Beiträge von Larry

    larry hat schon vor 12 Jahren zum Boykott aufgerufen 🥳🥳

    In Deutschland machen ja ganze Kurven Aufruf zum Boykott.

    ...und guckt jetzt trotzdem. Bringt ja nichts!

    Die Kurven waren noch nie Fan einer Nati, auch die SK wirst du nie an einem Nati Spiel finden, von dem her: Who cares?

    Den Entscheid finde ich nach wie vor einen Skandal und falsch.

    Aber Lebbe geht weider!

    Das Wort zum Abschied:

    Die deutsche Nationalmannschaft entfremdet sich immer mehr von ihrem Publikum

    Die deutschen Fussballer wirken an dieser WM seltsam entrückt. Das hat nicht nur mit den Diskussionen um die Captainbinde zu tun. Es ist das Ergebnis eines langen Prozesses.

    Stefan Osterhaus, Doha01.12.2022, 05.30 Uhr (NZZ)


    Das Verhältnis zwischen dem deutschen Nationalteam und seinen Fans ist angespannt. Nach dem 1:1 gegen Spanien gibt es immerhin gegenseitigen Applaus.

    Das Verhältnis zwischen dem deutschen Nationalteam und seinen Fans ist angespannt. Nach dem 1:1 gegen Spanien gibt es immerhin gegenseitigen Applaus.

    Rungroj Yongrit / EPA

    Wie gross ist die Distanz zwischen Deutschlands Nationalelf und dem Publikum in der Heimat? Blickt man auf das vergangene Wochenende, könnte man meinen, sie betrüge relativ genau 125 Kilometer. 125 Kilometer: Das ist die Distanz zwischen dem Domizil der Deutschen im Norden Katars und dem Medienzentrum in al-Rayyan, in dem vor WM-Spielen jeweils der Nationaltrainer und ein Spieler Auskunft geben.

    Am Wochenende aber hatte die deutsche Delegation es nicht für nötig befunden, einen Spieler vor dem Match gegen Spanien zu entsenden. Der Bundestrainer Hansi Flick kam alleine, und die Botschaft, die er überbrachte, rief Kopfschütteln hervor: Die Deutschen hätten die Medien gerne bei sich begrüsst. Schliesslich, so Flick, stünde ein vollwertiges Medienzentrum zur Verfügung.

    Die Fifa lehnte die Offerte dankend ab, bestand auf das bewährte Prozedere. Da den Deutschen die Bitte abgeschlagen wurde, seien sie nun ein wenig «enttäuscht», sagte Flick.

    Nachrichten aus einem anderen Universum

    Es waren Nachrichten aus einem anderen Universum. Als solches wird der Rückzugsort im Norden Katars wahrgenommen. Und er ist nur ein Symptom mehr für die schleichende Entfremdung eines Millionenpublikums von seinem einst liebsten Kind. Sie ist messbar. In Ticketverkäufen an Heimspielen, in Einschaltquoten. Den ersten Match gegen Japan sahen am TV nicht mehr als neun Millionen Zuschauer – ein Tiefstand, wie er kaum für möglich gehalten worden war.

    Gewiss zeitigt die Diskussion um den nicht sonderlich populären WM-Ausrichter Katar gewisse Effekte. Allerdings schalteten selbst zum Match gegen Spanien, in dem es für die Deutschen um viel ging, nicht mehr als 17 Millionen Leute ihre TV-Geräte ein – früher waren es bei vergleichbaren Spielen schon einmal 25 Millionen oder mehr. Dieser Wert dürfte auch am Donnerstag im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica kaum erreicht werden.

    Es sind Anzeichen einer schleichenden Entfremdung. Dabei gibt es keinen fixen Punkt, der sich bestimmen liesse, keine Markierung, von der sich sagen liesse: Ab dann liefen die Dinge aus dem Ruder. Vielmehr ist es eine Verkettung von Ereignissen, die dazu geführt hat, dass diese Mannschaft dem Publikum immer fremder geworden ist. Sicher, es gab ein paar Anlässe, die diese Entwicklung beschleunigten: die WM 2018 etwa, als eine präpotent auftretende deutsche Mannschaft in der Vorrunde ausschied.

    Angereist als Favorit, leistete sie sich eine lange Diskussion um ein Treffen ihres Mittelfeldspielers Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Özils Weigerung, Abbitte zu leisten, wurde vom Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, gar als Alibi genutzt, wofür er heftig kritisiert wurde. Unter der Regie des alerten Marketing-Offiziers des DFB sind sonderbare Sachen zustande gekommen, wie die zeitweilige Umetikettierung der Nationalmannschaft, die in der Folge bloss noch die «Mannschaft» hiess. Solche Beliebigkeit goutierte das Publikum nicht. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass der DFB nicht mehr weiss, wer seine Kundschaft ist.

    Der Anspruch wird nicht mehr eingelöst

    Zumal der Anspruch, zu den Besten zu gehören, längst nicht mehr eingelöst wurde. Die Beharrlichkeit, mit der sich der damalige Bundestrainer Joachim Löw an sein Amt klammerte, irritierte, ebenso die Unfähigkeit des Verbandes, dem Engagement nach langen, erfolgreichen Jahren ein Ende zu setzen.

    So ist kaum anzunehmen, dass Löws Nachfolger und ehemaliger Assistent Hansi Flick einen grösseren Anteil an der Schieflage zu verantworten hat, in die das Verhältnis von Nationalteam und Öffentlichkeit geraten ist. Kein anderer Trainer wäre mit so viel Wohlwollen begrüsst worden wie der ehemalige Bayern-Coach, der im Ruf steht, ein Spielerversteher zu sein, der nicht zuchtmeisterlich, sondern auf kooperative Art zu Erfolgen kommt. Doch Flicks unglücklicher Auftritt vor dem Match gegen Spanien illustriert: Er hat die Gepflogenheiten im DFB sehr schnell adaptiert.

    Aber ist es bloss eine Frage der Mannschaft und des Milieus, in dem sie sich bewegt? Oder hat auch der DFB einen Anteil daran? Fest steht, dass der Ruf der Institution seit Jahren leidet. Nun versuchte der ehemalige SPD-Landespolitiker Bernd Neuendorf dem Verband ein neues Profil zu geben. Bis jetzt nimmt sich die Situation eher enttäuschend aus. Die Diskussionen um die Captainbinde hinterliessen einen überforderten deutschen Stab, bis anhin fügt sich Neuendorf in die Reihe seiner Vorgänger. Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Reinhard Grindel und Fritz Keller – sie alle machten einen bisweilen überforderten, teilweise auch eitlen Eindruck.

    Nun geht es um Folklore

    Wie aber lässt sich das gestörte Verhältnis von Team und Publikum wieder einrenken? Wonach es verlangt, ist nicht schwer zu erraten. Keiner in dieser Mannschaft geniesst grössere Sympathien als der Mittelstürmer Niclas Füllkrug von Werder Bremen. Füllkrug rutschte auf den letzten Drücker ins Kader, gegen Spanien bewährte er sich als Joker mit einem fulminanten Treffer zum Ausgleich.

    Füllkrug lebt eine Bodenständigkeit, wie sie im Fussball der Gegenwart selten geworden ist. Seine Zahnlücke macht ihn, den Stürmer mit der Statur eines Möbelpackers, unverwechselbar. Tritt Füllkrug auf, mahnt er zur Mässigung und sagt, es sei nicht an ihm, Ansprüche zu stellen.

    Niclas Füllkrug zeigt seinen Bizeps.

    Youtube

    Er konterkariert die Wichtigtuerei um ihn herum – und besetzt damit jene Leerstelle, ohne die das Ensemble entrückt erscheinen würde. Jahrelang kam diese Rolle dem Kölner Stürmer Lukas Podolski zu, an der letzten Europameisterschaft dem niederrheinischen Psychologie-Studenten Robin Gosens, der sich auf dem Umweg über Italien ins Nationalteam spielte.

    Nicht umsonst kapriziert sich die Berichterstattung gerne auf solche Spieler, die dann «Typen» genannt werden. Es sind Karrieren, die keinem Plan zu folgen scheinen. Dem Erfolg, so hat es den Anschein, wohnt etwas Irrationales inne. Letztlich aber ist der Kult um solche Figuren nichts weiter als Folklore – und bloss ein weiteres Symptom dafür, wie fremd sich Mannschaft und Publikum geworden sind.

    Er schien ganz zufrieden mit der Situation und meinte es sei ein Anfang.

    Er lebt seinen NHL Traum, ist ihm scheinbar immer noch mehr wert als das Geld in der CH.

    Verstehe ich, zurück kommen kann er immer.

    Solange er spielt bleibt er, spielt er nicht mehr gibt es ev. einen Transfer oder er kommt zurück, das kann aber auch erst auf nächste Saison sein.

    Er ist jetzt die fünfte Saison in der NHL und hat dort hauptsächlich 3. und 4. Linie gespielt, aber er spielt in der NHL!

    Solange die Leafs ihn regelmässig einsetzen wird er nicht zurück kommen, ev. spekuliert er auch auf den Titel mit den Leafs.

    Für ihn wäre ein Transfer zu einem Team das ihm 1. oder 2. Linie offeriert das Beste.

    In die CH zurück kommen kann er jederzeit, das weiss er. Glaube aber nicht an eine Rückkehr im Januar wenn er weiterhin eingesetzt wird.

    Ist nach wie vor eine Abwägung von "NHL Traum am Leben halten" zu "mache in der CH mehr Kohle".

    In seiner besten Saison 17/18 mit den Panthers mache er in 51 Spielen 22 Punkte und lag auf Platz 12 der internen Skorerliste, vor ihm mit 23 Punkten ein gewisser Colton Sceviour......der unterdessen nach 535 NHL Spielen auch in der CH gelandet ist.

    ich finde, man darf auch mal über Ghetto sprechen. Der performt imo auch zu wenig!

    Viele hier haben gemeint er würde ohne Malgin wieder aufblühen. Ist er nicht. Klar ist er rund um Leute wie Wallmark, Kukan (!), Lehtonen und Lammikko. Aber auch nur zwei Punkte besser als ein Riedi! Ich erwarte klar mehr von Ghetto.

    Schweizer Fans an der WM

    «Sehr schön ist es hier, alles passt: die Architektur, der ÖV, die Leute, das Essen»

    Schweizer Fans sind fasziniert von Katar. Zwischen den Spielen gehen sie auf Touren, Hafenrundfahrten oder Safari. Von Kritik am Gastgeberland wollen sie wenig wissen.

    Ueli Kägi
    Ueli Kägi (TA)
    Publiziert heute um 11:39 Uhr


    Vier vom «Swiss Fans Club Lumino» aus dem Tessin: Davide, Gianmarco, Michele und Toma an einem Match in Katar.


    Vier vom «Swiss Fans Club Lumino» aus dem Tessin: Davide, Gianmarco, Michele und Toma an einem Match in Katar. Foto: Selfie

    Lumino ist ein kleines Dorf bei Bellinzona, ganz im Süden des Misox, keine 2000 Einwohner hat es. Der «Swiss Fans Club Lumino» zählt trotzdem 250 Mitglieder. Sie kommen aus dem ganzen Tessin und aus dem Kanton Graubünden. Nach Katar haben es acht von ihnen geschafft, sechs Männer und zwei Frauen.

    «Sehr schön ist es hier», sagt Michele Garbani, «alles passt: die Architektur, der öffentliche Verkehr, die Sauberkeit, die Leute, das Essen.» Das klingt ein wenig wie bei einer Städtereise nach Valencia. Und das ist vielleicht auch nicht zufällig. Michele findet, die Medien hätten mit ihrer kritischen Berichterstattung zur WM in Katar übertrieben.


    Die Spiele der Schweizer hat die Tessiner Reisegruppe bisher gesehen, am Freitag folgt der Serbien-Match. Schafft es die Schweiz in den Achtelfinal, möchten sie bleiben. Zwischen den Spielen sind sie auf Tour. Laufen durch die Stadt, machen eine Hafenrundfahrt, gehen auf Wüsten-Safari.

    Begeistert sind sie, wenn die südamerikanischen Fangruppen für das passende Ambiente sorgen, auch beim gemeinsamen Public Viewing auf dem Kreuzfahrtschiff, das im Hafen von Doha vor Anker liegt und auf dem sie während der WM wohnen. Was sie stört an diesem Turnier? Nicht sehr viel. Die vielen Sicherheitskontrollen. Und vielleicht die 14 bis 15 Franken für ein Glas Weisswein.



    Fasziniert von den Gegensätzen


    Die EM 2021 hat ihnen Lust auf die WM 2022 gemacht: Trix und Daniel Zimmermann aus Visperterminen im Wallis.


    Die EM 2021 hat ihnen Lust auf die WM 2022 gemacht: Trix und Daniel Zimmermann aus Visperterminen im Wallis. Foto: Privat

    Sie ist Trix. Er heisst Daniel. Vergangenes Jahr reiste das Ehepaar Zimmermann aus dem Wallis dem Schweizer Team erstmals an einer EM hinterher – bis nach Aserbeidschan. Es hat ihnen so gut gefallen, dass sie jetzt an ihrer ersten WM sind. Trix sagt: «Bestimmt ist hier nicht alles gut. Aber das ist bei uns auch nicht der Fall.»

    Sie sind auf das zweite Schweizer Spiel hin nach Katar geflogen. Sie ist fasziniert von den Gegensätzen in Doha. Hier die imposante Skyline, in den vergangenen 20 Jahren aus dem Boden gestampft. Und gleich daneben vergleichsweise winzige Häuser wie auf dem Souq Waqif, dem 2006 restaurierten traditionellen Markt. Hier 300’000 Einheimische, dort rund 3 Millionen Gastarbeiter.

    Nur in einem hat sie sich getäuscht. Die Stadien liegen zwar alle relativ nah, die Anreise mit Taxi oder U-Bahn braucht aber doch Zeit. Sie sagt: «Ein Matchbesuch ist aufwendiger, als ich gedacht habe.»



    Schreckmoment vor dem Stadion


    Zwei Herzen: Leda und Rolf Schellenberg auf der Tribüne beim Spiel Brasilien - Schweiz.


    Zwei Herzen: Leda und Rolf Schellenberg auf der Tribüne beim Spiel Brasilien - Schweiz. Foto: Privat

    Leda und Rolf Schellenberg sind keine riesigen Fussballfans. Sie haben sich sehr spontan und nach der Gruppenauslosung entschieden, an die WM zu reisen. Sie ist gebürtige Brasilianerin, er ist Schweizer. Seit 30 Jahren sind sie verheiratet.

    2006 sind die beiden von Wallisellen nach München gereist, um die WM-Atmosphäre zu geniessen, an einem Match waren sie damals aber nicht. Bei der Partie zwischen der Schweiz und Brasilien waren sie nun erstmals im Stadion. Sie mussten dafür einen Schreckmoment überstehen. Durch ein Malheur wurde das Handy mit den gespeicherten elektronischen Tickets nass und setzte einen Moment lang aus.


    Rolf hat die Berichterstattung rund um diese WM intensiv verfolgt, er ist selbst kritisch gewesen gegenüber dieser Veranstaltung. Nach drei Tagen in Doha traut er sich noch keine Einschätzung zu, was er nun von diesem Turnier und dem Land halten soll. Was er bisher gesehen hat, gefällt ihm aber: Das Klima findet er wunderbar, und die Leute seien ausserordentlich freundlich.

    Leda hätte sich über ein 1:1 im Match zwischen ihrer alten und der neuen Heimat gefreut, jetzt hofft sie auf ein zweites Spiel zwischen der Schweiz und Brasilien – im Final. Weil es ihr in Doha gut gefällt, möchte sie die Reise gerne verlängern. Gebucht haben sie eigentlich nur bis nach dem Match gegen Serbien.


    Der Routinier: 19 Spiele in 19 Tagen


    Viel mehr WM geht nicht: Peter Meier (im weissen Hemd) und seine Freunde beim Spiel zwischen England und Wales. Das Selfie schiesst Roman Hangarter, früherer Nachwuchschef von GC und jetzt beim FC Lugano.


    Viel mehr WM geht nicht: Peter Meier (im weissen Hemd) und seine Freunde beim Spiel zwischen England und Wales. Das Selfie schiesst Roman Hangarter, früherer Nachwuchschef von GC und jetzt beim FC Lugano. Foto: Privat

    Peter Meier ist aus Südamerika eingeflogen, um die WM in Katar zu erleben. Meier ist ein WM-Routinier. Aufgrund der Begleitumstände nicht nach Katar zu gehen, hat er sich nicht vorstellen können. Dafür ist er zu sehr Fussballfan.

    Seit seiner Pensionierung vor anderthalb Jahren lebt Meier in Brasilien, der Heimat seiner früheren Frau. Es ist sein zwölftes grosses Turnier, die sechste WM. Die Schweizer Partien nimmt er gerne mit, dann trägt er auch das rote Trikot, sie stehen aber nicht im Zentrum.

    Er möchte Spiele mit grossen Teams und guter Atmosphäre sehen. Möglichst viele Spiele. 19 Mal in 19 Tagen wird er bis zu den Viertelfinals im Stadion sein, dann reist er wieder ab. Irgendwann wird es auch für ihn zu lang. Nur einmal ist er bisher bis zum Final geblieben, 2014 in Brasilien, als er 21 Spiele sah. Das war damals auch sehr praktisch: Er besitzt eine Wohnung in Rio.

    Vier Freunde aus dem Raum Schwamendingen, Dietlikon, Dübendorf sind mit Meier in Katar, sie reisen schon seit Jahren zusammen an Welt- und Europameisterschaften. Mit dabei ist auch Roman Hangarter, bis in diesem Frühjahr Nachwuchschef bei GC, jetzt Leiter Academy beim FC Lugano. Knapp 7000 Franken kostet die Reise pro Person inklusive Tickets und ohne Mahlzeiten, wobei Hangarter etwas günstiger wegkommt, weil er früher abreist. Die Gruppe übernachtet in zwei Wohnungen mit je drei Schlafgelegenheiten, Meier hat wie immer die Reise und Tickets organisiert.

    Wenn die Verkaufsportale öffnen, sitzt er stundenlang vor dem Computer, vor sich die Kreditkartennummern von sich und seinen Kollegen. Für Katar sei es vergleichsweise einfach gewesen, Karten zu bekommen. Und was Meier nicht in der ersten oder zweiten Verkaufsphase ergattern konnte, sichert er sich auch in diesem Tagen noch auf dem offiziellen Wiederverkaufsportal.


    Eine Hälfte Rot, die andere Hälfte Gelb


    Fussball, Familie und Pokal: Daniel, seine Frau Edien und die beiden Kinder.


    Fussball, Familie und Pokal: Daniel, seine Frau Edien und die beiden Kinder. Foto: Privat

    «Ich liebe Fussball über alles, und für Fussball würde ich alles geben», sagt Daniel. Er ist Unternehmer und wohnt mit seiner Familie im Appenzell. Jetzt ist er zusammen mit seiner brasilianischen Frau Edien und den kleinen Kindern Eric und Elen in Doha. Für ihn ist es die dritte WM. Edien hat er am Turnier 2014 kennen gelernt. 2018 war er in Russland.

    Beim Brasilien-Match sass die gesamte Familie im Stadion, die eine Hälfte im Schweizer Rot, die andere Hälfte im brasilianischen Gelb. Sonst geht Daniel alleine, gebucht hat er die Schweizer Spiele. Bleibt die Mannschaft im Turnier, werden die Ferien verlängert. Ist kein Fussball, macht die Familie Ausflüge, zum Beispiel mit dem Taxi zum Kamelreiten in die Wüste. Auch er ist nicht gekommen, um Kritik zu üben am Gastgeberland. Die Zeit in Doha findet er «sensationell».

    Warum sollte er zurückkehren??

    Er hat von 25 Spielen 18 gemacht, war also bereits bei 7 Spielen überzählig, so auch gestern Nacht.

    Punktausbeute 2G 2A 4P

    Spielt nur noch in den hinteren Linien wo er eben nicht hingehört.

    Spielt für das Minimum von 750K, macht nach Steuern noch so 375K, da macht er in der CH mehr.

    Entweder er geht zu einem Club unten in der Tabelle wo er 1-2 Linie spielen kann oder er kommt zurück. Was er jetzt macht das macht wenig Sinn.

    8 Fan-Typen an der WM

    Wer sitzt da eigentlich im Publikum? Ein Augenschein

    Keine Fussballkultur, keine Stimmung, keine echten Fans: Die europäische Meinung über das Turnier ist gemacht. Der Blick vor Ort zeigt: Das stimmt im Ansatz – und ist doch anders.

    Florian Raz
    Florian Razaus Doha, David Borja aus Doha (TA)
    Publiziert heute um 16:21 Uhr


    Die Einheimischen – fast bis zum Abpfiff

    Genug gesehen: Katarische Anhänger verlassen während des Spiels ihres Teams gegen Senegal das Stadion.


    Genug gesehen: Katarische Anhänger verlassen während des Spiels ihres Teams gegen Senegal das Stadion. Foto: Alex Grimm (Getty Images)

    Es sind für westliche Augen irritierende Szenen, die sich in den ersten Runden der WM auf den Rängen abspielen. Schon zur Pause kommen Zuschauer nicht mehr zurück, spätestens ab der 60. Minute leeren sich die Stadien rapide.

    Kenner der katarischen Fankultur kann das nicht irritieren. Als Katar kurz nach dem Zuschlag für die WM zu Hause den Asiencup eröffnete, kamen die Zuschauer teilweise erst während der ersten Halbzeit auf die Plätze. Es herrschte während des Spiels ein reges Kommen und Gehen. Nach der Pause machten sich viele wieder auf den Heimweg. Oder schauten das Spiel auf ihren Displays in ihren klimatisierten Limousinen auf dem Parkplatz.

    Auffällig ist, wie sich das Verhalten während der WM geändert hat. In den ersten Runden begannen sich die Stadien spätestens nach einer Stunde zu leeren. Inzwischen bleiben auch Katarerinnen und Katarer bis zum Schlusspfiff. Oder fast.


    Die Frauen – auch ein Akt der Befreiung


    In Saudiarabien dürfen Frauen seit 2018 in Fussballstadien – in Katar ist der Anteil weiblicher Fans ähnlich gross wie bei allen anderen Teams.


    In Saudiarabien dürfen Frauen seit 2018 in Fussballstadien – in Katar ist der Anteil weiblicher Fans ähnlich gross wie bei allen anderen Teams. Foto: Amin Jamali (ATP Images)

    Sie sind wie bei jedem Männerfussballspiel auf dieser Erde in der Unterzahl. Aber es hat auffällig viele Frauen auf den Tribünen dieser WM. Und das auch aus Ländern, in denen der weiblichen Bevölkerung bis vor kurzem der Besuch von Fussballstadien verboten war.

    Aus dem Iran sind Frauen angereist, die ohne Kopftuch die Proteste in der Heimat unterstützen. Und solche im Tschador, die nicht in die Protestrufe einstimmen.

    Auch Saudiarabien hat weibliche Unterstützung. Erst seit drei Jahren erlaubt das Königshaus Frauen Auslandsreisen ohne ausdrückliche Zustimmung ihres männlichen Vormundes.

    Als Journalist ist es nicht einfach, mit Frauen aus Saudiarabien ins Gespräch zu kommen. Anfragen werden höflich abgelehnt. Dem «Guardian» sagt Mariam, die ihren Ehemann bei den Kindern in Riad gelassen hat: «Als Kind habe ich alle Spiele des Nationalteams im TV gesehen. Jetzt gehe ich zum ersten Mal ins Stadion. Das ist der grossartigste Tag meines Lebens.»


    Die Araber – es ist ihre Weltmeisterschaft


    Tunesische Fans im Souq Waqif. Viele von ihnen leben und arbeiten schon seit Jahren in Doha.


    Tunesische Fans im Souq Waqif. Viele von ihnen leben und arbeiten schon seit Jahren in Doha. Foto: Raul Arboleda (AFP)

    Ja, es sind Menschen aus Europa angereist. Aber das hier ist keine WM der Europäer, es ist eine der arabischen Welt. Spielen Marokko, Tunesien und vor allem Saudiarabien, steigt die Stimmung nicht nur im Stadion, sondern auch in Zentrum um den Souq Waqif. Das liegt an Migranten wie Enis. Der Tunesier verdient sein Geld als Kellner und weiss aus dem Stegreif alle Details zur Doppeladler-Affäre von 2018.

    Als Einwohner von Katar konnte er sich für zwei Spiele Tunesiens Tickets der günstigsten Kategorie kaufen. Macht zusammen rund 21 Franken oder umgerechnet vier Hauptgänge in einem der kleinen Restaurants in Doha. Zur Feier reist ein enger Freund an.

