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    «Es ist nirgendwo schöner, Erfolg zu haben, als hier»: Die ZSC Lions, wie sie siegen und feiern – doch mit dem EV Zug wartet ab Montag die ultimative Prüfung

    Der ZSC zieht souverän in den Play-off-Final ein und entschädigt sich selber für den Ärger der letzten Jahre. Der Verteidiger Christian Marti, einer der wenigen verbliebenen Spieler des Meisterteams von 2018, erklärt den Zürcher Steigerungslauf.

    Nicola Berger (NZZ)


    «Ohne Marti keine Party»: Altes Zürcher Sprichwort, angewandt auf den ZSC-Verteidiger Christian Marti (Mitte).

    «Ohne Marti keine Party»: Altes Zürcher Sprichwort, angewandt auf den ZSC-Verteidiger Christian Marti (Mitte).

    Anthony Anex / Keystone

    Vier Jahre ist es her, dass die ZSC Lions unter dem Trainer Hans Kossmann den neunten Meistertitel feierten. Aus dem damaligen Kader sind nur noch sechs Spieler übriggeblieben, es ist eine Art Mahnmal an die Vergänglichkeit im Profisport. Zu ihnen gehört Christian Marti, ein kräftiger Verteidiger, der mit dem ZSC seit seinem Stellenantritt im Sommer 2016 einiges durchgemacht hat.

    Marti, 29, sagt: «Seit 2018 war es oft ein Geknorze. Auch in dieser Saison. Wir sind zwar Dritter geworden, aber es hat sich irgendwie nicht so angefühlt. Wir hatten so viele Schwankungen.» Und dann fügt er hinzu: «Wir lieferten manchmal Spiele ab, das konnten wir selber kaum glauben. Und dann haben wir in der Garderobe wieder lange geredet. So unglaublich viel geredet. Und jedes Mal dachte ich: ‹Verdammt noch mal, wieso ist das schon wieder nötig, wieso schnallen wir es nicht? Wir haben alles, es kann doch nicht so schwierig sein.›»

    Es hat etwas Beruhigendes, dass es diese Frustration, dieses Unverständnis über rätselhafte Leistungen offenkundig auch intern gab. Wo der Trainer Rikard Grönborg doch oft zu Schönfärberei neigte. Und noch die schmählichste Niederlage mit dieser oder jener Statistik in ein besseres Licht zu rücken versuchte. Es ist ja schön, dass ihr viermal mehr Grosschancen als Ajoie hattet, Mister Grönborg, aber ihr habt halt trotzdem 1:3 verloren.

    Grönborgs Genugtuung

    Grönborg wirkt im dritten Jahr im Hallenstadion, er kam als Weltmeistertrainer Schwedens wie fast jeder ZSC-Coach in den letzten Jahren mit grossen Vorschusslorbeeren nach Zürich. Dies ist jetzt sein grosser Moment, der Durchbruch, auf den alle gewartet haben.

    Nach dem ungefährdeten 6:2-Erfolg im vierten Play-off-Halbfinalspiel am Donnerstag gegen Gottéron, der den ZSC in den Final katapultiert hat, steht Grönborg vor dem Garderobenaufgang und sagt: «Als Trainer ist man nie ganz zufrieden. Aber so macht das schon Spass. Spiel 1 im Viertelfinal gegen Biel war eine Enttäuschung, wir zeigten keine Play-off-Intensität. Aber seither zeigt die Mannschaft grossen Charakter. Wir kämpfen, wir tun alles für den Sieg. Es ist schön, diese Entschlossenheit zu sehen.»

    Grönborg hat recht eisern an seinen Überzeugungen, seinen Spielideen festgehalten. Beinahe wäre er darüber gestolpert – es ist gut möglich, dass der ZSC ihn bei einem Ausscheiden gegen Biel verabschiedet hätte, trotz einem Vertrag bis 2023. Aber der Coach behielt recht, mit zuletzt sechs Siegen in Serie. Marti sagt: «Das ist das Schöne am Eishockey. Nachdem wir Spiel 5 gegen Biel verloren hatten, las ich im ‹Tages-Anzeiger› die Schlagzeile: ‹Der ZSC kapiert es einfach nicht›. Wir machen immer noch alles gleich. Und jetzt stehen wir im Final und sind wieder die Grössten. So ist der Sport.»

    In der Serie gegen Gottéron lief alles für den ZSC, der sich dreimal in der Verlängerung durchsetzte. Es waren enge Partien, Siege, die das Selbstvertrauen des Teams stärkten. Spiel 4 am Donnerstag glich einer Galavorstellung; im erstmals in dieser Saison ausverkauften Hallenstadion konnte sich der ZSC ausgiebig feiern lassen. Und sich sogar erlauben, fürs gute Gefühl vier Minuten vor Schluss den Torhüter auszutauschen.

    Es war die Idee des nach seiner Krankheit genesenen und zwischen die Pfosten zurückgekehrten Nummer-1-Goalies Jakub Kovar, den in den drei Spielen zuvor tadellosen Ludovic Waeber einzuwechseln. Waeber habe die Serie begonnen, er solle sie auch beenden, das war die Argumentation des Tschechen. Es war eine schöne Geste des weit gereisten Routiniers, auch wenn erboste Individuen aus dem Gottéron-Kosmos sie fälschlicherweise als Verhöhnung des Gegners und Affront missverstanden.

