Beiträge von Larry

    Weil wir alle wissen, dass Gröndborg viele Jahre in Nordamerika gelebt und trainiert hat.

    Er kennt das Hockey aus zwei Welten. Und nicht vergessen: Der Coach kann noch so gut sein wenn der nicht die richtigen Spieler im Team hat. Da hatte er als Nati Trainer von Schweden halt keine Probleme. Mit dem Verlust von Chris fehlt uns ein ganz wichtiger Mann, von den übrigen Verletzten wollen wir jetzt nicht sprechen (jammern). Aber noch ist Polen nicht verloren!

    Ich weiss ja nicht, aber wollen wir dem Grönborg nicht mal eine normale Saison gönnen? oder vielleicht wenigstens nun eine mit Play-Offs bevor nächstes Jahr eher von normal geredet werden kann?

    Doch von mir aus schon! In Zug lassen sie den Norweger auch weiter machen. Im ersten Jahr hat er den Final verloren und im zweiten Jahr hätte er wohl auch gegen den Z verloren. Steht im dritten Jahr und muss nun dringend liefern. Denke wir wären mit Grönborg letztes Jahr Meister geworden wenn die Deppen das nicht abgesagt hätten.

    Der letzte Akt im Cup bringt dem SC Bern noch einmal eine Sternstunde: 5:2-Sieg gegen die ZSC Lions

    Im Final vor der Einstellung des Cup-Wettbewerbs befreit sich der SCB von den Sorgen in der Meisterschaft. Ihm gelingt ein hervorragendes Spiel, während die Zürcher kein Mittel finden, um diesem Abend ihren Stempel aufzudrücken.

    Ulrich Pickel, Zürich (NZZ)

    Wenn zwei Mannschaften nach fünf Monaten Meisterschaft meilenweit auseinanderliegen, hat das etwas zu bedeuten. Hier die ZSC Lions, der Zweite der Tabelle, dort der SC Bern, der Zweitletzte. Im Cup aber gelten eigene Gesetze, heisst es. Und wenn das stimmt, müsste man noch anfügen: In einem Final, in dem es um alles oder nichts geht, gilt dies umso mehr.

    Und ja, es scheint wirklich zu stimmen. Mit einer Leistung, wie man sie in der Meisterschaft fast nie sieht, bezwingt der SCB die ZSC Lions. Es war ein Abend, an dem aus Berner Sicht von Anfang an alles stimmte. Angefangen mit der günstigeren Ausgangslage: Bern konnte sich in der dankbaren Rolle des Aussenseiters wahrnehmen, der ohne jeden Druck antrat. Gleichzeitig wussten die Berner aber auch, dass sie mit diesem einen Spiel eine bis dato komplett missratene Saison wenigstens mit einem Glanzpunkt anreichern könnten.

    Das von den vielen Erfolgen der vergangenen Jahre gesättigte Team hat den Zenit überschritten und braucht einen Erneuerungsprozess. Sosehr der SCB im Alltag der Meisterschaft immer wieder versagt – im Cup hatte er den Kopf stets frei und blieb konstant auf Höhenflug. Die Erfahrung und das Wissen darüber, was man im entscheidenden Moment wie tun muss, ist in der SCB-Kabine immer noch vorhanden.

    Bern stets am Drücker

    Wie gut sich die Berner noch auf diese Qualitäten verstehen, wenn sie die Meisterschaft ausblenden und einfach frei aufspielen können, zeigte sich exemplarisch in der 35. Minute: Der ZSC war etwas zu weit aufgerückt, verlor die Scheibe und geriet in einen Konter. Vier Berner stürmten plötzlich gegen zwei Zürcher – eine Szene wie aus dem Lehrbuch, die Jesper Olofsson mit einem Tor eiskalt abschloss. Es war das 4:1, das der Partie auch noch den letzten Rest an Spannung nahm.

    Olofsson hatte schon früh zum Berner 1:0 getroffen, was bald von Denis Hollenstein mit einem satten Schuss ausgeglichen wurde. Der SCB aber blieb am Drücker. Vincent Praplan und André Heim brachten die Gäste noch vor Spielmitte um zwei Längen in Führung. Hochkonzentriert und ebenso motiviert schirmte Bern das eigene Tor hervorragend ab und schaltete blitzartig auf Angriff um, sobald sich die Chance bot. Tristan Scherweys 5:1 im letzten Drittel hatte nur noch statistische Bedeutung. Bern liess bis zum letzten Moment nicht nach, der Mannschaft war der Heisshunger auf dieses Erfolgserlebnis gut anzusehen.

