Der ZSC schmiedet seine Allianzen
Die Kooperation mit Toronto und Mannheim könnte zu einem Trumpf werden – etwa bei einem Lockout.
Von Simon Graf
Edgar Salis tauchte am Wochenende in eine ganz andere Eishockeywelt ein. Im Rahmen der Kooperation mit Toronto besuchte er die Leafs und sah da Dimensionen, von denen seine ZSC Lions nur träumen können. «Das Eishockey ist nicht der grösste Unterschied zur NHL», sagt er. «Sondern das Drumherum.» Auf dem Schwarzmarkt hätte er zwischen 600 und 800 Dollar für ein Ticket zu einem Spiel Torontos ausgeben müssen. Und die Sportsbar nebenan, die gemäss Salis rund 1500 Personen fasst, sei von mittags bis spätabends voll gewesen.
Diese Dimensionen sind allein schon mit der Grösse Torontos mit rund 2,7 Millionen Einwohnern zu erklären. Dazu kommt, dass Eishockey in Kanada mit teilweise fast religiösem Eifer zelebriert wird. Salis traf bei seinem Besuch unter anderem Brian Burke und Ron Wilson, den General Manager und den Trainer. Eine Zusammenarbeit mit einem der reichsten Klubs der NHL tönt gut. Doch was kann sie konkret bringen? Gerade im sportlichen Bereich sei der Austausch wertvoll, sagt der ZSC-Sportchef. «Die Leafs beschäftigen rund 20 Scouts, die auch die Farmliga gut abdecken. Wenn ich mich für einen Spieler in Nordamerika interessiere, bekomme ich von ihnen einen kompletten Report zu ihm. Umgekehrt erkundigt sich Toronto bei uns, auf wen man in der Schweiz achten müsse.»
Das Treffen von Burke und Frey
Am Anfang stand die im Juni beschlossene Allianz mit Mannheim. Am 8. November weilte dann Burke in Zürich und traf unter anderem Walter Frey, dabei erweiterte man die Zusammenarbeit um Toronto. «Das Gute ist, dass wir offen miteinander sein können, weil wir nicht in einer Konkurrenzsituation zueinander stehen», sagt Salis. «Wir müssen nun herausfinden, wo wir gegenseitig voneinander profitieren können.» Was die Stadionsituation betrifft, hinken die ZSC Lions ihren Partnern hinterher, und sind froh um Einblicke. «Toronto und Mannheim geben uns alle Unterlagen, die wir wollen», schwärmt ZSC-CEO Peter Zahner. So hat sich ihm etwa eröffnet, dass in Nordamerika die Garderoben neu oval konzipiert werden, nicht mehr rechteckig, damit jeder Spieler jeden anderen sieht.
Zahner betont, dass es ein Geben und Nehmen sein müsse. Die Verantwortlichen Torontos seien beeindruckt gewesen, als er ihnen erklärt habe, dass die ZSC-Organisation eine Nachwuchsabteilung mit über 700 Junioren führe. «Sie saugten uns darüber nach Informationen aus, fragten, wie wir das mit den Trainern oder mit den Schulen für die Spieler lösen würden.» Und Mannheim führte, auf Anstoss der Zürcher, erstmals einen Skateathon zugunsten des Nachwuchses durch. Den ZSC Lions bringt dieser 295 000 Franken ein.
Phil Kessel im Hallenstadion?
Ob noch ein weiterer europäischer Klub, aus Skandinavien oder Osteuropa, in die Kooperation aufgenommen wird, ist offen. «Zuerst geht es darum, die Zusammenarbeit zu festigen», erklärt Zahner. «Erst nächste Saison läuft sie dann richtig an.» Interessant könnte es werden, wenn es in der NHL zum Lockout kommen sollte. Die Leafs haben zwar keine Hoheit über ihre Spieler, aber sie könnten ihnen zumindest nahelegen, die Zeit bei einem europäischen Partner zu überbrücken. Phil Kessel und Dion Phaneuf im Hallenstadion – ein reizvoller Gedanke.
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