Der HCD, wie er stürmt, siegt und singt
Das 2:1 gegen die ZSC Lions war der elfte Heimerfolg in Serie. Ein Genistreich Ambühls entschied.
Simon Graf Davos
Am Schluss probten die Davoser Spieler noch ein Sit-in. Auf der Mittellinie liessen sie sich nieder, die meisten schon im Unterleibchen. Es war aber kein Protest, sondern eine Ehrerbietung an ihre Fans, die das 2:1 im Spitzenkampf singend, stampfend und klatschend feierten. Mit dem elften Heimsieg in Folge nähern sich die Bündner dem Spitzenwert für eine Saison, den der SCB 1990/91 aufstellte, als er im Allmendstadion dreizehnmal nacheinander siegte.
Zwar liessen die Davoser ihren Anhang für einmal zittern, doch Genoni stoppte auch die letzten wütenden Zürcher Angriffe. Die Schlüsselparade hatte er bereits in der 56. Minute gezeigt, als er nach einem Direktschuss Wicks mit dem rechten Schlittschuh den Puck am Pfosten vorbeilenkte. Dabei musste er das Glück des Tüchtigen in Anspruch nehmen. Doch der Sieg der Davoser ging in Ordnung. Sie waren lange das aktivere Team, gaben ein hohes Tempo vor und spielten gradliniger und körperbetonter.
Für die Differenz sorgte Ambühl mit einem Geniestreich in der 26. Minute: Nur 42 Sekunden, nachdem Wick ausgeglichen hatte, düpierte er Bastl und Siegenthaler und traf ins Lattenkreuz zum 2:1. Mehr Tore sollten, obschon reichlich Chancen dazu da waren, nicht mehr fallen. Er habe ein gutes Spiel gesehen, sei aber vom Resultat enttäuscht, fand ZSC-Coach Marc Crawford. Er lobte die beiden Goalies und die Schiedsrichter Kurmann und Koch, die die Spieler hätten spielen lassen.
Mit einem Sieg nach 60 Minuten hätten die ZSC Lions die Tabellenspitze wieder übernehmen können. Doch nicht nur wegen dieser verpassten Chance war die Niederlage am Tag nach dem 6:2 gegen Lugano ein Rückschlag. Man vermisste bei ihnen lange die Konsequenz, die sie am Samstag ausgezeichnet hatte.
Seger kritisiert die Arbeitsethik
Seger fand nach dem 1:2 äusserst kritische Worte: «Man sieht immer wieder unser Potenzial, aber wir legen auch eine grosse Inkonstanz an den Tag», sagte der Captain. «Wenn wir den Titel verteidigen wollen, müssen wir begreifen, dass wir uns nicht nur auf unser Talent verlassen können. Bezüglich Arbeitsethik müssen wir uns klar verbessern. Wir haben Spiele, in denen alle die Vorgaben des Trainers umsetzen, in denen wir als Team spielen. Und solche, in denen das überhaupt nicht der Fall ist. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.»
Seger hat ein sehr gutes Gespür dafür, was das Team braucht. Und dass er nun, obschon es auf Rang 2 steht, so deutlich wird, lässt aufhorchen. In der Tat dürfte die Phase bis Weihnachten, in der noch zwölf Spiele anstehen, zeigen, wohin bei den Zürchern die Reise geht. Vergangene Saison zeigte ihr Trend im November und Dezember klar nach oben, was sich dann bis zum Titel weiterzog.
Beim HCD setzte damals die Abwärtstendenz ein, auch ausgelöst durch zahlreiche Verletzungen. Arno Del Curto bestückte sein Kader deshalb so breit wie noch nie – vor allem im Angriff. Das hat, da nun fast alle gesund sind, zur Folge, dass beispielsweise Simion, bis vor kurzem noch die Entdeckung der Saison, zuschauen und Reto von Arx als Verteidiger spielen musste. Und Sieber wurde vorerst bis Weihnachten an die Lakers ausgeliehen.
Das Erfreulichste bei den ZSC Lions war gestern der zweite Auftritt von Goalie Luca Boltshauser, der 32 von 34 Schüssen stoppte und gegen zwei Spitzenteams zeigte, dass er eine gute Alternative ist, falls Flüeler fehlt. Der 21-Jährige, der die letzten drei Jahre in Schweden spielte, trat in seinen ersten zwei NLA-Spielen erstaunlich abgeklärt auf. Das sahen in Davos auch zwölf NHL-Talentspäher, die gekommen waren, um ZSC-Verteidiger Jonas Siegenthaler zu beobachten. Der 17-Jährige machte seine Sache ordentlich, mit Abstrichen bei der Passqualität. Als es vorbei war und sich der HCD feiern liess, waren die Männer in den langen Mänteln schon weg. Auf dem Weg Richtung Hotelzimmer oder Flughafen.
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