    Auf der anderen Seite erlebten die ZSC Lions die Eigenheiten des Cups auf die schmerzhafte Art. Ihre komfortable Tabellenposition in der Meisterschaft zählte nichts; dafür war wieder zu sehen, wie schwer sie sich bisweilen tun können. In solchen Spielen ist der Gedanke, Favorit zu sein, und dies erst noch im eigenen Stadion, wenig hilfreich. Sie waren nicht deutlich schlechter als ihr Gegner, sicher nicht so schlecht, wie das brutale Resultat es ausdrückt. Aber ihnen fehlten an diesem Abend nicht nur die Verletzten Garrett Roe, Chris Baltisberger und Fredrik Pettersson.

    Dem ZSC fehlt das gewisse Etwas

    «Ums Verrecken» wollte man dieses Spiel gewinnen, hatte der Lions-Captain Patrick Geering gesagt. Das sah man den ZSC Lions auch an. Aber sie stellten sich zu ungeschickt an, vielleicht waren sie zu motiviert, wofür etwa Szenen wie jene bei Olofssons 1:4 sprechen. Ihnen fehlten Ruhe, Geduld und Abgeklärtheit. Und je länger der Abend dauerte, desto mehr lief ihnen die Zeit davon, desto mehr waren sie gezwungen, mit zunehmender Verzweiflung Risiken einzugehen und alles nach vorne zu werfen, um vielleicht doch noch ins Spiel zurückzukommen. Alle Versuche bis auf einen blieben vergeblich. Als Maxim Noreau auf Pass von Sven Andrighetto zweieinhalb Minuten vor Schluss im Powerplay das 2:5 schoss, hatte auch das nur noch statistische Bedeutung.

    Hinzu kam, dass auch Ludovic Waeber im Tor, der den Vorzug vor Lukas Flüeler erhielt, nicht sein bestes Spiel gelang. Olofssons 1:0 zum Beispiel hätte er an einem guten Abend gehalten. Waeber ist weit weniger erfahren als Flüeler, er zahlte an diesem Abend Lehrgeld.

    Nun ist der vorerst letzte Wiederbelebungsversuch des Eishockey-Cups zu Ende. 1957 bis 1966 wurde er gespielt, dann noch einmal 1972. 2015 erfolgte die Neulancierung, für deren Fortsetzung nun das Sponsorengeld fehlt. Der SCB hat die erste und die letzte Austragung gewonnen und ist somit der erfolgreichste Klub. Die ZSC Lions gewannen 2016. Für Bern hat der Cup diese Saison eine schöne Geschichte geschrieben. Für einen Moment ist etwas vom alten Glanz zurückgekehrt. Darüber hinaus werden 100 000 Franken Siegesprämie überwiesen – kein Pappenstiel in Krisenzeiten wie diesen.

    Hast du ihm mal in einem Interview gesehen, bei Schalke?

    Er war noch nie ein guter Kommunikator, im Gegenteil! Bei Tottenham ist er mit der U-Bahn an die erste Pressekonferenz gekommen, wollte Volksnah sein. Ist in die Hose gegangen. Er hatte seine Erfolge (6x Schweizer Meister!) aber er hätte es jetzt besser gut sein lassen. Aber vermutlich ist ihm das was über ihn in der Presse geschrieben wird schon lange egal.

    Wenn es aber vorne stottert, dann sind wir hinten schlicht zu schwach.

    Stimmt leider! Auch auf der Goalie Position haben wir ein Problem: Waeber spielt doppelt so oft wie Flüeler (vorbei?) aber kann Waeber ein Meistergoalie sein? Vieles ist fraglich.:nixwiss:

    Trotz allem irgendwie das erste Spiel seit langem (bzw seit meinem letzten Live-Game in der Halle) auf das ich mich richtig freue und wo wieder etwas Spannung und Nervosität aufkommt!

    Heute gehts es um einen Kübel und für mich ist es ein guter Test, ob wir für die wichtigen Spiele bereit sind.

    Wäre zu geil wenn Nr 27 heute das entscheidende Tor schiessen sollte!

    Bin am TV dabei! Wir können übrigens Rekord Cupsieger werden! (Da chunt mer grad de Cabanas in Sinn!:mrgreen:)

    Sein alter Spezi aus Stuttgart, Schneider, hat gerufen und Gross konnte der Verlockung nicht widerstehen nochmals in Rampenlicht der Bundesliga zurück zu kehren. Nur Gross weiss wieso aber vermutlich ist ihm sein "Ruf" scheissegal. Nun folgt der Abgang über die Hintertüre. Das wars! Geniess endlich das Leben Chrigel!

