Abgefallen bei Lausanne-FCZ
Oje FCZ
Fünf Akteure, die beim 0:4 des FCZ gegen Lausanne herausgestochen sind. Unter anderem: Marco Schönbächler, der mies verteidigt, und Trainer Ludovic Magnin, der wieder einmal eine Krise zu verantworten hat.
Thomas Schifferle, Christian Zürcher (TA)
Ludovic Magnin: Der ewig Geschützte
Vor dem Spiel sagte der Trainer noch, was Trainer so sagen: Sie wollten gewinnen. Er wünschte sich eine Mannschaft, die von der Einstellung her überzeugt wie in den ersten beiden Runden. Und dann das! Dieses komplette Debakel! Dieser Auftritt, der nichts mit Super League zu tun hat und so desolat ist, als hätten Magnins Spieler gar nichts begriffen, um was es im Fussball geht. Sie sind dem Gegner in jeder Beziehung unterlegen, spielerisch, kämpferisch, organisatorisch. Die Bilanz des FCZ im Jahr 2020 ist die pure Trostlosigkeit: gerade einmal 3 Siege in 21 Meisterschaftsspielen, dazu die blamable Niederlage im Cup beim unterklassigen Chiasso.
Bei jedem anderen Club wäre Magnin in seiner Position ernsthaft infrage gestellt worden, wenn nicht schon entlassen. Beim FCZ dagegen geniesst er die ultraloyale Rückendeckung von Präsident Canepa. Die Frage ist: Wann wird das zum Risiko?
Yanick Brecher: Der Einzelkämpfer
Letzte Saison: 72 Gegentore, neun Niederlagen mit vier und mehr Toren. Diese Saison: auch schon wieder acht Treffer kassiert in drei Runden (plus drei in Chiasso), viele nach stehenden Bällen. Yanick Brecher ist der Goalie, der bei so wenig Unterstützung von seinen Vorderleuten zum Einzelkämpfer wird. Er steht verloren hinter einer Defensive, die Mal für Mal die gleichen Fehler macht. Der Captain redet in Lausanne von fehlender Leidenschaft und mahnt nun, dass sich jeder selbst und die Mannschaft als Ganzes hinterfragen müsse. Der Satz hört sich nach einer Bankrotterklärung an – es sind erst drei Spiele gespielt. Der FCZ liegt auf dem letzten Tabellenplatz – und das als selbst ernannter Spitzenclub.
Tobias Schättin: Ein Sinnbild I
Der Linksverteidiger ist ein Sinnbild dafür, dass es im Kader des FCZ an gewissen Positionen an Qualität fehlt. Bereits bei Winterthur in der Challenge League musste der 23-Jährige um seinen Platz kämpfen, nun in der Super League werden seine Limiten ziemlich schonungslos offen gelegt. Er ist ein Risiko im Spielaufbau. Offensiv wirkungslos. Und als er sich mit einem taktischen Foul helfen will, gelingt ihm nicht einmal das. Der FCZ hat bereits reagiert und Fidan Aliti vom schwedischen Club Kalmar FF ausgeliehen. Er wird nach der Nationalmannschaftspause eingesetzt werden können.
Schättins Kollege Silvan Wallner auf der rechten Abwehrseite, ein Gewinner der ersten beiden Runden, erging es im Übrigen nicht viel besser. Der 18-Jährige steht oft falsch und spielt zig Fehlpässe. Nach 31 Minuten wird er erlöst und ausgewechselt.
Benjamin Kololli: Ein Sinnbild II
Er besitzt Qualitäten, die ihn zum etablierten Spieler in der Super League machen können. Er hat einen kräftigen Körper, eine gute Technik, einen harten Schuss. Einmal kann er diesen einsetzen, nach acht Minuten. Er jagt den Ball auf das Tor, der Ball prallt am Torhüter ab und entwischt durch die Beine von Blaz Kramer aus der Gefahrenzone. Was anschliessend von Kololli folgt, was er mit seinen Qualitäten anfängt, ist ein Jammer. Und ein Sinnbild für einen FCZ, der ohne Führung und Plan ist, ohne Herz und Kopf. Kololli drückt mit seiner Körpersprache aus, was das Problem ist: Er tut so, als ginge ihn rein gar nichts an, was an diesem Abend passiert.
Marco Schönbächler: Oje
Dieser Schönbächler hat so ziemlich alles verloren, was ihn vor Jahren ausgemacht hatte. Geschwindigkeit, Mut, Selbstvertrauen, Spielwitz. Nun ist er nur noch Durchschnitt, zumindest im Spiel nach vorne. Defensiv ist er harmlos, ja fast schon bedeutungslos. Heisst: Es gibt kaum etwas einfacheres als den Druckversuchen Schönbächlers zu entkommen. Vor dem 0:2 springt er Cameron Puertas an, er macht das so schlecht, dass man sich fragen muss, wo er das gelernt hat; wer ihm gesagt hat, dass man dies so macht. Vor dem 0:4 verliert er einen Ball, der Konter endet im vierten Gegentor.
Nicht besser ergeht es Antonio Marchesano. Letzte Woche gegen Lugano war er noch Kopf der Mannschaft, nun ist er im Spiel nach vorne völlig obsolet. Und er teilt mit Schönbächler die Mängel in der Zweikampfführung. Er verliert den Ball gegen Puertas im Mittelfeld, kurz darauf schiesst Lausanne das 0:3. Die Entscheidung im Spiel. Der FCZ ist wieder einmal in der Krise. Lehnt sich jemand auf? Sicher nicht Schönbächler und Marchesano.