«Eine totale Bankrotterklärung»
Der FCZ war gegen Basel ausser Rand und Band – Präsident Canepa erlebte beim 1:5-Desaster den Tiefpunkt.
Von Thomas Schifferle
«Das ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe»: Fredy Bickel, Sportchef.
«Wir haben nicht ein Problem, wir haben tausend Probleme»: Ludovic Magnin, Verteidiger.
«Wenn ich Fringer wäre und eine Ausstiegsklausel in meinem Vertrag hätte, würde ich sie jetzt ziehen»: nochmals der Sportchef, in Anspielung an den künftigen Trainer Rolf Fringer.
«Desaster! Katastrophe! Jeder muss sich schämen»: nochmals Magnin.
Und dann kam noch Ancillo Canepa, der Präsident. Auf der Fahrt nach Hause rief er ins Telefon: «eine totale Bankrotterklärung! Nicht akzeptabel! Das muss Konsequenzen haben! Mich ärgert am meisten, dass ich die April-Saläre schon ausbezahlt habe!»
Der FCZ von Bickel, Magnin und Canepa hatte sich in dieser Saison mehrmals schon schwerer Kritik ausgesetzt. Doch was er gestern in der zweiten Halbzeit bot, auf dem Weg ins Verderben und zum 1:5 gegen den FC Basel, das übertraf alles. Oder besser: Das unterbot alles.
Die Spieler ohne Ehre
Dass der FCZ einmal 1:0 vorne gelegen hatte, nach sechs Minuten, einem schönen Angriff und Buffs Abschluss, verkam ab der Pause zur irrelevanten Randnotiz. Dass Buff in der 68. Minute einen Elfmeter verschoss und damit das 2:3 vergab: unerheblich. Dass Chermiti kurz vor dem 1:5 auf dem Weg zum Tor von Abraham ungestraft gefoult wurde: ebenso belanglos. Und vielleicht nur ein Gnadenakt von Schiedsrichter Kever, weil sich der FCZ so ersparte, einen zweiten Penalty zu verschiessen.
Viel wesentlicher war, wie sich dieser FCZ präsentierte, wie er sich gehen und vorführen liess. Wie er ohne Stolz und Anstand in die Niederlage taumelte. Wie sich Chermiti wegen Reklamierens die rote Karte erbettelte. Wie sich die Spieler dem schlimmsten Vorwurf überhaupt aussetzten: jenem der Arbeitsverweigerung.
Vor zwei Monaten war Urs Fischer als Trainer entlassen worden. Zur Unzeit, monierte Bickel damals. Sie hätten das mit Blick auf die neue Saison tun müssen, rechtfertigt sich Canepa noch heute. Die Spieler wiederum bekamen durch diese Massnahme das Alibi geliefert, dass alle an dieser trostlosen Saison schuldig sind, nur sie nicht.
Gestern, gegen einen munteren, spielfreudigen FCB, zeigten sich die Auswüchse dieser fatalen Haltung. Die Spieler, durchaus gut gehaltene und betreute Angestellte bei diesem Verein, stellten sich selbst bloss und demonstrierten, was sie von Eigenverantwortung und Arbeitsmoral halten: nichts. «In der Privatwirtschaft hätte man nach einer solchen Leistung alle entlassen!», polterte Canepa.
Andere Massnahmen drohte er gestern in seiner tief sitzenden Frustration an. Massnahmen, die er in der Eile nicht genau definieren konnte, bei denen es aber um die Disziplinierung der Spieler geht und um das Streichen von Freitagen. Und Canepa sagte: «Zum nächsten Auswärtsspiel fahren wir mit dem Tram.» Das nächste Auswärtsspiel ist in zwei Wochen im Letzigrund gegen GC.
Der Dilettantismus der Zürcher entblösste sich bei den Gegentoren, nicht nur, aber vor allem. Beda verschuldete ohne Not den Elfmeter gegen Frei, den Shaqiri zum 1:1 verwertete. Magnin, Teixeira und Beda waren freundliche Zuschauer bei Shaqiris 1:2. Buff verlor vor dem eigenen Sechzehner den Ball, verwarf die Arme, blieb stehen und leitete so das 1:3 durch Stocker ein. Glarner leistete sich grundlos das Handspiel, das zum nächsten Elfmeter und Strellers 1:4 führte. Und derselbe Glarner war mit seinem Fehler an der Entstehung des 1:5 durch Streller schuldig.
Das 1:5 war noch gnädig
Es gab noch einige andere Szenen, die der FCB mit Toren hätte bestrafen können. Es waren Szenen, die teilweise Slapstick-Charakter hatten wie Kajevics Befreiungsversuch 20 Meter vor dem eigenen Tor, der zum Rundschlag wurde und in Leonis Armen landete. Oder das dümmliche Foul von Pedro an Andrist, das zu dem Elfmeter führte, den Fabian Frei verschoss.
So absurd es tönt, das 1:5 war noch gnädig für den FCZ. Denn wie hätte dieser Match geendet, wenn die Basler konsequenter im Abschluss gewesen wären und sie noch den gesperrten Alex Frei auf dem Platz gehabt hätten. Jedenfalls glaubte Captain Streller: «Wir hätten noch höher gewinnen können.»
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