Aus aktuellem Anlass:
Das ZSC Stadion steht, wie geht es mit dem Fussball Stadion weiter?
Hier mein Kaffeesatzlesen:
Knauss (siehe Artikel unten) wird sich den Lärmschutz (siehe Artikel unten) zum Nutzen machen und die Wohntürme angreifen. Ziemlich effiziente Methode im Moment um Bauen in Städten ganz und gar zu verhindern!
Mit dem Rosengartentunnel haben Markus Knauss und Gabi Petri ein weiteres Zürcher Grossbauprojekt gebodigt. Es wird nicht das letzte sein
Kein Politikerpaar prägt Zürich so stark wie Gabi Petri und Markus Knauss. Wegen ihrer Hartnäckigkeit haben sie sich aber auch in den eigenen Reihen nicht nur Freunde gemacht.
Nils Pfändler10.02.2020, 11.42 Uhr (NZZ)
Markus Knauss und Gabi Petri, hier beim Verteilen von Flyern auf dem Helvetiaplatz in Zürich, leiteten die Nein-Kampagne zur Rosengartenabstimmung.
Annick Ramp / NZZ
Gabi Petri und Markus Knauss strahlen. Das grüne Politikerpaar steht auf dem Röschibachplatz in Zürich Wipkingen. Eine Menschenmenge hat sich vor ihnen versammelt. Sie jubelt ihnen zu. Es sind Gegner der Rosengartentunnels, der harte Kern des Nein-Komitees. Soeben treffen die letzten Resultate aus den Stadtkreisen ein. Sie zeigen ein eindeutiges Bild: ein Sieg auf ganzer Linie.
Zwischen zwei Bäumen hängt ein riesiges rotes Banner. «Rosengarten Unsinn – Nein», steht darauf. «Wir haben es geschafft!» – «Die Schlacht ist gewonnen!» – «Versenkt, versenkt!», ruft es aus der Menge. Leute liegen sich in den Armen, Küsschen hier, Umarmungen da. Manch einer wirkt schon etwas beschwipst. Wen wundert’s: Die ersten Champagnergläser wurden schon am frühen Nachmittag beim Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen gefüllt.
Die Tunnelgegner haben Knauss und Petri wie Stars begrüsst. Als Co-Geschäftsführer der VCS-Sektion Zürich waren der 58-jährige Gemeinderat und die 59-jährige Kantonsrätin federführend bei der Nein-Kampagne zur Abstimmung über das Rosengarten-Projekt.
Das klare Resultat ist einer der grössten Siege in der jahrzehntelangen Tätigkeit des Politikerpaars. In der Vorlage sahen sie gleich mehrere Anliegen gefährdet, für welche sie seit je kämpfen. Weniger Autos, weniger Lärm, weniger Emissionen, dafür mehr Velos und öffentliche Verkehrsmittel in der Stadt. Der «goldene Tunnel», wie er von Gegnern gerne genannt wurde, koste zu viel und bringe zu wenig. Das Tram wiederum sei nichts weiter als ein grünes Mäntelchen für ein ungenügendes Gesamtpaket – Argumente, die beim Stimmvolk offensichtlich angekommen sind.
Das Rosengarten-Projekt ist nur eines von vielen Bauvorhaben, das auf der Abschussliste von Knauss und Petri gelandet ist. Sie reicht von der ZKB-Seilbahn, der Gleisüberbauung Eurogate beim Hauptbahnhof, dem Polizei- und Justizzentrum, drei verschiedenen Stadionprojekten auf dem Hardturm-Areal bis hin zu einer ganzen Reihe von Einkaufszentren im Kanton – alles wurde angefochten, verhindert oder verzögert. Laut eigenen Aussagen haben sie in den letzten dreissig Jahren im Kanton Zürich über 170 Rechtsfälle eingeleitet.
Petri: Wir sind extrem nervenzehrend, das wissen wir.
Knauss: (lacht) Ja, das stimmt.
Den beiden haftet deshalb längst das Image der Nein-Sager und Verhinderer an. Als «Spielverderber», «Öko-Terroristen», «Parkplatzzähler» oder gar «Staatsfeinde» wurden sie von politischen Gegnern schon bezeichnet.
Gleichgesinnte hingegen loben den unermüdlichen Einsatz für den Klimaschutz und die Verkehrsentlastung. Doch auch im linken Lager eckt das Duo mitunter an. Nach dem Volks-Ja zum Fussballstadion sorgte das von ihnen angestossene Referendum gegen den Gestaltungsplan auch in den eigenen Reihen für Kopfschütteln.