    Dem ZSC war das egal, klar, nach vier mehrheitlich durchwachsenen Jahren mit vielen Enttäuschungen. Die vielleicht schmerzhafteste Saison war 2018/19, just nach dem Meistertitel, als der ZSC der Versuchung Arno Del Curto nicht widerstehen konnte. Und auf totale Euphorie der Fall in die Platzierungsrunde folgte. Marti sagt: «Zürich ist kein einfaches Pflaster. Die Erwartungen sind hoch. Und wenn es nicht läuft, kriegst du schnell dein Fett weg. Aber es ist nirgendwo schöner, Erfolg zu haben, als hier. Schau dir an, was los ist. Es ist herrlich.» Dann bricht das Gespräch kurz ab, weil ihm ein Fan um den Hals fällt und «Ohne Marti keine Party!» ins Ohr brüllt.

    Der EVZ als Favorit

    Die Frage ist, ob die launigen Feiern des ZSC in diesem Frühling weitergehen können. Ab Montag misst sich das Team mit dem EV Zug, dem Meister, der mit sagenhaften 8:0-Siegen gegen Lugano und Davos in diesen Final marschiert ist. Der EVZ steigt als Favorit in die Serie, er spielt seit längerem Eishockey nahe der Perfektion. Selbst die Abgänge der besten drei Verteidiger Raphael Diaz (Gottéron), Santeri Alatalo (Lugano) und Tobias Geisser (Hershey/AHL), allesamt Nationalspieler, vom Sommer haben die Zuger Maschinerie nicht aus dem Takt gebracht.

    Der Final kündigt sich spektakulär an, es ist kein Zufall, dass sich Zug und Zürich als erste Teams seit 22 Jahren mit je einem 4:0 im Halbfinal durchgesetzt haben. Die beiden Klubs sind der Konkurrenz einen Schritt voraus, was die Qualität im Kader angeht, und in der Gesamtsumme auch finanziell.

    Bisher hat niemand ein Rezept gegen den EVZ und den absurd starken Goalie und bereits sechsfachen Meister Leonardo Genoni gefunden. Der HCD-Coach Christian Wohlwend erklärte am Donnerstag auf «MySports» fast drei Minuten lang auf einer Taktiktafel seine besonders raffinierten Einfälle, was in der Offensive «gegen Zug gut funktioniert». Dann erzielte sein Team wieder nur ein Tor, in vier Vergleichen brachte der HCD zwei Treffer zustande.

    Vielleicht ist das wirkungsvollste Stilmittel gegen den EVZ aber viel simpler: körperliche Härte. Ein Nationalspieler, dessen Saison bereits zu Ende gegangen ist, sagt: «Zug hat in den Play-offs gegen jene zwei Teams gespielt, die ihnen am besten liegen. Wenn man sie hart anpackt, sind sie zu schlagen.» Ab Montag versucht der ZSC, diesen Nachweis zu erbringen.

    Meine Nerven. War sowas von angespannt. War nicht mal nach dem 4-1 beruhigt.

    War nie nervös, warum auch, wir lagen 3:0 vorne. War ja dann eine klare Sache! Fast schon langweilig! :mrgreen:

    Schön zu sehen das mein Fluch von 1980 (Aufstiegsspiel in Fribourg verloren/Ihr werdet nie Schweizer Meister!) auch nach 42 Jahren noch wirkt! :twisted:

    Natürlich der dümmste Tag heute....alle haben Zeit.....nun ja falls alle Stricke reissen habe ich noch die Supporter in der Hinterhand und sonst halt Vitamin B aktivieren bzw. Beziehungsnetz.

    2018 gegen Lugano konnte ich problemlos Tix kaufen......

    Noch mein Senf zur Serie gegen Fribourg:

    Fribourg hätte eben den ersten Platz in der Tabelle nicht mit zig Niederlagen gegen Ende Saison noch Zug überlassen sollen, dann wären sie jetzt im Final, denn Davos hätten sie besiegt! Und der ZSC und Zug hätten sich im Halbfinale schon getroffen.

    Hätte hätte Fahrradkette.....

    Fribourg war lange auf Augenhöhe aber halt nicht mehr. Berra nicht die Wand die ich eigentlich erwartet habe. Und unser Coach macht sich nichts aus Sprüchen wie "never change a winning team", er macht was er gerade für gut befindet. Bin sicher wir hätten auch mit Waeber im Tor gewonnen und er hätte noch einen Ausländer mehr bringen können aber he, es hat ja auch so funktioniert!

    Zug ist eine andere Nummer, aber ich denke wir werden ihnen auf Augenhöhe begegnen, Details werden entscheidend sein.

    Filipescu spielte wie im Garten, von Bergen verstand fast kein Wort – wie der FCZ 2006 nach langer Zeit wieder Meister wurde

    Vor 16 Jahren feierte der FC Zürich letztmals einen Meistertitel, der ähnlich überraschend war wie der Erfolg, der sich heute ankündet. Wie gut dieses Team gewesen war, zeigte sich erst in den Jahren danach.