    FCZ-Talent Becir Omeragic

    Für ihn gibt es nur den Weg in die grosse Welt

    Es fällt leicht, Becir Omeragic ein Kompliment zu machen. Zum einen hat es der 19-jährige Verteidiger des FC Zürich verdient, zum anderen verdreht es ihm den Kopf nicht.


    Thomas Schifferle (TA)

    Den Plan hat Becir Omeragic gefasst. Von Zürich soll es eines Tages nach Deutschland gehen, von Deutschland am liebsten nach Spanien. La Liga ist seine Liga. Real, Barcelona, «von diesen Clubs träumt doch jeder», sagt er. Und lacht.

    Omeragic hat das Alter, in dem einer auch noch Flausen im Kopf haben darf, seit dem 20. Januar ist er gerade einmal 19. Wobei, was heisst bei ihm schon Flausen? Ancillo Canepa hat ihn als «Triple-A-Talent» bezeichnet, für das sich halb Europa interessiere. Auf seine Art mag der Präsident des FC Zürich übertrieben haben (wie immer:mrgreen:), vielleicht hat auch nur ein Fünftel von Europa ein Auge auf Omeragic geworfen. Aber es gibt auch einen Fakt: Omeragic hat so viel Talent in den Füssen, dass es für ihn nur einen Weg geben kann – raus in die grosse Welt.

    16 war er, als er auch Angebote von Bayern München und Barcelona hatte. Das machte nichts mit ihm, er blieb der Becir, der auf den Rat der Eltern und seines Agenten hörte und in der Schweiz wechselte, von Servette zum FCZ. «Ich wollte nicht irgendwo in der zweiten oder dritten Mannschaft landen», erklärt er, wieso er den FCZ den richtigen Grossen vorzog. Bis nach Genf hat sich herumgesprochen, dass in Zürich auf die Ausbildung der Jungen Wert gelegt wird.

    Er hat das Umfeld, das ihn zu Bescheidenheit anhält. «Und wenn ich einmal zu weit denken sollte», sagt er, «ist der Vater da, der mich auf den Boden zurückholt.» Das ist darum gut zu wissen, weil Omeragic vor lauter Lob, das er zu hören bekommt, leicht der Kopf verdreht werden könnte.

    Fussball als Familiensache

    Der Vater ist nach dem Balkankrieg aus der kleinen bosnischen Stadt Derventa nach Genf gekommen. Wie sein Bruder war er ein Fussballer, er spielte bei Urania in der 2. Liga interregional. «Fussball ist bei uns Familiensache», sagt Becir. Und darum gab es für ihn, kaum konnte er richtig laufen, nur eines: «Fussball, Fussball, Fussball.»

    Der Vater und sein Onkel brachten ihn gleich zu Servette, das war der Club, der am nächsten beim Wohnort war. Erst spielte er zum Vergnügen, doch irgendwann, mit 12, 13 Jahren, begann er zu träumen: vom grossen Fussball, von der Profikarriere. Und danach dauerte es nicht mehr lange, bis er realisierte, dass der Traum nicht mehr nur Traum bleiben muss.

    Er schloss die Schule ab. Dann war er bereit, aufs Risiko zu setzen. Risiko heisst: eine Ausbildung im Fussball statt in einem klassischen Beruf. Der Vater musste helfen, die Mutter davon zu überzeugen, dass das für ihren Becir der richtige Weg ist und eine einmalige Gelegenheit. «Meine Mutter hat mich immer unterstützt», sagt Becir, «sie ist vom eingeschlagenen Weg überzeugt.»

    Als er nach Zürich kam, wohnte er anfänglich in Oerlikon bei einer Gastfamilie. Sie half ihm bei der Eingewöhnung, auch mit der Sprache. Er spielte mit der U-21 und trainierte doch mit der 1. Mannschaft, die damals von Ludovic Magnin geführt wurde. Nach ein paar Monaten prallte er im Training so unglücklich mit einem Teamkollegen zusammen, dass er mit einem Wadenbeinbruch fast ein halbes Jahr ausfiel.

    Die Verletzung war ein kleiner Rückschlag, mehr auch nicht. Am 4. Mai 2019 kam Omeragic gegen den FC Basel zu seinem Debüt in der Super League. Vor dem Match fühlte er sich schon etwas gestresst. Er fragte sich: «Wie mache ich es, wenn ich spiele? Wie geht es?» Solche Fragen bestimmten seine Gedanken, bis er in der 80. Minute für Alain Nef eingewechselt wurde. Nef ist 20 Jahre älter, «er könnte mein Vater sein», sagt Omeragic mit einem Lachen. Und die bangen Gedanken damals? «Die waren weg, kaum war ich auf dem Platz.»

