Canepa stärkt seine Macht
Der FCZ-Präsident und sein Vorgänger Sven Hotz halten nach der Kapitalerhöhung die Aktienmehrheit am Club. Das stützt auch den kritisierten Sportchef Fredy Bickel.
Von Peter Bühler
Am Dienstagabend las Fredy Bickel im Kaufleuten an der Vernissage zum Buch «Bin gleich zurück. Komisches aus dem Leben von Beat Schlatter» aus einem Kapitel vor, das der Zürcher Kabarettist über den FCZ verfasst und ihm gewidmet hat. Tags darauf nahm er in der Innenstadt an einem Podiumsgespräch zum Thema Unternehmungsführung teil, zu der eine renommierte Wirtschaftszeitschrift eingeladen hatte. Die Abwechslung tat dem Sportchef gut, der Alltag ist für ihn derzeit nicht immer leicht. Die von anonymen Kritikern vor zehn Tagen in der NZZ gemachten Vorhaltungen, er sei ausgebrannt und seine Transferbilanz sei katastrophal, haben ihm zugesetzt. Bickel sagt: «Mit mir kann jeder reden, mir kann doch jeder persönlich ins Gesicht sagen, was er von mir hält.»
Am Sonntag legte der Boulevard nach. Der «SonntagsBlick» titelte: «FCZ vor Revolution: Canepa vor Rücktritt – Bickel vor Rauswurf». Dass diese Story von Leuten im FCZ-Umfeld sowie sogar aus dem inneren Zirkel des Vereins befeuert war, welche die Führung destabilisieren wollen, scheint inzwischen klar. Bickel mag sich dazu nicht äussern, weil er nicht weiter Öl ins Feuer giessen will. Er sagt nur: «Ich bleibe ruhig, arbeite weiter und mache meinen Job nach bestem Wissen und Gewissen.»
Das Problem mit dem Saisonziel
Dass über seine Person diskutiert wird, nachdem er nicht bei allen Transfers eine glückliche Hand gehabt hat (Magnin, Ramazotti), kann Bickel akzeptieren – selbst wenn dabei vergessen werden sollte, dass ihm in jüngster Zeit ziemlich enge finanzielle Grenzen gesetzt waren. Gleichzeitig ist sich der Sportchef sicher, in den letzten Monaten gemeinsam mit dem Präsidenten sportlich die Weichen in die richtige Richtung gestellt zu haben. Er ist von der Qualität der rundum erneuerten Mannschaft und des neuen Trainers Rolf Fringer überzeugt, er denkt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich positivere Ergebnisse einstellen werden.
Gerade Bickel und Fringer waren es ja gewesen, die zu Saisonbeginn vor zu hohen Zielsetzungen gewarnt hatten. Die Qualifikation für die Europa League, gleichbedeutend mit dem vierten Rang in der Meisterschaft, sollte es trotzdem sein. Die Realität sieht anders aus: Der FCZ ist Achter, der Rückstand auf den Vierten Basel beträgt schon acht Punkte. Diese sportliche Situation passt nicht zum Selbstverständnis eines Grossclubs, für den viele inner- und ausserhalb des Clubs den FCZ trotz reduzierten Budgets auf rund 20 Millionen Franken noch immer halten. Und: Misserfolge führen immer zu Kritik, das ist logisch.
Die Vorbehalte gegen Bickel
Zu denken geben muss der Führung allerdings, wenn die Kritik von Leuten geäussert wird, welche Medien dafür nutzen, gleichzeitig aber anonym bleiben wollen – was dann im Endeffekt zu Formulierungen führt wie «Hinter vorgehaltener Hand wird Bickel vorgeworfen …» oder «Gerüchten zufolge soll Bickel ...»
Bickel war in seinen neun Jahren beim FCZ zwar an drei Meisterschaften und einem Cupsieg beteiligt, der letzte Titel aber geht auf das Jahr 2009 zurück. Er spürt sehr wohl, dass seine Position bei einflussreichen und zahlungskräftigen Mitgliedern des Verwaltungsrats wie Gregor Greber, Hans Ziegler oder George Tzionas nicht mehr unbestritten ist. Sie werfen ihm vor, seine Transfers aus dem Bauch heraus, mitunter ein wenig chaotisch und nicht nach einem strikten Businessplan zu tätigen; vor allem aber haben sie ihm nicht verziehen, dass er als Angestellter des Vereins die vom Verwaltungsrat im letzten März einstimmig beschlossene Entlassung von Trainer Urs Fischer öffentlich nicht mitgetragen hat. Sie hielten Bickels Verhalten für illoyal – gemäss dem Sprichwort: «Beiss nicht in die Hand, die dich füttert.»
