ZSC-Sportchef Salis: «Crawford ist offener, weltoffener als Hartley»
Mit Edgar Salis sprach Silvan Schweizer, Zürich
Neuer Trainer, erneuertes Team: Der Bündner freut sich auf die Titelverteidigung.
Seit Klotens Dynastie in den 90ern konnten nur die ZSC Lions 2001 ihren Titel verteidigen. Was macht eine Wiederholung so schwierig?
Es ist bekannt, dass unsere Liga äusserst ausgeglichen ist. Es gibt einfach keine Mannschaft mehr, die so klar einen Schritt weiter ist wie Kloten damals. Für einen Titelgewinn muss viel stimmen: Ein Team muss Talent haben, Glück, den Lauf zur richtigen Zeit. Dass diese Dinge erneut zusammenkommen, ist selten.
Welche Schwierigkeiten stellen sich in der Saison danach?
Die wachsenden Ansprüche zu erfüllen, ist schwierig. Ein Meister wird anders wahrgenommen – von Medien, Fans und am wichtigsten: von der Konkurrenz. Er ist der Gejagte. Wenn der Gegner in der Garderobe sitzt und weiss: «Jetzt spielen wir gegen den Meister», ist das doch ein anderes Gefühl, als wenn er auf ein Team trifft, das ums Playoff kämpft.
Sie waren 2001 als Spieler dabei. Was muss in einem Team vorgehen, damit die Titelverteidigung möglich wird?
Am Ende entscheiden die Charaktere in der Garderobe: Sind die Spieler bereit, miteinander durchs Feuer zu gehen? Ich kann mich erinnern, dass wir in jener Saison 2000/2001 einen zähen Start erwischten. Viele sagten schon: «Die haben es nach dem Titel auf die leichte Schulter genommen!» Und dann ist es uns doch gelungen, es zu drehen.
Kann man das von aussen beeinflussen?
Wenn Sie ein glückliches Pärchen beobachten, können Sie als Aussenstehender nicht erklären, weshalb die so perfekt harmonieren – deren Mütter auch nicht, ja vermutlich nicht einmal die beiden selbst. So ist es auch mit einer Mannschaft, die einen Lauf hat. Wieso funktioniert es plötzlich? Kleine Dinge können das auslösen: der richtige Witz in der Kabine zum richtigen Zeitpunkt. Die richtige Rede des Trainers. Das richtige Interview des Präsidenten. Vielleicht war es bei uns im letzten Dezember jenes Tor in doppelter Unterzahl von Seger gegen Genf. Manchmal braucht es eine Hilfe. Aber wenn du das bewusst von aussen zu steuern versuchst, kommt es nicht gut.
Neue Kräfte können neuen Auftrieb geben. Was waren Ihre Überlegungen bei den Transfers?
Ich bin der Meinung: Frisches Blut tut immer gut. Ein grosses Thema war sicher, dass wir das Glück hatten, trotz schlechtestem Powerplay der Liga Meister zu werden. Wir konnten nicht davon ausgehen, dass das so nochmals klappt. Unter diesem Aspekt haben wir auch gesucht.
Die neuen Ausländer sollen zur Verbesserung beitragen. Wie würden Sie die drei charakterisieren?
Shannon ist ein Spielmacher, ein hervorragender Schlittschuhläufer, ein wertvoller Mann für unser Powerplay. Brulé bringt Aggressivität mit, einen guten Schuss, er weiss, wo das Tor steht – ein gutes Paket. Und Lashoff ist für mich ein guter Allrounder in der Defensive.
Wenn Sie Lashoff beschreiben . . .
. . . kommt Ihnen McCarthy in den Sinn.
Genau. Warum gaben sie dem Meisterschützen keinen neuen Vertrag, holten aber mit Lashoff einen ähnlichen Spielertypen?
Über alles gesehen stufen wir ihn besser ein. Es wäre unseriös gewesen, mit McCarthy bloss aus Dankbarkeit zu verlängern. Und es gibt auch noch einen anderen Punkt: McCarthy hatte ein Angebot von uns auf dem Tisch. Wir konnten uns aber nicht einigen. Dann kam der Trainerwechsel, und der Wind drehte.
Wie unterscheidet sich nun Marc Crawford von Bob Hartley?
Einiges ist ähnlich. Er ist kommunikativ, fordernd, die Trainings sind intensiv. Beim Werdegang, den Erfolgen und der Einstellung zum Beruf, da unterscheiden sie sich nur marginal. Crawford ist offener, weltoffener. Aber es bringt nichts, die beiden zu vergleichen. Ihre Situationen sind nicht zu vergleichen, ihre Teams sind nicht zu vergleichen.
Welche Rolle spielt der drohende NHL-Lockout in Ihrer Planung?
Eigentlich keine.
Warum nicht?
Weil er wohl nur zwischen vier und sechs Wochen dauern wird. Das ist unsere Prognose. Alle aus Nordamerika, mit denen ich sprach, sagten: Den Ausfall der Weihnachtsspiele kann sich die NHL wegen der wichtigen TV-Verträge nicht leisten. Darum habe ich das Gefühl, dass spätestens Mitte Dezember gespielt wird.
Trotzdem. Wenn plötzlich ein Mark Streit auf dem Markt ist, müssten Sie doch hellhörig werden.
Ich will nicht sagen, die NHL ist zu 100 Prozent kein Thema. Wenn es so weit ist, kann man weiterschauen. Mit Streit bin ich regelmässig in Kontakt. Wenn ich einen Spieler auswählen könnte, würde ich ihn nehmen: Er war schon in Zürich, kennt die Liga, ist einer der besten NHLVerteidiger, ein Leader, und ich bekomme keine Probleme mit meinen Ausländern. Es gibt keine Fragezeichen bei ihm. Bei jedem anderen gäbe es Fragezeichen.
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