Doch noch ein frohes Zürcher Fest
Die ZSC Lions siegten in Genf nach einem 1:3 noch 4:3 nach Penaltys und holten zwei kapitale Punkte.
Von Simon Graf, Genf
Es war wieder ein nervenaufreibender Abend für Bob Hartley. Aber diesmal einer mit Happy End. Seine ZSC Lions stoppten ihre Niederlagenserie bei drei und banden Servette, das gerne auf ihre Kosten einen Playoff-Platz erringen möchte, leicht zurück. Bei einem Sieg der Genfer nach 60 Minuten – und darauf deutete lange vieles hin – wären diese bis auf zwei Punkte an die Zürcher herangekommen. Doch das 4:3 nach Penaltys bedeutet, dass diese ihren Vorsprung auf den Strich auf sechs Punkte ausbauen konnten. Es war eine Aufholjagd in extremis und eine Partie, die bis zuletzt von Spannung und Hektik geprägt war.
Servette führte 3:1, dann bis zur 59. Minute 3:2 und strebte im Finish in der aufgeheizten Atmosphäre in der LesVernets-Halle einem Sieg entgegen. Denn den ZSC Lions schienen nach späten Strafen gegen Cunti und Ambühl die Hände gebunden. Doch dann stürmten Tambellini und Seger in doppelter Unterzahl mit dem Mute der Verzweiflung nach vorne, und der Kanadier spielte den vors Tor gepreschten Verteidiger ideal an. Das späte und so wichtige 3:3, 88 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit, war im 27. Spiel der erste Saisontreffer des Captains. Weil die doppelte Genfer Überzahl noch weiterlief, sorgte Chris McSorley danach für das Kuriosum, dass er bei Unentschieden den Torhüter ersetzte. In diesen 30 Sekunden bei 3 gegen 6 Feldspielern schlugen sich die Zürcher aber tapfer.
Das Penaltyschiessen wurde erst im zwölften Versuch entschieden, als Flüeler den filigranen Vampola im zweiten Anlauf stoppte. Zuvor hatten für die Zürcher Pittis, Ambühl und Tambellini mit einem brillanten Hocheckschuss getroffen. Dank der späten Wende gibt es bei den ZSC Lions nun doch noch ein frohes Fest. Man darf die Pause mit einem guten Gefühl angehen. Allerdings ist der Kampf um die Playoff-Plätze längst nicht entschieden. Und bei Servette dürfte Kolnik früher oder später als weitere Verstärkung eingreifen.
Bei den ZSC Lions wird Nylander, der am 26. November in Biel (0:4) sein letztes Spiel absolvierte, im neuen Jahr nicht mehr dabei sein. Wie erwartet wurde sein zu Weihnachten auslaufender Vertrag nicht verlängert. «Er war dreimal verletzt, seit er bei uns ist, er ist 39, nicht der Billigste und sicher alles andere als ein überzähliger Ausländer», erläuterte Sportchef Edgar Salis den Entscheid. Er fügte aber auch an: «Am Anfang hat uns Nylander Impulse gebracht.» Die hohen Erwartungen, die man an den schwedischen Spielmacher aufgrund seines reichen Palmarès haben durfte, hat dieser nicht erfüllt. Aber immerhin haben die Zürcher, wenn er spielte, 9 von 15 Partien gewonnen. Das liegt deutlich über ihrem Schnitt.
Fans sammelten für Nylander
Nylander soll, so ist aus Schweden zu hören, seine Karriere in der Heimat bei Södertälje fortsetzen, einem Team aus der zweithöchsten Liga. Fans haben für seine Verpflichtung 500 000 schwedische Kronen gesammelt, umgerechnet rund 70 000 Franken. So wollen sie dem Altstar und sich selber ein Weihnachtsgeschenk machen. Ihnen ist, falls das Engagement zustande kommt, nur zu wünschen, dass sie nach der Bescherung nicht enttäuscht sind. Denn so klingend Nylanders Name nach wie vor ist, sein lädierter Körper lässt nur noch punktuell Spitzeneishockey zu.
Servette - ZSC Lions 3:4 n. P. (1:0, 1:1, 1:2) Les Vernets. – 7031 Zuschauer. – SR: Massy, Mauron/ Tscherrig. – Tore: 18. Mercier 1:0. 22. Tambellini (Cunti) 1:1. 35. Pothier (Vampola/Ausschluss Monnet) 2:1. 41. Pothier (Salmelainen/Ausschluss Geering) 3:1. 48. Bastl (Pittis, Seger/Ausschluss Simek) 3:2. 59. Seger (Tambellini/Ausschlüsse Cunti,Ambühl!) 3:3. – Penaltyschiessen: Rubin,Flüeler pariert; Pittis 0:1.Simek, Flüeler pariert; Tambellini daneben. Vampola 1:1; Ambühl 1:2. Salmelainen 2:2; Down, Stephan pariert. Fata, Flüeler pariert; Kenins, Stephan pariert.Tambellini 2:3; Vampola, Flüeler pariert. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Servette,8-mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions.
Servette: Stephan;Vukovic,Bezina; Pothier,Gautschi; Mercier, Gian-Andrea Randegger; Fata, Paul Savary, Flurin Randegger; Rubin, Salmelainen, Vampola; Simek,Trachsler, Friedli; John Fritsche, Rivera, Gerber.
ZSC Lions: Flüeler; McCarthy, Seger; Blindenbacher, Geering; Schnyder,Gobbi; Bastl,Pittis,Monnet; Down, Cunti, Tambellini; Bärtschi, Ambühl, Kenins; Schommer,Ziegler, Bühler.
Bemerkungen: 27. Flüeler pariert Penalty von Savary. Servette von 58:45 bis 59:15 ohne Torhüter.
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