    Benjamin Steffen (NZZ)


    Der erste Meistertitel nach 25 Jahren: Spieler und Staff des FC Zürich feiern am 14. Mai 2006 auf dem Balkon des Volkshauses mit einer Vielzahl von Fans.

    Der erste Meistertitel nach 25 Jahren: Spieler und Staff des FC Zürich feiern am 14. Mai 2006 auf dem Balkon des Volkshauses mit einer Vielzahl von Fans.

    Franco Bottini / NZZ

    Als Iulian Filipescu am 13. Mai 2006 dieses legendäre Goal für den FC Zürich erzielt hatte, das 2:1 gegen den FC Basel, in der 93. Minute – da rief der FCZ-Trainer Lucien Favre dem Sportchef Fredy Bickel zu: «Jetzt sind wir Meister.» Und Bickel sagte: «Spinnst du, jetzt kommt noch die Nachspielzeit.» Obschon sie schon fast fertig war. Aber für Bickel fühlte es sich an, als finde dieses Spiel nie ein Ende.

    Als Filipescu dieses Goal erzielte, dachte der FCZ-Captain Marc Schneider, die Welt stehe still. Im FCB-Stadion so etwas wie totale Ruhe, und in sich drin das Gefühl: «Doch noch geschafft – kann gar nicht wahr sein.»

    Für den einen stand die Zeit still. Für den anderen die Welt.

    Als Filipescu dieses Goal erzielte, fand sein Abwehrkollege Steve von Bergen, das Stadion sei plötzlich stumm. Er hatte Hühnerhaut, die FCZ-Spieler schrien vor Freude, aber ihm ist heute, als seien die Schreie im Nirgendwo verhallt.

    Als Filipescu dieses Goal erzielte, dachte er . . . nun ja. «So viele Leute und so viele Spieler sagen, dass sich solche Gefühle nicht beschreiben lassen. Aus diesem Grund ist Fussball ein derart erfolgreicher Sport – weil solche Dinge passieren.» So erzählt er es heute. Gelassen halt. Unbeschreiblich.

    Es dauert drei Minuten, bis Filipescu zurückschreibt auf die Anfrage, ob er Zeit habe, über den Meistertitel mit dem FCZ 2006 zu reden. Als sehe er es als seine Pflicht. Filipescu weiss, dass er mitgeholfen hat, einen Mythos zu begründen, vielleicht ist es sogar sein Mythos. Ausgerechnet Filipescu schoss das entscheidende Tor, dieser unbeschreibliche Verteidiger, cool, hart, zäh.

    Wer weiss schon, warum ausgerechnet Filipescu damals im gegnerischen Strafraum stand. Die Entscheidung im Basler St.-Jakob-Park: Iulian Filipescu (weisses Trikot, links) schiesst am 13. Mai 2006 das 2:1 und den FC Zürich zum Meistertitel. Pascal Zuberbühler, der Goalie des FC Basel, ist geschlagen.

    Die Entscheidung im Basler St.-Jakob-Park: Iulian Filipescu (weisses Trikot, links) schiesst am 13. Mai 2006 das 2:1 und den FC Zürich zum Meistertitel. Pascal Zuberbühler, der Goalie des FC Basel, ist geschlagen.

    Patrick B. Kraemer / Keystone

    Raffael vergisst bis heute nicht, wie nervös er war

    Jedenfalls sicherte Filipescu dem FCZ den ersten Meistertitel seit 25 Jahren, gegen den Dominator FCB. Der Titel kam in letzter Minute, aber er gleicht der Meisterschaft, die sich dieser Tage ankündet: Niemand rechnete vor der Saison mit dem FCZ, 2005 nicht und 2021 nicht. Und worin der damalige Sportchef Bickel eine Gemeinsamkeit sieht: im Zusammenhalt des Teams, im Willen, in der Harmonie. Er sei in letzter Zeit hin und wieder im Stadion gewesen, sagt Bickel, «man spürt es bis auf die Tribüne».

    Nicht alle waren beste Freunde im Meisterteam 2006, Filipescu war geschätzt, aber irgendwie auch gefürchtet. Doch spätestens wenn’s drauf ankam, hielten sie zusammen. Und einige taten es schon vorher.

    Auch Schneider verweist auf den Teamgeist: «Wir waren viele im ähnlichen Alter, die noch keinen Meistertitel gewonnen hatten.» Etwa die Ur-FCZler Alain Nef und Florian Stahel oder die Romands Xavier Margairaz und Steve von Bergen. Sie verbrachten viel Zeit miteinander – und der Neuenburger von Bergen lernte Schweizerdeutsch.

    Der Sportchef Bickel hatte von Bergen in einen Deutschkurs geschickt, aber nach zwei Besuchen sagte von Bergen: «Das bringt mir nicht viel.» Bickel sagte: «Aber du gehst» – und von Bergen entgegnete: «Ich muss nicht Sätze lernen wie: ‹Ich heisse Steve.›» Von Bergen sagte, er ziehe lieber mit den Deutschschweizern umher, da lerne er mehr. Es kam vor, dass er und Margairaz während eines Abendessens fast kein Wort verstanden; wenn die anderen lachten, grölten sie einfach mit. Schneider habe mit ihm manchmal so geduldig und langsam geredet, als spräche er mit einem Kleinkind. Und als Stahel einmal sagte: «Gömmer ga poschte», da meinte von Bergen, sie gingen gemeinsam zur Post. Aber sie lachten – und wuchsen zusammen.

