Beiträge von Larry

    INTERVIEW

    Der FCZ-Captain Yanick Brecher sagt: «Ich hätte überhaupt kein Problem damit, mein ganzes Fussballerleben im FC Zürich zu verbringen»

    Der FC Zürich wird bald den 13. Meistertitel der Vereinsgeschichte feiern. Sein Goalie Yanick Brecher spricht darüber, wie er sich als Führungsspieler entwickelt hat. Und warum seine Frau im Haushalt in Geldfragen die Expertin ist.

    Fabian Ruch (NZZ)


    Wie Yanick Brecher erzählt, haben sie beim FCZ einen Spruch, der sie gern trainieren lässt – auch wenn es schneit.

    Wie Yanick Brecher erzählt, haben sie beim FCZ einen Spruch, der sie gern trainieren lässt – auch wenn es schneit.

    Michael Buholzer / Keystone

    Wann dachten Sie erstmals: In dieser Saison kann der FC Zürich tatsächlich Meister werden?

    Das ist nicht so lange her, ein paar Wochen vielleicht. Wir hatten zwar auch in der Winterpause einen grossen Vorsprung, aber ich erwartete ebenfalls, dass der FC Basel und vor allem YB schon noch zur Siegesserie ansetzen würden.

    Bis vor einer Woche wurde beim FCZ fast übertrieben defensiv kommuniziert, wenn es um meisterliche Ambitionen ging. War das auch eine Art Spielchen des Vereins?

    Überhaupt nicht. Wir wollten unsere Lockerheit behalten und keinen Druck aufbauen, weil wir dann etwas zu verlieren gehabt hätten. Es gab auch keinen speziellen Workshop, keine geheimen Zettel, nichts. Wir fokussierten uns immer auf die nächste Aufgabe. Uns begleitet ein Spruch durch die Saison, da geht es darum, dass man sich den Erfolg verdienen muss. Hört sich banal an, aber wenn man sich das jeden Tag in Erinnerung ruft, hilft das schon, geerdet zu bleiben und auch dann mit Leidenschaft zu trainieren, wenn es schneit oder man sich einmal nicht besonders wohlfühlt.

    Vor einem Jahr gaben Sie in einer mal wieder schwierigen Phase für den FCZ Interviews, in denen Sie von «tiefer Krise» und «dummen Gegentoren» sprachen. Und davon, dass diese Leistungen in der Super League nicht genügen würden. Inwiefern hat sich Ihre Rolle als Captain in den letzten zwölf Monaten verändert?

    Die Rückrunde vor einem Jahr war extrem nervenaufreibend. Diese Zeit war sehr intensiv, die grosse Leere nach den vielen Niederlagen vermisse ich überhaupt nicht. Aber wir haben damals auch profitiert, weil wir gesehen haben, dass es Veränderungen braucht. Vor einem Jahr versuchte ich, die Mitspieler zu pushen und zu motivieren, wir mussten ständig Brände löschen, das raubte uns viel Energie. Diesmal geht es mehr darum, dass wir demütig bleiben, uns nicht ausruhen, trotz Vorsprung konzentriert sind. Und was angenehmer ist: Gespräche mit Journalisten. Yanick Brecher im Januar 2020, als die Zeiten für den FCZ noch schwieriger waren.

    Yanick Brecher im Januar 2020, als die Zeiten für den FCZ noch schwieriger waren.

    Karin Hofer / NZZ

    Im letzten Sommer prophezeiten wir dem FCZ eine komplizierte Saison und erwarteten Ihren Verein zwischen Rang 7 und 9. Wie waren Ihre Erwartungen?

    Nicht viel anders. Wenige Tage vor dem Saisonstart bestritten wir am gleichen Tag zwei Testspiele. Jene Mannschaft, in der ich war, verlor gegen Xamax 1:4, wir bekamen richtig eins aufs Dach. Da machten wir uns schon Gedanken, auch wenn man Testspiele nicht überbewerten sollte. Wenn wir danach nicht ideal in die Saison gestartet wären, hätte es auch anders herauskommen können. So läuft das manchmal im Fussball.

    Und warum lief es so grandios für den FCZ?

    Für mich gibt es zwei Punkte, die zentral sind. Einerseits der Trainer André Breitenreiter mit seiner Philosophie und seiner Persönlichkeit. Dem Trainerstab ist es gelungen, quasi jeden Spieler besser und selbstbewusster zu machen. Anderseits stimmt die Zusammenstellung der Mannschaft. Keiner stellt sich quer, selbst wenn wir starke, international erfahrene Fussballer haben, die auf der Bank oder sogar auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Der Teamgeist ist exzellent, und das ist wirklich keine Floskel, weil ich das noch nie in dieser Form erlebt habe.

