab, wo an Spieltagen Tausende Fans in die Wuhlheide pissen.

    Ich versuche mich zu erklären. «Also, ich verstehe es schon irgendwie. Man will seine Wurzeln nicht verlieren, das Image des unbequemen Underdogs bewahren. Aber was passiert, wenn hier alles zur profitorientierten Folklore verkommt. Wie bei Schalke 04?»

    Hans-Günther packt meinen rechten Arm, hält mich fest und schaut mir in die Augen. «Kein Scheiss jetzt, ja?! Wir sind ein Bundesligaverein! Ein europäischer Spitzenverein! Aber mit Union-Atmosphäre! Daran wird sich nichts ändern!»

    «Und wenn ihr euch was vorlügt?»

    «Verrückt geworden?! Anderswo sind die Anhänger nur Kunden, wir verstehen uns als Familie. Man hilft sich, wenn’s einem dreckig geht!»

    Über die Autowerkstatt kehren wir zurück in die Küche. Conny raucht am Fenster eine Zigarette. Schmidti studiert die Sport-Bild. Helga bestreicht Brötchen mit «Hackepeter».

    Arbeiter, Punks, Künstler

    Mein scheuer Einwand lässt Hans-Günther keine Ruhe. «Weisst du, als unser Verein 2004 zu finanzschwach war, um eine Lizenz für die Regionalliga zu bekommen, da spendeten die Fans Blut. Herzblut. Darum geht’s! Wenn ein Union-Mitglied stirbt, wird das beim nächsten Spiel durchgesagt – dafür bleibt die Halbzeitpause frei von Werbung. Auf Dauerbespassung und Stimmungsmusik verzichten wir. Stattdessen haben wir uns Regeln gegeben. Die eigene Mannschaft wird nie ausgepfiffen. Und keiner verlässt vor dem Schlusspfiff das Stadion.»

    «Und ihr glaubt wirklich, das könnt ihr durchhalten?»

    «Weisst du», sagt Hans-Günther, «wir waren immer schon anders, schon zu DDR-Zeiten. Das Stadion war gefüllt mit Arbeitern, dazwischen Hippies, Punks, Künstler, Oppositionelle. Man sagte: ‹Nicht jeder Staatsfeind ist ein Unioner, aber jeder Unioner ist ein Staatsfeind.›»

    Schmidti ruft dazwischen: «Bei Freistössen schrie mein Vater: ‹Die Mauer muss weg!›»

    «Natürlich gefiel das der Stasi nicht», fährt Hans-Günther fort. «Aber ein ganzes Stadion konnten sie ja nicht verhaften. Weisst du, wir Unioner gehen mit unseren Schwächen ironisch um. Wir haben, wie sagt man . . . wir haben einfach . . .»

    «. . .Kultur. Wir haben Kultur», sagt Helga mit spöttischem Unterton.

    «Ja, Kultur! Genau! Wir haben Kultur!»

    Helga lacht laut heraus. «Was weisst denn du von Kultur?»

    «Leck mich am Arsch, Helga! Natürlich haben wir Kultur», sagt Hans-Günther. «Sonst wäre der Urs Fischer nicht nach Berlin gekommen, sondern in seinem feinen Zürich oder Basel geblieben. Was will der bei uns in Berlin, wenn es ihm nicht auch um Kultur geht?! Schliesslich gibt es hier vier Opernhäuser. Ehrlich jetzt, ich will nicht, dass man mich in der Schweiz falsch versteht: Es geht um eine Fussballkultur, die Menschen verbindet, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Fans erzeugen einen Zusammenhalt, der nicht nur symbolisch ist . . .»

    «Symbolisch? Was soll das jetzt wieder heissen, Hans-Günther?», fragt Schmidti.

    «Die Stadionerfahrung, Schmidti! Kapierst du’s echt nicht? Es ist die rauschhafte Erfahrung beim gemeinsamen Zuschauen. Und dabei die Grenzen des eigenen Körpers zu überschreiten. Es ist wie bei der Liebe. Genau wie bei der Liebe!»

    Helga krümmt sich vor Lachen. «Was redest du da?! Wann hast denn du bei der Liebe zuletzt die Grenzen deines Körpers überschritten?»

    «Mach mich nicht an!», sagt Hans-Günther. «Ich wollte nur einen Vergleich ziehen. Mir geht es darum, unserem Schweizer Gast zu erklären, wie sehr wir es schätzen, dass uns sein Land den Urs Fischer ausgeliehen hat.»

    «Ausgeliehen? Der gehört jetzt uns», sagt Helga. «Wem sonst? Den lassen wir nie mehr ziehen. Manchmal bist du wirklich nicht zu retten. Aber ich liebe dich trotzdem, Schätzchen. Du bist mein Urs.»