    Auch mit Filipescu. Der Rumäne hatte 1996 und 2000 an der EM teilgenommen, 1998 an der WM. Er war eine Figur, Raffael sagt heute, er habe Filipescu aus dem Fernsehen gekannt. Raffael war der beste FCZ-Stürmer damals, jung wie viele andere, geboren 1985 in Brasilien, eigentlich als Rafael, Rafael Caetano de Araujo. 2003 wechselte er zum FC Chiasso, und da beflockte jemand Rafaels Trikots mit dem Namen «Raffael», mit Doppel-F, und Rafael dachte: «Ist eigentlich auch noch schön.»

    Dabei blieb es, als Raffael kam Rafael weit in der Fussballwelt, er spielte elf Jahre in der Bundesliga, bei Hertha Berlin, Schalke und Mönchengladbach. Er hat viele grosse Spiele absolviert, aber er weiss bis heute, wie nervös er in den Tagen vor dem 13. Mai 2006 war; wie es sich anfühlte zu wissen: «Ich kann Meister werden.» Er schlief schlecht, er telefonierte viel mit dem Vater und dem Bruder. «Sie sagten mir einfach: Versuch, ruhig zu bleiben.»

    Big in Mönchengladbach: in Brasilien aufgebrochen, in Chiasso und Zürich aufgestiegen, in der Bundesliga gross geworden.

    Youtube.com

    Heute wohnt Raffael in einem Ort in der Nähe von Mönchengladbach, er pausiert, bis Ende 2021 spielte er noch in der höchsten slowakischen Liga, in einem Klub, der Loïc Favre gehört, dem Sohn des FCZ-Meistertrainers von 2006. Verbundenheit bis heute. Raffael hat vier Kinder, die Familie brauche ihn, sagt er; ob er so richtig zurücktritt, entscheidet er im Sommer. «Grüssen Sie Iulian», sagt Raffael.

    Er führt ein Leben, wie es Iulian Filipescu schon länger pflegt. Filipescu lebt in Oviedo und hat drei Kinder, 22, 18 und 15 Jahre alt, an diesem Mittwoch im April hat er gerade wieder Schul-Chauffeur gespielt. «Ich geniesse das Glück, Zeit zu haben und meine Kinder aufwachsen zu sehen», sagt Filipescu. Er erkundigt sich nach Raffael, nach Alain Nef, nach Davide Taini, dem damaligen Ersatzgoalie. Gestatten, Künstler Raffael! Oder Rafael? Rafael Caetano de Araujo, der Stürmer, der später lange in der Bundesliga spielte – und noch heute weiss, wie nervös er in den Tagen vor dem 13. Mai 2006 war.

    Gestatten, Künstler Raffael! Oder Rafael? Rafael Caetano de Araujo, der Stürmer, der später lange in der Bundesliga spielte – und noch heute weiss, wie nervös er in den Tagen vor dem 13. Mai 2006 war.

    Ulmer / Imago

    Auf die Frage, ob er sich damals bewusst gewesen sei, welch wichtige Rolle er habe, mit all dieser Erfahrung und diesen Erfolgen, vier Meistertitel in Rumänien, zwei in der Türkei – da sagt Filipescu: «I don’t think it’s about thinking. It’s just about doing what you do.» Schliesslich habe er in anderen Ligen gespielt, auf höherem Niveau – «ehrlich gesagt: Für mich war es nicht so schwierig, in der Schweiz zu spielen. Es gab zwei, drei wichtige Spiele auf höherem Level – aber die anderen: nicht so.»

    Filipescu sagt, er habe einfach gespielt, doing what you do, und den anderen zu helfen versucht, etwa dem Abwehrkollegen von Bergen, mit dem er auf dem Feld eine gute Beziehung gehabt habe, «er war jung, er lernte viel, denke ich». Was? «Kommunikation, Position, etwa: nicht auf den Ball zu schauen», er lacht, «sondern: sich zu überlegen, was die nächste Bewegung ist».

    Vermutlich war Filipescu deshalb im FCB-Strafraum in der 93. Minute: weil er sich überlegt hatte, was die nächste Bewegung ist.

    Assan Ceesay erinnert an Alhassane Keita

    Auch Steve von Bergen wusste, dass Filipescu eine Figur war. «Er war streng mit mir, und ich wollte unbedingt zeigen, dass ich mache, was er sagt – ich wollte auf seiner Höhe sein.» Filipescu und von Bergen unterhielten sich auf Englisch, und wenn Filipescu mit ihm Rumänisch redete, wusste von Bergen, dass er etwas gar nicht gut gemacht hatte. Von Bergen erzählt: «Er sagte mir immer: ‹Ich gehe in den Zweikampf – und wenn ich den Zweikampf verliere, bist du hinter mir. Du machst, was du willst. Aber der Platz zwischen dem Goalie und mir ist deine Arbeit. Du bist schnell, du bist jung, du musst laufen, Junge.›»

    Filipescu sagte von Bergen, was er besser machen müsse, immer wieder. Am Tag nach einem Spiel fragte er: «Hast du das Gegentor gesehen?» Von Bergen: «Eh, ja.» Filipescu: «Und, was denkst du?» Während eines solchen Austauschs habe Filipescu selten gelacht, er habe wirklich zeigen wollen, dass er unzufrieden war – aber wenn sie sich ausgesprochen hatten, lachte er, «kein Problem, ein guter Mensch. Auf dem Platz war er hart, daneben anständig.»