    Was zeichnet den Trainer aus?

    Ich wusste am Anfang auch nicht viel mehr, als dass ein deutscher Trainer mit Erfahrung in der Bundesliga in die Schweiz kommt. Für mich war klar gewesen, dass sich viel ändern muss, damit es nicht eine weitere unbefriedigende Saison gibt. André Breitenreiter war vom ersten Tag an sehr offen, sehr transparent, er hat frischen Wind ins Team gebracht, die Vergangenheit interessierte ihn nicht. Schon am zweiten Tag führte ich ein längeres Gespräch mit ihm. Und abgesehen von seinen unbestrittenen fachlichen Qualitäten ist es eine Gabe von ihm, wie umsichtig er die Mannschaft führt und allen Spielern ihre Wichtigkeit für den Erfolg aufzeigen kann.

    Es gibt widersprüchliche Aussagen darüber, wann der Trainer den Spielern das erste Mal gesagt haben soll, dass in dieser Saison viel möglich sei für den FCZ.

    Den genauen Zeitpunkt weiss ich nicht mehr, aber es war wirklich sehr früh. Das irritierte mich damals schon ein wenig. Doch der Trainer war in den letzten Jahren nicht dabei gewesen, er hatte keine Steine im Rucksack. Er sagte uns, dass wir etwas Schönes erreichen könnten, wenn wir hart arbeiten und unsere Spielidee stark umsetzen würden.

    Der Ball rollte in dieser Saison oft für den FCZ. Wie sehr spürt man als Spieler, dass man einen Lauf hat?

    Es gab in dieser Saison viele Spiele, die wir in den letzten Jahren vermutlich nicht gewonnen hätten. In den engen Begegnungen setzten wir uns meistens durch, das Momentum kippte auf unsere Seite. Ich denke beispielsweise an die zwei Heimsiege gegen YB. Diese kamen aber nicht aus heiterem Himmel, wir erarbeiteten uns dieses Glück, unser Selbstvertrauen stieg enorm. Manchmal stand ich auf dem Rasen und spürte regelrecht, dass wir in der Schlussphase noch ein Tor erzielen würden.

    Stimmt es eigentlich, dass Sie als Jugendlicher in der Südkurve standen?

    Das kam vor. Ich wuchs in der Region auf, mein Götti nahm mich früh an Spiele in den Letzigrund mit. Den letzten Meistertitel des FC Zürich 2009 erlebte ich in der Südkurve, weil meine besten zwei Freunde glühende FCZ-Fans waren. Ich spielte damals schon beim FC Zürich im Nachwuchs. Für mich war der Gewinn der Meisterschaft ein Ansporn, weil ich sah, was man in diesem Verein erreichen kann.

    Der FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagte 2015, Sie seien das grösste Goalietalent der Schweiz. Es dauerte dann ein paar Jahre, bis Sie durchstarteten. Sie wurden einmal an den FC Wil ausgeliehen, 2016 warf sie ein Kreuzbandriss zurück. Damals sprach sich der heutige Nationaltrainer Murat Yakin im Challenge-League-Verein Schaffhausen gegen Ihre leihweise Verpflichtung aus. Wie haben Sie diese Rückschläge verarbeitet?

    Ich hörte als Kind oft, dass ich irgendwann Stammgoalie beim FC Zürich sein werde. Das war mein Ziel. So wie es mein Ziel war, einmal in der Bundesliga zu spielen. Ich war jedoch nie ein Träumer, selbst wenn ich früh und dann jahrelang für die Schweizer Nachwuchsauswahlen nominiert wurde. Ich verstand Murat Yakin damals, ich war noch nicht fit genug, durfte dann beim FCZ in der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammeln. Für viele Fussballer bricht nach einem Kreuzbandriss die Welt zusammen, aber meine gute Mentalität war immer eine Stärke von mir. Ich verschwende keine Energie mit Dingen, die ich nicht verändern kann, diese Einstellung hilft mir. Mir ist aber auch klar, dass sich das heute locker sagen lässt, weil ich ein gestandener Spieler in meinem Herzensverein bin.

    Und vielleicht klappt es mit einem Engagement in der Bundesliga ja doch noch.

