Geering dämpft die Zuger Lockout-Euphorie
Der Verteidiger steuerte zwei Tore zum 4:1 der ZSC Lions bei, dem achten Sieg über den EVZ in Serie.
Von Simon Graf, Zug
Ist die Zuger Euphorie über die temporäre Rückkehr von Rafael Diaz und Damien Brunner schon verflogen? Bei ihrem Debüt hatte der EVZ am Samstag Ambri in einer ausverkauften Bossard Arena 6:3 deklassiert, lokale Chronisten hatten schon von der neuen, alten Zuger Leichtigkeit geschrieben. Doch davon war bereits gestern nichts mehr zu sehen. Sie unterlagen den ZSC Lions 1:4, und zahlreiche Zuschauer machten sich bereits vor der Schlusssirene kopfschüttelnd auf den Heimweg. Coach Doug Shedden baute danach in seiner Analyse immer wieder den beliebtesten englischen Kraftausdruck ein, um seinen Statements Nachdruck zu verleihen. Sogar das Glas Rotwein, das er nun trinke, um seinen Ärger herunterzuspülen, wurde mit einem Zusatz versehen.
Ganz anders war die Gemütslage seines Gegenübers Marc Crawford, der mit sanfter Stimme vom besten ZSCAuftritt in dieser Saison sprach. So alt ist die Saison noch nicht, und wahrscheinlich war es noch eindrücklicher, wie sein Team das Derby nach einem 1:3 noch herumriss. Doch es war nach zwei Niederlagen und einem zuletzt miserablen Auftritt in Lugano (2:5) eine wichtige Reaktion der Zürcher.
Geerings Mut wurde belohnt
Mit Patrick Geering löste ein Spieler, der sonst selten Tore schiesst, die Steigerung aus, die zu einem letztlich ungefährdeten Erfolg führte. Der Verteidiger, der vergangene Saison einen grossen Schritt vorwärts machte und ein blendendes Playoff spielte, traf erstmals in einem NLA-Spiel zweimal, zum 1:1 (38.) und 3:1 (46.), – und machte sich damit zum Matchwinner. «Geering war der Nutzniesser zweier guter Aktionen unserer Stürmer», fand Crawford und lobte Wick und Cunti für ihre Vorarbeit. Er vergass aber nicht zu erwähnen, dass er es begrüsse, wenn sich der läuferisch versierte Geering vermehrt in die Offensive einschalte. «Wahrscheinlich gibt es ihm Sicherheit, dass neben ihm ein so erfahrener Mann wie Seger spielt.»
Der Ausgleich kurz vor der zweiten Pause veränderte den Charakter des Spiels. Zumal Shannon nur 30 Sekunden danach in Überzahl mit einem nicht unhaltbar scheinenden Schlenzer bereits das 2:1 gelang. Shedden mochte Goalie Markkanen nicht explizit zu kritisieren, aber immerhin implizit: «85 Prozent abgewehrte Schüsse sind keine besonders gute Statistik», rechnete er vor.
Sheddens Neid auf den ZSC
Keine gute Statistik sind auch die acht Spiele, die der EVZ nun in Serie gegen den ZSC verloren hat. Shedden sprach einst davon, der Respekt gegenüber dem Team aus der Grosstadt, gegenüber dem «grossen Bruder», sei zu gross. Davon wollte er nun nichts mehr wissen. «Ich hätte gerne das Geld und das Talent des ZSC zur Verfügung», knurrte er nur.
Die Zuger befinden sich im Umbruch, darüber konnten auch Diaz und Brunner nicht hinwegtäuschen. «Noch nie hatten wir ein so junges Team», bemerkte Christen. Zudem entwickelt Holden längst nicht mehr so viel Spielvolumen wie früher, und Künstler Omark hat seine Rolle noch nicht gefunden. Bei den Zürchern wirkte sich die Rückkehr Trachslers stabilisierend aus, auch im Boxplay. Zudem zeigte sich Flüeler gegenüber dem Lugano-Spiel stark verbessert.
Allzu euphorisch mochte Crawford aber nicht werden. Er ist immer noch daran, sein neues Team kennenzulernen. Und es wird für ihn in den nächsten Wochen und Monaten weitere Überraschungen bereit haben. Gestern war es eine positive, nämlich die Erkenntnis, dass Geering auch ein Goalgetter ist.
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