Für die Naivität bestraft
Als ein defensiver FCZ zu stürmen begann, gab er das Remis aus den Händen und leitete selbst das Tor zum 1:2 gegen Basel ein.
Thomas Schifferle Zürich
Vor dem Spiel meldete Goalie David Da Costa: «Wir sind bereit.» Während 70, eher 80 Minuten war allerdings die Frage: bereit wofür? Am Ende war die Antwort: Der FCZ war nicht bereit, selbst für diesen FC Basel nicht.
Darum verlor er das Spiel, mit dem Spiel auch den Kontakt zum Leader. Und blieb darum mit der Ernüchterung zurück, die Davide Chiumiento in einem Satz unterbrachte: «Das war die Dummheit von uns.» Schonungsloser ging nicht, treffender auch nicht.
87 Minuten alt war das Spiel gewesen, als sich Suchy in einen Schuss Etoundis legte. Der Ball prallte an den Oberschenkel und von da an die Hand, was Stephan Studer reichte, einen Elfmeter zu geben, den ein Schiedsrichter nicht geben muss. Yassine Chikhaoui kümmerte derlei nicht, er machte Shkelzen Gashis Führungstor aus der 41. Minute wett.
Keine 70 Stunden vorher hatte er gegen Apollon Limassol zwei Elfmeter verwertet. Dafür sollte er noch seine kleine Rolle in der Schlussaufführung spielen, die den FCZ in die Niederlage stürzte.
FCZ ängstlich statt mutig
Der FCZ war mit dem 1:1 nicht zufrieden, zumindest trat er nicht so auf. An der Seitenlinie hörte Urs Meier das Publikum, das mehr forderte, er spürte die Euphorie, die seine Spieler antrieb. Dann aber musste er auch einen Francisco Rodriguez sehen, der im Überschwang glaubte, er könnte Basler ausdribbeln, als wäre er Zidane, prompt den Ball verlor und so den Konter einleitete, der hinten Ivan Kecojevic in Nöte brachte. Kecojevic foulte Embolo und sah dafür die gelb-rote Karte.
Da Costa lenkte den folgenden Freistoss von Diaz ins Seitenaus. Da waren 93 Minuten schon fast vorbei. Es gab Einwurf, Chikhaoui, ja er, verschuldete einen Corner, weil er nur tänzelnd eingriff statt entschlossen. Zuffi brachte den Ball zur Mitte, wo Etoundi im Fünfmeterraum stand und wo Rodriguez sah, wie Gashi sich anschlich. Aber Rodriguez verzichtete darauf, dem Basler energisch zu folgen, Etoundi sprang unter Zuffis Ball hindurch, und deshalb konnte Gashi Basel den Sieg schenken – und redete Chiumiento von der Dummheit, dass man mehr gewollt habe, statt den einen Punkt zu akzeptieren.
1:2 also, der FCB war fürstlich belohnt für einen Auftritt, der weder begeisternd noch bestimmend war, sondern maximal solid. Dass ihm das schon zu den drei Punkten reichte, macht die Aussichten auf den ganzen Rest der Meisterschaft auch nicht viel verlockender. Wenn er schon so gewinnt, mit spielerischem Minimalismus, wer will ihn dann stoppen, wenn er überzeugend auftritt?
Der FCZ von gestern war nicht der FCZ, wie er sich selbst gerne sieht: stürmisch, mutig, beschwingt, unberechenbar. Er war das Gegenteil: defensiv, ängstlich, gehemmt, berechenbar. Er spielte wie der Kleine gegen den Grossen, weil er Angst davor hatte, Räume zu öffnen, die Schaden anrichten könnten. So trug er seinen speziellen Teil dazu bei, dass dieses Spiel, abgesehen von den letzten wenigen Minuten, so ohne Flair und Tempo war, ohne Begeisterung und Erinnerungswert. Um das Beste herauszulesen: Die Defensivreihen erledigten ihre Arbeit sorgfältig.
Schönbächler narrte einmal drei Basler, Chikhaoui schoss aus spitzem Winkel ins Seitennetz. Das war es an Angriffsnotizen des FCZ bis zur Pause. In der 70. Minute tauchte Schönbächler nach Etoundis elegantem Lob allein vor Tomas Vaclik auf und scheiterte. Das war der erste Schuss überhaupt, den Vaclik direkt aufs Tor bekam. Der zweite war ein wuchtiger, aber unpräziser Freistoss von Buff, der nächste und bereits letzte Chikhaouis Penalty.
Der Verlust der «Sechser»
«Wir wollten mehr machen», meldete Chiumiento. Bloss war davon nichts zu sehen. Der FCZ zahlte dafür, dass er nicht das Kader hat, wie es sich der FCB leisten kann. Dass er nicht die Routine hat wie der Leader. Und dass er auf Dauer Gilles Yapi und Burim Kukeli nicht ersetzen kann, die beiden «Sechser», die diese Saison so viel Stabilität und Balance in die Mannschaft gebracht haben. Der Ausfall von Avi Rikan hilft dann auch nicht weiter. Zu Spiel und Situation passte es, dass Berat Djimsiti mit einem Bänderriss am Knöchel ausschied, Alain Nef vom Platz humpelte und eben Kecojevic schon zum dritten Mal seit März vom Platz gestellt wurde.
Fünf Punkte liegen die Zürcher nun hinter Basel. Ihr Rückstand lässt sich allein mit den Niederlagen in den Direktduellen erklären. Aber es gibt auch den Fakt: Sie haben daheim schon zuvor zweimal nicht gewonnen, weder gegen St. Gallen (1:1) noch gegen Luzern (2:3). «Wir müssen aufstehen und vorwärts schauen», sagt Meier. Vielleicht hilft, dass gegen Cham, Thun und Mönchengladbach nur noch Auswärtsspiele anstehen.
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