    Das sehe ich total entspannt. Ich werde im Mai 29, habe mir hier etwas aufgebaut, mein Vertrag läuft bis 2023. Ich hätte überhaupt kein Problem damit, mein ganzes Fussballerleben im FC Zürich zu verbringen. Dann hätte ich auch nicht das Gefühl, etwas verpasst oder zu wenig herausgeholt zu haben. Mit seinen Paraden in dieser Saison hat Yanick Brecher Anteil am Höhenflug des FC Zürich.

    Mit seinen Paraden in dieser Saison hat Yanick Brecher Anteil am Höhenflug des FC Zürich.

    Manuel Geisser / Imago

    In einem Zeitungsporträt über Sie vor zehn Jahren hiess es, Sie seien eher introvertiert. Was hat Sie auf Ihrem Weg zur Leaderfigur geprägt?

    Ich bin immer noch ein eher ruhiger Typ. Darüber sprach ich kürzlich auch mit unserer Klubbesitzerin Heliane Canepa. Sie sagte, ich sei grundsätzlich noch der gleiche Mensch wie vor ein paar Jahren, sei aber an meinen Aufgaben gewachsen und hätte mich entwickelt. Es tönt vielleicht kitschig, aber ich war nie ein in Anführungszeichen normaler Fussballer, selbst wenn ich schon im Alter von 17 Jahren den ersten Profivertrag unterschrieb. Die vierjährige Berufslehre als Polymechaniker war wertvoll, weil ich sah, dass es auch eine Welt abseits des Fussballs gibt.

    Bei Ihnen zu Hause stehen also nicht zwei Ferraris in der Garage . . .

    . . . nein, nein . . .

    Kürzlich erfuhren wir im SRF-Dokumentarfilm «Frauen und Geld», dass sich Ihre Frau als Betriebsökonomin, Bloggerin und selbständige Finanzberaterin in Ihrem Haushalt ums Geld kümmert.

    Das hat viele Leute erstaunt, die Reaktionen waren durchwegs positiv. Ich kenne die Klischees über Fussballer und über Spielerfrauen, die nur teure Kleider shoppen sollen. Es war gut, sah man auch einmal ein anderes Rollenbild, meine Frau ist Expertin in finanziellen Angelegenheiten. Mir ist wichtig, dass wir vernünftig leben und unseren beiden Kindern ein Vorbild sind. Fussballer ist man vielleicht von 18 bis 35, das zweite Berufsleben dauert deutlich länger. Darüber mache ich mir längst viele Gedanken.

    In welche Richtung soll es gehen?

    Das finde ich gerade heraus. Ideal wäre ein Wirtschaftsstudium, das sich vereinbaren lässt mit meiner Karriere als Profi. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, später in der Privatwirtschaft zu arbeiten und meine Leaderqualitäten und meine Persönlichkeit in einer Führungsrolle einzubringen.

    Sie erwähnten vorhin Ihre zwei kleinen Kinder. Man hört, es gebe beim FCZ im Team einen regelrechten Baby-Boom. Ist es eigentlich besser, wenn nicht zu viele Junggesellen in einem Team sind?

    Das ist Ansichtssache. Wir haben sicher weniger Spieler, die zwei Tage vor einer Begegnung noch an Partys gehen. Wobei: Der Schlaf mit kleinen Kindern ist auch nicht immer ungestört. (lacht)

    inanzbericht der Swiss Football League

    Keiner hat mehr Geld als die Young Boys

    Der abgelöste Meister macht einen Gewinn von 14,8 Millionen Franken. Der FCZ wird in finanzieller Sicht nicht nur von YB abgehängt.

    Niklas Helbling
    Niklas Helbling
    Publiziert heute um 19:25 Uhr

    Die Champions-League-Abende sorgten in Bern für gefüllte Kassen.


    Die Champions-League-Abende sorgten in Bern für gefüllte Kassen. Foto: Christian Pfander

    Die Young Boys und Lugano spielen in derselben Liga. Und doch liegen finanziell gesehen Welten zwischen ihnen, das zeigen die Finanzzahlen, die die Swiss Football League veröffentlicht hat. YB erwirtschaftete in seinem letzten Geschäftsjahr 75,5, Lugano dagegen 7,3 Millionen Franken. Basel kommt auf 50,2 Mio, der FCZ auf 21,3. Der grosse Vorteil von YB sind seine Einnahmen aus der Champions League von 32,2 Mio. Franken.