Bickel war jahrelang einer der erfolgreichsten Sportchefs im Schweizer Fussball. Mit den Misserfolgen ist er angreifbar geworden, genauso Präsident Ancillo Canepa. Doch zur vom Boulevardblatt angekündigten Revolution kommt es nicht. Bickel hat den festen Willen, seinen bis 2014 laufenden Vertrag beim FCZ zu erfüllen, und Canepa erklärt: «Ein Rauswurf von Bickel ist absolut kein Thema.» Er hält seine schützende Hand über den Sportchef – und denkt selber nicht im Entferntesten daran zurückzutreten. Die Wahl des FCZ-Präsidenten findet im Dreijahresrhythmus statt, das nächste Mal im kommenden Mai. «Ich mache sicher weiter», sagt Canepa, «es gibt beim FCZ noch viel zu tun.»
An seinem Willen hat auch die immer wiederkehrende Kritik nicht geändert, er sei mit den Millioneneinnahmen aus der Champions League zu wenig sorgsam umgegangen, habe sie, statt ins Kerngeschäft Fussball und in die Profimannschaft zu investieren, in einem aufgeblähten Mitarbeiterapparat, im FCZMuseum, einer aufwendigen FCZ-Chronik und im FCZ-TV verbraten. Er sieht das schlicht anders.
Die Solidarität von Hotz
Um seine Wiederwahl wird er kaum fürchten müssen, auch wenn Vizepräsident Greber hartnäckig Ambitionen auf das höchste Amt nachgesagt werden. Greber selbst erklärt, er sei grundsätzlich ein ambitionierter Typ: «Aber es steht nicht auf meiner Agenda, ob und allenfalls wann ich überhaupt FCZ-Präsident werden möchte.» Canepa findet gut, wenn sich einer wie Greber mit Herzblut für den Club einsetzt. Nur: Nach der im Moment laufenden Kapitalerhöhung von 1,4 auf 4,2 Millionen Franken, mit der einerseits die Liquidität garantiert und anderseits die Kapitalbasis gestärkt werden soll, dürfte über ein Drittel des Aktienkapitals in Canepas Händen sein, und er damit grösster Aktionär. Weil sich auch der frühere Präsident Sven Hotz bereit erklärt hat, in grösserem Umfang Aktien zu zeichnen, werden er und Canepa zusammen die Aktienmehrheit haben. Hotz, heute Ehrenpräsident, sagt: «Ich habe Canepa zu meinem Nachfolger vorgeschlagen, also bin ich mit ihm auch in schwierigeren Zeiten solidarisch. Und den FCZ lasse ich ohnehin nie im Stich.»
Canepas Blick auf 2017
Canepas Fernziel ist es, dereinst mit dem FCZ ins neue Stadion auf dem HardturmAreal einzuziehen. 2017 soll die Arena bezugsbereit sein. «Vielleicht bin ich ja in fünf Jahren noch immer Präsident», sagt er. Kurzfristig hofft er, die Finanzen im Lot zu halten und wenn immer möglich am Jahresende schwarze Zahlen auszuweisen. Das könnte möglich werden, weil der Clubanteil der Transfererlöse aus den lukrativen Spielerverkäufen im Jahr 2012 (Rodriguez, Mehmedi, Djuric, Alphonse, Margairaz, Nikci) in die laufende Rechnungsperiode fliesst.
Der Präsident ist um Gelassenheit bemüht. Er betont, dass der achtköpfige Verwaltungsrat sehr gut zusammenarbeite, er sich nicht vorstellen könne, dass Informationen aus der Führung nach aussen getragen worden seien. Er sagt: «Es ziehen alle am gleichen Strick.» Aber auch in die gleiche Richtung?
Klar ist: Die Zusammensetzung des VR mit vielen Fachleuten aus der Wirtschafts- und Finanzbranche, die nicht alle über fussballspezifische Fachkompetenz verfügen, birgt Gefahren und Konfliktpotenzial. Und: Zur Ruhe werden der FCZ und seine Führung erst kommen, wenn die Mannschaft wieder gewinnt.
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