    Der kann bei Enis schlafen – und umgeht damit die überteuerten Hotelpreise. Selbst Absteigen, die sonst ihre Zimmer für 80 Franken vermieten, verlangen derzeit bis zu 1000 Franken für eine Nacht.

    Aus Saudiarabien sind viele auch ohne Karten für Spiele ihres Teams angereist. Die Grenzen sind offen, die Anreise mit dem Bus ist günstig. Warum also nicht wie Nassim für drei Nächte etwas WM-Luft schnuppern? Er hat seinen Helden Cristiano Ronaldo gegen Uruguay live im Stadion gesehen und ist überzeugt: «Er war dran am Ball. Das ist sein Tor!»

    Viel wichtiger aber ist Nassim seine Botschaft am Ende des Gesprächs. Damit sie richtig ankommt, nutzt er lieber Google-Translate: «2030 wird die WM in Saudiarabien stattfinden. Ich freue mich, wenn du dann auch kommst!»


    Die Inder – Fans wie aus der TV-Werbung


    Argentinien-Trikots und südafrikanische Vuvuzelas? In Doha gilt für viele Fans: Anything goes.


    Argentinien-Trikots und südafrikanische Vuvuzelas? In Doha gilt für viele Fans: Anything goes. Foto: Alex Pantling (Getty Images)

    Die trommelnden Inder, die kurz vor WM-Beginn auf Instagram als Fans von Deutschland, England oder Brasilien tanzten, fanden in Europa alle lustig. Fakt ist, dass geschätzte 700’000 Menschen aus Indien in Katar leben. Die meisten sind aufgrund der Migrationsgesetze männliche Singles.

    Viele von ihnen mögen Fussball und laufen in Doha mit dem Leibchen ihres Lieblingsnationalteams herum. Dazu kommt bei Matchs gern eine lustige Kopfbedeckung oder sonst ein Gimmick. Und so sind viele ausstaffiert wie die Schauspieler, die in Werbespots jene Art von Fussballfans spielen, die es nur in der Fantasie von Marketingmenschen gibt.

    Das macht Sinn, weil die meisten von ihnen Fussball nur aus dem TV kennen. Jaswant jedenfalls ist vor Argentinien gegen Mexiko begeistert, weil er zum ersten Mal in seinem Leben ein Spiel im Stadion sehen wird. Wie viele indische Fans sieht er das mit der Uniformierung nicht so eng. Er trägt ein Messi-Shirt und einen mexikanischen Sombrero.


    Die angereisten Fans – Jagd nach den «Big Five»


    Ganz seltene Exemplare: Der Fanclub der deutschen Nationalmannschaft wohnt nicht in Doha, sondern in Dubai.


    Ganz seltene Exemplare: Der Fanclub der deutschen Nationalmannschaft wohnt nicht in Doha, sondern in Dubai. Foto: Anne-Christine Poujoulat (AFP)

    Wo es so viele gibt, die mit einer Nation mitfiebern, mit der sie nur eine Fernbeziehung pflegen, steigt die Aufregung bei der Sichtung sogenannt echter Fans. Tauchen argentinische Argentinier oder niederländische Niederländer auf, die vielleicht auch noch singen, werden sofort die Mobiltelefone gezückt.

    Es ist eine Art WM-Safari. Nur, dass die «Big Five» nicht Löwe, Elefant, Büffel, Nashorn und Leopard sind. Sondern Engländer, Brasilianer, Argentinier, Holländer und Deutsche. Wobei Letztere am schwierigsten zu erwischen sind. Der Fanclub des deutschen Nationalteams fliegt jeweils für die Spiele aus dem Camp in Dubai ein.

    Natürlich wird wie bei jeder guten Safari für die Sicherheit der Gäste gesorgt. Singen und tanzen die Brasilianer etwas zu fest, werden sofort Abteile in Metrozügen gesperrt. Motto: Frauen und Kinder zuerst.


    Die Lateinamerikaner – keine Berührungsängste


    WM in Katar, na und? Mexikos Anhänger sehen da eher kein Problem.


    WM in Katar, na und? Mexikos Anhänger sehen da eher kein Problem. Foto: Alex Grimm (Getty Images)

    Für sie macht es keinen Unterschied, ob die WM in Europa oder in Katar stattfindet. «Teuer ist es sowieso», findet Dina. Sie sagt, sie gehöre zum mexikanischen Mittelstand, und lächelt bei der Vermutung, es sei wohl der gehobene Mittelstand.

    Dina ist eine der ganz vielen angereisten Fans aus Lateinamerika, die weder ein Problem mit den steilen Hotelpreisen haben («sogar höher als Dubai») noch mit der Menschenrechtsfrage: «In Mexiko gibt es auch harte Arbeitsbedingungen.» Und das mit dem Alkohol? Dina lächelt: «Den gibt es vor und nach dem Spiel in der Hotelbar.»


    Die Zuschauerzahlen – ausverkauft mit leeren Sitzen


    Die Schweiz zieht nicht: So sieht es aus, wenn laut Fifa 39’089 Zuschauer in einem Stadion sitzen, das Platz für 44’325 Personen hat.


    Die Schweiz zieht nicht: So sieht es aus, wenn laut Fifa 39’089 Zuschauer in einem Stadion sitzen, das Platz für 44’325 Personen hat. Foto: Dan Mullan (Getty Images)

    Am Anfang herrscht Verwirrung. Da werden Zuschauerzahlen gemeldet, die höher sind als das offizielle Fassungsvermögen einzelner Stadien, während viele freie Sitze zu sehen sind. Dann meldet die Fifa erst neue Stadionkapazitäten. Und dann, dass sie fast alle Tickets verkauft habe. Was die Sitze in den Stadien nicht weniger leer macht.

    Allerdings nehmen die freien Plätze mit Fortdauer des Turniers ab. Zu beobachten war nach den ersten Runden mit bedenklichen Lücken auf den Rängen, wie die Fifa unter ihren freiwilligen Helferinnen eifrig Gratistickets verteilte.

    Klar ist, dass die Spiele mit Schweizer Beteiligung keine Renner sind. Gegen Kamerun ist das Stadion maximal zu drei Vierteln gefüllt. Und selbst gegen Brasilien bleiben viele Sitze hochgeklappt.


    Die very, very important persons – Langeweile im Sessel


    Noch mehr Beinfreiheit als in der Businessklasse: Die Sitze der VVIP an der WM in Katar.


    Noch mehr Beinfreiheit als in der Businessklasse: Die Sitze der VVIP an der WM in Katar. Foto: Matthias Hangst (Getty Images)

    Ins Al-Bayt-Stadion haben sie ihnen eine vierspurige Autobahn bis kurz vor die Loge gebaut. In den anderen Stadien müssen die very, very important persons tatsächlich noch ein paar Meter zu Fuss bis ins Stadion hinter sich bringen.

    WEITER NACH DER WERBUNG

    Um sie von dieser Zumutung etwas abzulenken, schwebt dann auf ihrem Weg zum Beispiel eine Frau im Rokokokleid zwei Meter über dem Boden und tut so, als würde sie auf einem fliegenden Flügel spielen. In der prallen Sonne bei 30 Grad. Stundenlang. «Sie hat einen verrückten Job», stellt der Sicherheitsmann fachkundig fest, der ein paar Meter daneben im Schatten steht.

    Im Stadion sitzen die VVIP in Sesseln mit Armlehnen, die fast so breit sind wie Xherdan Shaqiris Waden. Und langweilen sich. Zumindest sieht es jeweils so aus, wenn die Kamera wieder einen der einstigen Fussballstars einfängt, der in sein Handy starrt, während unten Fussball gespielt wird.

    Nur einer sieht auf den Sesseln jeweils recht gut gelaunt aus: Fifa-Präsident Gianni Infantino.

    In der Schweiz fand Akira Schmid nicht einmal in der Swiss League einen Klub – nun brilliert er in der NHL und ist die grösste Goaliehoffnung des Landes

    Akira Schmid eilt mit den New Jersey Devils in der NHL von Erfolg zu Erfolg. Tritt er im Nationalteam in die Fussstapfen von Leonardo Genoni und Reto Berra?

    Nicola Berger, Newark30.11.2022, 12.00 Uhr (NZZ)


    Mit den New Jersey Devils auf Höhenflug: Akira Schmid.

    Mit den New Jersey Devils auf Höhenflug: Akira Schmid.

    Mitchell Leff / Getty

    Vor ein paar Jahren schnappte sich Akira Schmid Kugelschreiber und Notizblock und besuchte einen Nachbarn. Schmid, heute 22, wohnt in Langnau im Emmental – genau wie Martin Gerber, einer der besten Torhüter in der Historie des Schweizer Eishockeys. Schmid wollte wissen, welchen Weg er einschlagen soll. Und Gerber entgegnete, dass der Pfad keine grosse Rolle spiele, es komme viel mehr darauf an, was man aus der Situation mache.

    Es hiess einmal: zu jung, zu unerfahren, zu viel Risiko

    Es waren Worte, die Nachhall fanden bei Schmid. Denn wie einst bei Gerber, der es über den 2.-Liga-Klub Signau bis in die NHL geschafft hatte, verlief seine Karriere in jungen Jahren nicht linear. Zum Eishockey fand Schmid eher zufällig. Er versuchte sich zuerst als Fussballer im Nachwuchs des 3.-Liga-Klubs FC Langnau, schon dort war er Goalie. Den Rasen tauschte er gegen Eis, nachdem er als Achtjähriger mit dem Vater ein Heimspiel der SCL Tigers besucht hatte – und danach im Rahmen einer Ferienpass-Aktion ein Schnuppertraining absolvierte. Ein Jahr musste er sich gedulden, ehe er sich auch dort zwischen die Pfosten stellte. Schmid sagt: «Mein Vater wollte, dass ich zuerst Schlittschuhlaufen lerne. Es hat mir nicht geschadet.»

    Mit 18 war er in Langnau zu gut für die Elite-Junioren-Meisterschaft. Doch als ihn sein Agent Gaëtan Voisard in der zweitklassigen Swiss League zu platzieren versuchte, winkten alle Teams ab: zu jung, zu unerfahren, zu viel Risiko; danke für die Anfrage, aber wir haben keinen Bedarf.

    Vier Jahre später spielt Schmid in der NHL. Vier Spiele in Folge hat er mit den sich in einer beneidenswerten Verfassung befindenden New Jersey Devils zuletzt gewonnen, aus den letzten 17 Partien resultierten 16 Siege, auch die Schweizer Leistungsträger Nico Hischier und Jonas Siegenthaler brillieren. Die Zuschauer im Prudential Center in Newark feierten Schmid mit Sprechchören seines Namens. Seine Abwehrquote liegt bei fabelhaften 95,3 Prozent, der Trainer Lindy Ruff sagt: «So, wie er im Moment spielt, werden unsere Augen grösser und grösser. Er macht gerade ein Statement dafür, dass er ein NHL-Stammspieler sein kann.»

    Die Schweiz ist keine grosse Torhüternation mehr

    Akira Schmid begann die Saison in der Organisation der Devils eigentlich als Nummer 4 in der Torhüterhierarchie, doch Verletzungen von Konkurrenten führten dazu, dass er vom AHL-Farmteam Utica Comets in die NHL berufen wurde. Er ist der erst achte Schweizer NHL-Goalie der Geschichte. Und der erste, der seit der Saison 2019/20 zu Einsätzen kommt – damals absolvierte Gilles Senn, heute in Davos der teuerste Ersatzgoalie der Ligageschichte, zwei Partien ebenfalls für New Jersey. Torhüter waren einst der Schweizer Exportschlager schlechthin, doch von der stolzen Tradition ist wenig Substanz übrig geblieben.

    Es ist nicht klar, wer im Nationalteam die beiden 35 Jahre alten Platzhirsche Leonardo Genoni und Reto Berra beerben soll. Vielleicht Sandro Aeschlimann vom HC Davos, Gauthier Descloux von Genf/Servette oder Joren van Pottelberghe vom EHC Biel. Aber der grösste Hoffnungsträger dürfte inzwischen Schmid sein, der zwar noch kein A-Länderspiel bestritten hat, zuletzt im Sommer aber am Prospect Camp teilnahm.

    Thomas Bäumle, der Torhütertrainer der Nationalmannschaft, sagt: «Das Potenzial von jungen Torhütern ist teilweise schwierig zu bewerten. Ich erinnere mich noch gut an die erste Saison von Genoni und Berra in Davos, auch sie hatten Anfangsschwierigkeiten. Das ihnen geschenkte Vertrauen zahlten beide mit einer wunderbaren Karriere zurück. Manchmal muss man einen Jungen einfach ins kalte Wasser werfen und schauen, ob er schwimmen kann. Dass es Akira jetzt so grossartig läuft, freut uns sehr. Er hat in kürzester Zeit enorme Fortschritte erzielt.»

    Der letzte Satz könnte sogar eine Untertreibung sein – einer, der Schmids Werdegang seit Jahren verfolgt, sagt: «Es hat ihm kaum jemand zugetraut, das Potenzial für die NHL zu haben. Aber jetzt rockt er New Jersey.»

    Für den 1,95 Meter grossen Schlaks spricht nicht zuletzt, dass er oft Beharrlichkeit und Unbekümmertheit bewiesen hat. 2018 wählten ihn die New Jersey Devils in der fünften Draftrunde aus, nachdem er an einem Juniorenturnier in Monthey gegen die USA vor Dutzenden Scouts das Spiel seines noch jungen Lebens absolviert hatte. Und womöglich schadete es nicht, dass Voisard auch der Berater von Nico Hischier ist, dem heutigen Devils-Captain und einstigen Nummer-1-Draft. Erfolgreiches Duo: Akira Schmid und der Captain Nico Hischier.

    Erfolgreiches Duo: Akira Schmid und der Captain Nico Hischier.

    Ed Mulholland / Imago

    In Lethbridge wurde Schmid nach nur einem Spiel aussortiert

    Doch als der Jüngling im gleichen Sommer nach Lethbridge in die Juniorenliga WHL wechselte, wurde er nach einer einzigen Partie aussortiert. Und landete in Corpus Christi im Gliedstaat Texas, wo er nichts verdiente, nicht einmal Spesen. Er lächelt und sagt: «Na ja, Kost und Logis waren bezahlt. Und ich hatte noch ein bisschen Geld, das ich zur Konfirmation erhalten hatte. Irgendwie ging das schon, ich habe keine grossen Ansprüche. Ich wollte mich in Nordamerika durchsetzen, Geld war und ist völlig nebensächlich.»

    Schmid liess sich auch von einer schweren Hüftoperation nicht lange bremsen, biss sich durch und etablierte sich in drei Jahren als einer der besten Goalies der weitgehend unbeachteten United States Hockey League. Als erster Torhüter in der Geschichte dieser Liga schaffte er den quasi direkten Sprung in die NHL. Der Schritt erwies sich zunächst als zu gross, bei sechs Einsätzen 2019/20 lag seine Abwehrquote bei 83,3 Prozent.

    Doch überraschen konnte das niemanden: Der Niveauunterschied ist riesig, Schmid war nicht bereit, musste aber in die Bresche springen, weil etliche andere Torhüter verletzungsbedingt fehlten. Er sagt: «Es war trotzdem eine wertvolle Erfahrung; ich sah, was es braucht, um in dieser Liga zu bestehen.»

    Schmid machte sich nach dem Intermezzo an die Arbeit, und es gibt Leute, die sagen, man habe ihn fast vor sich selber schützen müssen, so gross sei der Tatendrang gewesen. Als er diesen Sommer ins Prospect Camp einrückte, verordneten ihm die Verantwortlichen erst einmal drei Wochen Ferien, er solle sich erholen. Die Pause, so widerwillig er sie akzeptierte, scheint seiner Verfassung heute zuträglich gewesen zu sein.

    Es hat über die Jahre auch neben Gilles Senn einige Schweizer Torhüter gegeben, deren NHL-Karriere sehr kurz war: Für den Pionier Pauli Jaks blieb es 1995 bei einer Partie für die Los Angeles Kings. Tobias Stephan kam in fünf Jahren in Nordamerika auf elf Spiele. Beim nächsten Einsatz hat Schmid diese Marke bereits erreicht. Es ist möglich, dass auch sein Stern verglüht, dass sein derzeitiger Erfolg bloss ein Beiprodukt der nach trüben Jahren mitreissenden ersten Saisonhälfte der Devils ist. Es ist nicht auszuschliessen, dass er zurück in die AHL geschickt wird, wenn die Konkurrenten wieder fit sind.

    Aber mit seiner Postur, den schnellen Reflexen, dem Ehrgeiz und dem Fleiss kann aus ihm ein Dauerbrenner in der NHL werden. Der Verteidiger Jonas Siegenthaler sagt: «Ich traue ihm das zu, er ist für sein Alter sehr weit.» Mit 22 ist Schmid der zweitjüngste Goalie, der in dieser NHL-Saison zum Einsatz gekommen ist.

    Der Vertrag in New Jersey gilt bis 2024, er ist in der NHL mit 850 000 Dollar und in der AHL mit 65 000 Dollar dotiert. Das sind nicht die Sphären der Grossverdiener wie Carey Price, das grosse Vorbild Schmids, der 10,5 Millionen verdient. Aber für einen, der einst sein Konfirmationskonto plünderte, um über die Runden zu kommen und den Traum vom Profidasein weiterverfolgen zu können, ist es viel Geld. Martin Gerber hatte schon recht, als er sagte: «Wichtig ist nicht der Weg. Sondern was du aus der Situation machst.»

    Ausländer-Diskussion im Eishockey

    «Wir können Schweizern nun eher Nein sagen»

    Nach der Ausländer-Revolution ist der Unmut im Schweizer Eishockey gross. Und doch gibt es einige markante Gegenstimmen. Biels Sportchef Martin Steinegger zum Beispiel.

    Kristian Kapp
    Kristian Kapp (TA)
    Publiziert heute um 15:35 Uhr

    Gedanken über das Schweizer Eishockey: Biels Sportchef Martin Steinegger.


    Gedanken über das Schweizer Eishockey: Biels Sportchef Martin Steinegger. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

    Seit dieser Saison dürfen die Clubs der höchsten Schweizer Liga sechs statt vier Ausländer pro Spiel einsetzen. Das hat bereits Auswirkungen für die Schweizer Spieler. Einerseits auf die Goalies, denn 5 der 14 Teams setzen auf Importspieler im Tor. Andererseits bei den begehrten Plätzen im Powerplay, von denen nun 15 weniger für Schweizer zur Verfügung stehen – «nur» 15, da nicht alle Teams jeden ihrer Ausländer im Überzahlspiel einsetzen. Das Gespräch mit Martin Steinegger in voller Länge im «Eisbrecher»-Podcast.

    Beim Verband und in der Nationalmannschaft, bei den Schweizer Spielern, aber auch bei vielen Fans stösst die Erhöhung der Importplätze auf Ablehnung. Nicht aber bei vielen Clubverantwortlichen. Martin Steinegger zum Beispiel ist ein Befürworter von sechs Ausländern pro Team. Der Sportchef des EHC Biel erklärt im «Eisbrecher», dem Eishockey-Podcast von Tamedia, warum dies der Fall ist.



    Die Niveaufrage


    Es ist dieser eine Punkt, der sich auch von den grössten Gegnern von sechs Ausländern nicht wegdiskutieren lässt: «Dass Aufsteiger Kloten eine so gute Rolle spielt, hat auch mit den Ausländern zu tun. Das Niveau ist höher geworden», nennt Steinegger ein Beispiel.


    Die Kostenfrage


    Ursprünglich war die Idee hinter der Erhöhung der Wille, die Spielerlöhne nach unten zu treiben. Billigere Imports hätten Druck auf die häufig sehr gut oder gar überbezahlten Schweizer Spieler machen sollen. Nun ist es anders gekommen. Wegen des Ukraine-Kriegs waren plötzlich vor allem massenhaft Top-Schweden und -Finnen aus der russischen KHL zu haben, die sich die Schweizer Clubs normalerweise nicht leisten könnten. Billig sind sie immer noch nicht, aber erschwinglich für die NL-Budgets.

    Auch Steinegger gesteht, dass darum die Gesamtlohnsumme nicht tiefer wurde. Er verweist aber auch darauf, dass dafür, wie in einer ursprünglichen Lösung geplant, deutlich mehr Ausländer hätten verpflichtet werden müssen. «Nur mit deren zehn oder sogar der totalen Öffnung kann man da etwas bewirken: Weil du dann wirklich auch billigere ausländische Rollenspieler holen kannst.»

    Dennoch sieht Steinegger auch mit «nur» sechs Imports bereits Tendenzen, um angepasste Verhandlungsgespräche mit Spielern führen zu können: «Die Clubs können nun eher Schweizer Spielern Nein sagen, weil wir einen grösseren Markt haben für die wichtigen Positionen.»


    Die Ausgeglichenheit auch als Druckmittel


    Ausländer, die ohne Ukraine-Krieg kaum aus der KHL in die Schweiz gekommen wären: Klotens finnischer Stürmer Miro Aaltonen ist einer dieser Spieler.


    Ausländer, die ohne Ukraine-Krieg kaum aus der KHL in die Schweiz gekommen wären: Klotens finnischer Stürmer Miro Aaltonen ist einer dieser Spieler. Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

    Die Anforderung gerade an junge Schweizer ist höher geworden. Da im Kader zwei Plätze weniger zur Verfügung stehen, müssen sie heute besser sein für die gleiche Rolle. Steinegger geht einen Schritt weiter: «Das gilt nicht nur für die Jungen. Um nur schon in ein NL-Team zu kommen, braucht es nun mehr. Ich finde, das ist für die Gesamtentwicklung positiv.»

    Auch darum hätten sich Gespräche mit Spielern verändert: «Um von einer Tendenz zu sprechen, ist es noch zu früh. Aber die Spieler fragen nun schon vermehrt nicht nur nach dem Lohn, sondern8 auch nach der Rolle, die ein Club anbieten kann.» Steinegger prophezeit darum künftig noch grössere Ausgeglichenheit: «Die Jungen müssen sich nun überlegen, ob sie die gewünschte Rolle nicht zunächst eher in einem kleineren Club wie Langnau, Ambri oder Biel erhalten. Eine gute Karriereplanung wird extrem wichtig. Und auch das ist für mich eine positive Entwicklung für das Schweizer Eishockey.»


    Die Rolle der Löhne in der Schweiz


    Schweden hat gegenüber der Schweiz dank guter TV-Verträge aufgeholt, zumindest was die Löhne der Top-Spieler angeht. In der Breite oder im Gesamtvergleich mit Finnland verdient man in der National League aber nach wie vor deutlich besser. Nach der NHL und der KHL ist die NL die Liga mit den dritthöchsten Durchschnittslöhnen.

    «Finnland ist ein gutes Beispiel für den Antrieb der jungen Spieler. Sie wollen raus aus ihrer Liga, wollen in die NHL oder in die Schweiz», sagt Steinegger. «Der finanzielle Antrieb ist nicht leistungsschädigend, wenn du weiterkommen willst. In der Schweiz hingegen ist es vergleichsweise einfacher, zu einem guten Lohn zu kommen.»


    Die Schweizer Nationalmannschaft


    Der Grund für die Sorge bei Nationalmannschaft und Verband ist bei sechs Ausländern klar: Die Anzahl potenzieller Nationalspieler könnte immer kleiner werden, wenn in der Liga die guten Rollen vermehrt von Ausländern eingenommen werden. Auf gewissen Positionen wie Goalie, Powerplay-Verteidiger an der blauen Linie oder Center teilt Steinegger diese Sorgen: «Dass im Moment nicht viel an jungen Spielern nachkommt, hat aber nichts mit den sechs Ausländern zu tun, sondern eher mit Versäumnissen in der Ausbildung.»

    Sportchefs und Cheftrainer der NL-Teams sind in erster Linie Clubangestellte mit der Aufgabe, sportlichen Erfolg zu haben. Mit einer Portion Zynismus lässt sich sagen, dass es nicht sie sind, die für eine gute Nationalmannschaft zu sorgen haben. Doch wie wird die Situation in fünf bis zehn Jahren für die Clubs sein, wenn sie sich zu sehr auf die Gegenwart konzentrieren und nur den aktuellen Erfolg suchen würden?

    «Wir müssen weiterhin auch durchaus schmerzhafte Diskussionen führen», sagt Steinegger. «Wie sieht die Zukunft der zweithöchsten Liga aus? Wie unsere älteste Juniorenstufe? Wir müssen Lösungen finden, wie wir Spieler bis zu 24 Jahren ausbilden können.» Denn so sehr die Besten von der grösseren Konkurrenz durch noch mehr gute Ausländer profitieren dürften, stellt sich die Frage, ob die «Spätzünder», die in der Schweiz immer wieder vorkamen, und generell die Breite nicht darunter leiden.