    Das Geschäftsjahr 2021 endete für die einen Clubs am 30. Juni, für die anderen am 31. Dezember. Wer eine Lizenz für die Europacup-Wettbewerbe der Saison 2022/23 beantragt, ist reglementarisch verpflichtet, die letzten geprüften Finanzinformation zu veröffentlichen. Das schreibt die Liga. Offensichtlich suchten die Grasshoppers als Aufsteiger nicht um diese Lizenz nach. Darum fehlen von ihnen die Angaben.

    Nach seinen vier Meisterjahren weist YB ein Eigenkapital von 18,2 Mio. aus. Das von Basel dagegen ist auf 2,4 Mio. geschrumpft, während der FC Zürich 160’000 Franken ausweist. Die grössten Ausgaben verursacht bei allen Clubs das Personal. Bei YB und Basel betragen sie rund 37 Mio., beim FCZ 15,4 Mio., während der FC Lugano seinen Angestellten 9,9 Mio. Franken zahlt und damit mehr ausgibt, als er überhaupt aus seinem Betrieb einnimmt.


    Nur dank Ineos und Rolex


    Allein diese Zahlen zeigen, wie weit entfernt der aktuelle Leader der Challenge League finanziell von der Super League ist. Der FC Winterthur kommt auf ein Budget von 6 Mio., die Hälfte davon sind als Lohnkosten veranschlagt. Die 3 Mio. sind dreimal weniger, als nur schon in Lugano oder auch Lausanne bezahlt wird.

    Bei den Einnahmen weist YB 10,6 Mio. aus Sponsoring und Werbung aus. Auf ähnlich viel kommt Lausanne, was allerdings nur an den Zuwendungen von Ineos liegen kann. Servette meldet bei dieser Position gerade einmal 1,7 Mio. Dafür sind es bei den «sonstigen betrieblichen Erträgen» gleich 12,9 Mio., dahinter verstecken sich die Zahlungen der Hans-Wilsdorf-Stiftung, die der verstorbene Gründer von Rolex gegründet hat und das finanzielle Rückgrat der Genfer ist.


    Die Transfers von Basel


    Die zehn Clubs nahmen aus Transfers total 30,8 Mio. ein und gaben dafür 39,5 Mio. aus. Der FCB war mit 13,9 Mio. am spendabelsten, was am grossen Umbruch unter Hauptaktionär David Degen lag. Der FCZ verbuchte Einnahmen von 1,5 und Ausgaben von 3,4 Mio. Franken.

    YB erwirtschaftete in seinem Geschäftsjahr einen Gewinn von 14,8 Mio., der FCB dagegen einen Verlust von 15,8 Mio., macht eine Differenz von 30,6 Mio. Der FCZ kommt auf ein Plus von 56’000 Franken. Das ist nicht viel, aber noch immer viel besser als das Minus von Lugano. Das beträgt 6,3 Mio. Franken.

    We regret to announce the passing of Guy Lafleur at the age of 70 following a battle with lung cancer.

    The Flower played parts of 17 NHL seasons with the Montreal Canadiens, New York Rangers and Quebec Nordiques, recording 560 goals and 793 assists in 1,126 games.

    He won the Stanley Cup with the Habs in 1973, 1976, 1977, 1978 and 1979, the Hart Trophy in 1977 and 1978, the Conn Smythe in 1977, the Art Ross in 1976, 1977 and 1978, the Lester B. Pearson Award in 1976, 1977, and 1978 and was inducted into the Hockey Hall of Fame in 1988.

    Internationally he represented Team Canada 🇨🇦 on three occasions winning the Canada Cup in 1977.

    Play-off-Final: Kann der EV Zug in der Stunde der Not gegen die ZSC Lions den Versuchungen widerstehen?

    Der Meister und Qualifikationssieger Zug steht nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel gegen die ZSC Lions mit dem Rücken zur Wand. Die Protagonisten predigen Geduld. Aber können sie sich auch an diese Maxime halten?

    Nicola Berger (NZZ)


    Demonstrative, stoische Gelassenheit: der EVZ-Trainer Dan Tangnes.

    Demonstrative, stoische Gelassenheit: der EVZ-Trainer Dan Tangnes.

