Ein Problemfeld – von hinten bis vorne
Von Thomas Schifferle, Zürich
Nach drei Spielen mit nur einem Punkt findet sich der FCZ bereits in seinem ersten Tief wieder. Er braucht dringend eines: Stabilität.
Als Rolf Fringer die Pflicht und den Pressetermin absolviert hat, läuft er davon und beginnt irgendetwas vor sich hin zu singen. So ist und bleibt er. Als wollte er sagen: Mir geht es gut, und alles kommt gut.
Die Lockerheit, die er habe, würde er der Mannschaft wünschen, hat der Trainer des FCZ vorher einmal gesagt. Was sie vor allem aber nötig hätte: Konstanz und Klasse, Tore und Punkte. Von allem fehlt ihr nach drei Runden eine Menge. Das Spiel morgen Sonntag gegen Lausanne wird für sie alles andere als einfach.
Die Defizite der Routiniers
Geduld hatte sich Fringer vor dem Saisonstart erhofft. Um Geduld bittet er auch jetzt und mindestens für das erste Saisonviertel, obschon er weiss, dass das rund um diesen Verein herum ein Gut ist, das nur schwer zu bekommen ist. «Etwas zappelig» seien die Leute, sagt er; dass alle angespannt seien, sei normal, fügt er bei. Aber zumindest er will sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Also sagt er: «Ich weiss, was ich mache. Darauf konzentriere ich mich.»
Der erste Match vor drei Wochen in Luzern war von der Leistung her noch akzeptabel gewesen, aber auch nicht mehr, wie Fringer im Rückblick zugibt. Schon da erkannte er die Probleme, die in den folgenden beiden Auftritten gegen Thun und in St. Gallen so richtig an die Oberfläche drangen: Es fehlt der Mannschaft an Stabilität, nicht nur hinten oder vorne, sondern von hinten bis vorne.
Die insgesamt sechs Gegentore, gerade jene beim 1:3 in St. Gallen, legten die bedenkliche Erkenntnis offen, dass es dem FCZ an einem Fundament fehlt. Mit dem jungen Innenverteidiger Berat Djimsiti ist Fringer bislang «noch am ehesten» zufrieden. Was auch für ihn schon genug über die Leistungen der drei Nebenleute verrät, gerade von Mathieu Beda und Ludovic Magnin, den eigentlich als Stützen eingeplanten Routiniers. Beide aber haben ihre körperlichen Defizite aus der alten Saison mitgenommen. Und die Mannschaft zahlt fürs Erste dafür.
Leidenschaft gefordert
Beda wird auch morgen als Captain auflaufen. Aber weil es sich Fringer nicht nochmals erlauben kann, gleich beide Problemfälle in der diffizilen Defensivzone einzubauen, wird Magnin wohl durch Benito ersetzt. Jener Magnin, der in Zürich schon lange in der Kritik steht wie kaum einer sonst, eigentlich schon seit dem Tag im Januar 2010, als er für einen hoch dotierten Vertrag bis 2013 aus Stuttgart kam. Ein Leader sollte er sein, ein späterer Nachfolger von Hannu Tihinen, er ist das nie geworden, weil er leistungsmässig nie überzeugt hat.
Und hier tut sich ein weiteres zentrales Problem dieses FCZ auf: Es fehlt ihm an Führungsfiguren, nicht seit neuem, sondern schon viel länger. Er hat keinen Gennaro Gattuso, der Sion bereits eindrucksvoll prägt. Seine Hoffnungsträger für die nächsten Tage und Wochen heissen Oliver Buff und Josip Drmic. Die Olympia-Rückkehrer sind beide erst 19 Jahre alt.
Mit Buff soll das Mittelfeld ein Stück an der spielerischen Kreativität gewinnen, die ihm bislang trotz des Zuzugs von Davide Chiumiento so sehr fehlte. Es ist für Buff eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. Drmic wiederum soll im Sturm die Alternative zu Mario Gavranovic und Amine Chermiti sein. Zu Gavranovic, der, kaum da, schon davon redet, den FCZ nur als Zwischenstation auf dem Rückweg ins Ausland zu sehen. Zu Chermiti, in dessen Fall sich Fringer bemüssigt sieht, ihn nach drei schwachen Leistungen in Schutz zu nehmen. Chermiti habe eine «Topeinstellung», sagt Fringer, aber weil es ihm nicht laufe, ärgere er sich über sich selbst und verkrampfe.
Fringers Zusammenfassung heisst: «Wir müssen defensiv solid stehen, wir müssen torgefährlicher werden, wir müssen uns auf dem ganzen Feld steigern.» Vielleicht lernen seine Spieler nur schon einmal so zu kämpfen, eine solche Leidenschaft zu entwickeln, wie das die St. Galler vor einer Woche vorlebten.
Mögliche Aufstellung: Da Costa; Glarner, Djimsiti, Beda, Benito; Kukuruzovic, Buff, Kukeli, Chiumiento; Gavranovic, Chermiti/Drmic.
Powered by © Tages Anzeiger
