ZSC-Bilanz zur Saisonhälfte
Wer gefiel, wer versagte? Die Noten für die ZSC-Cracks
Von Musterknabe Geering bis zu Kummerbube Pettersson – so haben sich die Zürcher Eishockeyaner in den ersten Monaten geschlagen.
Simon Graf (TA)
Rang 2 nach Punkten und mit 1,92 der drittbeste Punkteschnitt hinter Zug (2,33) und Lausanne (2) – die ZSC Lions sind nach 26 von 52 Spielen auf Kurs. Doch so richtig begeistert haben sie selten, was sich auch in ihren Schulnoten widerspiegelt. 4,54 ist ihr Klassenschnitt, gemessen an den hohen Erwartungen. Das sind die Zwischenzeugnisse der Zürcher:
Goalies (2):
Lukas Flüeler, Note 4-5
Es ist noch nicht die Saison Flüelers. Nach einem Fehlstart wurde er zwischendurch als Nummer 1 verdrängt, dann verletzte er sich auch noch. Von zehn Spielen hat er nur die Hälfte gewonnen. Doch er ist erfahren genug, um sich davon nicht verunsichern zu lassen.
Ludovic Waeber, Note 5
Der Freiburger hat sich zur valablen Alternative zu Flüeler entwickelt, gewann seine ersten fünf Starts und 11 von 16 Spielen. Und nach einer Baisse fing er sich schnell wieder. Mit 24 erstmals in der Fremde, hat der athletisch starke Goalie seine Chance gepackt.
Verteidiger (7):
Phil Baltisberger, Note 4-5
Der jüngere Baltisberger weiss, was er kann und was nicht – und spielt entsprechend. Meist ein sicherer Wert in der Defensive, immer engagiert in den Zweikämpfen. Und dass er zusammen mit Geering die beste Plus-Minus-Bilanz (+10) hat, ist auch bemerkenswert.
Tim Berni, Note 3-4
Columbus stattete ihn mit einem Dreijahresvertrag aus, lieh ihn für diese Saison aber an die Zürcher aus. Da kämpft er in seiner dritten National-League-Saison unglücklich, wirkt oft zu ungestüm. Dabei hätte er alles, um zumindest in der Schweiz ein Topverteidiger zu werden.
Patrick Geering, Note 5-6
Dem Captain scheint die längere Wettkampfpause wegen des Coronavirus gutgetan zu haben. Er startete für einmal völlig unversehrt in die Saison und überzeugt sowohl defensiv wie auch offensiv mit zwölf Punkten. Zudem hat er jüngst den Slapshot für sich entdeckt.
Christian Marti, Note 5
Der Hüne ist an der Seite von Noreau aufgeblüht, traut sich auch offensiv mehr zu. So stürmt er zuweilen mit dem Puck am Stock kraftvoll nach vorne. Auch seine Patzer in der Defensive hat er minimiert. Spielt er so weiter, könnte das Nationalteam wieder zum Thema werden.
Johann Morant, Note 4-5
Der Franzose ist nicht der Yves Saint Laurent auf Schweizer Eis, sondern einer der eckigsten Verteidiger. Anfangs bekam er kaum Einsatzzeit, doch mit seinem kämpferischen Stil und dem wuchtigen Schuss hat er sich den Respekt der Coaches erkämpft.
Maxim Noreau, Note 5
Der Offensivverteidiger ist mit 22:35 Minuten Eiszeit pro Spiel der Marathonmann des Teams und hat trotzdem eine tiefe Fehlerquote. Nur mit dem Toreschiessen klappt es nicht so recht: Nur einer seiner 78 Schüsse fand den Weg ins Tor, eine magere Erfolgsquote von 1,28 Prozent.
Dario Trutmann, Note 4
Eine der Entdeckungen des letzten Winters, konnte er seine starken Leistungen nicht ganz bestätigen. Führte er die ZSC Lions zur Saisonmitte 2019/20 mit einer +14-Bilanz an, steht er aktuell bei minus 6. Der Zuger ist ein solider Allrounder fürs dritte Backpaar und dürfte beim ZSC bleiben.
Stürmer (15):
Sven Andrighetto, Note 5
Der versierte Flügel brauchte seine Zeit, um richtig in der National League anzukommen. Die Coaches gestanden sie ihm zu, beliessen ihn in der Toplinie, und inzwischen wird er immer besser: In den letzten 10 Spielen schoss er 7 Tore. Doch er hat noch Luft nach oben.
Chris Baltisberger, Note 5
So bitter kann Sport sein: Der Powerflügel überzeugte im Paradesturm und war mit neun Treffern der zweitbeste Torschütze, dann erlitt er am 8. Januar gegen Biel eine Unterschenkelfraktur und fällt für den Rest der Saison aus. Nicht nur seine Tore fehlen den ZSC Lions.