    Samuel Golay / Keystone/TI-Press

    Oscar Wilde ist einmal zu dem Schluss gekommen, der Mensch sei ein Wesen, das immer dann die Ruhe verliere, wenn von ihm verlangt werde, nach den Gesetzen der Vernunft zu handeln. Die Weisheit des irischen Schriftstellers teilen sie im EV Zug, denn dort sind Umsicht und Wissenschaftshörigkeit die obersten Gebote, seit Hans-Peter Strebel 2015 die Präsidentschaft übernommen hat. Der Milliardär Strebel gibt vor, sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, sondern mit kühlem Kopf das Richtige zu tun. Er hat ETH-Wissenschafter eingestellt, welche der Trainingslehre, Ernährung und Regeneration ein wissenschaftliches Fundament zu Grunde legen mit dem Ziel, das Element Zufall zu minimieren.

    Strebels Maxime hat den EVZ weit gebracht, 2021 zum ersten Meistertitel nach 23 Jahren beispielsweise. Aber es ist eine Sache, sich in der Stunde des Erfolgs eine noble Gelassenheit zu bewahren. Die Frage ist, ob es den Zugern auch jetzt gelingt, in dieser Play-off-Finalserie gegen die ZSC Lions, in der sie am Mittwoch im zweiten Vergleich die zweite Niederlage erlitten. Alle Vorteile liegen jetzt auf Zürcher Seite; die Dynamik der Serie hat sich radikal verändert, seit der EVZ am Montag im Schlussdrittel eine 2:0-Führung verspielte.

    Die Worte von Dan Tangnes dienen der Imprägnierung

    Zugs Trainer Dan Tangnes sagt, sein Team stehe vor einer grossen Prüfung, gerade was die mentale Stärke betreffe. Auch er wird mit Sorge konstatiert haben, dass die Nerven zu flattern beginnen, beim sonst oft fehlerfreien Torhüter Leonardo Genoni beispielsweise, der im Hallenstadion einen sehr haltbaren Treffer kassierte. Tangnes bemühte sich deshalb um fast demonstrative, staatsmännische Ruhe, er sagte: «Unser Weg ist nun ein bisschen weiter. Aber wir verfügen über gute Schuhe.» Der Norweger wirkte so, als wolle er das Zuger Schuhwerk mit seinen Worten zusätzlich imprägnieren.

    Der Stürmer Reto Suri sagte derweil, es gebe keinen Grund, die Spielweise zu verändern, denn: «Es ist die ausgeglichene, harte Serie, die wir erwartet haben. Wir erarbeiten uns genügend Chancen und hätten auch gewinnen können. Es sind wahnsinnig kleine Margen, die den Unterschied ausmachen.»

    Der ZSC sät Zweifel in den Köpfen der Zuger

    Das ist fraglos richtig. Wer zwei Mal mit nur einem Tor Unterschied verliert, muss sich keine grundsätzlichen Fragen stellen. Aber der ZSC hat am Mittwoch mit dem achten Sieg in Serie etwas in den Zuger Köpfen platziert, was dort länger keinen Platz mehr gefunden hat: Zweifel. Man kann den schönsten Schlafrhythmus, die beste Ernährung und das am cleversten ausgetüftelte Trainingsprogramm haben: Wenn man im Play-off einmal das Momentum verliert, ist es wahnsinnig schwer, seiner wieder habhaft zu werden.

    Nun ist Eishockey ein physisch intensiver, rasanter Kontaktsport. Das macht den Reiz gross, sich der Brechstange zu bedienen, um das Steuer herumzureissen. Da Emotionen statt kühle Effizienz, hier eine Abkürzung wählen, weil die Geduld abhandenkommt. Es ist ein gefährliches Spiel für den EVZ, körperliche Härte ist keine Stärke dieses Teams, schon gar nicht gegen ein Kollektiv wie den ZSC, bei dem Spieler wie Christian Marti oder Chris Baltisberger kräftig austeilen können. Es wäre ratsam, weiterhin spielerische Lösungen zu suchen, die Nerven nicht zu verlieren. Aber wie sagte schon Oscar Wilde: «Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung.»

    Der Berner Yannick Weber wechselte zu den ZSC Lions, weil er Meister werden wollte. Nun trennen ihn noch zwei Siege vom Titel. Daran hat der 31-Jährige erheblichen Anteil.

    Am Anfang der Saison hat Weber die Leute oft mit Cross Checks weggearbeitet bei denen ich mich fragte wie lange die Schiris wohl zuschauen werden. Jetzt in den PO's spielt er sehr smart, nimmt keine Strafen, nimmt kein Risiko. Macht seinen Job. Weiter so!

    Für Snowcat & Mushu :mrgreen: (Mushu: Ich denke nach wie vor nicht das GC verschwinden wird, das ist reines Wunschdenken!)

    INTERVIEW

    Der GC-Präsident Sky Sun sagt: «Selbst ein Abstieg würde nichts an unseren hohen Ambitionen ändern»

    Sky Sun ist endlich wieder in Zürich. Im Gespräch nimmt der GC-Präsident Stellung zu den zahlreichen Brennpunkten im Verein. Er stellt sich hinter den umstrittenen Sportchef Seyi Olofinjana.

    Fabian Ruch (NZZ)


    Der GC-Präsident Sky Sun sagt: «Es geht immer noch darum, die Strukturen aufzubauen. Als Leader sehe ich das grosse Bild.»

    Der GC-Präsident Sky Sun sagt: «Es geht immer noch darum, die Strukturen aufzubauen. Als Leader sehe ich das grosse Bild.»

    Simon Tanner / NZZ

    Sky Sun, Sie waren bis Anfang April erneut dreieinhalb Monate in Schanghai. Wie einfach ist es, GC von China aus zu führen?

    Es war ja nicht das erste Mal, dass ich für längere Zeit bei meiner Familie weilte. Wir sind bei GC ein eingespieltes Team und hatten täglich Kontakt mit Video-Meetings. Und der Fokus meiner Arbeit liegt auch in China darin, mich um die Grasshoppers zu kümmern. Aber ich bin nun froh, in der entscheidenden Phase der Saison wieder in Zürich zu sein.

    GC ist nach einer guten Vorrunde abgestürzt. Warum?

    Unser Projekt befindet sich immer noch in einer frühen Phase, wir sind jetzt zwei Jahre hier. Es wäre falsch und viel zu emotional, die Situation nach jedem Spiel neu zu beurteilen. Es geht immer noch darum, die Strukturen aufzubauen. Als Leader sehe ich das grosse Bild.

    Dennoch: Sportlich läuft es im Frühling harzig. Flogen die Grasshoppers im ersten Halbjahr der Saison zu hoch?

    Vergessen Sie nicht, dass wir der Aufsteiger sind. In der Vorrunde lief es ziemlich glatt für uns, das stimmt, aber wir haben zuletzt einen Punkt im Derby gegen den FCZ geholt und in Genf gegen Servette gewonnen. Wir erkennen die Fortschritte.

    Sie selber haben die Latte sehr hoch gesetzt mit Ihren Aussagen letztes Jahr in der NZZ, innerhalb von fünf Jahren einen Titel gewinnen und in zehn Jahren zu Europas Spitze gehören zu wollen.

    An dieser Zielsetzung hat sich nichts geändert. Wir können ja nicht herkommen und sagen, dass wir jahrelang gegen den Abstieg kämpfen wollen. Was wäre das für ein Signal? Das ist ein Langzeitprojekt, der Zeitraum von zehn Jahren war bewusst gewählt, unsere Ambitionen sind hoch.

    In der Schweiz sind die Zweifel am GC-Projekt immer noch relativ gross. Es fehlt an Identifikationsfiguren und am lokalen Bezug, manchmal auch an Glaubwürdigkeit, weil man nicht genau weiss, wer wirklich die Entscheidungen trifft. Bekommen Sie diese Kritik mit?

    Klar. Kritik gehört dazu im Fussball, das ist in jedem Klub der Welt so. Ich nehme das als Motivation, damit wir uns verbessern können. Wissen Sie, ich arbeitete jahrelang auch bei den Wolverhampton Wanderers in England, dort sind die Zeitungen nicht eben zimperlich. Und man könnte die Geschichte auch anders deuten: Wir sind sportlich im Fahrplan, stiegen im ersten Jahr auf, wollen nun den Ligaerhalt schaffen. Es geht nur Schritt für Schritt.

    Im Konstrukt des Klubbesitzers Fosun gibt es chinesische Geldgeber, mit Wolverhampton einen englischen Partnerklub, mit Gestifute eine portugiesische Spielerberaterfirma, der GC-Campus liegt in Niederhasli. Die Investorin Jenny Wang hat sich immer noch nie öffentlich zum Engagement geäussert. Verstehen Sie die Skepsis angesichts dieser komplizierten Konstellation?

    Es ist so, dass die Investoren grosse Pläne mit GC haben und über ein breites Netzwerk verfügen. Ich habe die Rechte, Entscheidungen zu treffen, und stehe zudem regelmässig in Kontakt mit Jenny Wang, die unseren Weg verfolgt.

