Ausdauer und Stilsicherheit der ZSC Lions
Gefestigt und reif für den Titel
Seit Saisonbeginn zeichnen Ausdauer und Stilsicherheit die Stadtzürcher aus. Diese Qualitäten kommen auch in den Play-offs zum Tragen.
Elf ZSC Lions haben zwanzig oder mehr Scorerpunkte gesammelt. Die Stadtzürcher sind nicht nur offensiv gut aufgestellt, sie verfügen gesamthaft über viel Hubraum: vier ausgeglichene Blöcke auf dem Eis und viel technisches Know-how im Klub.
gel. Chris McSorley bediente sich nach dem Ausscheiden seines Genève-Servette HC eines martialischen Vergleichs für eine im Kern zutreffende Erkenntnis: Die grossen Deutschschweizer Klubs seien wie die chinesische Armee, sagte der Kanadier im kleinen Kreis, wenn immer ein Eigener ausfalle, rücke ein gleichwertiger Ersatz nach.
Die Halbfinalserie der Stadtzürcher gegen Genf/Servette trug nur in seltenen Phasen die Züge einer Schlacht, in der möglichst viel physisches Einschüchterungspotenzial aufgebaut und eingesetzt wird. Das Team vom Lac Léman kann zwar hart spielen, im Duell gegen den ZSC war aber die physische Robustheit nicht entscheidend. Die hüftsteifen Genfer Abwehrschlosser waren einfach zu wenig wendig und zu langsam, um die läuferisch guten Techniker des ZSC mit Checks zu quälen.
Das moderne Eishockey entwickelt sich zum modernen Schach mit dem Rechenschieber. Darunter ist weniger die Taktik zu verstehen, mit wie vielen Leuten die eigene blaue Linie verteidigt wird, als vielmehr die Fähigkeit einer Mannschaft, vom prozentualen Leistungsmaximum pro Partie möglichst eine hohe Quote abzurufen. Genau diese Fähigkeit demonstrieren heuer die Stadtzürcher mit vier Blöcken. Als klarer Leader spielten sie seit Januar oft genug nur mit Standgas. Aufgrund ihrer technischen oder spielerischen Überlegenheit ergaben sich aber immer wieder Optionen für den Erfolg.
Im Play-off hinterliess der ZSC bisher kaum je den überwältigenden Eindruck einer Maschine, bei der alle Aggregate mit maximaler Kraft synchron arbeiten. Weil die Mannschaft einen grossen Hubraum hat, genügt auch einmal Durchschnitt, selbst wenn viele Beobachter stets Besseres erwarten. Für die beeindruckende Konstanz in der Breite der Stadtzürcher gibt es zuverlässige Indizien. In allen Partien, die Qualifikation eingeschlossen, erzielten elf Spieler zwanzig oder mehr Scorerpunkte. In der Regular Season lag das Team während unglaublicher 89 Tage an der Spitze, es zeichnete während 25 Runden als Leader. Diese Ausdauer und diese Stilsicherheit müssen im Play-off zum Tragen kommen. Über Best of Seven kann zwar jede Equipe einmal ausrutschen oder in der Overtime unbedarft ein Tor schlucken und verlieren. Die zwei Play-off-Serien über die maximale Distanz sind vor diesem Dekor aus Sicht des ZSC nicht einmal ein Schönheitsfehler. Die Mannschaft des Headcoachs Crawford biss zweimal in der Stunde X gegen Lausanne und Genf zu, in den wichtigen Momenten, in denen die Welschen immer wieder als Erfinder der hängenden Schultern – dem Symbol für fehlenden Widerstand – aufwarten.
Beachtlich ist die Balance in der Zürcher Mannschaft, die am liebsten angreift, vor dem Tor mit schnellem Passing die Gegner überfordert. Allerdings sind die Zürcher nicht eindimensional offensiv ausgelegt. Der Verteidiger Bergeron etwa mag zwischendurch ein Irrlicht sein, aber er hat die Gabe, sich als Abwehrspieler rasch zu verschieben und sofort zu schiessen, bevor der Gegner die Ordnung Mann gegen Mann wiederhergestellt hat. Seine Weitschüsse sind klasse, nachdem sich lange Zeit die taktische Einschätzung hielt, die Powerplay-Effizienz lasse sich mit Querpässen steigern, nach dem früheren Vorbild des Finnen Nummelin im HC Lugano.
Im Final gegen Kloten starten die Zürcher mit der Referenz, heuer vier von sechs Partien gegen die Flyers gewonnen zu haben. Die Marge zwischen diesen zwei Teams wird schmal sein, nicht zuletzt aber auch vom Umstand abhängen, wie gut die Goalies halten. Die Lions verfügen mit Flüeler über einen soliden Keeper, aber er ist – bezüglich Erfahrung und Ausstrahlung auf dem Eis – noch kein Pavoni oder Tosio. Der Shutout im siebenten Spiel gegen Servette kam für ihn im richtigen Moment.
Die Anerkennung im Eishockeyland gilt auch der Sachlichkeit in der technischen Führung in Oerlikon. Kein anderer Verein in der Liga verfügt in den verschiedenen Chargen über so viel Know-how wie der Stadtklub. Der Sportchef Salis zeigt eine gewisse Gelassenheit, die Organisation ist in sich gefestigt und reif für den Titel. (NZZ)