Die Kritik verstehen Knauss und Petri nicht. Als VCS-Geschäftsführer sehen sie es als ihre Aufgabe an, über das Verbandsbeschwerderecht auf Missstände hinzuweisen und Fehlplanungen zu verhindern.
Petri: Wünscht sich heute noch jemand den Eurogate? Will jemand den Verkehr zurück auf dem Limmatquai? In der Kuttelgasse? Auf dem Rennweg?
Knauss: Will jemand eine stehende Lastwagenkolonne auf der Sihlfeld- und der Weststrasse? Das wäre so gekommen, ohne die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung. Heute sind alle glücklich, aber niemand sagt, dass es nicht zuletzt diese zwei Umweltaktivisten waren, die einfach nicht lockergelassen haben.
Petri: Wir sind keine Spielverderber. Wir sind unbequem, beharrlich und nicht käuflich. Wir beugen uns nicht dem gesellschaftlichen Druck.
Knauss: Man kann sich nicht permanent ökologische Ziele vornehmen und im Vollzug dann dermassen versagen. Da habe ich einfach andere Ansprüche.
Die beiden geraten bei solchen Themen schnell ins Erzählen. Eine Anekdote jagt die nächste. Namen, Abstimmungsresultate und Projekte der letzten drei Jahrzehnte werden durchdekliniert. Sprechen sie über ihre eigene Tätigkeit, schwingt nicht selten Stolz mit in der Stimme.
Knauss: Wir haben eine sensationelle Erfolgsquote.
Petri: Das zeigt ja genau das Behördenversagen!
Knauss: Sie liegt bei 60, 70 Prozent.
Petri: Ich meine, Moritz Leuenberger habe einmal die geflügelten Worte gesagt: «Wenn ich so eine Erfolgsquote gehabt hätte wie die Umweltverbände, dann wäre ich Anwalt geblieben.»
Um seine Anliegen durchzusetzen, scheut das Paar keinen Aufwand. Bei der Rosengarten-Abstimmung war rasch die ganze Stadt mit den roten Flyern und Plakaten übersät. Petri und Knauss waren sich nicht zu schade, mehrmals selber auf der Strasse gegen das Projekt zu weibeln. Noch am Freitag verteilten sie auf dem Helvetiaplatz stundenlang in eisiger Kälte Flyer und Schokolade. «Grüezi, gönd Sie vilicht au no go abstimme?» Einen Tag vor der Abstimmung war der Marktplatz in Oerlikon an der Reihe. «Grüezi, gönd Sie vilicht au no go abstimme?»
Wer sich auf ein Gespräch mit ihnen einlässt, bekommt schnell einmal eine Lektion über die letzten dreissig Jahre Zürcher Politik doziert. Gerät Petri dabei in Fahrt, spricht sie so schnell, als eilte sie den eigenen Gedanken hinterher. Knauss ist gemächlicher. Seine Sätze sind oft druckreif, als wären sie vorgefertigt. Vielleicht sind sie das auch. Seit Jahrzehnten spricht er über dieselben Dinge: Verkehr, Parkplätze, Velowege.
Ihr Tun verstanden sie stets als Pionierarbeit. Jetzt, in Zeiten der Klimabewegung, mehr denn je.
Knauss: Für Themen wie das autofreie Wohnen wurde ich früher belächelt. Die Leute sagten mir: «Aber Markus, alle Leute fahren Auto in der Stadt.»
Petri: Pha!
Knauss: Heute ist diese Ansicht Mainstream.
Petri: Die Menschen auf der Strasse sind schon viel weiter als die Politik mit ihrer Umsetzung.
Knauss: Die Stadtregierung sollte mutiger sein.
Petri: Sie nutzen ihren Handlungsspielraum nicht aus und hinken immer fünf Schritte hinterher.
Die gemeinsamen Kämpfe haben die beiden zusammengeschweisst. Politik, Beruf und Privates ist bei ihnen kaum mehr zu trennen. Vor mehr als drei Jahrzehnten haben sie sich über benachbarte Bekannte kennengelernt. Er, der gebürtige Toggenburger, sie, die damals noch am linken Rand bei den Progressiven Organisationen politisierte. 1991 sind sie gleichzeitig den Grünen beigetreten. Als Co-Geschäftsführer des VCS teilen sie sich heute den gleichen Job beim selben Arbeitgeber. An den Balkonen ihres Wohnhauses im Kreis 3 hängen Banner mit Parolen gegen den Rosengartentunnel. Sie haben zwei erwachsene Töchter. Auch sie sind Mitglieder der Grünen Partei.