    «Auf dem Platz war er hart, daneben anständig» – wie im Mai 2016, als Iulian Filipescu, in der Abstiegssaison und zehn Jahre nach dem Meistertitel, den Letzigrund besuchte.

    Youtube.com

    Von Bergen versteht, dass Filipescu sagt, es sei nicht so schwierig gewesen, in der Schweiz zu spielen – «manchmal kam es mir vor, er spiele mit ein paar Kollegen im Garten. Und als ich es einmal ähnlich versuchte, mit einem Dribbling oder so, fuhr er mich an und sagte: ‹You cannot do that. I do that – you run.›» Und von Bergen sagt noch: «Wissen Sie: Er war ein grossartiger Spieler.»

    Als drohe es vergessenzugehen im Kult um dieses Filipescu-Tor.

    Es brauchte diesen «grossartigen», routinierten Spieler, weil es viele andere mit weniger Erfahrung gab. Nicht nur Rafael/Raffael war aus der Challenge League verpflichtet worden, auch Alexandre Alphonse, vom FC La Chaux-de-Fonds. Margairaz und von Bergen waren als Youngsters von Xamax gekommen. Oder Gökhan Inler: Er hatte vor dem Wechsel zum FCZ auf der Ersatzbank des FC Aarau gesessen.

    Oder Alhassane Keita. «Verkauf ihn», habe es geheissen, als er als Sportchef zu arbeiten begann, sagt Fredy Bickel heute – Keita treffe keinen Lastwagen. Und vielleicht hätte ihn Bickel auch verkauft, wenn er einen Abnehmer gefunden hätte. Fand er nicht. Keita blieb, am 13. Mai 2006 schoss er das 1:0, die Saison beendete er als Torschützenkönig. Bickel sagt, Keita erinnere ihn manchmal an Assan Ceesay, der bis vor dieser Saison für den FCZ seit 2018 nur sechs Meisterschaftstore geschossen hatte, also keinen Lastwagen traf – und der in dieser sagenumwobenen FCZ-Spielzeit schon 14 Goals verbucht.

    Noch so eine Parallele zwischen damals und heute. Solche Geschichten braucht es für einen überraschenden Meistertitel. Zwei Romands in Zürich: Steve von Bergen (Nummer 4) und Xavier Margairaz (5). Daneben und dahinter von links nach rechts: der Trainer Lucien Favre, Alhassane Keita, Raffael, César und Iulian Filipescu.

    Zwei Romands in Zürich: Steve von Bergen (Nummer 4) und Xavier Margairaz (5). Daneben und dahinter von links nach rechts: der Trainer Lucien Favre, Alhassane Keita, Raffael, César und Iulian Filipescu.

    Imago

    Von Bergen erklärt Favre

    Nicht nur Raffael spielte danach lange Zeit im Ausland, von Bergen ebenso, Blerim Dzemaili sowieso, der spätere Nationalteam-Captain Gökhan Inler ist noch heute in der Türkei, Margairaz ging nach Spanien, und es gab César, der im FCZ so etwas wie der Papa gewesen war für den jungen Raffael – auch ihn holte Favre einst noch für ein halbes Jahr zu Hertha Berlin.

    «Wenn Lucien in einem Spieler etwas sah, brachte er ihn weiter, als es fast jedem anderen Trainer möglich gewesen wäre», sagt der Sportchef Bickel. Favre wusste zwar lange nicht, in wem er was sehen sollte; es heisst, er habe noch in allerletzte Verhandlungsrunden angerufen und gesagt, man möge diesen Spieler lieber doch nicht verpflichten, so auch im Fall von Bergens. Als von Bergen darauf angesprochen wird, sagt er, Favre habe doch bloss gezögert, weil er alles wissen wollte über einen Spieler, «sportlich und menschlich – er wollte Gewissheit haben, dass der Spieler wirklich etwas bringt».

    Als es um die Verpflichtung von Raffael ging, erwog der FCZ auch den Transfer eines anderen Brasilianers, von Gaspar. Bickel tendierte zu Gaspar, Favre aber fand, Raffael bringe er weiter. Und er brachte ihn so weit, dass sie später lange gemeinsam in Deutschland arbeiteten.

    Favre und Bickel kannten die Stärken des anderen. Favre war der Tüftler auf dem Feld; was Filipescu an von Bergen bemängelte, versuchte auch Favre zu korrigieren, you run, nicht auf den Ball schauen. Aber die Ansprachen vor dem Team, Einzelgespräche oder Zielvereinbarungen überliess Favre gerne Bickel.

    In die Rückrunde 2006 starteten die Zürcher mit acht Punkten Rückstand auf den FCB, aber sie sagten sich: Wenn ihnen die Basler eine Chance böten, wollten sie sie packen. Sie malten ein Plakat, und wenn Bickel davon erzählt, erfasst ihn Wehmut, weil er das Plakat nicht mehr hat. Eine Basler Fahne oder ein Basler Spieler sei darauf zu sehen gewesen, zudem ein Mutmacher-Slogan, Bickel kennt ihn nicht mehr genau. Egal – das Plakat begleitete den FCZ durch die Rückrunde, es kam an jedes Spiel mit, ausserhalb des Klubs bekam es niemand zu sehen, und der FCZ verlor kein Spiel.

    Marc Schneider ist heute selber Trainer, er arbeitete im FC Thun und zuletzt in Belgien, er sagt: «Als Trainer habe ich mich schon oft gefragt: Wie kamen wir damals mit dem FCZ in diesen Flow? Du kannst nicht einen Knopf drücken, und es funktioniert – wir spielten einfach, wir siegten und siegten und merkten, wie wir dem FCB immer näher kamen.»

    Bis die Zeit stillstand und sogar die Welt.

    Für andere brach sie zusammen, die Basler Fans provozierten nach der Niederlage schlimme Ausschreitungen, die den FCB vor jahrelange Identitätsfragen stellten.

    Beim FCZ war es so: Die Identität dieser Mannschaft zeigte sich erst später, mit all den Wegen, die die Spieler gingen. Der FCZ gewann auch noch 2007 und 2009 den Meistertitel und seither nie mehr – aber diese Mannschaft von 2006 war besonders wie keine sonst. Weil sich erst in den Jahren danach zeigte, wie gut sie eigentlich gewesen war. 2007 folgte der nächste Titel: wieder mit dem Trainer Lucien Favre, mit Blerim Dzemaili (Hand am Pokal), der auch heute wieder im Team ist, und mit dem späteren Nationalmannschafts-Captain Gökhan Inler.

    2007 folgte der nächste Titel: wieder mit dem Trainer Lucien Favre, mit Blerim Dzemaili (Hand am Pokal), der auch heute wieder im Team ist, und mit dem späteren Nationalmannschafts-Captain Gökhan Inler.

    Ansage der ZSC Lions

    Fertig Achterbahn – der Meisterexpress ist angerollt

    6 Siege in Serie, 4:0-Erfolg im Halbfinal gegen Fribourg – die ZSC Lions haben sich von ihrem Auf und Ab verabschiedet. Nun fordern sie Titelverteidiger Zug.

    Marco Keller
    Marco Keller
    Publiziert heute um 11:35 Uhr

    Klare Sache, grosser Jubel: Reto Schäppi und Kollegen feiern den 6:2-Sieg im vierten Halbfinal gegen Fribourg-Gottéron und den Finaleinzug.


    Klare Sache, grosser Jubel: Reto Schäppi und Kollegen feiern den 6:2-Sieg im vierten Halbfinal gegen Fribourg-Gottéron und den Finaleinzug. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Das ganze Stadion mit Ausnahme der Freiburger Supporter und Spieler ist in Feierlaune, als sich die beiden Teams zur Ehrung der besten Akteure und dem anschliessenden Shakehands aufstellen. Auch Patrick Geering freut sich über den 6:2-Erfolg, der das schnellstmögliche Ende der Halbfinal-Serie bedeutet. In den grossen Jubel mag er aber nicht einstimmen. Noch vor der Verkündung der Namen hat der ZSC-Captain an der blauen Linie eine Botschaft an seine Teamkollegen: «Ich habe ihnen gesagt, dass es nur ein weiterer Schritt ist in die Richtung, in die wir gehen wollen.» Auch Teamkollege Simon Bodenmann sieht schon wieder das grosse Bild: «Es war ein geiler Abend und er machte Lust auf mehr.»


    Die Serie gegen Fribourg-Gotéron war allerdings ein beeindruckender Schritt. Mit 4:0-Siegen schickten die Zürcher den Qualifikations-Zweiten in die Ferien, und auch wenn das Verdikt vielleicht etwas zu hoch ausgefallen ist, weil die drei ersten Siege via Verlängerung eingespielt wurden, so setzte sich doch zweifelsfrei die richtige Mannschaft durch. «So einseitig wie es aussieht, war es nicht, aber wir waren in der Overtime dreimal das bessere Team», fasst Bodenmann zusammen. Inklusive der beiden letzten Spiele im Viertelfinal gegen Biel sind die Lions nun schon sechs Spiele ungeschlagen.

    Am Donnerstag war für einmal bei den Supportern ab dem zweiten Drittel kein Nägelkauen mehr angesagt. Von Marcus Krügers 2:1 bis zu Bodenmanns 5:1 dauerte es knapp 14 Minuten, und in dieser Zeit verlor Gottéron auch noch Topskorer und Perpetuum mobile Chris DiDomenico mit einem Restausschluss nach einer gefährlichen Charge mit dem Knie gegen Geering. Obwohl erst vier Sekunden nach Ablauf der Strafe das 3:1 fiel, sei dies eine entscheidende Phase gewesen, denkt Geering: «Ihnen hat es die Luft genommen, uns mehr Schwung gegeben.»Heisssporn «DiDo», der künftig für den SCB stürmt, entschuldigte sich übrigens postwendend bei Geering für die Aktion und kehrte später zum Shakehands aufs Eis zurück. Der Startschuss zur Gala: ZSC-Vorkämpfer Chris Baltisberger bejubelt sein 1:0, die Freiburger Olympia-Teilnehmer Reto Berra und Raphael Diaz sind bedient. 


