us de hütige schweiz am sonntag:
interessant: Die Flyers gelten heute in der Branche als die grössten Lohntreiber der Liga.
Das Gipfeltreffen der Milliardäre
Das Duell zwischen den ZSC Lions und den Kloten Flyers geht weit über den Sport hinaus. Vor uns entfaltet sich ein Sittengemälde des Zürcher Kapitalismus.
VON KLAUS ZAUGG
Nie zuvor standen sich im Playoff-Final zwei Hockey unternehmen gegenüber, die von Milliardären präsidiert werden. Walter Frey (ZSC; geschätztes Vermögen: 1,5 bis 2 Milliarden Franken) gegen Philippe Gaydoul (Kloten; 1 bis 1,5 Milliarden). Beide haben tradi tionsreiche Hockeyunternehmen vor der Pleite gerettet. Beide haben sie zurück zum Erfolg geführt. Zum Gipfeltreffen der Milliardäre.
Die Gegensätze müssten gering sein. Logisch wäre es, wenn Philippe Gaydoul gestern dem ersten Finalspiel im Hallenstadion in der Loge von Walter Frey beigewohnt hätte. ZSC-Manager Peter Zahner sagt jedoch auf Anfrage, das sei nicht der Fall gewesen.
Während in Zeiten der unbegrenzten Mobilität die Unterschiede der Mentali täten immer geringer werden und auch das Zürcher Derby fast nur noch von Mythen und imaginären Gegensätzen und nicht mehr von tatsächlichen Unterschieden lebt, gibt es auf allerhöchster Ebene einen Kampf der kapitalistischen Kulturen: Walter Frey (69) verkörpert altes Geld. Den diskreten protestantischen Kapitalismus. Philippe Gaydoul (42) personi fiziert neues Geld. Den rauen Kapitalismus des 21. Jahrhunderts.
Simon Graf, der jeder Polemik ab holde Hockey-Chef des «Tages Anzeigers», hat den Unterschied zwischen den zwei Hockey-Milliardären so beschrieben. «Phi lippe Gaydoul kann sich bei Walter Frey, seinem Pendant bei den ZSC Lions, einiges abschauen, wie man eine Organisation führt. Frey hält sich betont im Hintergrund und orientiert sich an Prinzipien. Das Wichtigste davon ist, Menschen mit Respekt zu behandeln. Nicht wie Schachfiguren.»
Starker Tobak. Und doch treffend. Walter Frey gelingt es 1997, die so unterschiedlichen Kulturen der Stadtzürcher Klubs GC und ZSC zu verschmelzen. Weil er behutsam vorgeht. Er überzeugt als Integrationsfigur auch die grössten Gegner dieser Verschmelzung. Als sportlichen Architekten holt Frey seinen damaligen SVP-Nationalratskollegen Simon Schenk. Nach wie vor kümmert sich Schenk um das Farmteam GCK Lions. Schenk hat eine der grössten Juniorenabteilungen Europas aufgebaut. Die ZSC Lions bilden rund 700 Junioren aus. Weil sie mehr und mehr eigene Spieler in die erste Mannschaft einbauen und Ausbildungsentschädigungen für Spieler einnehmen, die in der ganzen Nationalliga verstreut sind, wird das Defizit von Jahr zu Jahr kleiner. Loyalität und Kontinuität prägen den Führungsstil von Frey.
Gaydoul nimmt bei der Rettung der Kloten Flyers im Sommer 2012 wenig Rücksicht auf die dörfliche Kultur und sonstige Befindlichkeiten. Er drückt bei der Übernahme den Preis nach amerikanischer Manier. Er ist keine Integrationsfigur. Sein erster Personalentscheid ist die Ent lassung der Integrationsfigur Felix Hollenstein aus einem laufenden Vertrag. Mit einer Mannschaft, gut genug für den Final, stürzten die Flyers im Frühjahr 2013 ins Playout.
Klotens grosser Zampano versöhnt sich schliesslich stilgerecht im Rahmen eines Formel-1 GP im Morgenland mit dem charismatischen Leitwolf der Klotener. Jetzt hat Felix Hollenstein das Team als Cheftrainer in den Final geführt. Personelles Hüst und Hot prägt den Führungsstil von Gaydoul. Geld ist ja kein Problem. Die Flyers gelten heute in der Branche als die grössten Lohntreiber der Liga. Insider schätzen das Jahreseinkommen von Klotens Torhüter Martin Gerber (inkl. Handgeld bei Vertragsunterzeichnung) auf rund 700 000 Franken. Der Emmen taler wäre damit der teuerste NLA-Spieler aller Zeiten. Ende Saison sorgen Frey und Gaydoul dafür, dass das Minus beglichen wird. Siebenstellig ist es in Zürich wie in Kloten. Kenner schätzen, dass das Defizit inzwischen in Kloten doppelt so hoch ausfallen könnte.
Das Publikum wird kaum registrieren, wenn Frey sein Präsidentenamt abgibt. Er teilt seine Loge im Hallenstadion mit dem wohlhabenden Unternehmer Peter Spuhler und ist so gut vernetzt, dass es einen nahtlosen Übergang geben wird. In Kloten dürfte sich die Nachfolgeregelung dereinst schwieriger gestalten. Kritiker monieren, Gaydoul trage zur dörflichen Kultur, die Kloten zum dienstältesten Team der Liga gemacht hat (seit 1962 in der NLA), zu wenig Sorge. Die Loyalität zum Präsidenten, ein wesentliches Merkmal der ZSC-Kultur, ist in Kloten jedenfalls nicht so ausgeprägt. Ehemalige Präsidenten erzählen die bissigsten Gaydoul-Anekdoten.