Auftakt mit meisterlichem Boxplay
Die erneuerten ZSC Lions siegten in der Ouvertüre dank zwei Shorthandern 3:1 gegen die SCL Tigers.
Von Silvan Schweizer, Zürich
Fast fünf Monate sind seit der Meisternacht vergangen. Die Eindrücke aus diesem April werden die ZSC-Fans noch lange in Erinnerung behalten. Trotzdem rücken sie seit gestern wieder in den Hintergrund. Die neue Saison bringt ein neues Kapitel, mit einem neuen Trainer an der Bande und einer verjüngten, noch breiter besetzten Mannschaft. Und sie brachte dank des 3:1 gegen die SCL Tigers diesmal auch einen geglückten Auftakt.
Denn der siebte Titel liess vergessen, dass die Zürcher im Vorjahr mit sechs Heimniederlagen gestartet waren und im Herbst lange für trübe Stimmung im Hallenstadion gesorgt hatten. Nun liessen sie einen zufriedenen Coach Marc Crawford bei dessen Einstand sagen: «Wir schafften es mit unserem Spiel, eine gute Energie in die Arena zu bringen. Mir gefiel, wie die Fans sangen und die Namen unserer Jungs riefen.»
Schwärmen für Cunti
Seine Mannschaft hatte schwungvoll begonnen mit eleganten Angriffsmustern. Keiner verkörperte diesen Eindruck besser als Luca Cunti, der mit seinen Vorstössen immer wieder für Unruhe sorgte. Und das, obwohl die Entdeckung des letzten Winters nur ein Testspiel hatte absolvieren können und danach mit Knieproblemen fehlte. Die lange Pause war ihm jedenfalls nicht anzusehen. «Er ist ein aussergewöhnlicher Läufer, mit dem der Gegner alle Hände voll zu tun hat», schwärmte Crawford.
Das Problem war lange nur, dass der ZSC seine zahlreichen Chancen nicht nutzte. «Ein Match kann sich heikel entwickeln, wenn du den Gegner zwar dominierst, aber die Tore nicht erzielst», befand Crawford. Es dauerte bis ins zweite Drittel, ehe Reto Schäppi doch noch die Führung gelang. Der Jungcenter hatte in Unterzahl Philippe Rytz den Puck abgeluchst und verwertete den Konter im Doppelpass mit Mark Bastl gekonnt zum 1:0 (24.). Der Treffer befreite das Team sichtlich, wie auch Crawford beobachtete: Nur drei Minuten später erhöhte Jeff Tambellini nach Cuntis sehenswerter Vorarbeit und entschied damit die Begegnung.
Die SCL Tigers, die wegen der Sanierung ihrer Ilfis-Halle zehnmal auswärts antreten müssen, konnten dem 0:2 nichts mehr entgegensetzen. Zu harmlos agierten sie im Abschluss, selbst Möglichkeiten alleine vor ZSC-Goalie Lukas Flüeler oder gar dem leeren Tor liessen sie unverwertet. Auf der anderen Seite nutze Wick in seinem ersten Pflichtspiel nach dem Wechsel aus Kloten einen weiteren Konter im Boxplay zum 3:0 (54.). Erst acht Sekunden vor Schluss gelang Sandro Moggi doch noch ein Langnauer Treffer, der Flüeler ob des verpassten Shutouts als einzigen Zürcher etwas enttäuscht zurückliess.
Ausfälle und Querschläger
Noch unauffällig blieben die neuen ZSCAusländer: Ryan Shannon konnte seine Qualitäten als Spielmacher nicht richtig ausspielen, Gilbert Brulé war der Rückstand nach seiner Armverletzung in der Vorbereitung noch anzusehen, und Verteidiger Matt Lashoff wirkte hüftsteif. Das vermochten die Zürcher aber ebenso zu kompensieren wie den Ausfall Morris Trachslers, der kurz vor der zweiten Pause in einen harten Check lief.
Ohnehin war es ein Abend der unglücklichen Ereignisse: Langnaus Claudio Moggi schied zur Spielmitte mit einer Gehirnerschütterung aus, wenig später erlitt Kim Lindemann Gesichtsverletzungen von einem Puck. Und dann wurde auch noch ein Kind im Publikum von einem Querschläger getroffen. Die Mannschaft hörte von diesem Zwischenfall, sie will sich für den 6-Jährigen ein Geschenk überlegen. Die neue Saison hat bereits einige Geschichten geschrieben.
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