Simon Bodenmann, Note 4
Nach einer Gehirnerschütterung startete der emsige Flügel verspätet und mit Rückstand in die Saison. Noch fehlt die Selbstverständlichkeit des vergangenen Winters, läuft er dem Spiel oft hinterher. Das Gute ist: Er hat noch genügend Partien, um sich in Form zu spielen.
Dominik Diem, Note 4-5
Der Filigrantechniker spielt auch in seiner zweiten ZSC-Saison seit der Rückkehr nicht die Rolle wie in Biel und punktet nur spärlich. Letztes Jahr fragten wir: «Kann er eine offensiv orientierte Linie als Center führen und zusammenhalten?» Wir harren noch der Antwort.
Denis Hollenstein: Note 5-6
In den ersten Saisonmonaten sahen wir den besten Denis Hollenstein überhaupt: dynamisch, zweikampfstark und treffsicher. Mit 14 Toren ist er die Nummer 3 der Liga hinter Nättinen (16) und Mottet (15). Doch jüngst ist er etwas ins Stocken geraten.
Marcus Krüger, Note 5
Der Jungvater beweist seinen Wert fürs Team, ist schlau, stark in den Zweikämpfen, im Boxplay und am Bully und ein Mann für die wichtigen Momente. Wurde er in seiner ersten ZSC-Saison von Verletzungen gebremst, kann er sich nun immer mehr entfalten.
Marco Pedretti, Note 4-5
Der kräftige Flügel durfte sich zuletzt zweimal im Paradesturm als Baltisberger-Ersatz versuchen – mit bescheidenem Erfolg. Ihm fehlt für diese Aufgabe die Dynamik. Aber er ist ein wertvoller Arbeiter im Boxplay und im dritten oder vierten Sturm und spielt körperbetont.
Fredrik Pettersson, Note 3-4
Sein Direktschuss zählt immer noch zu den besten in der Liga, doch inzwischen hat sich der Schwede zum reinen Powerplay-Spezialisten entwickelt: Alle seine sieben Tore schoss er in Überzahl. Er müht sich auch bei 5 gegen 5 ab, bisher erfolglos. Da muss mehr kommen.
Raphael Prassl, Note 4
Der laufstarke Jungcenter ist in der Hierarchie abgerutscht, wobei sein angekündigter Wechsel zum HC Davos sicher nicht geholfen hat. Auch im Boxplay kommt er kaum mehr zum Einsatz. Viel kann man ihm nicht vorwerfen. In den Bergen dürfte er wieder aufblühen.
Garrett Roe, Note 5
Inzwischen stellt sich die Frage: Profitierte letzten Winter Suter mehr von Roe oder umgekehrt? Jedenfalls tritt der Amerikaner ohne Suter nicht mehr so dominant auf und punktet auch nicht mehr so fleissig. Doch die Qualitäten des flinken Centers sind unbestritten.
Reto Schäppi, Note 4
Mit seiner Erfahrung und seiner Zweikampfstärke ist er immer noch wertvoll, doch seine Rolle ist in den vergangenen Jahren zusehends geschrumpft. Sein Vertrag läuft aus, und es ist nicht undenkbar, dass der Ur-ZSCler seine Karriere anderswo nochmals neu lanciert.
Justin Sigrist, Note 5
Von der Gruppe der jungen Stürmer hat er sich durchgesetzt und im Team etabliert: Er ist sehr smart, mit guter Übersicht gesegnet, erstaunlich zweikampfstark und immer selbstbewusster. Und inzwischen schiesst er auch Tore: Mit seinen sieben Treffern ist er gleichauf mit Pettersson.
Axel Simic, Note 4
Anders als Sigrist, der kompletter ist, konnte der Romand die Coaches nicht von sich überzeugen. Weil er gut schiesst, geben sie ihm im Powerplay ab und zu eine Chance, sonst spielt er nicht regelmässig. Wie Prassl wechselt er in die Davoser Höhenluft.
Pius Suter, Note 5
Der letztjährige Topskorer wurde in dieser Zeitung als Miraculix bezeichnet, weil die ZSC Lions mit ihm alle neun Spiele in Meisterschaft und Cup gewannen. Inzwischen führt er die erste Linie Chicagos mit Patrick Kane an – allerdings ist er da nach drei Spielen noch sieglos.
Roman Wick, Note 4-5
Der Künstler, der bei den ZSC Lions dreimal 20 oder mehr Tore schoss, ist zur Hälfte der Qualifikation bei mickrigen zwei Assists angelangt. Er hat das Vertrauen verloren, Tore zu schiessen. Trotzdem honorieren wir seinen Elan im Boxplay und im vierten Sturm.
Nicht bewertet:
Axel Andersson, Luca Capaul, Willy Riedi, Kaj Suter.