    In Genf hatte er einst als Stürmer begonnen, er wurde erst ins Mittelfeld zurückgezogen und dann in die Abwehr. Heute kann er auch auf der rechten Seite verteidigen, wie er das diese Saison schon tat, er sähe sich auch im defensiven Mittelfeld. Nur fühlt er sich nirgends wohler als in der Innenverteidigung. Er sagt: «Das ist meine Position. Hier sehe ich die besten Chancen, um eine grosse Karriere zu machen.»

    Wenn Omeragic wie in den letzten Wochen neben Nathan verteidigt, ist klar, wer der Patron ist. Dann ist er das. Er besitzt die Eleganz eines Brasilianers, die Nathan, dem gebürtigen Brasilianer, abgeht. Irgendwie erinnert er an Thiago Silva. Dabei ist Sergio Ramos sein Vorbild.

    Omeragic bringt für sein Alter so viel mit, so viel Technik, Mut und Spielübersicht, dass ein Beobachter leicht ins Schwärmen geraten kann. Er mag sich nicht beurteilen, er mag am Abend nach einem Spiel nicht einmal übers Spiel reden. Er will daheim nur noch herunterfahren und abschalten. «Merci», sagt er, wenn er ein Kompliment hört.

    Natürlich hat auch er seine schlechteren Spiele, wie jüngst beim 2:3 in Vaduz. Und wenn das passiert, ist er selbstkritisch genug. Aber die schlechteren Spiele sind selten. Selbst bei einem ereignisarmen Match wie am letzten Sonntag gegen Sion lohnt sich ein Blick auf Omeragic.

    «Ein guter Junge»

    Seit dem Sommer 2019 ist er Stammspieler, wenn er nicht gerade verletzt ist. Seit dem vergangenen Oktober ist er auch schon Nationalspieler, mit 18 gab er sein Debüt gegen Kroatien. Das Aufgebot von Vladimir Petkovic hatte ihn erstaunt, es war für ihn «etwas Grosses». Auch die Bosnier bemühten sich um ihm, aber der Schweiz ist er näher, weil er hier geboren wurde und seinen ganzen Weg gemacht hat.

    Bevor er all die Nationalspieler sah, die Sommers, Shaqiris und Xhakas, war er angespannt. Petkovic nahm ihn direkt zur Seite und riet ihm: «Mach dein Spiel wie im Club. Mach dir keinen Druck.» Mit seinem Entscheid, ihn zu nominieren, lieferte Petkovic einen weiteren Beleg für Omeragics Talent. 90 Minuten durfte der junge FCZler spielen, und das gegen Kroatien, den WM-Finalisten. Er war zufrieden mit seiner Leistung.

    Der Nationalcoach will keinen Druck auf Omeragic ausüben. Er will ihn einfach beobachten und begleiten, und dann ist er sich sicher, dass Omeragic das Vertrauen «mit einer positiven Leistung» zurückzahlen wird. Ihm ist bei diesem Spieler aber nicht nur das Fussballerische aufgefallen, sondern auch sein Charakter, «er ist ein guter Junge», sagt Petkovic. Und tut das mit gutem Grund. Omeragic hat eine Art an sich, die auf eine gute Erziehung schliessen lässt.


    Bis 2023 läuft sein Vertrag beim FCZ. 21 wird er in jenem Jahr. Er braucht nichts zu überstürzen. Vorderhand teilt er sich in Freienbach eine Wohnung mit seinem Bruder Nedim, einem U-21-Spieler beim FCZ. Daheim ist Nedim der Chef, «er ist auch drei Jahre älter», ist Becirs simple Erklärung für die Rollenverteilung. Er macht sich daran, seine Kochkünste zu verfeinern, und wenn er etwas nicht weiss, hilft die Mutter via Facetime.

    Er braucht kein Bocuse zu werden. Es reicht schon, wenn er Sergio Ramos irgendwie nahekommt. Nur eines will er nie sein: von oben bis unten tätowiert wie sein Vorbild. «Jeder nach seiner Fantasie», sagt er. «Ich bin anders als er.»

    Und Larry, ob Ghetto es wieder in der NHL versuchen würde? Käme ein Angebot - ja, wahrscheinlich. Aber es müsste ein gutes Angebot sein.

    Ich meine damit nicht finanziell, sondern betreffend den Rahmenbedingungen. Ich weiss nicht, ob er sich nochmals dem Stahlbad der NHL

    aussetzen möchte, sollte er nicht 100% davon überzeugt sein dass es passt.

    Genau so!

    Heute Rangers gegen Boston mit 2,000 Fans! Im Gegensatz zu Florida braucht es einen negativen Test aber trotzdem ein schoener erster Schritt zurueck zur Normalitaet.

    Bist Du am Spiel? Sieht ja gut aus nach dem zweiten Drittel!

    Ich war am Mittwoch im Stadion bei der einzigen Niederlage in drei Spielen gegen Dallas. Gestern lagen sie wieder 2:0 zurück aber Coach Q stellte 6 Minuten vor Schluss endlich die Linien um (Huberdeau wieder mit Barkov in der 1. Linie) und innert drei Minuten stand es 3:2 für die Panthers! Bin am Montag wieder dabei gegen Carolina und Morgen wieder mal ECHL, macht mehr Spass als gedacht!

    Alte Liebe rostet nicht: Die Liaison von Sven Andrighetto mit den ZSC Lions macht beide Seiten glücklich

    Die Rückkehr in die Heimat beflügelt den neuen Stürmerstar der Zürcher. Nach neun Jahren im Ausland spielt Andrighetto erstmals in der National League und ist bereits der landesweit beste Skorer. Sein Beispiel zeigt: Qualität darf auch etwas kosten.

    Ulrich Pickel (NZZ)

    Als im letzten Sommer sein Transfer nach Zürich bekanntwurde, beflügelte dies die Phantasie. Mit einem Fünfjahresvertrag von den ZSC Lions ausgestattet, wurde er als Nachfolger von Pius Suter angepriesen, dem letztjährigen Überflieger und Liga-Topskorer mit 30 Treffern und 23 Assists, der nun für Chicago in der NHL seine Tore schiesst. Und was geschieht? Als ob es nichts Besonderes wäre, beweist Sven Andrighetto, dass er genau der grosse Name ist, den man erwartet hat.

    Ein breiteres Schweizer Publikum sah ihn letztmals im Frühling 2018, es war das WM-Silber-Märchen von Kopenhagen, bei dem Andrighetto im verlorenen Final gegen Schweden der einzige Schweizer war, der seinen Versuch im Penaltyschiessen verwandelte. Nun spielt der 27-Jährige erstmals in der National League und ist bereits der landesweit beste Skorer: 21 Treffer und 23 Vorlagen nach 40 Spielen.

    «Er ist genau der offensive Mann, den wir gesucht haben», schwärmt der Lions-Sportchef Sven Leuenberger. Er kann sich für den Königstransfer des letzten Sommers auf die Schultern klopfen. Schweizer Spieler im besten Alter und mit massenhaft Auslanderfahrung kommen praktisch nie auf den Markt. Andrighetto aber wurde in dem Moment verfügbar, als Suter ging – perfektes Timing für den Spieler wie den Klub.

    Hartes Brot in der NHL

    Das Interesse an ihm war gross, nicht nur in der Schweiz. Aber konkret verhandelt hat er nur mit den Zürchern: «Das war für mich von Anfang an klar.» Neben einer überzeugenden Offerte hatten sie noch einen Vorteil: Andrighetto ist einer von ihnen. Mit Leib und Seele, wovon eine Tätowierung auf dem rechten Oberschenkel zeugt: das Grossmünster mit einem Löwenkopf im Hintergrund. Sein Höhenflug hat auch etwas mit Heimat zu tun. Andrighetto sagt: «Es war der richtige Moment für diesen Wechsel. Ich brauchte einen Moment, um mich an die Liga hier zu gewöhnen. Aber es war eben ein Heimkommen, das hat einen hohen Stellenwert.»

    Bei den Lions ist er zu Hause, er hat dort alte Freunde. So ist er zum Beispiel der Götti von Christian Martis Sohn. Aufgewachsen in Bassersdorf, durchlief er die Nachwuchsstufen der Lions-Organisation, spielte ein Jahr für die GCK Lions und wurde von Simon Schenk kurz nach Visp ausgeliehen, wo er die B-Meisterschaft gewann. Andrighetto bezeichnet Schenk als seinen ersten Förderer, dem er viel zu verdanken habe. Bis zu Schenks Tod im letzten Mai sei der Kontakt nie abgerissen.

    Mit 17 Jahren kam der Wechsel nach Nordamerika. Es folgten zwei Saisons im Junioren-Eishockey, dann der NHL-Draft, wo er 2013 von den Montreal Canadiens in der dritten Runde gezogen wurde. Seine Einsätze in der NHL musste er sich erkämpfen, oft und lange waren auch die Farmteams sein Zuhause. Im März 2017 ging er für etwas mehr als zwei Jahre nach Colorado. Privat wurde er im schönen Denver mit seinen 300 Sonnentagen pro Jahr glücklich, seine heutige Verlobte stammt von dort.

    Sportlich aber ging es nicht weiter: «Ich verlor meine Rolle, hatte auch etwas Pech mit Verletzungen. Noch schwieriger, als hineinzukommen, ist es, in der NHL zu bleiben.» Fünf Saisons hielt er sich in der besten Liga der Welt, spielte in 227 Partien und schoss 32 Tore. Andrighetto musste in Nordamerika viel hartes Brot essen, doch er bewies Durchstehvermögen – und sollte bald wieder merken, wie wichtig das sein kann.

    2019 endete die Zeit in Nordamerika, für die Heimat war er aber noch nicht bereit. Mit seiner Partnerin wechselte er nach Moskau und spielte für Awangard Omsk. Dort wartete ein Mann auf ihn, den noch ein paar seiner Zürcher Teamkollegen in lebhafter Erinnerung haben: Bob Hartley. Er trainiert die Russen mit derselben eisernen Hand, mit der er die Zürcher bis zum Titelgewinn 2012 drangsaliert hatte. Andrighetto hatte sich auf sein Engagement in der KHL gefreut: hohes Tempo, feine Passstafetten, technische Kabinettstückchen – die legendäre russische Spielkultur.

    Die grosse Lohndebatte

    Vom Disziplin- und Defensiv-Zuchtmeister Hartley wurde Andrighetto schnell auf den Boden der Realität geholt. Bei Hartley gehen die Instruktionen so weit, dass er auch gestandenen Profis vorschreibt, wie sie in gewissen Situationen den Stock halten müssen. «Bob war sehr taktisch, auf dem Eis war es fast wie ein Schachspiel, man überlegte ständig. Das war schwierig, ich bin kreativ, brauche Freiheiten.» Aber Andrighetto sagt auch: «Ich lernte viel in Russland, was mir heute hilft, ein besserer Spieler zu sein.» Er hatte für zwei Jahre mit Omsk unterschrieben. Doch nach einer Saison einigte man sich auf die Vertragsauflösung.

    Viel ist seither über Andrighettos Lohn spekuliert worden, von bis zu 800 000 Franken ist da und dort die Rede – in Krisenzeiten mit staatlicher Hilfe bietet eine solche Zahl noch mehr Raum für Polemiken als sonst. Zu den kritischen Stimmen sagt er diplomatisch: «Ich verstehe, dass es Leute gab, die nicht viel Freude hatten an meinem Wechsel nach Zürich.» Aber Geldgier lässt er sich nicht unterstellen: «Als mein Vertrag in Russland aufgelöst wurde, erhielt ich keine Ablöse. Ich hätte bleiben können, ich verdiente mehr als doppelt so viel wie hier. Die Freude am Hockey, Kollegen, Lebensqualität: Das alles ist wichtiger, als Geld zu verdienen.»

    Freilich muss er bei den ZSC Lions auch nicht darben. Und in der aufgeheizten Debatte um Lohnexzesse, À-fonds-perdu-Beiträge und einen Salary-Cap geht schnell vergessen, dass es im Sport nicht nur um Geld geht, sondern auch: um Sport. Aushängeschilder braucht jede Liga und jeder Klub. Sie verleihen Strahlkraft und schaffen Identifikation. Und wer wie Andrighetto mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel erzielt, verdient seine Brötchen ehr- und redlich.

    Im Ausland ist er gereift

    Wie dieses explosive Energiebündel sich auf dem Eis auslebt, sein Team mitreisst und als Vorbereiter wie Vollstrecker glänzt, gehört zu den Höhepunkten der pandemiegeschädigten Meisterschaft. Was einzig fehlt, ist der Applaus der Zuschauer. Er wäre ihm gewiss, ganz sicher vom eigenen Fanklub, den er noch nie treffen konnte. Er heisst «Sektion Ghetto» – es handelt sich um Fans mit Sinn für Pragmatismus. Die gleichen Leute legten sich letzte Saison als «Sektion Pius» für Suter ins Zeug.

    Andrighetto hat im Ausland einen Reifeprozess durchlebt. Er, der früher ungeduldig mit dem Kopf durch die Wand wollte, wenn es nicht lief, sei etwas ruhiger geworden, sagt er. Und weniger auf die Skorerpunkte fixiert: «Wenn ich gut arbeite, kommen sie von selbst. Das habe ich in den letzten Jahren gelernt.» Der Wechsel von Hartley zu Rikard Grönborg kommt ihm sehr entgegen, die offensive Spielanlage ebenso wie die direkte und klare Kommunikation, mit der der schwedische Trainer die Spieler in die Problemlösung einbezieht. «Das erlebte ich in den letzten neun Jahren so nicht. Das vermisste ich immer. Ich habe wieder eine Riesenfreude am Eishockey.»

    Das schlägt sich mit beeindruckender Konstanz nieder. Seit 18 Spielen gelingt ihm immer mindestens ein Skorerpunkt. Eine stolze Serie, mit der er gleichauf liegt mit grossen Namen wie Ross Yates, Oleg Petrow oder Christian Dubé. Geht die Serie am Freitag in Biel weiter, wird er mit Slawa Bykow und Andrei Chomutow gleichziehen. Und sollte sie reissen, wäre das nicht schlimm. Die Liaison mit den ZSC Lions ist so oder so zu einer Win-win-Situation geworden.

    Affentheater! Wenn der Corona Scheiss vorbei ist geht eh wieder die Post ab! Und allfällige gemachte Regeln die auf einem Gentlemens Agreement beruhen können wieder über Bord geworfen werden. Niemand will die Reform, lasst es sein!

    Kent Ruhnke über Rikard Grönborg

    Der Weltmeister, der prügelte und die Eismaschine fuhr

    Was steckt hinter diesem Bart? Kent Ruhnke trifft ZSC-Trainer Rikard Grönborg, erfährt dabei Erstaunliches und möchte ihm in einem Bereich nacheifern.

    Kent Ruhnke (TA)

    Sein Hipster-Bart ist ein Indiz, dass Rikard Grönborg nicht der durchschnittliche schwedische Eishockeycoach ist. Als wir uns erstmals treffen, spreche ich ihn gleich darauf an: «Als ich 1980 ZSC-Coach war, trug ich auch einen Bart. Aber nur, um mein grosses Kinn zu verdecken. Hast du darunter auch ein solches?» Grönborg schmunzelt. «Nein, nein», wehrt er ab. Er erzählt mir, dass ihn seine Frau bat, einen Bart wachsen zu lassen – und dass sie diesen sehr mag.


    Das Eis ist damit gebrochen. Ich spüre schnell, dass sich hinter Grönborgs stoischer Fassade ein guter Sinn für Humor versteckt. Er beginnt zu erzählen. Es habe Monate gedauert, bis seine Zürcher Spieler über einen seiner Witze hätten lachen können. «Inzwischen lachen sie manchmal sogar, wenn ich gar nicht witzig sein will.»

    Grönborg überlegt sich sehr genau, was er gegenüber den Spielern aussendet. Er fühle sich ihnen verbunden, aber er sei nicht ihr Freund. «Ich gehe nie in die Kabine nach einem Spiel. Entweder sind die Spieler happy oder verärgert. Was soll ich da?»

    Ich denke unweigerlich an meine eigene Coachingdoktrin zurück. Ich legte immer Wert darauf, nach dem Spiel in die Garderobe zu gehen, um einen Schlussstrich zu ziehen und den Blick wieder nach vorn zu richten. Ich erlebte aber auch viel zu viele Trainer, die ihre schlechte Laune am nächsten Tag mit ins Training nahmen und die Atmosphäre vergifteten. Die Spieler hassten das.

    «Ich tue meine Gefühle lieber während des Spiels kund, wenn ich noch etwas ausrichten kann», sagt Grönborg. «Ich bin der Überbringer schlechter Neuigkeiten, schulde den Spielern eine Erklärung, wenn ich Veränderungen vornehme. Wenn jemand nicht gut spielt oder sich nicht ans System hält.» Deshalb sei es seine Pflicht, sich zuerst das ganze Spiel anzuschauen und es in Ruhe zu analysieren, bevor er die Schlüsse ziehe. Jetzt denke ich: Hey, ich hatte 1980 noch nicht mal einen Videorekorder. Er weiss gar nicht, wie gut er es hat!


    Ich will mehr wissen über den Mann hinter dem Bart. Als ich Mitte der Siebzigerjahre bei den Winnipeg Jets spielte, studierten meine Teamkollegen vor den Spielen jeweils das Matchprogramm mit den Statistiken der Gegner. «Wir schauen auf die Strafminuten eines jeden Spielers», erklärten sie mir. «Das zeigt uns, wer hart kämpft und wen wir aus dem Spiel nehmen können.»

    Ein Raubein als Spieler

    Nicht gerade eine wissenschaftliche Methode. Aber ich schaue mir vor dem Treffen mit Grönborg auch kurz sein «Sündenregister» an. Und siehe da: 342 Strafminuten in 116 Spielen in der zweithöchsten Liga Schwedens! Das sind viele Minuten in einer Eishockeykultur, wo es doch eher gesittet zu- und hergeht. Das gibt mir einen Anhaltspunkt, was für ein Mann mir da gegenübersitzt. Ich frage ihn, ob er auch Faustkämpfe gesucht hat. «Ja, ich war ziemlich böse. Ich spielte aggressiv, war nicht der typische Schwede.»

    Das spiegelt sich auch in seiner Laufbahn, verbrachte er doch viele Jahre in Nordamerika: zuerst als Spieler, dann als Coach. Während dreier Jahre war er zu Beginn seiner Trainerkarriere in Personalunion General Manager und Coach bei den Great Falls Americans, einem drittklassigen Juniorenteam im US-Bundesstaat Montana. «Ich kümmerte mich um alles», erzählt er. «Coaching, Spielerrekrutierung, Marketing, ja manchmal fuhr ich sogar die Eismaschine.» Es war sein härtester Job und eine gute Vorbereitung auf seine spätere Aufgabe als schwedischer Nationalcoach.

    Die Sporen abverdient

    Als er 2009 nach 15 Jahren als unbekannter Coach nach Schweden zurückkehrte, wurde er von der dortigen Trainergemeinde und den Medien mit grossen Vorbehalten empfangen. Das erinnert mich daran, wie ich 1984 nach Kanada zurückkehrte, nachdem ich mit dem EHC Biel Schweizer Meister geworden war. Ich bewarb mich, das Hockeyteam meines damals neunjährigen Sohns Corey zu coachen, wurde aber abgelehnt, weil ich keine relevanten Coachingerfahrungen in Kanada vorzuweisen hatte. Grönborg wurde in Schweden vom Verband angestellt als Videocoach. Von da arbeitete er sich hoch bis zum zweifachen Weltmeistertrainer. Er hat seine Sporen abverdient.

    Ich bohre weiter. Ist die schwedische Coolness echt, die wir bei ihm hinter der Bank sehen? Oder ist es nur eine Fassade? «Oh Boy!», ruft er aus. «Ich bin gar nicht cool. Meistens bin ich so fokussiert auf den Moment, dass es so aussieht. Aber drinnen brodelt es.» Er könne durchaus laut werden, aber er ist keiner, der die Spieler auf der Bank zusammenstaucht wie früher Arno Del Curto oder Chris McSorley. In dieser Hinsicht entspricht er der skandinavischen Schule.

    Vertrag mit den Spielern

    Aber Grönborg wendet auch moderne Leadership-Techniken an, die er im US-College lernte. So unterschrieben bei den ZSC Lions die Spieler und die Coachs vor der Saison einen Vertrag mit der Überschrift: «Fundament des Erfolgs». Grönborg teilte die Spieler in kleine Gruppen ein, in denen sie diskutierten, was Schlüsselelemente sind, um zu gewinnen. Sie präsentierten ihre Resultate dem Rest des Teams, man einigte sich auf die Hauptpunkte und schrieb diese nieder. Das von allen unterschriebene Dokument hängt über der Kaffeemaschine, damit jeder täglich daran erinnert wird. Zudem ermutigt Grönborg jeden Spieler, sich persönliche Ziele zu setzen und diese mit den anderen zu teilen.

    Als sich unser Gespräch dem Ende zuneigt, frage ich Grönborg, was er tut, um den Stress abzubauen. «Ich liebe das Männer-Spa», sagt er. «Sie legen dir ein heisses Handtuch über dein Gesicht, rasieren dich und ölen den Bart. Du wirst einfach verwöhnt.» Klingt gut. Er hat mich auf einen Gedanken gebracht: Ich möchte mir auch wieder einen Bart wachsen lassen. Meine Frau hat schon ein paarmal gesagt, ihr würde das gefallen. Grönborgs Handy klingelt, seine Frau ist dran. Er muss los. Das perfekte Timing. Wir verabschieden uns lachend.

    (Übersetzung: Simon Graf)