«Auch wir könnten wie Basel sein»
FCZ-Trainer Urs Fischer trauert dem Meistertitel nach, der Klub plant die Zukunft ohne Torhüter Leoni.
Von Peter Bühler, Zürich
Urs Fischer lacht. Und sagt dann, eigentlich würde er am liebsten in die Tischkante beissen. Der FCZ-Trainer sitzt an einem Tisch in der Saalsporthalle auf der Allmend Brunau, dem Trainingszentrum des Vereins. Die Übungseinheit der Zürcher vor dem letzten Spiel der Vorrunde gegen Sion ist vorbei, das Thema an der wöchentlichen Medienkonferenz ist vorerst aber nur der FC Basel und sein Coup gegen Manchester United.
Nicht dass Fischer dem Rivalen vom Rheinknie den Triumph nicht gönnen würde. Er erklärt, das 2:1 der Basler gegen Manchester sei eine grossartige Sache für den Schweizer Fussball – und fügt dann doch eine Spur nachdenklicher an: «Wo der FCB jetzt steht, könnte der FCZ auch stehen. Auch wir könnten wie Basel sein – im optimalsten Fall.» Seine Gedanken schweifen zurück in den Mai und die letzte Saison, er lässt den Showdown gegen den FCB in der viertletzten Runde nochmals aufleben. Seine Mannschaft hatte die Basler im Letzigrund dominiert, am Ende aber doch nur ein 2:2 erreicht.
Die (Selbst-)Kritik von Fischer
Weil sie danach im Derby GC unterlag, verlor sie die Meisterschaft. Fischer sagt: «Dieser eine Punkt, den der FCB am Schluss vor uns lag, schmerzt noch heute.» Vielleicht stand die Enttäuschung über den knapp verpassten Titel auch am Anfang der FCZ-Krise in dieser Saison – und nicht der von Margairaz fahrlässig verschossene Elfmeter in der ersten Partie der laufenden Spielzeit in Sitten. Wer weiss das schon genau?
Fakt ist hingegen, dass der FCB im Achtelfinal der Champions League und mit sechs Punkten Vorsprung auch souverän an der Spitze der Super League steht. Der FCZ aber, seit Jahren Basels grösster Rivale, ist in der Europa League und im Schweizer Cup ausgeschieden. Und in der Meisterschaft kämpft er gegen den Abstieg. Fischer fasst die Situation schonungslos zusammen: «Der FCB hat alles richtig gemacht. Wir aber sind in jeder Hinsicht unter unseren Ansprüchen geblieben.»
Die Mängel in der Defensive
Den Hauptgrund für die Misere sieht er vorab in der mangelhaften Arbeit in der Defensive. Letzte Saison stellten die Zürcher hinter Sion und Thun und gemeinsam mit Basel die drittbeste Verteidigung, sie mussten in 36 Ligaspielen 44 Gegentreffer hinnehmen, also 1,2 pro Spiel. In dieser Spielzeit sind sie nach 17 Runden bei 25 Gegentoren angelangt, im Schnitt sind das 1,5 pro Partie. Fischer bemerkt: «Die Spitzenklubs zeichnen sich durch eine stabile Verteidigung aus. Die fehlt uns.»
Von allen Klubs liess der FCZ am viertmeisten Gegentreffer zu, mehrere nach Standardsituationen. Allein Fischers Kollege beim gemeinsamen Fischen im Sihlsee, Alain Nef von YB, hat in den beiden Spielen gegen den FCZ dreimal getroffen. Fischer erklärt lakonisch: «Jeder kennt die Kopfballstärke von Nef, auch meine Spieler. Offenbar haben sie mir bei der Teamsitzung vor den Spielen nicht aufmerksam genug zugehört.»
Die Besetzung der Zürcher Abwehr veränderte sich wegen Verletzungen und Sperren ab und an, das Tor aber hütete in der Super League ausnahmslos Johnny Leoni. Der 27-jährige Walliser hatte im März Andrea Guatelli als Nummer 1 verdrängt, nachdem der Italiener vor dem Spiel in Basel in einer Beiz überhockt hatte und von Fischer suspendiert worden war. Leoni spielte danach ein starkes Saisonfinale, in dieser Spielzeit aber blieb er nicht fehlerfrei.
Dennoch drängte der FCZ seit geraumer Zeit auf eine Verlängerung des im nächsten Sommer auslaufenden Vertrages. Sportchef Fredy Bickel sagt: «Wir luden ihn im Herbst dreimal zu Vertragsverhandlungen ein, einig wurden wir uns nie.» Der Klub setzte Leoni eine Frist bis Ende Oktober, ohne von ihm eine Antwort zu erhalten. Er teilte ihm hierauf mit, er würde sich nach einem neuen Torhüter umsehen. Bickel erklärt: «Wir müssen die nächste Saison planen, konnten uns nicht ewig hinhalten lassen.» Leoni allein habe das Signal auf Trennung gestellt. Der Goalie kontert: «Der FCZ hat die Verhandlungen abgebrochen und plant die Zukunft ohne mich.»
Die guten Wünsche von Bickel
Es deutet alles darauf hin, dass der FCZ ohne Leoni, der seit 2003 für den Klub spielt, in die kommende Saison gehen wird. Die Zürcher haben bereits erste Gespräche mit Guatelli geführt, dessen Vertrag im Sommer ebenfalls endet. Guatelli sagt: «Ich habe Interesse zu bleiben, der FCZ hat für mich auf jeden Fall Priorität vor allen anderen Vereinen.» Er hofft offensichtlich, im Frühling wieder zur Nummer 1 zu werden. Und er ist bereit, sich ab Sommer einem neuen Konkurrenten zu stellen im Kampf um den Stammplatz. Der Neue könnte David da Costa heissen. Der Goalie mit Vergangenheit beim FCZ hat in Thun eine Ausstiegsklausel im Vertrag. Bickel sagt: «Wir werden nichts überstürzen, der Markt an guten Torhütern ist gross.» Als Beispiel nennt er den ehemaligen deutschen Nationaltorhüter Timo Hildebrand, der monatelang auf Vereinssuche war und kürzlich als Goalie Nummer 3 bei Schalke unterkam. «Er wäre zu günstigen Konditionen zu haben gewesen.»
Bickel denkt, dass der im Sommer ablösefreie Leoni seine Situation möglicherweise falsch einschätzt und wünscht ihm bei der Suche nach einem Verein schon einmal viel Glück. Trainer Fischer mag sich an der Diskussion um die Torhüter nicht beteiligen, in seiner trockenen Art sagt er kurz und bündig: «Jeder Spieler ist ersetzbar.»
Mögliche FCZ-Aufstellung: Leoni; Ph. Koch, Béda, Teixeira, Rodriguez; Nikci, Aegerter, Margairaz, Chikhaoui; Mehmedi, Chermiti. – Gesperrt: Zouaghi. Verletzt: Alphonse, Kukuruzovic.
Quelle: Print-Tagi
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Ich verstahn de Leoni eifach nöd.... :roll: