Pläne des Bundesrats
Grossanlässe könnten bis März 2021 verboten bleiben
Die Regierung erwägt, die 1000-Personen-Limite für Sportevents und Konzerte um ein halbes Jahr zu verlängern. Sportclubs zeigen sich alarmiert.
Fabian Renz, Jérôme Reynard (TA)
Die Vorfreude dürfte verfrüht gewesen sein, wie sich nun zeigt. Der Bundesrat erwägt nämlich, die 1000-Personen-Limite bis März 2021 zu verlängern. Publik wurde die Information am Dienstag an einer Medienkonferenz des Hockeyclubs Lausanne. Patrick de Preux, der Verwaltungsratspräsident des Clubs, sprach vor den Medien von einer «unerträglichen» Perspektive: Ein strenges Verbot bis im nächsten Frühjahr sei «für uns unmöglich». Finanziell könnte der Club unter diesen Bedingungen nicht überleben, betonte de Preux.
Konkret sind es gemäss zuverlässigen Quellen derzeit drei Varianten, die geprüft werden:
– Als strengste Variante schlägt das Bundesamt für Gesundheit ein vollständiges Verbot für alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen bis zum 31. März 2021 vor.
– Eine zweite Option besteht darin, Anlässe mit über 1000 Personen bewilligungspflichtig zu machen. Auch diese Regelung wäre bis 31. März befristet.
– Bei Variante 3 schliesslich würde das Verbot per 31. August vollständig aufgehoben.
«Das Ende des professionellen Sports»
Die Vorschläge befinden sich derzeit bei Kantonen und Verbänden in Vernehmlassung. Entscheiden wird der Bundesrat wohl frühestens am 12. August, wenn er sich zur ersten ordentlichen Sitzung nach der Sommerpause trifft. Dass er dabei auf Variante 3, also eine vollständige Öffnung, setzen wird, ist gemäss Insidern unwahrscheinlich. Zu zahlreich sind dafür im Moment die Neuinfektionen. Und auch Mitglieder der bundesrätlichen Corona-Taskforce rieten von einer ersatzlosen Streichung der 1000er-Grenze zuletzt verschiedentlich scharf ab.
Bessere Chancen werden der Variante 2 eingeräumt, also einer Bewilligungspflicht für Grossanlässe. Damit bliebe es wohl primär den Kantonen überlassen, wie streng die Limite angewandt würde. Viele Epidemiologen wiederum sähen eine konsequente Weiterführung des Verbots am liebsten. Freilich steht der Bundesrat unter grossem Druck von Wirtschaft und Verbänden, die Regeln wenigstens teilweise zu lockern.
Tatsächlich zeigt man sich nicht nur beim Hockeyclub Lausanne über die kursierende Variante 1 alarmiert. Aus Sicht von Christian Constantin, Präsident des FC Sion, bedeutete die vorgeschlagene strikte Obergrenze über viele weitere Monate hinweg «das Ende des professionellen Sports». Constantin sieht Befürchtungen bestätigt, die er von Beginn der Krise an hegte, wie er auf Anfrage sagt. Statt bloss 1000 Personen zu einem Spiel zuzulassen, fände er es sinnvoller, pro Tribüne nur 1000 Leute zu erlauben.
Die Swiss Football League, die seit zehn Tagen von den Vorschlägen des Bundesrats weiss, wird am Mittwoch offiziell Stellung beziehen. Sie hofft, dass die Kantone einen gewissen Spielraum erhalten. Die Liga hat das Ziel, dass 50 Prozent der Stadionkapazität genutzt werden können, immer unter Berücksichtigung von Abstands- und Hygienevorschriften. Auch sie geht davon aus, dass die Clubs um ihre Existenz fürchten müssen, wenn der Plan des Bundesrats in seiner strengsten Form umgesetzt wird.
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Mein Senf: Gute Nacht!