Erfolgreich auf drei Hochzeiten tanzen
Der FCZ hat Geldsorgen und noch keinen Hauptsponsor, aber hohe sportliche Ziele.
Von Peter Bühler, Zürich
Urs Meier lässt an diesem Montagnachmittag im FCZ-Museum keine Zweifel offen. «Ein guter Start ist enorm wichtig für den weiteren Verlauf der Meisterschaft», sagt der Trainer an der Pressekonferenz vor der neuen Saison. Sie beginnt für den FCZ am Sonntag mit dem Heimspiel gegen Thun. «Drei Punkte sind Pflicht», erklärt Meier. Nach dem Auftakt folgen die Auswärtsspiele in Sitten und Luzern, was Meier bemerken lässt: «Ein happiges Startprogramm.»
Schon im Februar, vor dem Beginn der Rückrunde, hatte der Trainer stets auf die Bedeutung der ersten Partien hingewiesen. Damals gewannen die Zürcher im Letzigrund zuerst gegen Lausanne 2:0, und sie holten in den folgenden fünf Partien weitere 13 Punkte. Die Abstiegsgefahr, in der sich der FCZ als Neunter in der Winterpause befunden hatte, war schnell gebannt. Am Schluss war er Vierter und für die Europa League qualifiziert – und er hatte sehenswerten Offensivfussball geboten, am meisten Tore aller Super-League-Clubs erzielt. Meier sagt selbstbewusst: «Wir wollen die starke Rückrunde bestätigen.»
Wenn es gelingt, dann wird der FCZ an der Spitze mitspielen. «Das muss das Ziel sein», bestätigt Meier. Vom Meistertitel spricht er nicht. Das könnten, ergänzt er, die Grossen des Schweizer Clubfussballs tun: «Basel und YB müssten mit ihrem vielen Geld den Titel eigentlich unter sich ausmachen.» Meier sieht den FCZ eher in der Rolle des Spielverderbers, der die Giganten ärgern könnte. Für ihn ist die Meisterschaft das Kerngeschäft, doch er will mit der Mannschaft auch im Schweizer Cup und im Europa Cup weit kommen: «Der Cupfinal muss ein zusätzliches Ziel sein – und in der Europa League wollen wir in die Gruppenphase.» Dazu müssten die Zürcher die dritte Qualifikationsrunde und das Playoff überstehen.
Den erfolgreichen Tanz auf drei Hochzeiten strebt der FCZ mit einer Mannschaft an, die ähnlich stark einzustufen ist wie das Team der Rückrunde. Er hat die Abgänge von Drmic, Gajic, Béda und Jahovic mit Franck Etoundi, dem Israeli Avi Rikan und Alain Nef kompensiert, in absehbarer Zeit werden auch der verletzte Rückkehrer Teixeira sowie der unter Magenproblemen leidende Chikhaoui einsatzfähig sein.
Philippe Koch neuer Captain
Meier ist von der Qualität der Mannschaft angetan, die vom neuen Captain Philippe Koch angeführt wird. Über die Zuzüge sagt er: «Etoundi ist wohl der schnellste Stürmer der Liga, Rikan hat einen starken linken Fuss und dürfte Gajic gut ersetzen, und Nef wird mit seiner Routine sehr wertvoll sein.» Das Kader, in das zusätzlich Nachwuchsverteidiger Leandro Di Gregorio und der dritte Torhüter Andres Malloth integriert werden, umfasst 25 Spieler.
Sportlich scheint der FCZ gut aufgestellt, finanziell weniger. Er ist in hohem Mass von seinem Präsidenten und Mehrheitsaktionär Ancillo Canepa abhängig, der im Geschäftsjahr 2012 den grössten Teil der 8,98 Millionen Franken an Sanierungsbeiträgen einschoss. Der FCZ braucht frisches Geld, weshalb an der Generalversammlung vom 24. Juni die nächste Kapitalerhöhung von 2,7 Millionen genehmigt wurde – auch bei der Zeichnung der neuen Papiere werden Canepa und seine im Verwaltungsrat als Beisitzerin einflussreiche Ehefrau Heliane gefordert sein. Canepa hat dem Club einen Sparkurs verordnet, das Budget wird um 20 Prozent auf rund 16 Millionen gesenkt – nach dem Einbruch der Einnahmen 2012 im Vergleich zu den Europacupjahren 2011 und vor allem 2009.
Mit blanker Brust in die Saison?
Und dem FCZ fehlt der Hauptsponsor, nachdem der Vertrag mit der Telefongesellschaft Talkeasy ausgelaufen ist. «Es ist möglich, dass wir ohne Werbeaufschrift auf den Tenüs in die Saison gehen», sagt der Technische Direktor Marco Bernet. Canepa, der an der Medienkonferenz nicht teilnahm, aber beschwichtigt: «Wir sind auf gutem Weg, einen Sponsor zu finden.» Das liesse nach dem Millionenverkauf von Drmic nach Nürnberg weiteres dringend benötigtes Geld in die Kasse fliessen.
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