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Uli Hoeness träumt von 25 000 Zuschauern – so plant die Bundesliga die neue Saison mit Publikum
Die Deutsche Fussballliga (DFL) will in der neuen Saison die Stadien zumindest teilweise füllen. Am Dienstag haben sich die Klubs auf ein einheitliches Vorgehen bei der Rückkehr des Publikums geeinigt. Ob dieses von den Gesundheitsbehörden genehmigt wird, ist aber fraglich.
Christof Krapf (NZZ)
Keine Zuschauer aus Karton mehr: Die DFL will die neue Saison vor Zuschauern beginnen.
Moritz Mueller / Reuters
In der Pandemie nimmt der deutsche Fussball erneut eine Vorreiterrolle ein. Nachdem die Deutsche Fussballliga (DFL) in der abgelaufenen Saison als erste der grossen Ligen den Restart beschlossen und durchgeführt hat, plant die Liga in der neuen Saison, die Stadien zumindest teilweise zu füllen.
Dazu hat die DFL einen Leitfaden erarbeitet, gemäss dem unter anderem ein Stehplatz- und ein Alkoholverbot in den Stadien bis mindestens zum 31. Oktober geplant sind. Ausserdem sieht die DFL eine Maskenpflicht vor, und bis Ende Jahr sollen keine Gästefans zugelassen werden. Auf Basis dieses Konzeptes haben die Klubs der drei höchsten Ligen sich am Dienstag an einer Mitgliederversammlung auf ein einheitliches Vorgehen verständigt. Die nächste Bundesligasaison beginnt am 18. September.
Neben Abstands- und Hygieneregeln ist die Nachverfolgung möglicher Infektionsketten ein weiterer Eckpfeiler des DFL-Konzepts. Dazu sei es unerlässlich, dass die Zuschauer Kontaktdaten und Identitäten hinterlegten. Auch zur Anreise, zum Einlass und zum Catering gibt die DFL konkrete Empfehlungen ab. Unter anderem müssen die Klubs nachweisen, dass die Zuschauer sicher und unter Einhaltung der Schutzmassnahmen zum Stadion gelangen. Die DFL empfiehlt, wenn möglich mit dem Auto, zu Fuss oder mit dem Velo anzureisen und den öffentlichen Verkehr zu meiden.
Laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur sind die meisten Bundesligaklubs in Kontakt mit den lokalen Gesundheitsbehörden und prüfen Spiele vor Publikum. Union Berlin hat bereits Mitte Juli den ambitioniertesten Plan der Bundesliga präsentiert: Der Klub sucht Möglichkeiten, das Stadion An der alten Försterei in der neuen Saison voll auszulasten.
Union plant, dass alle Zuschauer vor dem Spiel auf das Virus getestet werden, das Stadion fasst gut 22 000 Personen. Für die Tests will der Klub die Kosten tragen. «Zugang zum Stadion erhält man mit einer gültigen Eintrittskarte und einem negativen Testergebnis, das nicht älter als 24 Stunden sein darf», hiess es in einer Mitteilung.
Uli Hoeness, der Ehrenpräsident von Meister Bayern München, wäre schon mit einer Auslastung zu einem Drittel zufrieden. Hoeness sagte der ARD: «Ich hoffe beim Start der neuen Saison auf bis zu 25 000 Zuschauer.» Vorsichtiger plant Borussia Dortmund. Der Klub verfügt zwar über Deutschlands grösstes Stadion. Der Geschäftsführer Carsten Cramer sagte aber, dass zu Beginn wohl lediglich 12 000 bis 15 000 Zuschauer zugelassen würden. Die im Vergleich zu Bayern geringere Zahl an Zuschauern hängt mit der Dortmunder Stehrampe zusammen, die 25 000 Zuschauer fasst. Das Westfalenstadion hat eine Kapazität von über 81 000 Plätzen.
Die Anzahl der zugelassenen Zuschauer müssen die Klubs mit den lokalen Gesundheitsbehörden absprechen. Denkbar ist laut DFL, dass einzelne Klubs Geisterspiele austragen müssen, während andere bereits vor Zuschauern spielen dürfen – abhängig von der regionalen Pandemie-Situation.
Geplante Zuschauerzahl
| Klub | Geplante Zuschauerzahl | Kapazität |
|---|
| Bayern | max. 25 000 | 75 000 |
| Dortmund | max. 15 000 | 81 365 |
| RB Leipzig | 20 000 | 42 959 |
| Gladbach | keine Angabe | 54 057 |
| Leverkusen | keine Angabe | 30 810 |
| Hoffenheim | keine Angabe | 30 150 |
| Wolfsburg | keine Angabe | 33 000 |
| Freiburg | keine Angabe | 24 000 |
| Frankfurt | max. 24 000 | 51 500 |
| Hertha BSC | keine Angabe | 74 064 |
| U. Berlin | 22 012 | 22 012 |
| Schalke 04 | keine Angabe | 61 482 |
| Mainz | keine Angabe | 33 500 |
| Köln | 15 000* | 50 000 |
| Augsburg | keine Angabe | 30 660 |
| Bremen | 17 000* | 42 358 |
| Bielefeld | keine Angabe | 26 515 |
| Stuttgart | keine Angabe | 60 441 |
Tabelle zuklappen* Gemäss Medienberichten.
Quelle: DFL / ARD
NZZ / krp.
Das letzte Wort zu Spielen vor Zuschauern wird nicht die DFL, sondern die Politik haben. Jüngst gab es Anzeichen, dass Publikum bald zugelassen werden könnte. «Die Stadien werden nicht ausverkauft sein können, und das muss gut organisiert und kontrolliert werden. Dann müssen sie aber nicht mehr leer sein, finde ich», sagte der Kanzleramtschef Helge Braun.
Vorsichtiger äusserte sich der bayrische Ministerpräsident Markus Söder in der «Bild am Sonntag». Söder sagte: «Auch als Fussballfan bin ich skeptisch. Geisterspiele wird es geben, Spiele vor 25 000 Zuschauern halte ich für schwer vorstellbar.»
Der Ligapräsident Christian Seifert sagte nach der Mitgliederversammlung: «Natürlich verfolgen auch wir die Entwicklungen der Infektionszahlen. Insofern ist es absolut nachvollziehbar, dass die Signale aus der Politik zuletzt zurückhaltender ausgefallen sind.» In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden will die DFL nun Anpassungen am Leitfaden vornehmen. Ein finales Konzept für Spiele mit Publikum soll laut Seifert in etwa zwei Wochen vorliegen.
Widerstand gegen Spiele mit Publikum regt sich in Fankreisen. Einerseits stehen die Anhänger personalisierten Tickets und dem Hinterlegen von Kontaktdaten skeptisch gegenüber und fordern einen vollumfänglichen Datenschutz. Anderseits mahnen die Fans zur Vorsicht.
Jost Peter, Vorstandsmitglied bei der Dachorganisation «Unsere Kurve», sagte: «Bei aller Sehnsucht, die ich selber als regelmässiger Stadiongänger habe, wir leben in einer Pandemie. Und die Vernunft sollte immer den Gesundheitsschutz nach vorne stellen.» Würden steigende Fallzahlen den Besuch eines Spiels verunmöglichen, habe er das zu akzeptieren.