Calgarys Lockruf oder der nächste Abgang eines ZSC-Meistertrainers
Von Simon Graf und Silvan Schweizer
Bob Hartley wechselt zu den Calgary Flames und schickt die ZSC Lions auf Trainersuche. Sein Nachfolger soll seinen Weg weiterverfolgen.
ZSC-Meistertrainer zu werden ist schwer. Es zu bleiben noch viel mehr. Das erfuhr schon Otto Schläpfer. Der Davoser, der den Stadtclub 1961 als Spielertrainer zum Titel geführt hatte, blieb immerhin noch eine Saison, ehe er nach einem verpatzten Winter verärgert zu NLANeuling Kloten abwanderte. In der Neuzeit mussten Kent Ruhnke (2000) und Harold Kreis (2008) nach dem Titel gehen, Larry Huras (2001) hielt sich in der Folgesaison gerade mal 23 Spiele, ehe er durch Pekka Rautakallio ersetzt wurde. Und nun geht also auch Bob Hartley, ohne einmal als ZSC-Meistercoach an der Bande gestanden zu haben.
Meisterehren bedeuten normalerweise eine Stärkung der Beziehung von Club und Trainer. In Zürich ist das anders. An der Siegerparty im Hallenstadion hatte CEO Peter Zahner bei seiner Rede noch garantiert, dass Hartley auch nächste Saison beim ZSC sein werde. Und er hatte bis zuletzt betont, dass der Kanadier keine Ausstiegsklausel besitze. Doch die Gesetze des Geschäfts konnte auch er nicht aushebeln. «Ich wollte die Spekulationen nicht noch anheizen», sagte er nun. «Zuletzt wurde ich pausenlos von Journalisten aus Montreal angerufen. Das war mühsam. Aber mir war auch klar, dass sich Hartleys Abgang in den letzten Wochen abzeichnete. Es ist wie bei Thorsten Fink. Wenn ein Trainer in die Liga seiner Wünsche will, bringt es nichts, auf dem Vertrag zu beharren.»
Die Zürcher lösten den Kontrakt mit dem 51-Jährigen «in gegenseitigem Einvernehmen» auf, über die Modalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Aber natürlich werden die ZSC Lions für ihr Entgegenkommen entschädigt. Von Calgary, nicht von Montreal. Denn der Transferpoker nahm zuletzt noch eine Wende. Hartley entschied sich für die Flames, weil er deren Perspektiven besser einstuft (ein Grund dürfte auch Sven Bärtschi sein) und weil er mit deren General Manager Jay Feaster befreundet ist. Dieser war schon 1997 sein Chef, als er mit Hershey den Calder Cup gewann. Es bildete sich eine Freundschaft, die so weit ging, dass Hartley Götti von Feasters jüngstem Sohn Ryan wurde.
Immerhin verabschiedete sich der Meistercoach, der seinen Assistenten Jacques Cloutier mitnimmt, mit netten Worten: «Ich würde gerne meine Wertschätzung ausdrücken gegenüber den ZSC Lions für die wunderbare Erfahrung, in der Schweiz zu coachen und zu leben.» So sehr Zahner den Abgang bedauert, er betont, dass alles korrekt gelaufen sei: «Hartley hat uns zuerst gefragt, ob er mit Calgary reden dürfe. Dann kam Feaster mit der offiziellen Anfrage. Es bleiben keine schlechten Gefühle zurück.» Auch Montreal hatte zuerst um Erlaubnis gebeten, bevor es mit dem Kanadier verhandelte. Und man dürfe, so Zahner, auch ein bisschen stolz sein, dass dieser via ZSC zurück in die NHL gefunden habe.
Vorteile für Nordamerikaner
Der CEO stellte mit Sportchef Edgar Salis in den vergangenen Tagen schon eine Liste mit möglichen Nachfolgern zusammen. Auch Hartley hat seine Empfehlungen abgegeben. Klar ist: Der Neue soll dort weiterfahren, wo Hartley aufgehört hat. Zahner bezeichnet die Sprache als «sehr, sehr wichtig» und sagt: «Es wird sicher kein Russe, der kein Deutsch und Englisch spricht.» Das deutet nicht auf Slawa Bykow hin. Auch Ralph Krueger ist unwahrscheinlich. Aber es ist davon auszugehen, dass die Zürcher wieder einen Nordamerikaner verpflichten.
Im Rennen um den Job in Montreal verbleiben nach Hartleys Absage Marc Crawford und Michel Therrien. Vielleicht wird der ZSC für einen von ihnen ja zu Plan B. Für die Spekulation, Anders Eldebrink könnte zum Thema werden, hat Zahner jedenfalls kein Verständnis. Und dieser Seitenwechsel wäre aus verschiedenen Gründen auch undenkbar.
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