    Man hört, das GC-Defizit in dieser Saison soll rund zehn Millionen Franken betragen. Stört das die Investoren nicht?

    Wir sind in der Aufbauphase und hatten einen Verlust im Budget eingeplant, zumal die Pandemie für zusätzliche wirtschaftliche Schwierigkeiten gesorgt hat. Den genauen Betrag kann ich Ihnen nicht nennen, weil die Saison noch läuft. Aber den Investoren war immer klar gewesen, dass es Zeit und Geld brauchen wird, um weiterzukommen.

    An der Investitionssumme von rund fünfzig Millionen Franken während fünf Jahren hat sich also nichts geändert?

    Wir haben das Budget, um zu reagieren, wenn es die Situation erfordert. Vielleicht wird es am Ende auch mehr sein, wenn wir das Gefühl haben, das sei notwendig.

    Zürich ist eine reiche Stadt mit vielen vermögenden Menschen. Sind Sie manchmal enttäuscht, dass GC von lokalen Unternehmern nicht stärker unterstützt wird?

    Es ist, wie es ist. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was wir verändern können. Die Super League ist attraktiv, es fallen viele Tore, die Spiele sind spannend. Die gesamte Liga muss wachsen, auch international, aber man kann nichts erzwingen. Darum bleiben wir geduldig.

    Es gibt einige Baustellen bei GC. Der Stadionbau etwa verzögert sich weiter, das ist ein Trauerspiel für die Stadt Zürich, zudem sind die Zuschauerzahlen an den Heimspielen bescheiden.

    Es ist tatsächlich sehr schade, geht es bezüglich Stadion nicht schneller vorwärts. Aber wir respektieren die lokalen Begebenheiten und die demokratischen Prozesse, selbst wenn gewisse Dinge zuweilen schwer zu verstehen sind.

    Einige Probleme bei GC wirken hausgemacht, die Transferpolitik ist verwirrend. In der Winterpause kamen Fussballer aus China, Japan, Südkorea, Portugal und Frankreich. Bringen solche Spieler das Projekt wirklich weiter?

    Wir wollen die Qualität im Kader verbessern. Ich bin überzeugt von unseren Transfers, wir haben auch viele junge, entwicklungsfähige Fussballer im Team. Und wir sind bestrebt, weiterhin eigene Nachwuchsspieler hochzuziehen, weil auf unserem Campus ausgezeichnete Arbeit geleistet wird.

    Der Abwehrspieler Toti Gomes wurde nach einer guten Vorrunde mit GC im Januar zu Wolverhampton transferiert, wird dort aber seit zweieinhalb Monaten nicht mehr in der ersten Mannschaft eingesetzt. Wäre er in Zürich nicht nützlicher?

    Auch das kann man anders betrachten. Mich freut es sehr für den Jungen, hat er die Chance erhalten, in einer der besten Ligen der Welt zu sein. Toti Gomes wird seinen Weg in der Premier League gehen. Und wir werden dank der Zusammenarbeit mit Wolverhampton Talente bei GC einsetzen können, die sonst niemals in der Schweiz spielen würden. Es ist unser Weg, und den gehen wir konsequent weiter.

    Der Sportchef Seyi Olofinjana ist in der Öffentlichkeit wenig präsent. Viele verstehen nicht, warum ein Nigerianer, der lange in England arbeitete, Sportchef bei einem Schweizer Verein ist.

    Seyi Olofinjana ist fleissig, schaut sich auch viele Nachwuchsspiele an, lernt Deutsch, hat gute Ideen. Wir leben in einer globalisierten Welt, es darf keine Rolle spielen, ob jemand aus der Schweiz, aus China oder aus Nigeria kommt. Es gibt nicht immer nur Schwarz oder Weiss, selbst wenn das viele Menschen gerne so sehen.

    Seyi Olofinjana soll sich unter anderem mit dem Managing Director Jimmy Berisha nicht besonders gut verstehen und intern nicht ideal kommunizieren.

    Wir haben jeden Tag einen anständigen, professionellen Austausch. Ich spüre keine Schwierigkeiten, was die Harmonie angeht. Und ich ermuntere unsere Mitarbeiter sogar immer wieder, kontrovers zu diskutieren. Am Ende müssen wir als Team Entscheidungen treffen, und alle müssen dahinter stehen.