    Der Startschuss zur Gala: ZSC-Vorkämpfer Chris Baltisberger bejubelt sein 1:0, die Freiburger Olympia-Teilnehmer Reto Berra und Raphael Diaz sind bedient. KEYSTONE


    Keine Lust mehr auf die Achterbahn


    Seit dem 0:2-Rückstand im Viertelfinal gegen Biel haben die Lions praktisch mit jeder Partie noch mehr Schwung getankt - acht von neun Spielen gestalteten sie seither siegreich. Kein Vergleich mehr zur permanenten Achterbahnfahrt, auf welche sie ihren Anhang in den letzten Jahren fast immer mitgenommen hatten. «Wir wissen nun, dass bei uns jede Linie den Unterschied machen kann», sagt Geering, «alle können etwas zum Erfolg beitragen. Gerade im Playoff ist es enorm schwierig, wenn man nur auf eine oder zwei Linien setzt.»

    Allzu oft war bei den Lions der Erfolg von der offensiven Tagesform der Paradeformation mit Sven Andrighetto, Denis Malgin und Denis Hollenstein abhängig. Dass die Mannschaft im April 2022 nur mehr wenig zu tun hat mit derjenigen vor einem Monat beweist ein Blick aufs Matchblatt vom Donnerstag. 18 Skorerpunkte totalisierten die Spieler von Rikard Grönborg bei den insgesamt sechs Treffern - davon entfallen auf das Trio grande: null. Dafür liessen sich Defensivcenter Krüger, Bodenmann und Ergänzungsspieler Marc Aeschlimann je zwei Tore notieren. «Es ist sehr wichtig, dass alle Linien Tore erzielen können», sagt Bodenmann, «das gibt dem ganzen Team viel Selbstvertrauen.»

    EVZ-Trainer Dan Tangnes und sein Staff werden diesen Umstand auf der Heimfahrt aus Davos ebenfalls registriert haben. Die Zuger, die normalerweise mit grösserer Ausgeglichenheit punkten als ihre Widersacher, wissen jetzt, dass mittlerweile auch in Oerlikon die Verantwortung gleichmässig verteilt wird. Und dass ihnen ab Montag ein Team gegenübersteht, das diesen Namen ebenfalls hundertprozentig verdient. «Wir sind eine coole Truppe, jeder geht wirklich für den anderen», sagt Geering.


    Kovar vs Kovar, Malgin vs Hofmann, Grönborg vs Tangnes


    Und gemeinsam wollen die Zürcher nun auf dem richtigen Weg bleiben, und den letzten und grössten Schritt gehen. Den Titel gegen den EV Zug zu holen, der nunmehr saisonübegreifend in zwölf Playoff-Partien ungeschlagen ist - es ist die aktuell grösste Herausforderung im Schweizer Eishockey. «Zug ist sehr abgeklärt und spielt mit breiter Brust», sagt Geering, «aber wir haben für unsere acht Siege im Playoff sehr hart gearbeitet. Wir versuchen, sie so gut wie möglich herauszufordern. Wir können auch ein Wörtchen um den Titel mitreden und sind bereit dafür.» Sie jubeln so intensiv wie sie spielen: Die ZSC Lions feiern den Finaleinzug.


    Sie jubeln so intensiv wie sie spielen: Die ZSC Lions feiern den Finaleinzug. Foto: Ennio Leanza (Keystone).

    Zürich gegen Zug ist gegenwärtig nicht nur der Traumfinal für das Schweizer Eishockey schlechthin, es ist auch ein Vergleich mit vielen kleinen Vergleichen in sich. Das Bruderduell zwischen Goalie Jakub und Stürmer Jan Kovar etwa oder das Aufeinandertreffen der offensiven Tänzer Denis Malgin und Grégory Hofmann. Es stellt sich auch die Frage, wer von den Olympiareisenden die Enttäuschungen aus Peking besser verdaut hat. Die sechs Zürcher oder die sieben Zuger? Und welcher der beiden so unterschiedlichen skandinavischen Coaches Rikard Grönborg oder Dan Tangnes schafft es, noch ein paar Prozent mehr aus seinem hochkarätigen Kader herauszukitzeln?

    Auf Stufe Final gab es das Duell der beiden «Z» noch nie – was primär den Zugern zuzuschreiben ist, die erst in den letzten Jahren auf höchster Stufe kompetitiv wurden. Im bislang letzten Playoff-Duell setzten sich die Lions 2018 4:1 durch. Es war der Viertelfinal und der Beginn eines Steigerungslaufs, der im siebten Final in Lugano in den Gewinn des neunten und bisher letzten Meistertitels mündete. Patrick Geering war einer von sechs Zürchern, die damals schon im Team waren. Er kann sich nicht mehr an die Serie gegen den EVZ erinnern: «Ich weiss nur noch, dass es eng war. Im Playoff ist es wichtig, dass man ein kurzes Gedächtnis hat.»

    Die ZSC Lions haben den ihrigen im Hallenstadion weiter hinausschieben können. In ihrem letzten Playoff in der Mehrzweckarena erzwangen sie also nochmals einen Final: ihren zehnten. Und so stark der EV Zug erscheint, aus der Geschichte dürfen die Zürcher Hoffnung schöpfen: Sie gewannen all ihre sechs Finals gegen Teams, die nicht HC Davos hiessen. Die anderen drei verloren sie.

    Ein Blick in die Geschichtsbücher kann dem ZSC zusätzlichen Mut machen: Es war das erste Mal seit 22 Jahren, dass beide Halbfinalserien 4:0 endeten. Ans Jahr 2000 haben die Zürcher beste Erinnerungen: Im Final setzten sie sich mit 4:2 gegen Lugano durch, es war der erste Titel nach der Fusion.

    Die Geburt eines Teams

    Diese ZSC Lions können Meister werden

    Im Playoff sind die Zürcher zusammengewachsen, gemeinsam haben sie schwierige Momente überstanden. Nun ist ihnen im Final gegen den EV Zug alles zuzutrauen.

    Simon Graf
    MEINUNGSimon Graf
    Publiziert: 14.04.2022, 23:47

    Yeeeeees! Denis Hollenstein (vorne) schreit seine Freude über den Finaleinzug heraus.


    Yeeeeees! Denis Hollenstein (vorne) schreit seine Freude über den Finaleinzug heraus. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Es war Anfang Oktober, die ZSC Lions waren mässig in die Saison gestartet, als Coach Rikard Grönborg sagte, seine Spieler müssten sich als Gruppe zuerst noch finden. «Wenn das einmal klappt, werden wir nur noch schwer zu schlagen sein.»

    Sie haben sich ein bisschen Zeit gelassen, doch im Verlaufe des Playoff haben sich die Zürcher tatsächlich gefunden. Jeder arbeitet für den anderen, keiner schüttelt mehr den Kopf, wenn etwas nicht klappt, man bügelt den Fehler des Kollegen aus und sucht gemeinsam Lösungen. Keiner ist sich zu schade, die sogenannt kleinen Dinge zu erledigen. Einen Schuss zu blocken, auch wenn es weh tut. Den Puck an der Bande auszugraben oder aus dem eigenen Drittel zu bringen unter Druck. Und Grönborg versteht es immer besser, die Eiszeit und die Verantwortung zu verteilen.



    Sechs Siege in Serie


    In der Tat sind die ZSC Lions inzwischen nur noch schwer zu schlagen. Seit sie im Viertelfinal gegen den EHC Biel mit zwei Niederlagen gestartet sind, haben sie acht von neun Playoff-Spielen gewonnen. Davon die letzten sechs in Serie. Mit dem 4:0 über Fribourg zogen sie erstmals seit 2018 in den Final ein. Wir haben in den letzten zwei Wochen die Geburt eines Teams erlebt. Eines Meisterteams? Die Antwort auf diese Frage steht noch aus. Am Ostermontag beginnt der Final gegen den amtierenden Meister EV Zug.

    Es ist nicht das erste Mal, dass die ZSC Lions im Playoff zusammenwachsen. 2008 wurden sie von Rang 6 aus Meister, 2012 und zuletzt 2018 von Rang 7. Was diesmal anders ist: Noch nie waren die Erwartungen so hoch gewesen wie vor dieser Saison. «Jetzt gibt es keine Ausreden mehr!», titelte diese Zeitung, nachdem die Zürcher kurz vor Saisonstart auch noch Denis Malgin engagiert hatten.

    Doch lange lebten die Zürcher in dieser Saison primär von ihrer individuellen Klasse. Diese trug sie, trotz durchzogenen Leistungen, denn auch auf Rang 3 in der Regular Season. Was fehlte, war die Konstanz, die klare Linie im Spiel. Einmal brillant, dann wieder stümperhaft. Man wusste nie, was von den ZSC Lions zu erwarten war. Und so gewinnt man keine Playoff-Serien, bei aller spielerischen Qualität. Ein rauschender Abend im Hallenstadion: 11’200 feierten die Zürcher.


    Ein rauschender Abend im Hallenstadion: 11’200 feierten die Zürcher. Foto: Claudio Thomas (Freshfocus)

    Gerade rechtzeitig rissen sie das Steuer im Viertelfinal gegen den EHC Biel noch herum. Zweimal drohte ihnen das Saisonende. Im Halbfinal gegen Fribourg spielten sie nun das, was sie zu ihren besten Zeiten als ZSC-Hockey rühmten: temporeich und leidenschaftlich, als Team, mit vier Linien, die eine nach der anderen anrollt, Welle für Welle. Und obschon sie die ersten drei Spiele alle erst in Overtime entschieden, waren sie keine Zufallssieger. Sie waren im Finish jeweils frischer, in den Beinen wie im Kopf.

    In den Final gegen den EV Zug steigen die Zürcher als Aussenseiter. Der EVZ ist eine Maschine, hat saisonübergreifend seine letzten zwölf Playoff-Spiele gewonnen. Doch was, wenn die Zuger nun ausgerechnet im Final vom Weg abkommen? Wie stecken sie das weg? Man darf sich auf eine temporeiche, spektakuläre Serie freuen. Und jetzt, da die ZSC Lions (wieder) erblickt haben, worum es im Playoff geht, ist ihnen alles zuzutrauen.