    Schmidti dreht sich zu Conny um. «Von was reden die eigentlich, wenn sie von Liebe reden?»

    Sie nimmt seine Hände, stützt ihre Stirn an die seine und schliesst ihre Augen. «Vielleicht können wir es ja auch hören, was Helga und Hans-Günther gerade hören», sagt Conny sanft.

    «Was denn?», fragt Schmidti.

    «Wie so ein Schweizer Herz schlägt. Ticktack, ticktack. Hörst du es? Unser Herz, mein Schatz!»

    Wenn es noch eines Hinweises dafür gebraucht hätte, wo der FCZ seine Prioritäten derzeit setzt, dann gibt es Foda im Rückspiel gegen Linfield mit der Startaufstellung. Es sind die gemäss Formstand und Erfahrungsschatz momentan elf besten Spieler, die er aufs Feld stellt. Und er tut das im 3-5-2, das den meisten von ihnen noch aus der letzten Saison bekannt vorkommen sollte. (TA)

    Vielleicht rafft es FF ja noch. Winti ist für mich ein Pflichtsieg und dann schauen was gegen die Schotten rausschaut.

    Es werden im September Leute aus den NHL Trainingscamps fliegen die dann doch keinen Vertrag kriegen. Ob darunter allerdings unser gesuchter Sniper ist darf in Frage gestellt werden.

    Wilfried Gnonto und Becir Omeragic

    Der Millionenpoker um die FCZ-Talente

    Gegen Linfield spielt der FCZ um europäische Millionen. Mindestens so wichtig ist aber, was mit Wilfried Gnonto und Becir Omeragic passiert. Der Club droht beide Talente ablösefrei zu verlieren.

    Florian Raz
    Florian Raz (TA)
    Publiziert heute um 06:12 Uhr

    Nicht weniger als 30 Clubs sollen gerüchteweise an ihm interessiert sein: Wilfried Gnonto, 18-jähriger Stürmer des FC Zürich.


    Nicht weniger als 30 Clubs sollen gerüchteweise an ihm interessiert sein: Wilfried Gnonto, 18-jähriger Stürmer des FC Zürich. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

    Auf den ersten Blick sieht es aus wie der Jackpot. Auf den zweiten? Entpuppt sich das Geschenk des Himmels zumindest als Mitgrund für die Startschwierigkeiten des FC Zürich in der neuen Saison.

    Wilfried Gnonto hat beim FCZ eine Saison als Edeljoker hinter sich, als er im Juni unverhofft in Italiens Nationalteam spielen darf. Der Europameister hat soeben die Weltmeisterschaft in Katar verpasst. Die alten Heroen liegen am Boden, das Land dürstet nach neuen Helden. Gnonto stürmt unbekümmert auf den Sockel.


    Kann einem Schweizer Fussballclub etwas Besseres passieren? Gnonto ist erst 18 Jahre jung, Angreifer und Nationalspieler einer trotz der verpassten WM grossen Fussballnation. Alles Faktoren, die seinen Marktwert in ungeahnte Höhe treiben können.

    Wäre da bloss nicht dieses eine Problem: Gnontos Vertrag läuft in einem Jahr aus. Nicht nur kann er den FCZ dann ohne Ablöse verlassen. Er darf auch bereits ab Januar offiziell mit neuen Arbeitgebern verhandeln.

    Das drückt nicht nur auf den Preis, den ausländische Clubs momentan zu zahlen bereit sind. Es nimmt Gnonto und seinen Beratern auch die Motivation, mit dem FCZ zu verlängern. Weil das Wort «ablösefrei» in die Irre leitet. Geld fliesst für einen begehrten Spieler trotzdem. Bloss nicht an den abgebenden Verein. Sondern an den Spieler und seine Begleiter.


    Die Wette auf eine vielleicht goldene Zukunft


    Der FCZ erlebt gerade die Zwickmühle, in der die meisten Schweizer Clubs stecken. Mit Spielern unter 18 dürfen Verträge von höchstens drei Jahren Dauer gemacht werden. Setzt sich dann ein junger Profi durch, ist es oft schon zu spät, um den Vertrag zu verlängern.

    Einerseits gibt es Berater, die bereits zwei Jahre vor Vertragsende auf einen ablösefreien Transfer spekulieren. Andererseits muss sich der Club eine Vertragsverlängerung mit einem deutlich aufgebesserten Lohn erkaufen. Und geht das Risiko ein, dass der Spieler stagniert. Es ist eine Wette auf eine nur vielleicht goldene Zukunft, die sich in der Schweiz ausser den Young Boys und mit Abstrichen Basel kein Club leisten will und kann.

    Trotzdem bleibt die Frage, ob der FCZ nicht schlicht den richtigen Zeitpunkt verpasst, seine Talente längerfristig an sich zu binden. Gnonto ist nicht der Einzige aus dieser Kategorie, dessen Vertrag am 30. Juni 2023 endet: Becir Omeragic ist auch erst 20 Jahre alt und hat sich beim FCZ zu Einsätzen im Schweizer A-Nationalteam gespielt.

    Ausserdem musste der Club immer wieder eigene Talente ziehen lassen. Auch für Almen Abdi, Cédric Brunner oder Oliver Buff hat er bloss die von der Fifa festgeschriebene Ausbildungsentschädigung erhalten.

    FCZ-Sportchef Marinko Jurendic hält mit Blick auf Gnonto und Omeragic entgegen: «Wenn junge Spieler einen nächsten Schritt in der Karriere machen wollen, wäre die sportliche Situation auch mit längerfristigen Verträgen ziemlich ähnlich.»



    Der Appell an ein Mass an Ehrbarkeit


    Jurendic sagt auch: «Als FCZ wollen wir bei der Gestaltung einer Spielerkarriere eine vertrauensvolle Zusammenarbeit pflegen. Dazu gehören viele Beteiligte, die im Idealfall von Beginn bis zum Schluss eine gemeinsame Idee verfolgen.» Und meint damit, dass der Spieler, seine Familie und die Berater auch anerkennen sollten, welches Sprungbrett in höhere Sphären der Club geboten hat.

    Die aktuelle Situation wird für den FCZ durch diesen Appell an ein gewisses Mass an Ehrbarkeit allerdings nicht gemütlicher. Derzeit gilt: Entweder finden die Zürcher für Omeragic und Gnonto noch in diesem Sommer seriöse Abnehmer. Und generieren so dringend benötigte Einnahmen. Oder sie riskieren, dass die beiden in einem Jahr weg sind – ohne Entschädigung.

    Die dritte Variante, eine Vertragsverlängerung zum jetzigen Zeitpunkt, wäre eine Überraschung. Und vom FCZ zumindest im Fall von Omeragic auch gar nicht unbedingt angestrebt. «Becir ist seit vier Jahren beim FCZ und mit seinen fast 90 Spielen für das Profiteam reif für eine grössere Liga», sagt Sportchef Marinko Jurendic. Sucht nach einer Verletzung noch seine Form: Becir Omeragic, hier im Zweikampf mit dem St. Galler Emmanuel Latte Lath.


    Sucht nach einer Verletzung noch seine Form: Becir Omeragic, hier im Zweikampf mit dem St. Galler Emmanuel Latte Lath. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

    Bloss hat sich Omeragic Ende letzter Saison verletzt. Trainer Franco Foda hat schon davon geredet, der Verteidiger müsse eigentlich erst in der U-21 fit werden. Bloss kann er sich dort kaum für einen Transfer in eine grosse Liga empfehlen.

    Derzeit jedenfalls wird Omeragic in der ersten Mannschaft eingesetzt. Und hilft dem wankenden Meister dort derzeit ebenso wenig wie Gnonto. Der hat Mühe, in die neue Rolle des Stammspielers zu wachsen. Vermutlich hilft es dem Teenager dabei nicht, dass einschlägige Portale nicht weniger als 30 Clubs auflisten, die gerüchteweise an ihm interessiert sein sollen.


    Am 1. September herrscht spätestens Klarheit


    Spielen die beiden also darum, weil sie der FCZ für einen Auslandstransfer ins Schaufenster stellen muss? Sportchef Jurendic sagt: «Solange sie beim FCZ unter Vertrag sind, steht das Ziel im Vordergrund, dass sie unserem Team helfen und sich für höhere Aufgaben empfehlen.»

    Am 1. September schliesst sich das Transferfenster in den grossen europäischen Ligen. Spätestens dann ist klar, ob Spieler, Berater und Club eine Lösung finden, die für alle stimmt.

    Wenn keine Ablöse in die Kassen des FCZ fliesst, muss er sich daran halten, was Jurendic zu Omeragic und Gnonto auch festhält: «In beiden Fällen wird unsere Ausrichtung als ambitionierter und erfolgreicher Ausbildungsverein dokumentiert. Für diese Philosophie wird der FCZ auch international wahrgenommen.»

    Es ist kein Zufall, dass in diesem Sommer ein gewisser Cosimo Fiorini in den Nachwuchs des FCZ gewechselt ist. Der Teenager ist Captain der U-16 Italiens.

    En Maa wo so langi Haar hät, dassmer chan dra riisse häts nöd anderst verdient! :D

    Genau! :twisted:

    Das Thema ist an den Haaren herbeigezogen!

    Ich meine alle tragen einen Helm und wer hat solch langes Haar? Wer wurde an den Haaren gezogen? Es gab scheinbar einzelne Fälle, musste das Googeln was so viel heisst wie: Kommt nie vor!