    Welche Entscheidung trifft Ihr Verein beim jungen Stürmer Kaly Sène, der nach starken Leistungen das Interesse anderer Vereine geweckt hat? GC hat eine Option, Kaly Sène vom FC Basel für etwas mehr als eine Million Franken Ablösesumme zu übernehmen, hat es aber versäumt, den Anschlussvertrag mit Sène bereits auszuhandeln. Seine Lohnvorstellungen haben sich nun deutlich nach oben bewegt. Besteht die Möglichkeit, dass der Spieler im Sommer verkauft wird?

    Tatsache ist, dass Kaly Sène sich bei uns wohl fühlt und wir ihn als Spieler und als Mensch schätzen. Wir stehen in Gesprächen mit dem Spieler und den Beratern und werden eine Lösung finden. Aber selbst wenn er bereits einen neuen Vertrag bei uns hätte, könnten wir mit den Vereinen aus den Topligen nicht mithalten. Und ja, es gehört auch zu unserem Konzept, möglichst hohe Ablösesummen zu generieren.

    Gleichzeitig muss das Team im Sommer verstärkt werden.

    Absolut. Wir sind bereit, weiter zu investieren. Sobald wir Klarheit haben, in welcher Liga wir nächste Saison spielen, werden wir die Kaderplanung vorantreiben. Doch selbst ein GC-Abstieg würde nichts an unseren hohen Ambitionen ändern.

    Der Trainer Giorgio Contini hat sich als Gesicht des Vereins profiliert. Man hörte jedoch vor dem Derby gegen den FCZ Anfang April, dass Contini bei einer weiteren Niederlage womöglich entlassen werde. Wie zufrieden sind Sie mit seiner Arbeit?

    Wenn eine Mannschaft mehrere Spiele nacheinander verliert, wird es für jeden Trainer schwierig. Aber wir haben keine grossen Zweifel an Giorgio Contini. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit ihm den nächsten Schritt gehen können.

    Es heisst, Sie seien ein netter Kerl, der sich nicht gerne von Mitarbeitern trenne. Wie definieren Sie Ihre Rolle als mit 35 Jahren noch ziemlich junger Chef bei GC?

    Ich spüre das Vertrauen der Investoren, bin mit Leidenschaft dabei. In China gibt es ein beliebtes Sprichwort: Wer hart arbeitet, wird irgendwann belohnt. Und GC ist keine One-Man-Show. Auch ich lerne jeden Tag dazu und scheue mich keineswegs, harte Entscheidungen zu treffen. Einen Trainer etwa musste ich schon einmal entlassen. Am Ende werde auch ich an den Ergebnissen gemessen, der Verein gehört nicht mir.

    China hat im Fussball grosse Pläne und Projekte, möchte bis 2050 Weltmeister werden. Allerdings floss jüngst viel Geld wieder ab, es sind kaum noch teure ausländische Fussballer in der chinesischen Liga engagiert, Unternehmen sollen nicht mehr im Ausland investieren dürfen. Wie sehr ist das GC-Projekt durch den veränderten und strengen Kurs der Regierung beeinträchtigt?

    Überhaupt nicht. Leider hat sich unser Nationalteam wieder nicht für die WM qualifiziert. Aber die Investitionen in den Fussball werden sich auszahlen, vielleicht erst mit der nächsten Generation. Fussball ist auch in China sehr populär, aus der Super League werden in jeder Runde drei Begegnungen live gezeigt. Und wenn ein GC-Spiel übertragen wird, sind die Einschaltquoten deutlich höher.

    Ist es für Sie nicht schwierig, wenn die Familie in Schanghai lebt?

    Meine Frau arbeitet dort, unser zweijähriger Sohn kommt bald in den Kindergarten. In Zürich kann ich mich voll auf meinen Job konzentrieren. Und mittlerweile habe ich hier sogar ein chinesisches Restaurant mit einem Koch aus Schanghai gefunden, der mir das Essen wie zu Hause zubereitet. Uns stehen spannende Jahre bevor, ich möchte noch lange hier arbeiten, lerne auch Deutsch, damit ich mich besser verständigen und die Zeitungen lesen kann.

    Gestern wieder Warm Up in der Silberkugel in Oerlikon und dann in die Venus Bar. Pinnwand Treff. :bier:

    Am Spiel waren die ehemaligen Meister eingeladen. Gesehen: Schrepfer, Kout, Stirnimann, Wichser, Zeiter, Blindenbacher, Bühler, etc. pp.

    Gute Sache das mit den Alumni. :applaus: