Beiträge von Larry

    «Liebe ZSC-Familie»: Der Lions-Goalie Lukas Flüeler kündigt seinen Rücktritt an – eine unerwartete Nachricht, aber ein stimmiger Entscheid

    Der 33-Jährige spielt seit 2007 im Hallenstadion, er hätte gut noch ein paar Jahre weitermachen können. Dass er die Schlittschuhe trotzdem an den Nagel hängt, ist die Folge eines Denkprozesses, an dessen Ende eine Lösung steht, die bestens zu Flüelers rationalem Wesen passt – und mit der auch die ZSC Lions leben können.

    Ulrich Pickel


    Wechselt Ende Saison zum ZSC-Sponsor Swiss Life: Lukas Flüeler, die langjährige Nummer 1 im Zürcher Tor.

    Wechselt Ende Saison zum ZSC-Sponsor Swiss Life: Lukas Flüeler, die langjährige Nummer 1 im Zürcher Tor.

    Christian Beutler / Keystone

    Die Nachricht kam unerwartet. Und in besonderer Form. Am Samstagmorgen wurde auf der Website der ZSC Lions eine von Lukas Flüeler geschriebene Mitteilung mit der Anschrift «Liebe ZSC-Familie» veröffentlicht.

    In diesem Schreiben gibt Flüeler den Rücktritt per Ende Saison bekannt. Mit 33 Jahren. Das ist etwas früh, als Goalie befindet sich der Zürcher im besten Alter, er könnte sicher noch fünf gute Jahre vor sich haben. Oder mehr. Sein Vorgänger, die finnische Legende Ari Sulander, befand sich mit 40 Jahren im Zenit seines Könnens. Auch Flüelers Leistungen in dieser Saison sind tadellos, jüngst bei den Siegen gegen Langnau und in Lugano war er der gewohnt sichere Rückhalt.

    Was wären die Alternativen gewesen?

    Flüeler aber teilt mit, dass er «zugunsten einer neuen Herausforderung» die Karriere beenden werde. Er ist einer der populärsten ZSC-Spieler, «Luki» gehört seit 2007 zum Inventar. Vier Mal wurde er Meister, 2008 noch als Lehrling hinter Sulander, 2012, 2014 und 2018 als Nummer 1. 2016 gewann er den Schweizer Cup. Und jetzt hat er genug. Wirft hier einer zur Unzeit das Handtuch?

    Ganz so einfach ist es nicht. Flüeler ist bekannt als einer der intelligenteren Spieler der National League. Wenn er nachdenkt, kommt etwas dabei heraus. Sein Rücktrittsentscheid muss vor diesem Hintergrund gesehen werden. Und so ergibt er Sinn.

    Flüeler spielt erstmals eine Saison, an deren Ende sein Vertrag auslaufen wird. Früher wurden seine Kontrakte immer vorzeitig verlängert. Flüeler spürte: Das jahrelang wie selbstverständlich vorhandene Vertrauen in ihn war angekratzt.

    Dabei lohnt sich ein Blick auf die vergangene Saison: Der erfolgsverwöhnte Flüeler wurde damals vom aus Freiburg gekommenen und acht Jahre jüngeren Ludovic Waeber verdrängt, was die Goalie-Hierarchie auf den Kopf stellte. Nur 16 Spiele begannen die Lions mit Flüeler, nur 5 Siege standen Ende Saison auf seinem Konto. Im Cup-Final gegen Bern war er Ersatz, in den Play-offs ebenso. Also begann Flüeler nachzudenken.

    Was wären seine Alternativen gewesen? Er hätte sich für einen neuen Vertrag aufdrängen können. Mit Waeber haben die Lions bereits im September bis 2025 verlängert – das war ein klares Zeichen, wo die Prioritäten des Klubs liegen. Flüeler hätte kaum abermals einen lukrativen Mehrjahresvertrag bekommen. Da wäre ihm seine Vergangenheit im Weg gestanden.

    Flüeler ist ein Schrank von einem Mann, 1 Meter 92 gross und mehr als 100 Kilogramm schwer. Doch er ist anfällig, im Laufe der Jahre wurde er regelmässig von diversen Verletzungen zurückgeworfen, manchmal wenige Wochen, manchmal viele Monate.

    Einen derart verdienten Spieler fortan nur noch mit Einjahresverträgen abzuspeisen, weil das Verletzungsrisiko gross ist, wäre keine brauchbare, weil nicht vertrauensfördernde Lösung gewesen, weder für Flüeler noch für die ZSC Lions. Flüeler hätte die Karriere bei einem anderen Klub neu lancieren können. Doch der TV-Experte Marco Bührer, einst langjähriger Spitzengoalie im SC Bern, brachte es in einer Runde auf dem Sender MySports auf den Punkt: «Flüeler ist ein Züri-Chind, man kann ihn sich anderswo nicht vorstellen.»

    Nie nur Eishockey im Kopf

    Flüeler sieht das auch so: «Der ZSC hat immer alle Versprechen mir gegenüber gehalten. Er stärkte mir den Rücken, als ich verletzt war. Der Wechsel zu einem anderen Klub war nie ein Thema.»

    Hinzu kommt, dass Flüeler, anders als Sulander, nie nur Eishockey im Kopf hatte. Er absolvierte ein Fernstudium in Betriebswirtschaft. Er arbeitet zu 30 Prozent beim Lebensversicherer Swiss Life, einem der grössten ZSC-Sponsoren und dem Namensgeber der neuen Arena in Altstetten. Vor ein paar Wochen erhielt Flüeler dort ein neues Stellenangebot. In der Saison 2011/12 wird Flüeler unter dem Trainer Bob Hartley zur Nummer 1 im Tor befördert – eine Position, die ihm erst in der letzten Saison von Ludovic Waeber streitig gemacht wurde.

    In der Saison 2011/12 wird Flüeler unter dem Trainer Bob Hartley zur Nummer 1 im Tor befördert – eine Position, die ihm erst in der letzten Saison von Ludovic Waeber streitig gemacht wurde.

    Patrick B. Kraemer / Keystone

    Flüeler sagt: «Es hätte eine Lösung gegeben mit den ZSC Lions. Und Swiss Life hat mich nie unter Druck gesetzt. Man sagte mir, es werde auch in Zukunft Möglichkeiten geben.» Wie die Lösung mit den Lions aussah, will Flüeler nicht verraten.

    Der Entscheid für das Karriereende entspricht seinem rationalen Wesen. Swiss Life bietet ihm eine langfristige Perspektive, die es beim ZSC nicht mehr gibt. Flüeler fühlt sich erleichtert: «Ich habe den Kopf frei für alles, was noch kommt in dieser Saison. Es stimmt für beide Seiten, das ist wichtig nach so langer Zeit.»

    Die ZSC Lions können zweifellos gut mit dieser Lösung leben. Sie werden ihren verdienstvollen Goalie in allen Ehren verabschieden können. Und sie haben alle Zeit der Welt, um einen Nachfolger für Flüeler zu suchen.

    Kleine Einschätzung Stand heute:

    Positiv überrascht: Davos (!), Rappi, (!) Biel

    Negativ: Servette, Lugano, Lausanne, ZSC

    Rest in etwa wie erwartet.

    Den Titel traue ich wegen der Goalie Situation nur Zug (Genoni), Fribourg (Berra) und dem ZSC (mit Flüeler) zu.

    Die Goalies in Davos, Biel oder anderswo müssen mich erst überzeugen Meistergoalies zu sein. Das gilt auch für Waeber.

    Hätte das 1:1 von Toronto gegen Boston hier in der Schweiz gezählt?

    Machst Du Witze?:rofl:

    Die Panthers schlagen auch die Canes, Nummer 1 in der NHL und nach 60 Minuten immer noch ungeschlagen!8):geil:

    Niederreiter war nur scratch, die Schweizer mit Ausnahme von Josi und Meier bis jetzt mau.

    Und ja, Malgin macht ein Super-Tor mit seinem Speed und seiner geilen Technik. Erwarte auch von ihm mehr. Vor allem mehr "echten" Einfluss auf's Spiel.

    Malgin steht nun bei mehr als einem Punkt pro Spiel, Topskorer. Du wirst keinen gross anderen Malgin sehen, dann dies IST Malgin! So habe ich ihn nun Jahre beobachten können. Noch zum Speed: Hier in der angeblich "schnellen" Liga fährt er allen davon, das war ihm in der NHL nicht möglich!

    Die Lakers schafften es als erstes Team in der laufenden Meisterschaft, zwei und mehr Drittel lang dem EVZ keinen Torerfolg zuzustehen. Und die St.Galler fügten den Zentralschweizern mit drei Toren Differenz die bislang höchste Niederlage in der laufenden NL-Saison zu. Zudem bremsten die Lakers abermals ein formstarkes Teams aus. Sie hatten bereits die Erfolgsserien von Fribourg-Gottéron (10) und Davos (7) beendet. Nun sind die Lakers selbst das «heisseste» Team der Liga.(watson):shock:

    Der Z hat klar kommuniziert, dass zu einem späteren Zeitpunkt über eine Verlängerung diskutiert wird.
    Und nun hat Flühli selber entschieden, wurde ihm der Druck zu gross ?

    Denke nicht. Im Interview oben sagt er ja es hätte eine Möglichkeit gegeben für ihn zu bleiben, aber die Gelegenheit in der Privatwirtschaft einzusteigen war eben auch gut. Denke passt für beide!

    Rücktritt von Lukas Flüeler

    «Nicht, dass es heisst: Es ist langsam Zeit, dass er packt»

    Der vierfache ZSC-Meistergoalie überzeugt diese Saison wieder, nun hat Lukas Flüeler mit 33 überraschend den Rücktritt per Ende Saison angekündigt. Das steckt dahinter.

    Simon Graf
    Simon Graf
    Publiziert heute um 12:58 Uhr


    Den Blick nach vorne gerichtet: Lukas Flüeler wechselt im Frühjahr 2022 in die Privatwirtschaft.


    Den Blick nach vorne gerichtet: Lukas Flüeler wechselt im Frühjahr 2022 in die Privatwirtschaft. Foto: Thomas Egli

    Am Freitagabend siegten Sie mit den ZSC Lions noch 4:1 in Lugano, nun geben Sie Ihren Rücktritt per Ende Saison bekannt. Wie kam es dazu?

    Ich bin heute um 7 Uhr aufgestanden und habe es entschieden. (lacht) Nein, natürlich nicht. Der Prozess begann vor einem guten Monat, als Sie ein Interview mit mir führten. Gedanken machte ich mir schon vorher. Schon vor dieser Saison. Ich sagte mir nach der verpatzten letzten Saison: Ich will nochmals um einen Vertrag kämpfen, mein bestes Eishockey zeigen, alles andere ausblenden. Ich hatte inzwischen sehr positive Gespräche mit Sven (Leuenberger, dem Sportchef). Er gab mir Zeit, mir das Ganze durch den Kopf gehen zu lassen. Ich arbeite ja schon jetzt gleichzeitig nebenbei, 30 Prozent bei der Swiss Life. Nun hat sich da eine Möglichkeit ergeben, die ich packen wollte.


    Was heisst gute Gespräche mit Leuenberger? Hat er Ihnen einen Vertrag angeboten?

    Es hätte schon eine Lösung gegeben. Aber es ging nicht darum, wie viel Geld oder wie viele Jahre. Sondern zuerst einmal darum, den Puls zu spüren. Ob ich nochmals bleiben könnte in dieser Rolle. Die November-Pause ist immer eine Zäsur, in der entschieden wird. Es hätte schon eine Möglichkeit gegeben. Aber ich entschied mich dagegen.

    Sie wurden gerade 33. Normalerweise spielen Goalies bis 35, 36. Zugs Leonardo Genoni ist noch ein Jahr älter als Sie. Wieso schon jetzt?

    Es ist bei jedem individuell. Jeder hat seine Vorstellung, wann, wie und wo er seine Karriere beenden möchte. Für mich war klar: Ich möchte, wenn ich abtrete, noch ein Goalie sein, der in den Spiegel schauen kann. Ich bin sehr glücklich damit, wie ich in dieser Saison zum Siegen zurückgefunden habe. Und ich möchte meine Karriere beenden, da mein Körper noch mitmacht. Es ist der richtige Zeitpunkt.

    Welche Möglichkeit hat sich für Sie ergeben bei der Swiss Life?

    Ich arbeite jetzt schon bei der Swiss Life in einem mega lässigen Team. Ich komme aus dem Teamsport und habe da ein ähnliches Arbeitsklima. Wir haben es sehr gut miteinander. Ich arbeite im Project Controlling. Das heisst: Alle Projekte, die durch die Swiss Life laufen, gehen bei uns durch. Sei das IT, HR, und so weiter. Es ist sehr spannend. Ich freue mich, da weiterzumachen. Und umso schöner ist, dass die Swiss Life noch einen Bezug zum neuen ZSC-Stadion hat, der Swiss Life Arena.

    Werden Sie auch beim Stadion involviert sein?

    Nein, da bin ich nicht involviert. Aber ich werde es natürlich von beiden Seiten beobachten.

    Sie spielen seit 14 Jahren beim ZSC und haben im Team viele Freunde. Wann haben Sie Ihren Rücktritt da kommuniziert?

    In dieser Woche. Zuerst jenen, die ich am längsten kenne wie Patrick Geering oder Reto Schäppi. Mit Geering habe ich viel durchgemacht. Von Anfang an, als ich von GC zum ZSC hochgekommen bin. Mir war wichtig, dass er es zuerst erfährt. Wir haben in diesen 14 Jahren immer das Zimmer geteilt in der Champions League. Etwa beim Final gegen Magnitogorsk im Seedam in Rapperswil.


    Wie hat Geering reagiert?

    Er versteht mich und hat mir gratuliert. Es ist schade, geht dieser Weg zu Ende. Aber es ist für mich eine Riesenmotivation, nochmals alles reinzuwerfen.

    Was hat Coach Rikard Grönborg gesagt?

    Er hat mir auch gratuliert. Er sagte, es sei immer schön, wenn man die Entscheidung selber in der Hand habe. Mir war wichtig, selber zu entscheiden. Ich wollte nicht, dass es heisst: Es ist langsam Zeit, dass er packt. Grönborg weiss aber auch, dass sich dadurch für mich nichts ändert in den nächsten Spielen, in dieser Saison.

    Sie holten die letzten beiden ZSC-Siege gegen die SCL Tigers (5:2) und Lugano (4:1). Hat Ihnen das den Entscheid nicht noch schwerer gemacht?

    Nein. Wie gesagt: Ich bin froh, bin ich zurück in der Erfolgsspur. Ich habe nochmals extrem viel investiert. Das begann schon im Sommer mit einem Extratrainer. Und jeder Sieg gibt mir Vertrauen. Das ist extrem wichtig, spielt sich doch bei einem Goalie 95 Prozent im Kopf ab. Ich hoffe, ich kann das bis zum Schluss durchziehen.

    Gibt es einen Abschluss, der Ihnen vorschwebt?

    (lacht) Das sollte man einen Hockeyspieler nie fragen. Man nimmt Tag für Tag. Aber natürlich wäre es schön, wenn ich das letzte Spiel mit einem Sieg beenden könnten. Und Sie wissen ja, was das heisst.

    Gibt immer zwei Seiten der Medaille. Der ZSC muss für sich schauen. Das Logo vorne auf dem Shirt ist wichtiger als der Name hinten.

    Von da her kann ich gut mit dem Entscheid leben.

    :shock::shock::shock:

    Wow! Bin sprachlos.

    Danke für drei Meistertitel!:applaus:

    PS: Wir brauchen einen guten Goalie hinter Waeber.......

    Bob Hartley hat auf der ZSC FB Seite bereits reagiert

    Assan Ceesay, der neue FCZ-Goalgetter: Als Kind spielte er barfuss auf staubigen Strassen und nannten sie ihn «Spaghetti», heute ist er ein Nationalheld

    Einst war er im FC Zürich das Sinnbild der Krise, jetzt ist Ceesay die Symbolfigur des Höhenflugs. Der schnelle Angreifer aus Gambia erfüllt mit drei Jahren Verspätung die hohen Erwartungen. Eine Aufsteigergeschichte mit Rückschlägen.

    Fabian Ruch (NZZ)


    Assan Ceesay wird als Kind wegen seiner langen, dünnen Beine «Spaghetti» gerufen.

    Assan Ceesay wird als Kind wegen seiner langen, dünnen Beine «Spaghetti» gerufen.

    Karin Hofer / NZZ

    Vielleicht müsste Assan Ceesay unter die Buchautoren gehen. Sein Werk wäre ein Ratgeber, eine Lebenshilfe, gespickt mit Motivationssprüchen. Wer sich mit dem Stürmer des FC Zürich unterhält, ist zunächst irritiert, bald fasziniert, irgendwann erstaunt, wie oft Ceesay Sätze wie aus dem Poesiealbum verwendet. Einmal sagt er: «Egal, wie oft du fällst, du musst immer wieder aufstehen und dich deiner Herausforderung stellen.»

    Ceesays Biografie ist ein Mutmacher für zweifelnde Menschen, weil man feststellt, wie sehr es sich lohnt, an seinen Überzeugungen festzuhalten. Mit ein paar Jahren Verspätung hat Ceesay das Versprechen eingelöst, im FC Zürich ein Torjäger zu sein. Bis im Sommer 2021 gelangen ihm in 66 Super-League-Spielen für den FCZ nur sechs Tore, in der letzten Saison waren es zwei in 32 Partien. Die Bilanz nach elf Einsätzen in dieser Saison: neun Tore, fünf Assists. Seine Verwandlung ist spektakulär.

    Es gab Assan Ceesay, der Bälle verstolperte, eine Chance nach der anderen vergab, unglücklich und mit hängenden Schultern das Sinnbild der FCZ-Krise war. Und es gibt Assan Ceesay, der explosiv, flink und torgefährlich ist, mit seinem starken linken Fuss aufregende Tore erzielt, die Symbolfigur des FCZ-Höhenflugs ist.

    Der erste Monatslohn: 30 Franken

    Die Aufsteigergeschichte Ceesays beginnt in Banjul, der Hauptstadt Gambias. Die Familie lebt bescheiden, die Mutter führt einen kleinen Shop, der Vater ist Schneider. «Wir litten nie Hunger», sagt Ceesay. «Und wenn du genug zu essen hast, ist das schon einmal gut.» Jeden Tag kickt er als Bub stundenlang barfuss auf den staubigen Strassen, für Fussballschuhe fehlt das Geld. Immer wieder muss die Mutter mit ihm zum Arzt gehen oder sogar ins Spital, weil die Haut an den Füssen tief aufgerissen ist, Nägel abgebrochen sind, Infektionen drohen.

    Ceesay wird wegen seiner langen, dünnen Beine «Spaghetti» gerufen. Als er dreizehn ist, stirbt der Vater, die Zeiten sind kompliziert. Es sind jene Jahre, die sich in seinem melancholischen Blick abbilden. In einen Fussballklub geht er erst mit fünfzehn, längst hat er sich zum Ziel gesetzt, Profi zu werden.

    Als 17-Jähriger erhält Ceesay einen Vertrag in der ersten Mannschaft des Gamtel FC. Der Monatslohn: umgerechnet rund 30 Franken. Bald wird Ceesay Torschützenkönig, mit zwanzig zieht er weiter ins Nachbarland Senegal zu Casa Sports. Die Bühnen werden grösser, «Spaghetti» schiesst weiter Tore, an Weihnachten 2015 hat er Angebote für Probetrainings bei Anderlecht und Ajaccio – sowie eine konkrete Offerte des FC Lugano. Und so landet er Anfang 2016 im Tessin. Es ist kalt, es ist ungemütlich, der erste Schnee, die Einsamkeit, die fremde Kultur.

    Slapstick und Spott

    Assan Ceesay wirkt verletzlich, schüchtern, scheut den Augenkontakt, erzählt manchmal zögerlich von seinem Werdegang. Aber er sagt: «Ich bin mental sehr gefestigt. Wenn du in Gambia als Kind nicht stark bist, wirst du auf der Strasse schlecht behandelt, man nimmt dir alles weg.» Der FCZ-Sportchef Marinko Jurendic beschreibt Ceesay als sensiblen Menschen mit feinem Charakter und hoher Sozialkompetenz. Er hat den Spieler als Stürmertrainer erlebt und schätzt dessen ausgeprägten Eifer. «Natürlich fehlte ihm in den schwierigen Phasen etwas die Lockerheit. Aber er hat immer an sich geglaubt.»

    So ist das auch im Tessin. Ceesay spielt im Team Ticino U 21 in der 2. Liga Interregional, danach leihweise beim FC Chiasso in der Challenge League, schliesslich beim FC Lugano in der Super League. Er steigt auf, er fällt auf, die Tempoläufe, der linke Fuss, der harte Schuss. 2018 verliert der FCZ mit Michael Frey und Raphael Dwamena gleich zwei starke Stürmer, kurz vor Transferschluss im Sommer wechselt Ceesay für rund zwei Millionen Franken nach Zürich.

    Thomas Bickel, der damalige Sportchef, hat in Ceesay etwas gesehen, was anderen womöglich verborgen geblieben ist. «Assan attackiert die Tiefe des Raumes mit seiner Schnelligkeit ausgezeichnet», sagt Bickel. «Er bringt vieles mit, um ein starker Stürmer zu sein.»

    Die Erwartungen an Ceesay in Zürich sind riesig. Als er nach ein paar Monaten im Derby gegen GC eines seiner wenigen Tore erzielt, rutscht er beim Torjubel aus und fliegt in eine Werbebande. Auch auf dem Rasen sind Slapstickszenen in Erinnerung geblieben, etwa als Ceesay das leere Tor verfehlte. Er spürte den Spott, hörte die Kritik. Fallen. Aufstehen. Sich der Herausforderung stellen. Der 27-jährige Gambier Assan Ceesay wirkt verletzlich, schüchtern und spricht Sätze wie aus dem Poesiealbum.

    Der 27-jährige Gambier Assan Ceesay wirkt verletzlich, schüchtern und spricht Sätze wie aus dem Poesiealbum.

    Karin Hofer / NZZ

    Ende 2019 scheint es für Ceesay dennoch keine Zukunft im FC Zürich zu geben. Er wird für ein halbes Jahr an den VfL Osnabrück ausgeliehen und erzielt in der 2. Bundesliga nur ein Tor. Danach findet der FCZ keinen Abnehmer mehr für Ceesay. Nicht im Sommer 2020, schon gar nicht im Sommer 2021. Der neue Trainer André Breitenreiter möchte sich in der Vorbereitung ein Bild von allen Spielern machen. Und wenige Tage vor dem Saisonstart sagt er im Gespräch mit der NZZ, er sehe enorm viel Potenzial bei Ceesay. «Hätte er letzte Saison seine Chancen verwertet und 20, 25 Tore geschossen, wäre er sehr viel Geld wert.»

    Nationalheld in Gambia

    Der frühere Stürmer Breitenreiter spricht regelmässig mit Ceesay, der Trainer setzt auf ein 3-5-2-System, in dem sich der Gambier wohl fühlt. «Unsere Spielidee mit gradlinigen, schnellen Angriffen kommt Assan sehr entgegen», sagt er.

    Thomas Bickel wiederum verspürt keine Genugtuung, weil sich sein teurer Transfer nach drei Jahren doch nicht als Flop herausgestellt hat. Er sagt: «Die Qualitäten von Assan waren immer da. Aber sie waren nicht ausgereift, er hat sich gut weiterentwickelt und profitiert nun davon, dass es dem ganzen Team besser läuft.» So sieht es auch der Präsident Ancillo Canepa: «Die Kritik an Ceesay war manchmal ungerecht. Was er kann, zeigt er in einer funktionierenden Mannschaft.»

    Und so hat der FC Zürich auf einmal ein Problem, das man sich vor ein paar Monaten nicht hätte vorstellen können. Der Vertrag Ceesays läuft Ende Saison aus, es droht ein ablösefreier Abgang. Der FCZ steht in Kontakt mit Ceesays italienischem Berater Massimo Grillo; einen Verkauf im Winter schliesst der Sportchef Jurendic aus. Ceesay sagt, er verspüre Dankbarkeit gegenüber dem Verein, wie jeder Fussballer möchte aber auch er einmal in einer Topliga spielen.

    An die Zukunft verschwendet der 27-Jährige dennoch nicht zu viele Gedanken. Er sagt, das Glück müsse man sich immer wieder verdienen – auch im Nationalteam, für das er in zwanzig Länderspielen elf Tore geschossen hat. Gambia, das kleine Land mit etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern, nimmt im Januar erstmals am Afrika-Cup teil – dank Ceesays Tor beim 1:0-Sieg gegen Angola.

    Spätestens seit jenem Tor ist Ceesay ein Nationalheld. Er sagt, es sei wunderbar, könne er den Leuten in der Heimat beweisen, was man mit Willen und harter Arbeit erreichen könne. In Banjul unterstützt Ceesay nicht nur seine Familie mit Geld, er finanziert auch Projekte in Schulen, Sportvereinen und wohltätigen Organisationen. «Es gibt nichts Schöneres, als anderen Menschen zu helfen», sagt er. Es ist ein Satz wie aus dem Poesiealbum.

    Mit einem Sieg in die Natipause. Die ersten 6 der Tabelle haben alle gewonnen. Wir sind noch nicht dort wo wir sein wollen, mal schauen wie es nach der Pause weiter geht.

    Grönborg braucht Punkte und Siege, da kannst du keine Junioren einbauen, würde ich auch nicht machen.

    Für heute: So weit, so gut.

    Fabrice Herzog zum achten Mal gesperrt – nur wenn die Sanktionen teuer werden, werden sie auch wirkungsvoll

    Das Schweizer Eishockey hat sich dem Schutz seiner Spieler verschrieben. Doch noch schützt es seine Täter besser als deren Oper.

    Daniel Germann


    Fabrice Herzog wird für fünf Spiele gesperrt und muss eine Busse von 7700 Franken zahlen; es dürfte ihn kaum schmerzen.

    Fabrice Herzog wird für fünf Spiele gesperrt und muss eine Busse von 7700 Franken zahlen; es dürfte ihn kaum schmerzen.

    Imago

    Karl Knopf, der Einzelrichter der Eishockey-Nationalliga, hat den Zuger Stürmer Fabrice Herzog am Donnerstag wegen eines Crosschecks in den Nacken des Freiburgers Mauro Dufner für fünf Spiele gesperrt. Er bezeichnet das Verhalten als «rücksichtslos». Strafverschärfend war, dass Herzog ein Wiederholungstäter ist. In der Urteilsbegründung steht: «Die Sperren der letzten Saison erfolgten wegen Attacken gegen den Kopf/Nackenbereich. Und auch die vorliegende Attacke erfolgte gegen den Kopf/Nacken. Dem Beschuldigten mangelt es offensichtlich am Respekt im Allgemeinen und für den Kopf seiner Gegenspieler im Speziellen.»

    Ein langes Sündenregister

    Herzog ist 26 Jahre alt und spielt seit neun Jahren in der National League. In 368 Partien sammelte er 300 Strafminuten. Die Sperre ist die achte seit der Saison 15/16. Am vergangenen 14. Februar streckte er noch im Dress des HC Davos Eric Blum mit einem Check gegen den Kopf nieder. Der Berner Verteidiger leidet seither an den Folgen einer Gehirnerschütterung und hat nicht mehr gespielt. Ob er jemals auf das Eis zurückkehren wird, ist fraglich.

    Das sind die Rahmenbedingungen, unter denen die jüngste Sperre gegen Fabrice Herzog zustande gekommen ist. Reto Kläy ist der Sportchef von seinem neuen Arbeitgeber Zug. Er sagt: «Es wäre falsch, Fabrice nun zum Opfer zu machen. Doch wir müssen uns auch für unsere Spieler einsetzen. Es geht nicht, dass man sie an den Pranger stellt.»

    Kläy gehört zu den gemässigten Stimmen im Schweizer Eishockey. Er hütet sich davor, Stimmung gegen das Strafmass zu machen. Der EV Zug prüft, ob er gegen die Sperre Rekurs einlegen will. Die Frage, die sich dem Klub in diesem Zusammenhang stellt: Wieweit und vor allem in welcher Form darf und soll die Vorgeschichte eines Spielers Einfluss auf das Strafmass nehmen?

    Eishockey ist ein harter Sport, in dem die Emotionen öfters überkochen. Am Dienstag streckte der Lausanner Mark Barberio den Zuger Lino Martschini mit einem Check gegen den Kopf nieder. Wie Herzog ist auch er ein Wiederholungstäter. Er kam straffrei davon.

    Ähnlich wie die Schiedsrichter befindet sich auch die Verbandsjustiz unter einem ständigen Rechtfertigungsdruck. Irgendjemand ist immer unzufrieden über das Recht, das sie gesprochen hat. Zu hart, zu lasch. Befeuert vom medialen Interesse, in dem die Liga steht, kann kaum ein Einzelrichter wirklich objektiv einen Entscheid fällen. Des Volkes Zorn nimmt das Urteil meist vorweg.

    Hat Herzog Dufner gefoult? Ja. Wurde er zu Recht bestraft? Absolut. Sind fünf Spielsperren korrekt? Gemessen an vergleichbaren Vergehen liegen sie zumindest im oberen Bereich des Vertretbaren. Der Einzelrichter schreibt in der Urteilsbegründung, zwei Spielsperren wären dem Foul angemessen gewesen. Den Rest erhielt Herzog, weil er offensichtlich ein Unverbesserlicher ist.

    Zusätzlich zu den fünf Spielsperren muss Herzog eine Busse in der Höhe von 7700 Franken bezahlen – Verfahrenskosten eingeschlossen. Bei einem Salär von geschätzt 300 000 bis 400 000 Franken kostet die ihn ein Lächeln.

    Schmerzhaft würde die Sanktion für ihn erst dann, wenn er für die Dauer seiner Sperre keinen Lohn mehr erhalten würde, wie das in der nordamerikanischen National Hockey League der Fall ist. Raffi Torres von den San Jose Sharks wurde in der Saison 2015/2016 wegen eines Checks gegen den Kopf eines Gegenspielers von der Liga für 41 Partien gesperrt. Neben der halben Saison kostete ihn das 440 860 Dollar Lohn, die er deshalb nicht ausbezahlt erhielt.

    Kein verlässliches Präjudiz

    In der Schweiz sind solche Sanktionen nicht möglich, weil sie gegen das Arbeitsrecht verstossen. So zumindest lautet die gängige Argumentation. Reto Steinmann ist Strafrechtler und ehemaliger Einzelrichter der National League. Er sagt: «Wie stichhaltig das ist, könnte man erst abschliessend beurteilen, wenn sich ein ziviles Gericht mit der Frage beschäftigt hätte. Meines Wissens war das bisher noch nicht der Fall.»

    Steinmann sieht durchaus Ansatzpunkte, mit denen die Klubs die Spieler zur Verantwortung ziehen könnten. Das Arbeitsrecht bietet dem Arbeitnehmer nämlich nicht nur Schutz, es schreibt ihm auch eine Sorgfaltspflicht vor. Herzog verletzt diese mit seinen wiederholten Sperren immer wieder.

    Mehr als die fünf Partien Pause würde Herzog und all die anderen Wiederholungstäter eine empfindliche Lohneinbusse treffen. Doch kein Klub hat bisher die Konfrontation mit einem seiner Spieler gesucht, um den finanziellen Schaden, der ihm durch dessen Sperre entsteht, wieder einzufordern.

    Klubs und Liga haben sich dem Schutz ihrer Spieler verschrieben. Besonders sanktioniert werden sollen Attacken gegen den Kopf. Es gibt eine Kampagne inklusive eines griffigen Slogans: «Respect the head.» Wie Herzogs Beispiel zeigt, ist ihr Erfolg überschaubar.

    Die Rekordsperre im Schweizer Eishockey stammt aus dem Frühjahr 2012. Der Berner Verteidiger Johann Morant streckte im Play-off-Final den Zürcher Cyrill Bühler nieder. Morant wurde für 14 Partien gesperrt. Er spielt heute für die ZSC Lions. Man holte ihn, weil er einzuschüchtern versteht.

    Und nun im Ernst: Lugano in der Resega ist nicht ganz so einfach zu schlagen.

    Sie haben sogar gegen Servette in der Resega verloren. Sie sind in der Rangliste nach Heimspielen auch nur auf Platz 9. In dem Zustand im Moment muss man einen Sieg fordern, sowieso ist der ZSC bis jetzt einiges schuldig geblieben und sollte endlich in die Spur kommen!

    Lugano ist noch viel weniger dort wo sie sein möchten als der ZSC. Schlegel ist nach wie vor verletzt und sie haben keinen adäquaten Ersatz was sich rächt.

    Unter diesen Umständen ist ein Sieg schon fast Pflicht.

    TV guck.