Der spätberufene Playoff-Spezialist der ZSC Lions
Von Simon Graf, Zürich
Mark Bastl ist ein Mann für grosse Spiele, weil er den Druck mag. Heute will er im Hallenstadion auf 2:1 stellen.
Es ist, fast alle Jahre wieder, die gleiche Geschichte bei den ZSC Lions. Eine erfreuliche. Nämlich jene, dass mit Mark Bastl zu rechnen ist, wenn das Playoff beginnt. Der schweizerisch-amerikanische Doppelbürger ist einer, der besser wird, je entscheidender die Spiele sind. 2012 traf er unter anderem zum Siegtor in der zweiten Halbfinalpartie gegen Zug und in Spiel 7 gegen den SCB. Zum Auftakt des Viertelfinals gegen Davos war der kräftige Flügel nun der effizienteste ZSC-Stürmer. Er erzielte in Spiel 1 mit einem platzierten Hocheckschuss das 2:2, am Dienstag nun konnte der HCD auf sein spätes 4:3 nicht mehr reagieren.
«Es ist fair, dass es 1:1 steht»
«Beide Spiele waren ausgeglichen, ich denke, es ist fair, dass es 1:1 steht», sagt er am Tag danach in der Kunsteisbahn Oerlikon nach einer kurzen Einheit, der nur die Hälfte des Teams beigewohnt hat. «Es war ein intensives Spiel in Davos, jeder erholt sich so, wie es für ihn am besten ist.» Es sind vorwiegend junge Spieler, die an diesem Mittwochvormittag ihre Schlittschuhe angezogen haben – und eben Bastl, der 32-Jährige, der nicht genug bekommen kann. Sein Fleiss und seine professionelle Einstellung haben ihm, der zuerst sein Wirtschaftsstudium in den USA abschloss und sich erst mit 26 so richtig in der National League A etablierte, zu einer respektablen Karriere verholfen.
Der damalige ZSC-Sportchef Peter Iten holte ihn 2008 als Verlegenheitstransfer nach Zürich, das seitdem Bastls Heimat geworden ist. «Ich brauchte meine Zeit, bis ich mein sportliches Zuhause fand», sagt er. «Hier fühlte ich mich vom ersten Tag an wohl. Mir gefällt es in diesem Verein, in dieser Stadt.» Auch wenn es, wie er schmunzelnd anfügt, hier natürlich landschaftlich nicht so schön sei wie in Villars, wo er aufwuchs. Er wohnt nicht im steuergünstigen Winkel, wo die ZSC Lions möglichst viele ihrer Spieler einquartieren, sondern in Neu-Oerlikon, «fünf Minuten mit dem Velo vom Hallenstadion entfernt».
Obschon sein guter Freund Thibaut Monnet bei Gottéron unterschrieb, entschied sich Bastl für einen Verbleib beim ZSC. «Es ist schade, dass er geht», sagt er. «Wir haben fast überall zusammengespielt. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es für mich schon Zeit sei, Zürich zu verlassen. Am Ende traf er seine Entscheidung, ich meine.» Er fügt an: «Aber wir haben noch viel vor uns in dieser Saison.» Dazu ist er gewillt, seinen Teil beizutragen. «Es ist wunderbar, jeden zweiten Tag zu spielen», sagt er. «Und es ist schön, dass die Spiele nun so bedeutend sind. Man verliert ein paar Mal, und schon kann es vorbei sein.»
Das kritische Auge des Vaters
Der Druck scheint ihn, der schon zu den älteren Semestern im Team zählt, eher anzuspornen als zu hemmen. Er sagt: «Es ist gut, Druck zu haben. Dann konzentriert man sich mehr, man ist aufmerksamer.» Wichtig sei für den weiteren Verlauf der Serie, «hart zu spielen auf die Davoser Schlüsselspieler wie Forster und Reto von Arx». Wenn die Serie in die entscheidende Phase geht, erwartet Bastl im Hallenstadion den Besuch seines Vaters, des ZSC-Aufstiegstrainers von 1983. «Er sagt mir dann schon, was ich falsch mache», bemerkt er lächelnd. Auch damit kann er umgehen.
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