Die Tätigkeit im Politbetrieb hat Knauss und Petri geprägt. Auch die Tatsache, dass sie bis zum letzten Tag vor der Abstimmung noch Flyer verteilen, ist einem Erlebnis aus der Vergangenheit geschuldet – der verlorenen Volksabstimmung zur Gleisüberbauung beim Hauptbahnhof im Jahr 1988:
Petri: Wir haben die Abstimmung damals um 49-Komma-irgendöpis Prozent verloren.
Knauss: 49,3.
Petri: Nur wegen ein paar Stimmen.
Knauss: Eine Woche vor der Abstimmung waren wir alle müde und haben nichts mehr gemacht.
Petri: Seither gehen wir immer bis zum letzten Tag auf die Strasse.
Die Eurogate-Geschichte ist bezeichnend. Denn sie zeigt, dass Petri und Knauss auch nicht aufhören Widerstand zu leisten, wenn ein Volksentscheid nicht nach ihrem Geschmack ausfällt. Die Abstimmung ging zwar verloren, die Gleisüberbauung wurde aber nie realisiert. Der VCS rekurrierte so lange gegen das Projekt, bis die Bauherren aufgaben.
Je grösser der Widerstand, desto vehementer vertreten Knauss und Petri ihre eigene Position. Sie sind so überzeugt von der eigenen Meinung, dass sie das Verständnis für andere Ansichten mitunter vermissen lassen. Sie haben recht – die anderen müssen nur noch darauf kommen.
Petri: Ich will Einsichten schaffen. Mir fällt es nicht leicht, wenn Leute bei logischen und klaren Ausgangslagen keine Einsicht haben. Es ist wie bei den Schülern, nicht alle checken es beim ersten Mal. Das ist arrogant, ich weiss. Aber ich habe in den meisten Fällen recht behalten. Wenn man im Abstimmungskampf alles probiert und es trotzdem nicht reicht, ärgere ich mich heute aber nicht mehr. Dann liegt das an den Grenzen einer komplexen Argumentation. Oder an der Trägheit und am Egoismus des Volkes.
Knauss: (lacht)
Petri: Doch, so ist es halt! Das grösste Übel der Welt ist die Denkfaulheit des Volkes.
Wegen solcher Äusserungen ecken Petri und Knauss an. Doch sie kümmern sich nicht darum, was andere über sie denken. Diese Haltung polarisiert, und deshalb hat wohl jeder, der die Zürcher Politik kennt, eine Meinung zu den beiden.
Knauss gilt als gewieft und gradlinig, aber wenig kompromissbereit. Sein Wissen in Verkehrsfragen oder bei der Raumplanung ist unbestritten, mancher sieht in ihm aber einen ideologisch verblendeten Hardliner. Petri wird im Kantonsrat als engagierte und bestens vernetzte Politikerin beschrieben, die sich im Ratssaal jedoch kaum zu Wort meldet. Lieber schmiedet sie Allianzen und hält im Hintergrund die Fäden in der Hand.
Auch Gegner schätzen ihre Fähigkeiten. SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein, der sich entgegen der Empfehlung seiner Partei gegen das Rosengartentunnel aussprach, bezeichnet Petri als eine geschätzte und dossierfeste Ratskollegin, mit der man über die Parteigrenzen hervorragend zusammenarbeiten könne. «Auch wenn wir in Verkehrsthemen diametral entgegengesetzte Ansichten haben», fügt er an. «Dort ist sie manchmal etwas verbohrt.» Petri gehöre zu einer aussterbenden Klasse von grünen Politikern, die sich abgesehen von der Verkehrs- und Klimapolitik themenbezogen und ohne Ideologie eine Meinung bildeten.
Dass Knauss und Petri mit ähnlichen Attributen beschrieben werden, überrascht nicht. Auch sie selber erkennen im Gegenüber viele Ähnlichkeiten.
Petri: Inhaltlich und politisch unterscheiden wir uns praktisch kaum.
Knauss: Bei neuen Themen müssen wir uns manchmal ein bisschen herantasten.
Petri: Ich bin meistens dezidierter. Du bist konzilianter.
Knauss: Meine Ratskollegen würden das bestreiten.
Petri: Aber du bist der Nettere von uns beiden. Ich gegen den Rest der Welt – das ist mir eigentlich egal.
Knauss: Ich habe auch keine Mühe, alleine dazustehen.
Tatsächlich stehen die beiden manchmal alleine da. So wie beim eingangs erwähnten Referendum gegen den Gestaltungsplan des Hardturmstadions, wo selbst der grüne Gemeinderat Marcel Bührig von «Täubelen» und «schlechtem Stil» sprach.
Es ist nicht der einzige parteiinterne Konflikt. Fast schon legendär ist der Zwist zwischen Petri und der grünen Fraktionspräsidentin Esther Guyer. Die beiden Alphatiere sind bekannt dafür, ihre Meinung lauthals kundzutun und nicht vom eigenen Standpunkt abzuweichen. Das führt gezwungenermassen zu Spannungen, die innerhalb der Fraktion als belastend wahrgenommen werden. Petri bestreitet, dass ein Problem besteht. Guyer lässt auf Anfrage ausrichten, dass sie sich zu diesem Thema nicht äussern wolle.
Die Rolle der unliebsamen Kämpfer scheint dem Paar zu behagen. Sie sind unbeirrbar und frei von jeder Harmoniebedürftigkeit. Das geben sie auch gerne zu. Ihre Hartnäckigkeit grenzt mitunter an Starrsinn, ihre Überzeugung an Arroganz.
Damit haben sich Knauss und Petri in den letzten drei Jahrzehnten nicht nur Freunde gemacht. Doch es sind nicht zuletzt diese Eigenschaften, mit denen sie regelmässig Projekte wie den Rosengartentunnel zum Absturz bringen. Weitere dürften folgen.
Knauss: Wir haben kein Ablaufdatum, und auch die Arbeit geht uns nicht aus.
Petri: Es gibt noch viele Projekte, bei denen ich das Gefühl habe, einen wichtigen Beitrag leisten zu können.
Knauss: Am Montag geht’s weiter.
Petri: Wir lassen uns nicht stoppen.
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Baublockade in der Stadt Zürich
Wieder scheitern neue Wohnungen am Lärm – diesmal günstige
Eine Genossenschaft muss ihre Neubaupläne beerdigen, es ist der zweite Fall in zwei Wochen. Zürich hofft jetzt auf Bern.

Beat Metzler
Publiziert: 15.01.2022, 06:00 (TA)

Die Baugespanne waren vergebens, diese Häuser an der Winterthurerstrasse bleiben vorerst stehen. Fotografiert im Juni 2020.
Foto: Urs Jaudas
Ein Architekturwettbewerb, zahlreiche Workshops, neun Jahre Planung. Und das alles für nichts.
Das Zürcher Verwaltungsgericht hat die Bewilligung für einen Ersatzneubau an der Winterthurerstrasse im Kreis 6 aufgehoben. Die Baugenossenschaft Oberstrass (BGO) verzichtet auf den Versuch, die geplanten 134 Wohnungen vor dem Bundesgericht zu retten. «Dort hätten wir wohl keine Chance», sagt BGO-Präsident Mathias Ninck.
Gerichte sind strenger geworden beim Lärmschutz
Ninck verweist auf einen ähnlichen Entscheid vom letzten Dezember, mit dem das Bundesgericht die geplante Siedlung «Im Bürgli» an der Bederstrasse in der Enge versenkte. Damit sind in zwei Wochen zwei grosse Stadtzürcher Wohnungsprojekte am gleichen Hindernis gescheitert: dem Lärmschutz.
Seit einigen Jahren urteilen die Gerichte in der Lärmfrage strenger. Die Ausnahmebewilligungen, welche Stadt und Kanton lange vergeben haben, lehnt das Bundesgericht nun in der Regel als nicht gesetzeskonform ab.
Laut Mathias Ninck verunmöglicht diese Rechtsprechung in Kombination mit weiteren Anforderungen an Arealüberbauungen das Bauen an lauten Verkehrsachsen. Die Alternative zum jetzigen Entwurf wäre, zur Winterthurerstrasse hin eine «Staumauer» zu erstellen, eine durchgehende Betonwand mit kleinen Fenstern. Das würde den Lärm genug dämpfen, sagt Ninck. «Aber die Stadt würde ein so abweisendes Gebäude aus städtebaulichen Gründen nicht bewilligen.»

134 statt 70 Wohnungen: So hätte der Neubau an der Winterthurerstrasse aussehen sollen.
Visualisierung: PD
Der Anwalt Peter Heer, der sowohl die Rekurrentinnen an der Beder- wie an der Winterthurerstrasse vertritt, sagte kürzlich in dieser Zeitung, Architekten und Ingenieure würden noch bessere Lärmschutzlösungen finden. Als «Schlag ins Gesicht» bezeichnet Mathias Ninck diese Aussage. «Unsere Architekten haben wirklich alles gemacht, was man machen kann. Es war ein ausgeklügeltes und überzeugendes Projekt.»
Das Nein führe zu einer absurden Situation. In den bestehenden, fast 100-jährigen Häusern sei es – im Vergleich zum geplanten Neubau – tatsächlich sehr laut. «Die Bewohnenden werden also noch viel länger deutlich stärkerem Krach ausgesetzt sein.»

Auch an der Bederstrasse in der Enge darf nicht gebaut werden.
Foto: Dominique Meienberg
Die 15 Rekurrenten gegen die BGO-Siedlung sorgen sich aber kaum um die Ruhe ihrer Nachbarn. Sie wohnen alle in der nahe gelegenen Siedlung Zanggerweg und störten sich laut Ninck an der Grösse des Neubaus. Das Lärmschutzrecht nutzten sie, um das Projekt zu bodigen. Die BGO machte den Nachbarn gemäss Mathias Ninck das Angebot, auf ein Stockwerk – und damit auf 20 Wohnungen – zu verzichten, sowie mit 100’000 Franken alle Anwaltskosten zu übernehmen. Vergeblich.
Anwalt Peter Heer bestätigt das Scheitern von Vergleichsgesprächen. Die Rekurrenten hoffen laut Heer, dass die BGO nun ein Projekt erarbeite, «das mehr Rücksicht nimmt auf ihre einzigartige, denkmalgeschützte Siedlung».
Bern entscheidet über Lockerungen bei Lärmschutz
Erst einmal bleibt alles, wie es ist an der Winterthurerstrasse. Die BGO setzt aber darauf, dass es in einigen Jahren wieder vorwärtsgehen könnte. Zwei angestossene Änderungen sollen dies ermöglichen: eine Revision des Umweltschutzgesetzes und eine Verlangsamung des Verkehrs auf der Winterthurerstrasse.
Die Gesetzesänderung, die auf eine Motion des Aargauer GLP-Nationalrats Beat Flach zurückgeht, befand sich bis vor kurzem in der Vernehmlassung. Der Kanton Zürich hat sich dabei für die «Lüftungsfensterpraxis» ausgesprochen. Dank dieser müssten die Lärmgrenzwerte nicht an allen Fenstern eingehalten werden. Lärmschutzorganisationen lehnen solche Lockerungen ab. Momentan wertet das Bundesamt für Umwelt die Stellungnahmen aus. Wann der Bundesrat darüber entscheide, sei offen, heisst es dort.
Zitat
«Wir hoffen, das Projekt zumindest teilweise zu retten.»
Mathias Ninck, Baugenossenschaft Oberstrass
Geplantes Tempo 30 könnte Baupläne doch noch retten
Mitte Dezember wiederum stellte der Zürcher Stadtrat Dutzende von Hauptverkehrsachsen vor, die er bis ins Jahr 2030 auf Tempo 30 abbremsen möchte. Bei der Winterthurerstrasse soll das zumindest während der Nacht geschehen. Den Tag durch möchte der Stadtrat die Trams der Linien 9 und 10 nicht verlangsamen.
Die Kombination aus angepasstem Lärmschutzgesetz und Tempo 30 könnte die Pläne der Baugenossenschaft Oberstrass wieder umsetzbar machen. «Wir hoffen, das Projekt dadurch zumindest teilweise zu retten», sagt Mathias Ninck. Die BGO brauche die neue Siedlung, weil ihr sonst Alterswohnungen fehlten. «Und wir wollen mehr günstigen Wohnraum schaffen.» Bei einem endgültigen Scheitern würde die Genossenschaft ausserdem alles in die Planung gesteckte Geld verlieren.
Die Swisscanto, welche die Siedlung an der Bederstrasse bauen möchte, hat noch nicht entschieden, ob sie abwartet wie die BGO oder ein neues Projekt einreicht. Man prüfe «verschiedene Handlungsoptionen», heisst es bei der Anlagestiftung der Zürcher Kantonalbank.
Auch für die Stadt stellt die jetzige Situation ein Problem dar. Gemäss Richtplan soll Zürichs Wachstum unter anderem durch Verdichtung entlang der lauten Achsen stattfinden. Das funktioniert gerade nicht.